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Die aktuelle Bevölkerungszahl bleibt eine Verschlusssache


Die ins Land gegangene Woche wurde zu einer Sieben-Tage-Woche statistischer Berichte aus unterschiedlichen Institutionen.

Russlands Statistikamt Rosstat veröffentlichte weiter eingeschränkte Daten zur Armut im Land. Am vergangenen Mittwoch teilte es mit, dass im zweiten Quartal des laufenden Jahres die Armutsgrenze insgesamt für die Russische Föderation bei rund 17.800 Rubel im Monat (umgerechnet etwa 181 Euro) lag. Der Anteil der Bevölkerung Russlands mit Einkommen unterhalb der Armutsgrenze machte im zweiten Quartal sieben Prozent aus. Im Vergleich zum analogen Zeitraum des vergangenen Jahres (7,4 Prozent) verringert sich die Armut.

Die Daten von Rosstat ziehen aber jetzt nicht mit diesen Prozentzahlen die Aufmerksamkeit auf sich, sondern durch das Ausbleiben von Daten über die Anzahl der offiziell armen Bürger. Das ganze bisherige Jahr 2026 steht in der entsprechenden Zeile ein Strich.

Früher erlaubte das Vorhandensein von zwei Zahlen – der Anzahl der offiziell armen Bürger in Millionen Menschen und deren in Prozenten ausgewiesener Anteil – zu berechnen, wie groß die gesamte Bevölkerungszahl Russlands im Verlauf des Jahres ist.

Zum Beispiel hatte, urteilt man anhand den Tabellen, in denen Rosstat noch eine vollständige Armutsstatistik offen ausgewiesen hatte, im ersten Quartal des vergangenen Jahres die gesamte Bevölkerungszahl der Russischen Föderation rund 146,9 Millionen Menschen ausgemacht, und im vierten Quartal des gleichen Jahres lag sie bereits bei 145,8 Millionen Menschen.

Um augenscheinlich Fragen über solch heftige Schwankungen zu vermeiden, die entweder durch die statistische Fehlerrate oder durch andere Ursachen ausgelöst wurden, ist dieser Teil der Daten auch zu einer Verschlusssache gemacht worden.

Jedoch kann solch ein Verschweigen noch mehr Unverständnis auslösen, besonders wenn man berücksichtigt, dass die sensiblen Daten nicht zu Beginn der militärischen Sonderoperation aus dem offenen Verkehr genommen wurden (dies wäre noch zu erklären gewesen), sondern etwa nach vier Jahren, im Jahr der Staatsduma-Wahlen, in dem es gerade die passende Zeit ist, Rechenschaft über Zwischenergebnisse der Demografie-Politik abzulegen.

Das Ministerium für Wirtschaftsentwicklung hat in der vergangenen Woche über eine im August fixierte Deflation – über einen Rückgang von Preisen – informiert. Diese Deflation ist jedoch in Vielem eine formelle. Ausmachen kann man sie nur unter einen speziell eingestellten Statistik-Mikroskop. Im August seien die Preise im Land im Vergleich zum Juli um 0,08 Prozent zurückgegangen.

Die Monatsdeflation hat die Inflation nicht beeinflusst, die auf das Jahr hochgerechnet doch weiter an Tempo zulegt. Im August erreichte die Jahresinflation im Land laut Angaben des Ministeriums für Wirtschaftsentwicklung 6,33 Prozent nach 5,98 Prozent im Juli, 6,02 Prozent im Juni und 5,31 Prozent im Mai.

Der aktuelle Preisdruck hat sich in den letzten Monaten wesentlich verstärkt“, teilte am vergangenen Freitag die Zentralbank mit, wobei sie an die nach Drohnen-Attacken zeitweilig ausgefallenen Produktionskapazitäten erinnerte.

Dies seien einmalige Faktoren, die die Geld- und Kreditpolitik nicht beeinflussen könne, gestand die Zentralbank ein. Sie könne und müsse aber auf deren sekundären Auswirkungen reagieren und nicht zulassen, dass die einmalige Beschleunigung der Inflation nicht zu einer stabilen Tendenz ausartet, erläuterte ZB-Chefin Elvira Nabiullina auf einer Pressekonferenz am Freitag. „Dafür ist die Bewahrung moderat strenger Geld- und Kreditbedingungen notwendig. Wir haben mehrfach gesagt, dass eine Verringerung des Leitzins keine automatische sein könne. Sie erfordert bestimmte Voraussetzungen“, präzisierte sie.

Und am 11. September hat die Zentralbank beschlossen, nicht den Leitzins zu verringern, womit er auf dem aktuellen Stand von 14 Prozent geblieben ist.

Russlands Finanzministerium veröffentliche eine vorläufige Schätzung zur Realisierung des föderalen Staatshaushaltes nach den ersten acht Monaten dieses Jahres. Entsprechend den Ergebnissen dieses Zeitraums ist der Staatshaushalt mit einem Defizit im Umfang von 2,5 Prozent oder fast 5,8 Billionen Rubel realisiert worden. Und dies bei einem gesetzlich für das gesamte Jahr 2026 bestätigten Haushaltsloch von 1,6 Prozent des BIP oder rund 3,8 Billionen Rubel.

Das föderale Haushaltsdefizit fügt sich bereits nicht in den für dieses Jahr abgesteckten Regierungsplan ein, da die bestätigten Parameter um etwas das 1,5fache überstiegen wurden.

Der problematischste Einnahme-Posten der Staatskasse bleiben die Einnahmen aus dem Export von Kohlenwasserstoffen. Entsprechend den Ergebnissen der ersten acht Monate dieses Jahres haben Öl- und Erdgas-Einnahmen für den föderalen Haushalt etwa fünf Billionen Rubel ausgemacht, womit sie im Vergleich zu den Vorjahreswerten des analogen Zeitraums fast um 17 Prozent eingebrochen sind.

Die Eskalation des Konflikts im Nahen Osten (Iran-USA, Jemen-Huthi-Saudi-Arabien) hat in der vergangenen Woche zu einem Ansteigen der Notierung für Erdöl der Sorte Brent geführt. Derzeit hat sich dessen Preis der Marke 110 Dollar pro Barrel genähert.

Für den russischen Staatshaushalt sind die hohen Preise für Energieträger ein positiver, gleichzeitig damit aber auch ein äußerst instabiler Faktor, was sowohl mit der Nichtvoraussagbarkeit der Entwicklung des Konflikts im Nahen Osten als auch mit der Beibehaltung des Discounts (des Rabatts) für russisches Erdöl zu erklären ist. Laut aktuellsten Schätzungen machte dieser Preisnachlass im August rund 20 Dollar pro Barrel der Marke Urals aus.