In Astana hat am 22. April ein zweitägiges Regionales Ökologie-Gipfeltreffen unter der Ägide der UNO begonnen, das Präsidenten und Regierungschefs Zentralasiens und des Südkaukasus vereinte. Parallel erfolgt eine Tagung der Gründer des Internationalen Fonds für die Rettung des Aral-Sees, in deren Verlauf die Teilnehmer Fragen – begonnen beim Klimawandel und akuten Wassermangel bis zur katastrophalen Versandung des Kaspischen Meeres und des Aral-Sees – diskutieren.
Bei der Begrüßung der Summit-Teilnehmer in Astana am Tag der Erde unterstrich Kasachstans Präsident Qassym-Schomart Tokajew die gemeinsame Verantwortung der Region für die Zukunft des Planeten. Er erklärte, dass Ökologie nicht nur das Klima, sondern auch die Grundlage für die Existenz der Menschheit sei, die saubere Luft, Wasser, den Boden und die Nahrungsmittel umfasse. Nach Aussagen des Staatsoberhauptes „muss die Zusammenarbeit auf einer Partnerschaft, auf Vertrauen und einer gemeinsamen Verantwortung – ohne eine öffentliche Verurteilung, Vorwürfe und Anschuldigungen – beruhen“. Er betonte, dass nicht ein Land in der Lage sei, selbständig mit den globalen Herausforderungen fertigzuwerden.
Nach seinen Worten erinnere der Aral-See bis zum heutigen Tag streng an die Folgen einer unrationellen Politik. Der Aral-See, der sich einst über 68.000 Quadratkilometer ausgedehnt hatte, verringerte sich innerhalb weniger Jahrzehnte um das 15fache (um mehr als 90 Prozent), wobei er sich in zwei kleine Seen verwandelte. Einer befindet sich in den Grenzen Usbekistans, der andere in den Grenzen Kasachstans. Und die einstige Wasseroberfläche verwandelte sich in die neue Salzwüste Aralkum (mit einer Fläche von etwa 60.000 Quadratkilometern – Anmerkung der Redaktion). Tokajew betonte, dass es Kasachstan gelungen sei, rund 36 Prozent des Nördlichen Arals wiederherzustellen, wobei die Wasserqualität verbessert, die Fischbestände vergrößert und das Lebensniveau der Bevölkerung erhöht wurde. Doch die Austrocknung und Versandung des Arals würden im Verlauf des nächsten halben Jahrhunderts andauern, meint Pjotr Sawjalow, stellvertretender Direktor des P.-P.-Schirschow-Instituts für Ozeanologie der Russischen Akademie der Wissenschaften.
Eine nicht weniger kritische Situation ergibt sich an den Ufern des Kaspischen Meeres, das fünf Anrainerstaaten – Kasachstan, Russland, Aserbaidschan, den Iran und Turkmenistan – zählt. Dieses Gewässer, das eine kolossale wirtschaftliche und ökologische Bedeutung besitzt, trocknet schon zwei Jahrzehnte lang unumkehrbar aus. Die Küstenlinie ist stellenweise um 35 Kilometer zurückgewichen. Ökologen schlagen Alarm, wobei sie auf die kritische Wasserverschmutzung und katastrophale Verringerung der Population der endemischen Kaspi-Robben um fast 90 Prozent hinweisen.
Derweil sei, wie der Politologe Derja Karajew der „NG“ sagte, eine existenzielle Herausfürderung für das gesamte Einzugsgebiet des Amudarjas der Bau des Bewässerungskanals Kusch-Tepa in Nordafghanistan. „Politiker und Wasserbeamte der Region sagen, dass der Kusch-Tepa-Kanal des Wasserwirtschaftskomplex von Usbekistan und Turkmensitan keinen wesentlichen Schaden zufügen würde, wobei sie darauf verweisen, dass auch Afghanistan ein „Recht auf eine Entwicklung Wasser“ und einen legitimen Anteil des Wassers für Bewässerungszwecke habe. Und dass sich die Länder am Unterlauf des Flusses mehr mit einem sparsamen Wasserumgang befassen müssten. All dies ist so. „Doch es gibt da mindestens eine Frage, auf die nicht ein Beamter eine Antwort gegeben hat und die die Politiker und Politologen sorgfältig verschweigen. Was tun mit dem stark mineralisierten Dränage-Wasser, das in der Zone der Bewässerung Kusch-Tepa im Norden Afghanistans entsteht und in den Amudarja gelangt, was zu katastrophalen Folgen für das gesamte Becken der Amudarja-Region führt, die bereits von der UNO als eine ökologische Unglückszone anerkannt worden ist?“, hob Karajew hervor.
Ungeachtet der vereinten Appelle der Staatschef der drei Länder an Afghanistan zu einem Zusammenwirken im Rahmen des internationalen Wasserrechts sind nach wie vor keine realen Schritte für eine Regelung der Situation unternommen worden.
Der Politologe denkt, dass diese Frage aufgrund einer gewissen politischen Korrektheit nicht aufgeworfen werde. Dies bedeute aber nicht, dass es kein Problem gibt. „Dieses Dränage-Wasser wird nicht nur eine erhöhte Konzentration an Salzen aufweisen, sondern auch Rückstände von Düngemitteln und giftigen Chemikalien. Und sie werden in den Amudarja bis zu den Hauptentnahmestellen von Wasser des Karakum-Kanals gelangen, der Wasser in die Binnenregionen Turkmenistans und Maschinenkanäle Usbekistans, die das Wasser des Amudarjas in die Bewässerungsgebiete bringen, transportiert. Ganz zu schweigen vom gesamten Unterlauf des Amudarjas. Die Umweltschützer sprechen schon lange diese Frage an, doch Politiker und Politologen umgehen sie sorgfältig. Doch gerade dieser Faktor wird in der nächsten Zukunft die ökologische Situation im Amudarja-Becken bestimmen. Unabhängig von der Menge des Wassers in ihm wird sich dessen Qualität ständig verschlechtern“, unterstrich Derja Karajew.
Umweltschützer warnen, dass auch ein anderer nicht weniger wichtiger Faktor existiere, der für den mittleren und Unterlauf des Amudarja unvorhersehbare Folgen nach sich ziehen werde. Die Verringerung der Wassermenge aufgrund der Entnahme von Wasser durch den Kusch-Tepa-Kanal und aufgrund der Errichtung des Rogun-Wasserkraftwerks führt zu einer Verringerung der transportierten Wassermengen des Amudarjas, eines der schmutzigsten Flüsse der Welt. Überdies wird auf den unvorhersehbaren Charakter der sich absetzenden Schwebestoffe im Flusslauf hingewiesen, besonders unterhalb des Einmündens des Wachsch (ein Quellfluss des Amudarja – Anmerkung der Redaktion). In diesem Zusammenhang werden Voraussetzungen für das Entstehen von Aufstauungen, besonders im Gebiet der turkmenischen Kelif-Bergschlucht, bis hin zu einem Unterspülen des linken Ufers und des Zurückweichens des Amudarja zur Karakum-Wüste geschaffen.
Wie Spezialisten erklären, müsse man ungeachtet des phantasmagorischen Charakters solch einer Behauptung berücksichtigen, dass der gegenwärtige Flusslauf des Amudarja bereits an der Grenze eines Schwellenzustands aufgrund der sich abgelagerten Schwebestoffe und der Veränderung seines Flusslaufs balanciere. Dies sei lediglich eine Sache der Zeit. Und oft wird dies nur durch ein Eingreifen des Menschen aufgehalten.
„Das Problem solcher Tagungen wie das jetzige Gipfeltreffen in Astana ist deren absolutes Fehlen konkreter Ergebnisse, die Unfähigkeit, die realen Gefahren und Herausforderungen zu formulieren, was ein Ausbleiben klarer Ziele nach sich zieht. All dies bringt eine Vielzahl von bürokratischen Strukturen internationalen und nationalen Maßstabs hervor“, ist der Politologe überzeugt.
Unter anderem hat Tokajew vorgeschlagen, eine solcher Strukturen zu etablieren – eine Internationale Wasserorganisation als eine Agentur der UNO.