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Der Rapper Morgenstern ist zum Judentum gekommen


Der russische Rapper Morgenstern weilt im Moskauer jüdischen Gemeindezentrum in Marina Rostscha. Er besuchte einen Laden für jüdische Literatur beim Verlag „Knishniki“ (deutsch: „Die Buchgelehrten“), machte sich mit der Synagoge bekannt und traf sich mir Russlands Chefrabbiner Berl Lazar. Er besuchte ebenfalls das Jüdische Museum und das Zentrum für Toleranz. Das heißt, er lief über ein erhebliches Territorium, denn diese Einrichtungen der Föderation der jüdischen Gemeinden Russlands befinden sich in unterschiedlichen Gebäuden, die ein ganzes Viertel einnehmen.

Wie man der „NG“ in der Gemeinde mitteilte, schenkte man dem Musiker Bücher – eine Ausgabe der Thora (die fünf Bücher Moses), „Die Erlangung des Himmels auf Erden. 365 Überlegungen des Rebbes“ und „Theorie und Praxis der universellen Ethik. Gesetze für die Nachfahren Noahs“. Ausgehend vom Inhalt des letzteren dieser Bücher kann man die Schlussfolgerung ziehen, dass man Morgenstern nicht als einen Juden anerkannt hat, aber den Wunsch bekundete, dass er erfährt, wie die jüdische Tradition das geistliche Leben anderer Völker sieht.

Soweit der „NG“ bekannt ist, hat Rabbiner Berl Lazar sich die Kompositionen von Mrgenstern nicht angehört. Man hatte ihm erklärt, wer dies ist und was für einen Platz er im Popularitätsrating der Jugend einnimmt. Wie man der „NG“ in der Gemeinde erläuterte, sei die Thematik der Songs von Morgenstern den Juden Moskaus keine nahe. Sie würden jedoch die Bedeutsamkeit dieser öffentlichen Figur begreifen.

„Viele zeigten sich erstaunt, warum Russlands Chefrabbiner Berl Lazar den Rapper „Morgenstern“ bei sich empfangen hatte. Wieso auf einmal? Was hat dieser Mensch merkwürdigen Aussehens mit den Juden zu tun, mit der Tora, dem Glauben an Gott?“ kommentierte dieses Ereignis der Pressesekretär des Rabbiners Gerschon Kogan. „Erstens sind wir offen für die Welt, wir empfangen alle, die sich für unsere Werte interessieren. Wir sehen darin unsere Mission. Und zweitens ist ein Mensch (besonders ein Künstler) oft komplizierter und mannigfaltiger als seine Bühnenmaske, seine Rolle. Alischer Tagirowitsch Morgenstern hat selbst Interesse für die jüdische Gemeinde und die jüdischen Traditionen bekundet.“

„Nein, er ist kein Jude“, fuhr Kogan fort, wobei er die in solch einer Situation unweigerlichen Fragen vorwegnahm. „Aber den Nachnamen hat er vom Großvater genommen, der ihn seinerzeit in die Synagoge von Ufa mitgenommen hatte, als er ein kleiner war“.

Der Kommentar hat sich als ein nicht unnötiger erwiesen. In den sozialen Netzwerken hatte eine heftige Diskussion begonnen. Es gab sowohl billigende als auch verurteilende Reaktionen, darunter seitens der mit der Föderation der jüdischen Gemeinden Russlands konkurrierenden jüdischen Organisationen. Einige können es nicht fassen, dass sich der Chefrabbiner mit einem Interpreten getroffen hat, der sich durch ein herausforderndes Verhalten auszeichnet, nicht normgerechte Lexik (Schimpfwörter etc.) verwendet und so viel wie möglich merkantile Werte „preist“.

Alischer Tagirowitsch Morgenstern ist jedoch bei der TikTok-Generation sehr populär. Und die Bewegung der Lubawitscher Chassidim, die die Föderation der jüdischen Gemeinden Russlands vereint, verwendet traditionell unterschiedliche, darunter nichttriviale Formen, um auf sich aufmerksam zu machen. Interessant ist, ob Morgenstern denn gern auch in anderen Gebetshäusern der Juden Moskaus verweilen möchte. Gemäß einer bekannten Anekdote unternimmt ein Jude, wenn er irgendeine Synagoge besucht, nicht einen Schritt in eine andere. Aber hat Morgenstern genug jüdischen Geist nach nur einem Gespräch mit dem Rabbiner (Berl Lazar) aufgesogen?