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Den staatlichen Auftraggebern droht ein Mangel an einheimischen Computern


Das Wachstum der Industrieproduktion im Land verlangsamt sich den dritten Monat in Folge. Der verarbeitende Sektor hinkt dem Fördersektor hinterher. Den Angaben der russischen Statistikbehörde Rosstat nach zu urteilen, befindet sich die Fertigung von Computern unter den hauptsächlichen Outsidern. Dieser Sektor gehört auch zu Liste jener mit einem hohen Grad überfälliger Schulden, wie Angaben des Instituts für volkswirtschaftliche Prognostizierung der Russischen Akademie der Wissenschaften belegen. Dabei müssen sich die Hochtechnologie-Hersteller auf die Nachfrage der staatlichen Auftraggeber in Bezug auf einheimische Anlagen vorbereiten, die die Regierung stimuliert.

Unter den Hauptarten der Förder- und verarbeitenden Industriezweige wurde die Fertigung von Computern, elektronischen und optischen Erzeugnissen zu einem der wichtigsten Außenseiter. Sie brach im August auf das Jahr hochgerechnet um fast 25 Prozent ein, folgt aus Rosstat-Angaben.

Wenn man separat über Computer, deren Bauteile und Zubehör spricht, so hat der Rückgang der Fertigung im August ebenfalls 25 Prozent auf das Jahr hochgerechnet erreicht. Und im Zeitraum Januar-August ist diese Fertigung fast um zehn Prozent im Vergleich zum analogen Zeitraum des Vorjahres zurückgegangen. Die Herstellung von Computern verringert sich in der Russischen Föderation bereits den vierten Monat in Folge. Dies sind Angaben, die sich nicht auf die tatsächlichen Stückzahlen, sondern die Finanzparameter beziehen. Wie in Rosstat präzisiert wurde, sei hinsichtlich der Positionen, die aus der Gesamtheit verschiedenartiger Erzeugnisse bestehen (nicht nur fertige Computer, sondern auch deren Bauteile), die korrektere Maßeinheit die in Bezug auf die Kosten und Preise.

Dabei war, wie aus Angaben des eingangs erwähnten Akademieinstituts mit Stand vom August folgt, die Herstellung von Computern sowie elektronischen und optischen Erzeugnissen unter den Sektoren mit einem hohen Grad an überfälligen Schulden. Sie beliefen sich auf rund 24 Prozent. Dabei ist in dem Sektor insgesamt eine Zunahme der Kreditverschuldung zu beobachten – auf das Jahr hochgerechnet um 15 Prozent.

Der Rückgang der Herstellung von Computern erfolgte bei einer bisher positiven Dynamik der Industrieproduktion. Obgleich sich das Industriewachstum insgesamt bereits den dritten Monat in Folge verlangsamt. Dabei hinkt der verarbeitende Sektor, der im August ein auf das Jahr hochgerechnetes Wachstum von etwa drei Prozent demonstrierte, spürbar dem Fördersektor mit einem Wachstum um 6,4 Prozent (auf das Jahr hochgerechnet) hinterher. Es macht gleichfalls Sinn zu betonen, dass sich nicht alle Arten der High-Tech-Fertigungen derzeit im Minusbereich befinden. So hat die Fertigung von Halbleitergeräten und deren Bauteile im August eine Steigerung von 52 Prozent im Vergleich zum analogen Monat des Jahres 2020 vorgelegt (in diesem Fall weist Rosstat Angaben zur Fertigung in Stückzahlen aus).

Im Herbst wird die Verlangsamung allem nach zu urteilen andauern. Im September hat der Index des Industrie-Optimismus, der durch das Gaidar-Institut für Wirtschaftspolitik berechnet wird, „den für das laufende Jahr wesentlichsten Rückgang demonstriert, wobei er auf den Stand vom Juni-Juli zurückkehrte“. Im Institut wies man auf die drastische Verlangsamung der Zunahme der Nachfrage hin. Dabei offenbare sich eine Ungewissheit der Unternehmen hinsichtlich eines völligen und endgültigen Sieges über die durch das Coronavirus ausgelöste Krise.

Wenn man aber über Bewertungen des Computer-Marktes in konkreten Stückzahlen spricht, so sind laut Angaben von Analytikern der Firma IDC beispielsweise im gesamten Jahr 2020 fast sechs Millionen Stück Tisch- und mobile PCs auf den russischen Markt gebracht worden, was fast zwölf Prozent mehr als im Jahr 2019 war. Im Jahr 2019 wurde der PC-Markt in Russland mit 5,3 Millionen Stück geschätzt, was um etwa 8 Prozent unter den Werten von 2018 lag.

Laut Angaben, die man der „NG“ in der Assoziation der Entwickler und Hersteller von Elektronik vorlegte, wurden in Russland im Jahr 2020 ca. 266.000 Systemblöcke für PCs und Monoblöcke, aber auch beinahe 151.200 Laptops und Tablet-PCs hergestellt. Doch auf den Anteil der Anlagen gerade mit russischen Prozessoren entfielen im ersten Fall lediglich rund 0,2 Prozent und im zweiten Fall – 0 Prozent.

Im laufenden Jahr kann von einer Herstellung in der Russischen Föderation von bereits mehr als 691.000 PC-Systemblöcken und Monoblöcken mit einem Anteil von Geräten mit russischen Prozessoren von 0,7 Prozent gesprochen werden, folgt aus Angaben der erwähnten Assoziation. Dabei können im Jahr 2021 nur 121.000 Laptops und Tablets hergestellt werden, von denen die mit russischen Prozessoren 0,02 Prozent ausmachen werden.

Und dies vor dem Hintergrund dessen, dass die Regierung zur gleichen Zeit verstärkt die Nachfrage der staatlichen Auftraggeber gerade nach russischen Computergeräten stimuliert. Ende August bestätigte die Regierung einen Beschluss auf Vorschlag des Ministeriums für Industrie und Handel, der ein Verbot für staatliche Einkäufe importierter integrierter Mikroschaltkreise, Smart-Karten, Laptops, Tablets, Computer, Server und lichttechnischer Produkte einführt.

Laut einem anderen Regierungsbeschluss müssen seit dem 1. Januar 2021 die von den staatlichen Auftraggebern eingekauften Systeme zur Datenspeicherung auf russischen Prozessoren basieren, seit dem 1. Juli – die Laptops, Tablets, Pocket-PCs usw. Und ab 1. Januar kommenden Jahres – die Tisch-PCs und Monoblöcke, Monitore, Drucker, Scanner usw. Danach tauchten jedoch Mitteilungen über die Erörterung eines Aufschubs für die Forderungen bis zum Jahr 2023 auf.

Wie Schamsudin Sinijew, Vizepräsident des Russischen Ingenieurverbands, erläuterte, könne der Rückgang der Herstellung von Computern in der Russischen Föderation mit Problemen bei den Lieferanten der Bauteile in der Zeit der Lockdowns, die zu einer Unterbrechung in den logistischen Ketten für die Montage des Endproduktes führten, zusammenhängen.

Die Nachfrage nach Computern, aber auch nach Druckern, Kopiergeräten, Scannern usw. sei eine große. Ihre Herstellung sei aber im Land nicht im vollen Maße organisiert worden. Es gebe nicht alle erforderlichen Bauteile, nicht durchgespielt seien die Kooperationsketten. Es mangele letztlich auch an Vertrauen gegenüber den einheimischen Erzeugnissen seitens des Verbrauchers, zählte Iwan Andrijewskij, Sprecher des Engineering-Unternehmens „2K“, auf.

Die Pandemie, die Veränderung der Lieferketten und das Mining von Kryptowährungen hätten sich auf die Herstellung und den Verkauf von Computern ausgewirkt, pflichtete der Experte des Engineering-Zentrums SafeNet der Nationalen technologischen Initiative Igor Bederow bei. Er betonte gleichfalls: „Es ist wichtig zu verstehen, dass es in Russland praktisch keine Fertigung von Computern gibt, wenn man einmal nicht die Montage aus ausländischen Bauteilen und geringer Beistellungen in Gestalt eines einheimischen Mikroprozessors unter einem russischen Markennamen in Betracht zieht“.

„Im Rahmen jener Technologien, die bereits in Serie genutzt werden, kann unsere Industrie die geforderte Anzahl von Prozessoren herstellen“, vermutete Anton Sklowez, Analytiker des Unternehmens „Freedom Finance“. „Wenn wir aber von einem vollwertigen Computer sprechen, wo es einen Anteil von importieren Bauteilen gibt, kann es Störungen bei den Lieferungen geben“. Nach seiner Meinung könne gerade dieser Faktor die Erfüllung eines staatlichen Auftrages verkomplizieren.

„Die staatlichen Auftraggeber werden ab 1. Januar 2022 Tisch-PCs nur auf der Basis einheimischer Prozessoren einkaufen dürfen. Seit dem 1. Juli gilt diese Regel in Bezug auf mobile Computer. Aber da gibt es ein Problem: Unter das Verbot fällt auch andere ausländische Technik. Monitore, Kassentechnik, die an einen PC oder ein Netz für Datenübertragung angeschlossen wird, multifunktionale Geräte, Kopierer und Scanner, Kommunikationsanlagen, Wach- und Brandschutz-Meldeanlagen, akustische, Navigations- und Messgeräte, Tomografie- und Röntgengeräte, endoskopische Komplexe und EKG-Geräte“, zählte Dozent Alexander Timofejew vom Lehrstuhl für Informatik der Russischen G.-V.-Plechanow-Wirtschaftsuniversität auf. „Anhand der Liste wird klar, dass das gesamte Innere, dies sind praktisch eben jene Komponenten wie auch in einem Computer. Und die Hersteller dieser Erzeugnisse haben begonnen, Bauteile im großen Umfang einzukaufen“.

Wenn man mit dem August vergangenen Jahres einen Vergleich anstellt, so ist die Produktion von Computern – ja – um ein Viertel eingebrochen. Insgesamt jedoch gebe es über das Jahr Fortschritte, fuhr Timofejew fort. „Es werden neue Fertigungsstätten eröffnet. In Russland hat die Herstellung von Computern eine bestellte Ausrichtung. Es gibt einen Vertrag, folglich gibt es eine Fertigung. Die interessantesten Richtungen sind die Fertigung von Leiterplatten, das Maschinelle Sehen (Computer Vision), interaktive Panels, Tracker und Sensoren sowie Rechentechnik“. Die russische Industrie sei bisher nicht imstande, allen staatlichen Auftraggebern die erforderliche Anzahl von Tisch-PCs auf der Basis einheimischer Prozessoren anzubieten, doch nach Aussagen des Experten werden sich die Situation ab dem kommenden Jahr möglicherweise verändern.