In der zweiten Februarhälfte meldete die Statistik-Agentur Tadschikistans, dass die Bevölkerung der Republik 10,721 Millionen Menschen ausmache und im Jahr 2025 um 215.000 Menschen gewachsen sei. Das Wirtschaftswachstum wurde mit 8,4 Prozent ausgewiesen, die Inflationsrate lag bei 3,5 Prozent und die offizielle Arbeitslosigkeit – bei 2,1 Prozent (58.600 Menschen). Die Statistik erlaubt den Offiziellen, ein reales Bild von der Lage der Dinge zu erhalten und Führungsentscheidungen zu treffen. In einer Reihe von Fällen sind Manipulationen mit den Statistik-Zahlen unmöglich – zum Beispiel, wenn in einer Familie neun Kinder sind, so kann man deren Anzahl nicht ändern. Zur gleichen Zeit bezeichnet die Agentur die realen und offiziell registrierten Menschen, die keine Arbeit haben, als arbeitslose. Benannt wird es natürlich richtig, doch dies sind unterschiedliche Begriffe. Daher ist ein Unterschied spürbare, und Zweifel an anderen Zahlen der Statistik bleiben.
Fragen an die Agentur ergeben sich, da die reale Zahl der Arbeitsmigranten, die im Ausland Arbeit suchen, die Zahl der registrierten Arbeitslosen (als solche bezeichnet man nur jene, die sich an das Arbeitsamt gewandt haben) um ein 10faches übersteigt. Dabei löst die Tadschikistan-Prognose der in Kasachstan dislozierten Eurasischen Entwicklungsbank vom September vergangenen Jahres Unverständnis aus: „…In 30 Jahren kann der Export von Arbeitskräften durch das Land auf null zurückgehen“. Doch der realen Lage der Wirtschaft nach zu urteilen, wird es nicht klappen, in 30 Jahren eine Null-Arbeitsmigration zu erwarten. Und die Worte „auf null zurückgehen“ ähneln eher einem Eintauchen der Leser in das Erwarten einer lichten Zukunft. Die Arbeitsmigration aus Tadschikistan wird auch nach einigen Generation nicht aufhören, zumal sie selbst in den entwickelten Ländern ein bedeutsamer Teil des globalen Migrationsprozesses bleibt.
Heute ist die Situation solch eine, dass die Arbeitsmigration (sprich: die Gastarbeiter) aus Tadschikistan der Republik 45 Prozent des BIP erbringen. Und alle dort geborenen muss man ja verpflegen, anziehen, ausbilden und ihnen eine Arbeit geben. In der „Nationalen Entwicklungsstrategie Tadschikistans bis zum Jahr 2030“ ist das Ziel ausgewiesen worden, den Anteil der Mittelklasse bis auf 50 Prozent zu bringen (wen man zur Mittelklasse zu rechnen hat, ist allerdings unklar). In ihr wird gleichfalls hervorgehoben, dass „die Zunahme der Bevölkerungszahl im arbeitsfähigen Alter in der Republik Möglichkeiten für eine Beschleunigung des Wirtschaftswachstums schaffen wird“. Aber „glatt war es auf dem Papier“. Und es ist bereits klar, dass bis zum Jahr 2030 (wie dies in der Strategie ausgewiesen wurde) bei weitem nicht alle 100 Prozent der Kinder in Tadschikistan eine abgeschlossene Mittelschulausbildung besitzen werden.
Urteilt man entsprechend der Ende der 1970er in China verabschiedeten „Politik eines Kindes“, die 35 Jahre lang verfolgt wurde, sind Schlussfolgerungen auf dem Gebiet der Demografie subjektive. Daher ist in der „Strategie-2030“ völlig richtig betont worden: „…Wenn Tadschikistan keine bestimmten Anstrengungen unternimmt, wird sich das „demografische Fenster der Möglichkeiten“ in ein „Fenster einer demografischen Gefahr“ verwandeln. Je, dem ist so. Das Bevölkerungswachstum zieht eine Massenarbeitslosigkeit nach sich, einen Mangel an Lebensmitteln. Boden, Wasser und anderen Ressourcen. Daher darf man sich nicht besonders über das Wachstum begeistern.
In den Ländern Zentralasiens erinnert man sich mitunter eines lustigen und nicht beleidigenden Scherzes: Als man 1971 in Katar Erdöl und Gas fand, hat ein Beduine innerhalb von 30 Jahren die Einwohner zu reichen Menschen gemacht. Und in der zentralasiatischen Region gibt es gleichfalls große Vorräte an Bodenschätzen. Und jetzt sucht man dort eben jenen Beduinen. Hinsichtlich der Bodenschätze und des Potenzials der Landwirtschaft ist Tadschikistan ein reiches Land. Und eine große Anzahl von Kindern (umso mehr von Söhnen) wird in den tadschikischen Familien gleichfalls üblicherweise als ein Reichtum angesehen. Nicht zufällig sind die Menschen besonders in den ländlichen Gegenden bestrebt, weitaus mehr Kinder zu haben, als heute in den entwickelten Ländern geboren werden. Wenige erinnern sich, wie in der Sowjetzeit tausende Frauen Tadschikistans, die acht bis zehn Kindern zur Welt gebracht und erzogen hatten, mit Orden und dem Titel „Heldenmutter“ ausgezeichnet wurden. Ihre Namen hatten alljährlich ganze Zeitungsseiten gefüllt. Heute genießen die großen Familien gleichfalls eine Unterstützung des Staates und Achtung in der Gesellschaft. Die hohe Geburtenrate in Zentralasien ist direkt mit den traditionellen Werten und der Kultur verbunden.
Derweil sind im Jahr 2018 Experten der Weltbank, die die Verbindung von Wirtschaft und Demografie untersucht hatten, zu dem Schluss gekommen, dass Armut und die Flucht vor Arbeitslosigkeit in eine Arbeitsmigration eine Folgen des hohen Tempos des demografischen Wachstums sind, und empfahlen, die Geburtenrate in der Republik zu begrenzen. Gerade deshalb billigte Tadschikistans Regierung im Jahr 2019 ein staatliches Programm für die reproduktive Gesundheit. Doch unter den sich herausgebildeten Bedingungen erweisen sich jegliche der Bevölkerung vorgeschlagenen Maßnahmen zur Veränderung der Haltung gegenüber der delikaten demografischen Situation als keine einfachen. Daher müssen die Wege für eine Anhebung der Lebensqualität der Bevölkerung begründete, verständliche und von der Bevölkerung akzeptierte sein.
Beim Tangieren von Demografie-Fragen macht es Sinn anzumerken, dass sich die demografische Situation in Tadschikistan entsprechend den gleichen Gesetzen verändert, denen entsprechend die menschliche Zivilisation evolviert. In seinem Buch „Paradoxe des Wachstums. Gesetze der globalen Entwicklung der Menschheit“ bewies der Doktor der Physik und Mathematik Sergej Kapiza eine für alle gemeinsame Gesetzmäßigkeit. Genauso wie sich die Demografie der entwickelten Länder veränderte, vollzieht sich in den Ländern Zentralasiens einschließlich Tadschikistans im 21. Jahrhundert ein schnelles Bevölkerungswachstum mit dem Erreichen eines „Plateaus“ und einer sich anschließenden Verringerung der Geburtenrate. In der gegenwärtigen Etappe zieht dies einen Mangel an Ressourcen und wirtschaftliche Probleme bis hin zu möglichen sozialen Erschütterungen nach sich. Zur gleichen Zeit wächst das in die Weltwirtschaft integrierte und mit anderen Ländern Errungenschaften von Wissenschaft und Technik austauschende Tadschikistan wie auch die anderen technologisch.
Gerade sie, die modernen Technologien, werden erlauben, die Probleme des Bevölkerungswachstums zu lösen und die Lebensqualität zu verbessern. Eine Reie von Wissenschaftlern nimmt an, dass eine Stabilisierung und folgende Verringerung der Bevölkerungszahl unweigerlich zu einem Aussterben der Population führen würden. Glücklicherweise gibt es unter den internationalen Spitzenkräften praktisch keine Selbstmörder und Unzurechnungsfähige. Und das Wichtigste, was von den Herrschenden auf allen Etappen der Veränderung der Bevölkerungszahl gefordert wird, ist eine vernünftige Verwaltung der Menschen- und Naturressourcen. Natürlich vollziehen sich die Veränderungen nicht schnell, doch die neueste Geschichte verweist auf die Tendenz zu einer Verringerung der Geburtenrate und Bevölkerungszahl. Daher macht es Sinn, der Meinung zuzustimmen, dass die Wurzeln der gegenwärtigen Probleme Tadschikistans in dem geringen Lebensniveau und Bildungsstand liegen. Und dieses Niveau ist ein Hindernis auf dem Weg zur Entwicklung der Wirtschaft.
Genauso wie auch andere arme Länder hängt Tadschikistan heute von auswärtigen Geldeinnahmen und den Arbeitsmigranten ab. Und unter den Bedingungen des Mangels an modernen Technologien bringen Armut und Element Pauperismus hervor. Dennoch macht es Sinn zu wiederholen, dass in der Republik genauso wie auch in den anderen Entwicklungsländern nach einer Stabilisierung eine Verringerung der Bevölkerungszahl folgt. Bis zu dieser Zeit wird sich in der Welt eine absolut andere Gesellschaft etablieren. Und die internationalen Führungskräfte werden verstehen und begreifen, dass die Wurzel der Probleme nicht im Mangel an Ressourcen liegt, sondern in den Prinzipien ihrer Nutzung. Nachdem sich solch ein Begreifen durchsetzt, verlieren die internationalen Konflikte um Ressourcen und Einfluss an Sinn. Allerdings werden sich die Nachfahren von der Richtigkeit der Prognose von Sergej Kapiza nicht bald überzeugen. Und Tadschikistan steht bisher wie auch allen anderen Ländern die Lösung der aktuellen drängenden Aufgaben bevor.
Das Ziel des vorliegenden Beitrags besteht nicht darin, ein weiteres Mal die Probleme des demografischen Wachstums aufzuzählen. Die sind gut bekannt. Ein frischer Blick auf die Demografie Tadschikistans besteht nicht in einem Wechsel der Bilder, nicht in einer Begeisterung über die hingemalten Zahlen und in einem Verschweigen der Probleme, sondern in einem neuen Begreifen und einer Anerkennung der Rolle der Arbeitsmigration, in einem Revidieren des Bildungssystems, in der Nutzung der Erfahrung von Ländern mit ähnlichen Problemen, aber auch in einer komplexen Reform der Wirtschaft. Im Business gibt es die Regel: In einem krisengeschüttelten Unternehmen setzt man eine äußere Verwaltung ein. In Bezug auf krisengeschüttelten Staaten wird keine äußere Verwaltung etabliert, da sie über eine Souveränität verfügen und es ein ganzes Spektrum von Mechanismen für eine Sanierung der Länder gibt. Laut einer Prognose der Internetseite populationpyramid.net wird die Bevölkerung Zentralasiens von den gegenwärtig 85 Millionen Menschen bis auf 150 Millionen Menschen bis zum Ende des Jahrhunderts wachsen. Und wenn es heute in Tadschikistan keine soziale Explosion gibt, wird man einen Rückgang der Geburtenrate nicht früher als im 22. Jahrhundert erwarten können. Wenn sich aber das „Fenster der Möglichkeiten“ in ein „Fenster von Bedrohungen“ verwandelt, wird man die Autoren der Krise sofort finden.