Alle in Russland existierenden Wirtschaftsindikatoren für das Business-Klima demonstrieren eine drastische Verschlechterung im Februar dieses Jahres. Es brechen nicht nur die auf Befragungen von Unternehmen basierenden Indikatoren ein, die das russische Statistikamt ROSSTAT und die Zentralbank veröffentlicht. Eine erhebliche Verschlechterung des Wirtschaftsklimas in Russland zeigen auch Berechnungen des Zentrums für strategische Entwicklungen, die nicht nur Befragungen von Unternehmen einschließen, sondern auch objektive Indikatoren: den Rückgang der Investitionen, der Industrieproduktion und des BIP. Die derzeitige Verschlechterung des Wirtschafts- und Business-Klimas ist nur mit der Krise in der Zeit der COVID-Pandemie von 2020 oder des Beginns der sogenannten militärischen Sonderoperation Russlands in der Ukraine vergleichbar.
Die Wirtschaft werde im Jahr 2026 schneller als im Vorjahr wachsen. Derart ist das Basisszenario der Regierung für das Jahr 2026. Und das Industriewachstum werde im Jahr 2026 um das Anderthalbfache größer als im vergangenen Jahr sein, hatte man in der Regierung der Russischen Föderation geplant.
Zum heutigen Tag gibt es jedoch nicht ein einziges Zentrum, dessen Analytiker eine Verbesserung der Wirtschaftssituation oder zumindest deren Stabilisierung seit Beginn dieses Jahres fixierten. Selbst in den optimistischsten Berichten der Zentralbank (deren Beamten sich nicht als die Autoren der handgemachten Wirtschaftskrise in der Russischen Föderation anerkennen wollen) werden eine „Verlangsamung“ und eine „Verringerung der Bewertungen für das Business-Klima“ im Januar und Februar des Jahres 2026 konstatiert.
Der zusammengefasste Indikator für das Business-Klima (IBK) von der Zentralbank hat sich ununterbrochen in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres verschlechtert. Und erstmals seit dem Jahr 2022 ist dieser Indikator in den Minus-Bereich abgerutscht. Der IBK der Bank Russlands gibt die tatsächlichen und zu erwartenden Veränderungen im Bereich der Produktion und der Nachfrage wieder, die auf der Grundlage von Einschätzungen der Unternehmen bestimmt werden. Die Erwartungen seien Einschätzungen der Unternehmen hinsichtlich der Dynamik der Parameter in den nächsten drei Monaten, beginnend ab dem Monat der Vornahme der Befragung, erläutern die Beamten der Zentralbank. Die aktuellen Bewertungen für das Business-Klima in der Russischen Föderation sind von -4,3 im Januar bis auf -9,4 im März zurückgegangen. Die schlechtesten aktuellen Bewertungen für das Business-Klima hatte die Zentralbank nur im Jahr 2020 in der Zeit der Corona-Krise fixiert. Die derzeitigen Bewertungen für den Umfang der Produktion und des Warenumsatzes sowie der Dienstleistungen erwiesen sich im März gleichfalls auf einem minimalen Stand (minus 8,9) seit den Zeiten des Einbruchs der Wirtschaft in der Zeit der Pandemie. Eine ähnliche Tendenz einer ununterbrochenen Verschlechterung fixiert auch ROSSTAT bei der Berechnung seines „Indexes der Unternehmer-Zuversicht“. Dieser Index von ROSSTAT ist eine Balance von positiven und negativen Einschätzungen der Unternehmensmanager für die zu erwartende Herstellung von Erzeugnissen, für die faktische Nachfrage und die aktuellen Restbestände an Fertigerzeugnissen.
Der Index der Unternehmer-Zuversicht“ von ROSSTAT in den Förder-Branchen (sprich: im Bergbau) ging im Februar 2026 um 1,1 Prozentpunkte bis auf minus 7,0 Prozent zurück. Im verarbeitenden Sektor sackte der Index für die Zuversicht imm Februar 2026 um 0,1 Prozentpunkte ab und machte 0,4 Prozent aus. ROSSTAT hatte im Februar 2026 5500 Organisationen, die nicht zum Kleinunternehmertum gehören, untersucht.
Im Januar 2026 verringerte sich das BIP um 2,1 Prozent auf das Jahr hochgerechnet nach einem Ansteigen um ein Prozent im Dezember vergangenen Jahres. Die Verringerung des Parameters wurde in Vielem durch saisonbedingte und Kalenderfaktoren ausgelöst. Der kältere Winter führte zu einer Verringerung der Bauarbeiten, und die Anzahl der Arbeitstage war um zwei Tage geringer als im analogen Zeitraum des Vorjahres. Unter Berücksichtigung des Kalenderfaktors betrug der Rückgang des BIP 0,8 Prozent, berechneten Analytiker des Zentrums für strategische Entwicklungen. Die Industrie demonstrierte im Januar einen Rückgang um 0,8 Prozent auf das Jahr hochgerechnet. Unter anderem war praktisch in allen Sektoren (in 20 von 24 Branchen) der verarbeitenden Industrie ein Produktionsrückgang zu beobachten.
Im März sackte der Indikator für das Business-Klima des Zentrums für strategische Entwicklungen erstmals seit September 2022 bis auf einen Minuswert (bis auf -0,1 Punkte) im Zusammenhang mit der Verschlechterung der aktuellen Bewertungen für die Nachfrage nach Erzeugnissen und für den Umfang der Produktion an Erzeugnissen ab.
Im ersten Quartal des laufenden Jahres haben rund ein Drittel (31 Prozent) der Teilnehmer einer langfristigen Untersuchung eingestanden, dass sie die Möglichkeit einer Schließung oder eines Verkaufs des Business erwägen würden, erklären Analytiker unter Verweis auf Daten der Stiftung „Öffentliche Meinung“ und der in Moskau ansässigen Wirtschaftshochschule.
Bemerkenswert ist, dass ungeachtet der symbolischen Senkung des Leitzinses um 0,5 Prozent bis auf 15 Prozent durch die Zentralbank die realen Bedingungen für eine Kreditvergabe in der Russischen Föderation nur schlechter werden. „Der Mittelwert für die Zinsen auf Kredite für das Business (mit einer Laufzeit von bis zu einem Jahr) ist im Januar 2026 bis auf 18,3 Prozent nach 18 Prozent im Dezember vergangenen Jahres angestiegen“, informierte man im Zentrum für strategische Entwicklungen.
Zu Jahresbeginn verringerte sich das Kredit-Portfolio des Business, was mit dem Tilgen der Anleihen durch die Unternehmen unter den Bedingungen des für das Jahresende traditionellen Beendens von Verträgen und des Erhalts des Hauptumfangs an Zahlungen verbunden sein konnte. Im Segment der nicht abgesicherten bzw. gedeckten Vergabe von Verbraucherkrediten war vor dem Hintergrund der Neujahrsfeiern eine Zunahme zu beobachten. Jedoch hat sich der Umfang der Auto-Kredite unter den Bedingungen eines Ansteigens der Preise für Autos nach der planmäßigen Anhebung der Recycling-Abgaben verringert.
„Die reine Zins-Marge des Bankensektors wächst seit Beginn des Zyklus der Lockerung der monetären Politik. Die Kreditzinsen gehen langsamer zurück als der Leitzins“, beschreibt man im Zentrum für strategische Entwicklungen die Gesamttendenz für die Veränderungen der Finanzbedingungen in der Russischen Föderation.
Die Haupthindernisse für ein Wachstum des Business sind die geringe Nachfrage, die hohen Kreditkosten, aber auch die Zunahme der Unkosten. Die geringe Nachfrage als Haupthindernis für das Wachstum nennen 41,7 Prozent der befragten Unternehmer. Genau ein Drittel der Befragten verweisen auf die hohen Kreditkosten als Haupthindernis. Die Zunahme der Unkosten als Hauptbarriere nannten 14 Prozent der Unternehmen.
Die hauptsächlichen inländischen Herausforderungen für ein langfristiges stabiles Wachstum seien die Haushaltsbeschränkungen, die Zunahme der Konkurrenz mit den Importen und eine Verlangsamung der Investitionen, erklärte Russlands Minister für Wirtschaftsentwicklung, Maxim Reschetnikow.