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Das Rating des Präsidenten steigt – Soziologen machen es möglich


Das russische staatliche Meinungsforschungszentrum VTsIOM behauptet, dass zu einer operativen Reaktion der Bürger auf die Pressekonferenz von Wladimir Putin am 23. Dezember eine Zunahme des Vertrauens gegenüber dem Präsidenten gleich um mehrere Prozent geworden sei. Die gleichfalls als kremlloyale eingeordnete Stiftung „Öffentliche Meinung“ (FOM) versichert ihrerseits, dass die Befragten einer aktuellen Umfrage mehr die Ereignisse um die Ukraine und nicht die Situation mit COVID-19 oder die anstehende Einführung von QR-Codes für gegen das Coronavirus geimpfte Bürger interessieren würden. Gleichfalls wird offeriert, den Soziologen zu glauben, nach deren Worten ein immer geringerer Anteil der Befragten die Zunahme der Preise bemerken würde. Augenscheinlich nur, weil sie immer stärker die Tätigkeit der Herrschenden billigen würden.

VTsIOM und die Stiftung „Öffentliche Meinung“ sind in ihrem Optimismus hinsichtlich der Haltung des Volkes gegenüber den Herrschenden eigentlich nicht allein. Das Levada-Zentrum (das in der Russischen Föderation als ein „ausländischer“ Agent eingestuft worden ist) hat beispielsweise gerade am 23. Dezember gleichfalls einen Anstieg des Ratings von Putin fixiert.

Diese Meinungsforscher haben auch noch ausgewiesen, dass innerhalb eines Monats die Anzahl der Befragten von 46 bis auf 48 Prozent zugenommen habe, die erklärt hätten, dass das Land den richtigen Weg beschreite. Daher ist die Zunahme des entsprechenden Parameters für den Präsidenten um eben diese Größe – von 63 bis auf 65 Prozent – vom Prinzip her logisch. Genauso wie auch die Zunahme des Vertrauens ihm gegenüber gleichfalls um zwei Prozent. Freilich, das Levada-Zentrum präzisiert, dass die geringe Basis für solch eine Haltung weiterhin bestehe – ganze 29 Prozent entsprechend den Ergebnissen einer offenen Frage, das heißt ohne Angabe möglicher Antworten.

Die Berechnungen von VTsIOM, die in der Woche bis zum 23. Dezember vorgenommen wurden, würden mit der Meinung des „ausländischen“ Agenten übereinstimmen, wenn es nicht die operative Umfrage über die Haltung zu Putin entsprechend seiner großen Jahrespressekonferenz gegeben hätte. Daher ist zum Beispiel die einprozentige Zunahme bei der Billigung bereits durch einen Anstieg um ganze sechs Prozent von den vorangegangenen 59,5 Prozent abgelöst worden. Genau solch eine Operation ist auch mit der Messung des Vertrauens vorgenommen worden. Wenn man die Wochen Mitte Dezember vergleicht, so ergibt sich nur eine geringe Zunahme – von 63,6 bis auf 64,7 Prozent. Schaut man sich aber die gesamte Zeitspanne im Kontext der Umfrage bezüglich des 23. Dezembers an, so ergibt sich, dass das Präsidentenrating auf einem Stand von 66,9 Prozent liegt, das heißt, um mehr als drei Prozent angestiegen ist.

Somit bemüht sich das staatliche Meinungsforschungsinstitut VTsIOM, die Bürger davon zu überzeugen, dass das Staatsoberhaupt auf maximale Weise auf all ihre Sorgen und Erwartungen reagiert hätte. Mit dem kann man ja auch nicht streiten, da dies die Umfrageergebnisse bestätigen. Dabei klappt es schon nicht, solch eine Behauptung zu verifizieren, da aufgrund der russischen Neujahrsferien die allwöchentlichen soziologischen Umfragen fast vollständig eingestellt werden (eine Ausnahme wird eventuell die Neujahrsbotschaft von Putin darstellen, zumal sie durch markige Worte viele Russen an den Fernsehbildschirmen zu beeindrucken wusste – Anmerkung der Redaktion). Und nach den Feiertagen wird man Änderungen des Ratings nach oben oder nach unten in Abhängigkeit von neuen Ereignissen interpretieren können.

Jedoch noch weiter als VTsIOM ist FOM beim Konstruieren der Realität gegangen. Da machte man sich keine Mühen mit der Untersuchung des Einflusses der Putin-Pressekonferenz auf die Hirne der Bürger Russlands, sondern gab einfach jene Antworten, die sich in den heutigen Kontext der positiven Trends einfügen. Wobei die Bewertung der Tätigkeit des Präsidenten laut der jüngsten FOM-Umfrage nicht besser geworden ist. Im Gegenteil, die Zahl jener Befragten hat etwas zugenommen, die über die Arbeit des Staatsoberhauptes sagten, dass sie „eher eine schlechte“ sei. Mehr noch, laut den FOM-Zahlen ist das Vertrauen gegenüber Putin um ein Prozent bis auf 56 Prozent gesunken.

Allem Anschein nach aber sind solche Messungen jetzt nicht mehr als einer gewissen wissenschaftlichen Tradition geschuldet. Den politischen Aspekt ihrer Untersuchungen stellt die Stiftung „Öffentliche Meinung“ ohne irgendwelche überflüssigen Erläuterungen dar. Da gibt es beispielsweise solch eine Behauptung, dass die größte Aufmerksamkeit der Befragten im Wochenverlauf die Situation um die Ukraine ausgelöst habe. Und auf den Plätzen 2 und 3 sind COVID-19 und die Vorschläge der Herrschenden zur Einführung von QR-Codes für gegen das Coronavirus geimpfte Bürger. Politisch am stärksten engagiert sieht der Teil der soziologischen Untersuchung aus, der die Meinungen hinsichtlich der Preissteigerungen im Land fixiert. Da ist auch bei FOM völliger Optimismus zu beobachten. Die Zahl der Befragten, die eine Zunahme der Kosten für Lebensmittel und Dienstleistungen ausgemacht hätten, sei wesentlich, um drei Prozent zurückgegangen. Und insgesamt gar um fünf Prozent hinsichtlich der meisten Positionen. Scheinbar wollen die Soziologen die Offiziellen mit einer positiven Aufnahme ihrer mühseligen Arbeit in den Massen erfreuen. Die Teilnehmer solcher Umfragen aber befürchten allem nach zu urteilen immer mehr und mehr, dass als erste sich ihre Antworten Vertreter des Inlandsgeheimdienstes und ähnlicher Strukturen anschauen. Und da beginnen sie halt, für alle Fälle Optimismus auszustrahlen.