Die Stagnation der Wirtschaft der Russischen Föderation werde mindestens zwei Jahre andauern. Entsprechend dem Ergebnis für dieses Jahr werde das Wachstum des BIP sogar geringer als das offizielle einprozentige Wachstum im Jahr 2025 ausfallen. Solche Prognosen haben am Vorabend des Internationalen Petersburger Wirtschaftsforums Spezialisten von zwei Institutionen vorgelegt – aus dem Institut für volkswirtschaftliche Prognostizierung der Russischen Akademie der Wissenschaften und aus der Organisation für Wirtschaftszusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Gegenwärtig liegt die Prognose für das Wirtschaftswachstum Russlands entsprechend den Ergebnissen von 2026 bei 0,5 oder 0,7 Prozent, was sich im Bereich des statistischen Fehlers befindet.
Die aktualisierte Regierungsprognose nimmt an, dass sich das BIP in diesem Jahr um 0,5 Prozent verringern oder um 0,4 Prozent wachsen werde. Solche Zahlen sind im konservativen und im Basisszenario der Regierung für das Jahr 2026 fixiert worden. Unabhängige Analytiker stimmen der Regierung der Russischen Föderation dahingehend zu, dass die wirtschaftliche Dynamik schlechter als die des vergangenen Jahres sein werde, obgleich sie auch optimistischere Zahlen für ein Wachstum des BIP nennen.
Allerdings hat der Unterschied in den Prognosen von einem oder zwei Zehnteln in den Prozentzahlen keine besondere Relevanz, da solch eine Streuung mit der statistischen Fehlerrate vergleichbar ist.
„Anfang des Jahres 2026 hat der volatile Charakter der Wirtschaftsparameter wesentlich zugenommen. Der wirtschaftliche Rückgang im Januar und Februar wurde durch eine Wiederherstellung der Wirtschaftsaktivität im März abgelöst“, erinnern die Spezialisten aus dem Institut für volkswirtschaftliche Prognostizierung der Russischen Akademie der Wissenschaften. Solch ein volatiler Charakter wirkt sich auf die stabilen negativen Tendenzen des Rückgangs des Ausstoßes im Fonds schaffenden Sektor – im Bauwesen, in der Baustoffindustrie, der Schwarzmetallurgie und in einer Reihe von Maschinenbaubereichen – aus. Andauern wird auch der negative Druck auf die finanzielle Lage der Unternehmen des realen Sektors aufgrund des langen Zeitraums der harten Geld- und Kreditpolitik.
„Im ersten Quartal des Jahres 2026 verringerte sich der Index der Fertigung der Basiswirtschaftsbranchen um 0,7 Prozent, und die Herstellung von Konsumgütern ohne Berücksichtigung der Lebensmittelproduktion (außer der Herstellung von Erdölprodukten) verringerte sich um 3,8 Prozent. Eine analoge Situation ergibt sich hinsichtlich der Dynamik der Investitionsnachfrage in Bezug auf Maschinen und Anlagen sowie in Bezug auf die Inlandsproduktion“, betonen die Wirtschaftsexperten des erwähnten Instituts. Sie erwarten, dass die Zunahme der Weltpreise für Rohstoffwaren Russland helfen wird, einen Wirtschaftsrückgang zu vermeiden, und das Wachstum des BIP werde 0,7 Prozent ausmachen. Somit werde die Tendenz zur Verlangsamung des Wachstumstempos der russischen Wirtschaft in diesem Jahr fortgesetzt werden, Aber selbst solch eine symbolische Zunahme des BIP entsprechend den Jahresergebnissen zu gewährleisten, werde nicht einfach werden. Um solch ein Wachstumstempo nach einer Dynamik des BIP um null Prozent im ersten Halbjahr zu erreichen, ist eine ernsthafte Belebung der Wirtschaft im dritten und besonders im vierten Quartal notwendig, betonen die Analytiker. In ihren Berechnungen nehmen sie, dass die Blockierung der Straße von Hormus in der zweiten Hälfte dieses Jahres aufgehoben wird, wonach wahrscheinlich eine Verringerung der Exportpreise und eine Stagnation der Devisenerlöse aus dem Export in den Jahren 2027-2029 erfolgen werden. Dabei wird eine schrittweise Normalisierung der Geld- und Kreditpolitik angenommen, obgleich die Inflationsrate beständig über dem Ziel der Zentralbank unter dem Einfluss einer fließenden Entwertung des Rubels und eines schnelleren Wachstums der Verbrauchernachfrage bleiben wird.
Das inerte bzw. träge Szenario vermutet ein recht langsames Herauskommen aus dem Stadium einer Abkühlung der Wirtschaft. Erst im Jahr 2029 könnte das Wachstumstempo der russischen Wirtschaft zwei Prozent übersteigen, nimmt man im Institut für volkswirtschaftliche Prognostizierung an.
Jedoch erscheint der Preis der Überlegungen über ein Wachstum der russischen Wirtschaft im Jahr 2029 kein zu hoher aufgrund der Unbestimmtheit des Ausgangs vieler militärischer Konflikte in der Welt, in die auch Russland involviert ist, zu sein.
Laut Prognosen des ausgewiesenen Akademieinstituts könne der Etat in diesem Jahr seine Einnahmen erhöhen, was uns erlauben werde, eine Krise der Staatsausgaben zu umgehen.
„Laut unseren Schätzungen erlaubt das Ausgleichen der Situation mit den Etateinnahmen im März und April, die Notwendigkeit einer Revision des geplanten Niveaus der Etatausgaben im laufenden Jahr zu umgehen. Bei einer Stabilisierung der internationalen Ölpreise nicht unter 65 Dollar je Barrel im Durchschnitt und im Verlauf des Jahres und des Devisenkurses auf einem Stand von 80 Rubel je Dollar wird die Dynamik der Einnahmen, die nicht durch Erdöl und Erdgas erzielt werden, für den konsolidierten Haushalt eine ausreichende sein, um vollkommen den Rückgang der Einnahmen durch Erdöl und Erdgas (um 19 Prozent im Vergleich zum Jahr 2025) zu nivellieren und eine Zunahme des Umfangs der Einnahmen von mindestens zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu erhalten“, erwarten die Experten. Laut ihren Prognosen könne die russische Staatskasse eine Zunahme der Einnahmen um 19 Prozent hinsichtlich der Gewinnsteuer, um 15 Prozent in Bezug auf die Einkommenssteuer der natürlichen Personen und um 19 Prozent hinsichtlich der Mehrwertsteuer erhalten.
Am Mittwoch stellte die Organisation für Wirtschaftszusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ihre Szenarios und Prognosen vor, die stark von den Fristen für die Lösung der Krise um die Straße von Hormus abhängen.
„Unter Berücksichtigung der außerordentlich unbestimmten Situation und dessen, wie sehr die Wirtschaftsperspektiven vom Erreichen einer stabilen Konfliktregelung abhängen, sind in der vorliegenden Wirtschaftsübersicht zwei verschiedene Szenarios für die Entwicklung der Weltwirtschaft im Verlauf der nächsten 18 Monate vorgestellt worden. Diese Szenarios werden in erheblichem Maße durch die Entwicklung der Energiekrise und durch die für das Erreichen einer stabilen Konfliktregelung erforderlichen Zeit bestimmt“, heißt es in der entsprechenden Mitteilung der OECD.
Das negative Szenario erwartet eine Unmöglichkeit des Erreichens eines Friedensabkommens mit dem Iran bis zum Jahr 2027. In diesem Fall werden die gegenwärtigen Störungen in der Produktion und im Export von Energieträgern in den Ländern des Persischen Golfs bis zur zweiten Hälfte des Jahres 2027 andauern. Mit einer großen Wahrscheinlichkeit wird ein wesentlicher Mangel an Energieträgern auftreten, aber auch an Agrar- und Industrieerzeugnissen. Die Weltpreise für Energieträger und Düngemittel werden weitaus höher im Verlauf eines langen Zeitraums sein. Die finanziellen Bedingungen werden signifikant verschärft. Und das Vertrauen der Haushalte und Unternehmen wird wesentlich geschwächt werden. In solch einen negativen Szenario prognostiziert die OECD eine spürbare Verlangsamung des globalen Wachstumstempos bis auf 2,1 Prozent im Jahr 2026 und bis auf 1,8 Prozent im Jahr 2027, was zu einer Rezession führen wird oder zu einer Annäherung der Volkswirtschaften einer Reihe von Ländern zu ihr.
Das optimistische Szenario erwartet eine schnelle Beendigung der Krise um die Straße von Hormus. Die Produktion und der Handel mit Energieträgern in den Golfstaaten werden schrittweise zum Stand von vor dem Konflikt ab dem dritten Quartal des laufenden Jahres zurückkehren. In diesem Fall werde das Wachstum der Weltwirtschaft in diesem Jahr 2,8 Prozent ausmachen, im Jahr 2027 3,1 Prozent.
Für Russland haben die Experten der OECD die Prognose hinsichtlich des Wachstums unserer Wirtschaft bis auf 0,5 Prozent im laufenden Jahr zurückgeschraubt. Im März hatte die OECD ein Wachstum des russischen BIP entsprechend den Ergebnissen des laufenden Jahres um 0,6 Prozent erwartet.