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Die Armenische Kirche verflucht sieben Generationen der Nachfahren Paschinjans


Die Offiziellen Armeniens haben die Durchführung eines Bischofskonzils der Armenischen Apostolischen Kirche (AAK) in Österreich platzen lassen. Ein Teil des obersten Klerus inklusive des Katholikos können aufgrund der gegen sie eingeleiteten Strafverfahren die Republik nicht mehr verlassen. Als Antwort hat die Kirche die Regierung mit einem Fluch belegt.

Der Anwalt Ara Sograbjan hat erklärt, dass man seinem Mandanten, dem Oberhaupt der AAK, Garagin II., verboten hat, die Republik zu verlassen. „Die Staatsanwaltschaft hat ein Strafverfahren gegen den Katholikos aller Armenier entsprechend dem Vorwurf der Verhinderung der Umsetzung eines Gerichtsentscheids, der mit Arman Sarojan (Bischof Gework, auch: Geworg) zusammenhängt, eingeleitet. Dies ist eine historisch schändliche Tat der Herrschenden “, erklärte Sograbjan.

In Etschmiadzin (Kloster und geistliches Zentrum der AAK) erklärte man, dass das Strafverfahren politisch motiviert sei. In der AAK ist man sich gewiss, dass Armeniens Premierminister Nikol Paschinjan so versuche, sich die Kirche zu unterstellen.

Außerdem hat der Klerus der Russischen und Neunachitschewaner Eparchie (Diözese) der AAK, die Erzas, der jüngere Bruder von Garegin II., leitet, aufgerufen, die Gegner des Katholikos zu verfluchen.

Dieser Tag ist im armenischen Kalender zu einem Tag der nationalen Schande und Abscheu geworden. All jene Menschen, die von einem verschwörerisch Geist, der Neigung zu einer Spaltung und antiarmenischen Neigungen angetrieben werden, werden heute in einem finsteren Licht dargestellt und sind für sieben Generationen lang zu verfluchen“, heißt es in einer Erklärung der Diözese.

Bekanntlich hatte Sarojan eine Klage gegen die AAK eingereicht, wobei er forderte, das Dekret des Katholikos über seine Suspendierung vom Amt des Oberhaupts der Masyatsotn-Diözese (mit Sitz in der armenischen Stadt Artaschat – Anmerkung der Redaktion) als ein ungültiges anzuerkennen. Das zuständige Gericht in der westarmenischen Stadt Armawir hatte die Klage angenommen und entschieden, dass Sarojan zumindest bis zum Ende der Untersuchungen im Amt wiederhergestellt werden müsse.

Garegin II. erfüllte diese Forderung nicht. Zuvor hatte er die Entlassung des Bischofs damit begründet, dass der seine Macht missbraucht hätte, wobei er seine direkten Pflichten nicht erfüllt und Druck auf seine Kollegen ausgeübt hätte. Sarojan ist unter anderem einer der zehn höchsten Kirchen-Hierarchen, die den Kampf von Nikol Paschinjan gegen den Katholikos unterstützen. Er ruft auf, ein Statut der AAK anzunehmen, das erlauben wird, den Katholikos zu entlassen.

Von der Entlassung Sarojans bis zum Strafverfahren gegen Garegin II. sind etwas mehr als zwei Wochen ins Land gegangen. Dabei ist der Katholikos nicht der erste Vertreter der AAK, dem man in dieser Zeit ein Verlassen des Landes auf der Grundlage einer angeblichen Behinderung der Umsetzung eines Gerichtsbeschlusses verboten hat. Solch ein Schicksal ereilte gleichfalls sieben Mitglieder des Obersten geistlichen Rates der AAK.

Derweil sei nach Aussagen von Anwalt Ara Gasarjan die Umsetzung von Gerichtsbeschlüssen eine normale Situation für Armenien. Bisher konnte man die Appelle der Justiz-Diener über Jahre hinweg ohne jegliche Konsequenzen ignorieren. Da es jetzt aber um die Armenische Apostolische Kirche geht, haben die Rechtsschützer begonnen, Strafverfahren mit einer blitzschnellen Geschwindigkeit einzuleiten. Im Zusammenhang damit hält Gasarjan ihre Aktivität für einen Teil der Antikirchenkampagne Paschinjans.

Der Premierminister macht keinen Hehl daraus. Am Vorabend der Einleitung des Strafverfahrens hatte er erklärt, dass das Oberhaupt der AAK beschlossen hätte, das Bischofskonzil in Österreich durchzuführen, da er hoffe, die Schätze von Etschmiadzin und das Katholikosat aus der Republik herauszubringen.

Die Initiative zur Einberufung der Bischofskonferenz außerhalb Armeniens zielt darauf ab, das Katholikosat der AAK aus dem Bestand Armeniens herauszubringen und ein Marionetten-Katholikosat in den Händen bestimmter Kräfte zu verankern, wobei es als ein Instrument gegen Armenien eingesetzt wird“, behauptete Paschinjan.

Es sei daran erinnert, dass das Konzil ursprünglich in Etschmiadzin vom 10. bis 12. Dezember stattfinden sollte. Doch im letzten Moment hatte Garegin II. Entschieden, die Veranstaltung für unbestimmte Dauer zu verschieben. Nach seinen Worten sei dies durch den Wunsch ausgelöst worden, Provokationen seitens der Herrschenden zu umgehen. Später wurde bekanntgegeben, dass die Veranstaltung vom 16. bis 19. Februar in Österreich stattfinden werde. Die gegenüber der Regierung loyalen Medien stempelten unverzüglich dieses Land als einen Hort der weltweiten Spionage ab. Und Garegin II. verdächtigte man einer neuen Verschwörung gegen Jerewan.

Dennoch ist sich Erzbischof Aikasun Nadscharjan gewiss, dass die Tagung der höchsten Führung der AAK trotzdem stattfinden werde. Nach Aussagen des Direktors des Departments für auswärtige Beziehungen und Protokollfragen von Etschmiadzin, Erzbischof Natan Owannisjan, werde dies ohne den Katholikos ein gewöhnliches Treffen von Bischöfen sein, bei dem sie aktuelle Fragen erörtern würden. Er versicherte gleichfalls, dass die Kirche nicht vorhabe, ins Ausland zu gehen. Garegin II. könne man aber festnehmen. „Ich sehe, dass heute in unserem Land alles möglich ist, wenn es einen politischen Willen gibt – zumindest einiger Leute“, resümierte Owannisjan.

Seinerseits verglich einer der Führer der Partei „Starkes Armenien“, Narek Karapetjan, Paschinjan mit dem polnischen Armenier Nikol Torosowitsch, der im 17. Jahrhundert gelebt hatte.

Er trat gegen die AAK auf, wollte die armenische Liturgie ins Latein übersetzen und säte Zwist unter den Armeniern. Die armenische Gemeinde Polens, die 150.000 Menschen zählte, hatte ihm geglaubt und änderte die Sprache der Liturgie. Und nur ganze zwei Generationen später hatte sich die Gemeinde assimiliert und war verschwunden“, erklärte Karapetjan.

Ungeachtet der Anschuldigungen verbrachte Paschinjan traditionsgemäß den Sonntagmorgen erneut in einer Kirche. Dieses Mal hatte er das mittelalterliche Kloster Owanawank ausgewählt, das Aram Asatrjan – noch ein Gegner von Garegin II. — leitet.