Die USA hätten keine Chancen, den ursprünglichen Zeitplan für die Landung ihrer Astronauten auf dem Mond einzuhalten, erklärte bei Anhörungen im amerikanischen Kongress der ehemalige Chef der National Aeronautics and Space Administration (die zivile US-Behörde für Raumfahrt, Luftfahrt und Weltraumforschung — NASA), Michael Griffin (war 2005 bis 2009 NASA-Administrator – Anmerkung der Redaktion). Nach seinen Worten sei das heutige amerikanische Mond-Programm eine sinnlose Anhäufung riskanter und unerprobter Technologien. Derweil sehe das chinesische Programm vernünftiger und realistischer aus. Der von Präsident Donald Trump anfangs favorisierte Jared Isaacman für das Amt des NASA-Chefs und seit dem 19. Dezember letzten Jahres nun bestätigte Leiter dieser US-Behörde verspricht, keinen Sieg Chinas im gegenwärtigen Run zum Mond zuzulassen. Die Chinesen aber erkennen die amerikanischen Leistungen auf dem Gebiet der Raketentechnik an, bemühen sich jedoch, sie zu wiederholen oder gar zu übertreffen. Den Russen, die schon längst ihre Spitzenpositionen in der Raketen- und Weltraumtechnik verloren haben, bleibt heute nur, den Wettlauf der Weltraum-Mächte von der Seite aus zu verfolgen.
Der frühere NASA-Direktor warnte, dass der derzeitige amerikanische Plan für eine Rückkehr von Astronauten auf den Mond technisch nicht realistisch sei. Und daher ruft er zu einem weitaus einfacheren Herangehen auf, das dem chinesischen analog ist. Und zwar zur einzigen arbeitsfähigen Form einer Teilnahme der USA an der Erschließung des Monds in einem Konkurrenzkampf mit China.
Das offizielle amerikanische Mund-Programm „Artemis“ „kann nicht funktionieren“, da es auf einer übermäßig komplizierten Konstruktion und einer Vielzahl unerprobter Technologien basiere. Dies erklärte bei Anhörungen im Kongress Michael Griffin, ein Flug- und Raumfahrtingenieur, der die NASA von 2005 bis einschließlich 2009 zu Zeiten der Präsidentschaft von George Bush Jr. geleitet hatte. „Die „Artemis-2“-Mission und andere müssen gecancelt werden. Und es macht für uns Sinn, von Neuem zu beginnen“, betonte Griffin bei den Anhörungen im Repräsentantenhaus.
Die Mission „Artemis-3“ mit einem Landen von Astronauten auf dem Mond ist offiziell für das Jahr 2027 geplant worden. Und zu Beginn des gerade begonnenen Jahres 2026 plant die NASA die „Artemis-2“-Mission – ein bemanntes Umfliegen des Monds mit einer Rückkehr zur Erde und unter Einsatz der superschweren Trägerrakete SLS (Space Launch System). Ein Start der superschweren Rakete kostet mehrere Milliarden Dollar. Und alle Kosten für das „Artemis“-Programm lagen über der 90-Milliarden-Dollar-Grenze. Obgleich die Administration von Donald Trump versucht, diese Kosten zu drücken.
„Wir haben viel Zeit verloren und können möglicherweise auch nicht auf den Mond zurückkehren, bevor die Chinesen ihre erste Landung vornehmen werden“, sagte der Ex-NASA-Chef. Nach seinen Worten sei eine erfolgreiche Landung von Astronauten auf dem Mond im Jahr 2027 praktisch unmöglich. „Sich an den Plan zu halten, ist wichtig, wenn dieser Plann einen Sinn hat. China hält sich an einen Plan, der Sinn hat. Wir aber verfolgen einen Plan, der keinen Sinn hat“, erklärte Griffin, den die englischsprachige Hongkonger Zeitung „South China Morning Post“, die heute der Alibaba Group gehört, zitierte.
Der von Präsident Trump lange favorisierte Milliardär Jared Isaacman behauptet, dass die USA China im Run auf den Mond übertrumpfen würden. „Amerika wird auf den Mond früher als unser großer Rivale zurückkehren. Und wir werden dort eine ständige Präsenz organisieren, um den Wert einer Präsenz auf der Mondoberfläche aus der Sicht der Wissenschaft, Wirtschaft und nationalen Sicherheit zu begreifen und zu realisieren“, geben Nachrichtenagenturen die Position von Isaacman wieder. Der jetzige NASA-Chef unterstrich, dass er mit einer Aufstockung der Investitionen für die Entwicklung von kernkraftgetriebenen Triebwerken mit einem Anvisieren „künftiger Mission zum Mars und über ihn hinaus“ rechne.
Im vergangenen September hatte „The New York Times“ berichtet, dass die USA der Volksrepublik China beim Run zum Mond verlieren und es nicht schaffen könnten, im Jahr 2027 auf dem Mond zu landen, wie dies Washington plane. Die Ursachen des möglichen Misserfolgs liegen in einem Nichteinhalten der vom Unternehmen SpaceX des amerikanischen Unternehmers Elon Mask anvisierten Termine.
Aber einen Sieger im neuen Run zum Mond auf der Grundlage einer ersten Landung zu erklären, wird zu einem Fehler. Wenn die Amerikaner dieses Mal später als die Chinesen auf dem Mond landen, aber als erste regelmäßige Fracht-Flüge für den Bau einer Mond-Basis organisieren, so kann die Frage nach einem Sieger durchaus aufs neue gestellt werden. Solange das Publikum einen Sieg entsprechend dem Datum eines Aufstellens der Staatsflagge auf der Mondoberfläche fixiert, sieht der Triumpf der Chinesen wirklich plausibel aus. Wenn aber von einer ständigen Mond-Basis gesprochen wird, so ist es noch zu früh, um einen Sieger zu bestimmen.
Die Chinesen können bisher nicht die Erfolge des amerikanischen Unternehmens SpaceX mit dessen schnellen wiederholten Starts einer teilweise mehrfach einsetzbaren Falcon-9-Rakete wiederholen.
Das nahe zur amerikanischen Falcon-9-Rakete analoge Modell, die chinesische Shenzhou-3-Rakete – hat am 3. Dezember 2025 einen teilweise erfolgreichen Flug absolviert. Die zweite Stufe mit einem nicht abzutrennenden Imitator einer Nutzlast war erfolgreich auf eine Umlaufbahn gebracht worden, doch die Landung der ersten Stufe scheiterte. Sie wurde in der letzten Etappe der Landung auf dem Erdboden zerstört und stürzte neben der Landefläche ab. Den Erfolg der amerikanischen teilweise mehrfach einsetzbaren Falcon-9-Rakete zu wiederholen, versucht das chinesische Privatunternehmen LandSpace.
Derzeit plant die NASA, bei der Erschließung des Monats nicht nur superteure Einweg-SLS-Raketen, sondern auch vollkommen mehrfach einsetzbare Starship-Raumschiffe des Unternehmens SpaceX einzusetzen, die sich bisher in der Testphase befinden. Ein notwendiges Element der künftigen Flüge — das Nachtanken im All – hat bisher noch nicht einmal die ersten Tests absolviert.
China aber plant, für die Flüge zum Mond die extrem schwere Rakete „Langer Marsch-10“ einzusetzen, die derzeit ebenfalls Tests durchläuft.
An den Versuchen, China zu überholen, nehmen auf der Seite der Amerikaner heute die staatliche Raumfahrtagentur NASA, aber auch die privaten Unternehmen SpaceX und Blue Origin teil. Letzteres demonstrierte das für Tests bereite Frachtgut-Mond-Landemodul Blue Moon Mark 1. Der Flug dieses Moduls zum Mond ist für dieses Jahr geplant.
Das Raumschiff Starship werde als erstes einen Flug zum Mond unternehmen. China gewinne nicht den Run zum Mond, erklärte im vergangenen Oktober der SpaceX-Gründer Elon Mask. Michael Griffin verweist jedoch darauf, dass das Mond-Landemodul des Unternehmens SpaceX zehn bis 20 Hilfsstarts von Tank-Raumschiffen für ein Nachtanken im All erfordere. Solch eine Kette von flankierenden Starts erhöhe das Risiko eines Scheiterns der ganzen Operation. Zum heutigen Tag gebe es auch keine Gewissheit hinsichtlich einer sicheren Aufbewahrung von Hunderten von Tonnen Kryogen-Treibstoff im All, betonte der einstige NASA-Direktor.