Was erwartet Europa in der nächsten Zukunft? Die Frage ist keine unnütze und betrifft nicht nur die Mitglieder der europäischen Gemeinschaft, sondern auch die nächsten Nachbarn der EU, deren Partner und Verbündeten. Die Sache ist die, dass Europa (wie allerdings auch die Welt) mit Herausforderungen konfrontiert wird, die auf den ersten Blick einen teilweise regionalen Charakter tragen, aber dennoch globale Folgen haben.
Europäische Politiker, urteilt man beispielsweise anhand von Erklärungen deutscher Staatsfunktionäre, rufen dazu auf, einen Krieg gegen Russland bis zur Erschöpfung zu führen. Eine derartige Meinung hatten die Länder der Achse bereits in der Zeit des Zweiten Weltkriegs geäußert. Und dies führte letzten Endes zur Niederlage Deutschlands.
Die heutigen Nahost-Ereignisse haben diese Regel bestätigt. Das Setzen beispielsweise von Berlin auf Lieferungen von Kohlenwasserstoffen aus Katar und anderen Nahost-Ländern hat sich unter den Bedingungen der Blockade der Straße von Hormus durch den Iran als ein unbegründetes erwiesen und die Preise in Deutschland drastisch in die Höhe getrieben. Laut Aussagen einiger Analytiker könne eine Fortsetzung der Blockade der genannten Meerenge im Verlauf mehrerer Monate den Preis für ein Barrel Erdöl bis auf 200 Dollar ansteigen lassen.
Mehr noch, die Streitigkeiten über die Quellen von Lieferungen von Energieressourcen in die EU-Länder haben bereits eine Blockierung des 20. Pakets antirussischer Sanktionen ausgelöst. Faktisch geht es bereits um einen Kampf gegen Tendenzen zu einer föderativen Ordnung Europas.
Die Ereignisse im Nahen Osten haben der EU nicht nur Meinungsverschiedenheiten im Zusammenhang mit der Notwendigkeit eines Funktionierens der nationalen Volkswirtschaften der ihr angehörenden Staaten beschert, sondern auch die Frage nach der Effektivität der NATO-Militärstruktur aufgeworfen. Die ganze Sache hat ihre Ursache in der Ablehnung der führenden europäischen Mitglieder der Nordatlantischen Allianz, an einer Deblockierung der Straße von Hormus zusammen mit den USA teilzunehmen. Bisher bekundet der Präsident der USA nur Gereiztheit aufgrund der Ablehnung Deutschlands und der anderen führenden Verbündeten der Vereinigten Staaten (und nicht nur in Europa), Kriegsschiffe für eine Begleitung von Handelsschiffe, und vor allem von Tankern, in dieser Region zu entsenden.
Es scheint aber, dass im Ergebnis all dieser Prozesse auch ein anderes Szenario möglich ist. Wenn angenommen wird, dass es gelingt, den militärischen Konflikt in der Ukraine mithilfe der USA bis Oktober zu regeln, ergeben sich für die Republikanische Partei keine schlechten Chancen für die November-Wahlen zum Kongress (konkret es um alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus und um 35 der 100 Sitze im Senat – Anmerkung der Redaktion). Ein Verlust der Mehrheit der Republikaner in diesen gesetzgebenden Machtorganen eröffnet für die Demokraten die Möglichkeit zur Organisation eines Impeachments (Amtsenthebungsverfahrens) gegen denamtierenden US-Präsidenten Donald Trump.
Derweil besteht eine der realen Konsequenzen für die europäische und die Weltpolitik darin, dass Russland einen kompromisslosen Gegner in Gestalt von Deutschland erhält, dass zur militärischen Hauptkraft in Europa wird. Erklärungen des deutschen Bundeskanzlers Friedrich Merz nach zu urteilen, ist er gerade zu einer prinzipiellen und permanenten Konfrontation mit Russland bereit. Es ist offensichtlich, dass die Bundesrepublik Deutschland Anspruch auf die Rolle des aus militärischer Sicht führenden europäischen Staates erhebt. Aber nicht nur darauf.
Deutschland wird – und ist es faktisch bereits geworden – zum ideologischen und politischen Orientierungspunkt für Polen und die baltischen Staaten. Und Russland wird sich für viele Jahre, wenn nicht gar für Jahrzehnte in einer Nachbarschaft mit Ländern befinden, die feindselig gegen es eingestellte sind.
Als einziger Hebel für eine Einflussnahme auf die widerspenstigen Verbündeten bleibt Trump neben Handelsstrafzöllen die Androhung einer Herabstufung der Teilnahme der USA an den Angelegenheiten der NATO. Denn, wenn, wie er erklärte, Europa den Konflikt mit dem Iran nicht für seinen Krieg halte, so sei der Konflikt mit der Ukraine auch kein Krieg der USA. Und eine völlige Einstellung der Unterstützung für die Ukraine seitens der Vereinigten Staaten würde möglicherweise katastrophale Folgen für das Kiew unterstützende Europa haben.