Russlands Präsident Wladimir Putin hat die Aufgabe gestellt, die Qualität der Ausbildung von Grundschullehrern zu erhöhen, „wobei unter anderem eine Erhöhung der Anzahl der Unterrichtsstunden, die für das Studium der russischen Sprache, der Literatur und der Methodik des Unterrichtens der russischen Sprache und des Lesens von Literatur in der Grundschule geplant werden, in den Ausbildungsprogrammen für eine pädagogische Hochschulausbildung vorzusehen ist“.
Mit der Umsetzung dieses Auftrags befasst sich die Regierung zusammen mit dem Präsidialrat für die Realisierung der Staatspolitik im Bereich der Unterstützung der russischen Sprache und der Sprachen der Völker Russlands. Außerdem werden sie Empfehlungen für die Hochschulen zur Bildung von Fakultäten für russische Sprache und Literatur, aber auch Vorschläge zur Einführung der Lehrdisziplin „Die russische Sprache als Staatssprache“ vorlegen.
Das Ministerium für Wissenschaft und Hochschulbildung der Russischen Föderation soll unter Beteiligung der Sankt-Petersburger staatlichen Universität bis zum 1. März 2027 einen Lehr- und methodischen Komplex ausarbeiten. Daneben wird der zuständige Präsidialrat gemeinsam mit dem Bildungsministerium der Russischen Föderation die Ausarbeitung spezieller Unterrichtshilfen für die außerunterrichtliche Tätigkeit in den neuen Regionen (die Donezker und die Lugansker Volksrepublik sowie die Verwaltungsgebiete Cherson und Saporoschje – Anmerkung der Redaktion) gewährleisten. Das Ministerium für Wissenschaft und Hochschulausbildung sowie die Gesellschaft „Znanie“ (deutsch „Wissen“) organisieren die Einrichtung einer Abteilung zum Studium der russischen Sprache und Literatur in der Bibliothek für digitale Bildungsinhalte – mit interaktiven Aufgaben und Videoaufzeichnungen von Vorlesungen. Dafür wird ihnen ein Zeitraum bis zum 1. September 2027 eingeräumt.
Es sei daran erinnert, dass der Berufsstandard heute drei Wege für einen Erhalt des Berufs eines Grundschullehrers vorsieht: eine Hochschul- oder eine mittlere Berufsausbildung in den Fachrichtungen der Gruppe „Ausbildung und Pädagogik“, aber auch eine zusätzliche Berufsausbildung für Absolventen von Hochschulen und Colleges anderer Ausbildungsfachrichtungen. In der Regel kommen die Absolventen mit einer Hochschulausbildung in Privatschulen, Gymnasien und Lyzeen.
Die mittlere Berufsausbildung, deren Ausbildungsprogramm für Absolventen der 11. Klasse auf drei Jahre und auf vier Jahre für jene, die die 9. Klasse abgeschlossen haben, ausgelegt ist, gewährt weitaus weniger solcher Karrierechancen. Arbeiten können sie in staatlichen oder privaten Schulen finden, aber auch in Weiterbildungszentren. Das Einkommen eines Grundschullehrers ergibt sich aus dem eigentlichen Grundgehalt, aus Kompensations- und stimulierenden Zahlungen. Die Gesamtsumme wird von einer Reihe von Faktoren abhängen – der Wohnregion, der Anzahl der Unterrichtsstunden, der zusätzlichen Belastung (zum Beispiel durch das Leiten von Zirkeln), aber auch von der Qualifikationskategorie.
Die Gewerkschaft „Lehrer“ hat bereits mehrfach die Aufmerksamkeit darauf gelenkt, dass mit jedem Jahr die Anzahl der Erstklässler zurückgeht. Und die Perspektiven sind solche, dass im Schuljahr 2026/2027 in die erste Klasse 429.7000 weniger Kinder in die erste Klasse gehen werden als im Jahr zuvor. Und im Schuljahr 2027/2028 noch einmal um 411.000 weniger. Wenn die Zahl der Erstklässler zurückgeht, verringert sich die Anzahl der für das System notwendigen Grundschullehrer. Was tun mit den ohne eine Auslastung bleibenden?
Üblicherweise bemüht man sich, die Pädagogen im Bildungssystem zu halten, wobei angeboten wird, eine Umschulung zu absolvieren, um in Mittelschulklassen zu unterrichten. Die Mittelschule braucht Fachlehrer, Erzieher für die sogenannten Hort-Gruppen (Gruppen des verlängerten Tags), Pädagogen für eine zusätzliche Ausbildung, Psychologen, Defektologen (aus der Sowjetzeit stammender Begriff, der in der Sonderpädagogik beispielsweise für die Arbeit mit Kindern mit Sprachstörungen verwendet wird – Anmerkung der Redaktion) u. a.
Zu einer ernsthaften Prüfung der letzten Jahre wurde für die Grundschullehrer die Aufnahme von Kindern in die Schulen, die die russische Sprache schlecht beherrschen. Es sei daran erinnert, dass der heutige Lehrer eine Ausbildung erhält, der das Unterrichten der russischen Sprache als Muttersprache vorsieht. Doch in den Klassen gibt es mitunter eine große Anzahl von Schülern, die Migrantenkinder sind und für die die Russisch nicht die Muttersprache ist. Im Jahr 2024 gelangte die Diskussion über solche Schüler, die Schwierigkeiten bei der Aneignung des Schulprogramms haben, auf die höchste Ebene im Land. Verabschiedet wurden eine Reihe von Gesetzen. Am 1. April 2025 trat ein Gesetz in Kraft, dass den Schulen untersagt, die Migrantenkinder einzuschulen, die nicht die russische Sprache beherrschen. Für eine Einschulung ist jetzt erforderlich, dass Sprachtests abgelegt werden.
Laut Angaben des Staatsduma-Abgeordneten Michail Matwejew (von der KPRF – Anmerkung der Redaktion) machte die Anzahl der Migrantenkinder (der Personen, die eine ausländische Staatsbürgerschaft besitzen oder staatenlos sind) in den Schulen Russlands im Jahr 2023 rund 181.500 Personen aus. 53 Prozent befragter Lehrer erklärten, dass es für die Schüler aus Migrantenfamilien schwer sei, Russisch zu sprechen. Diese Untersuchung war vom Zentrum für die Wirtschaft einer ununterbrochenen Ausbildung der Russischen Akademie für Volkswirtschaft und den Staatsdienst durchgeführt worden. Daran hatten 2064 Schulpädagogen aus Städten der Verwaltungsgebiete Nowgorod, Tscheljabinsk und Jaroslawl teilgenommen.
Doch nicht nur das Problem der schlechten Beherrschung der russischen Sprache zieht die Grundschule zurück, bremst ihre Entwicklung. Die Lehrer gestehen ein, dass die russische Sprache einer der schwierigsten für ein Erlernen in der Schule ist. Der Grad ihrer Beherrschung verringert sich katastrophal. Die Kinder lesen wenig. Dadurch leidet sowohl die mündliche als auch die Schriftsprache. Daneben lösen bei den Kindern die Rechtschreibung, die komplizierte Syntax und Interpunktion (Zeichensetzung) Schwierigkeiten aus. Oft werden Vorwürfe gegen das Programm der russischen Sprache für die Schüler der Unterstufe laut. Die russische Sprache ist ein durchgestaltetes System. Wenn man sie aber fragmentarisch erlernt und nicht die Verbindungen innerhalb dieses Systems aufzeigt, so ist es richtig schwierig, sie zu erlernen und zu beherrschen.
Und es gibt da noch ein Problem. Vor einigen Jahre hatte es Sergej Krawzow, zu jener Zeit noch Chef von Rosobrnadzor, riskiert, das Wissen der Pädagogen an sich zu überprüfen. Wie die von seiner Behörde durchgeführten Untersuchungen zeigten, hatten über elf Prozent der Lehrer Probleme mit der russischen Sprache und Mathematik. Die Nachricht hatte damals einen großen Rummel ausgelöst, doch im Weiteren hat man dieses Thema nicht besonders weiterentwickelt.
Macht es da Sinn zu sagen, dass die Probleme beim Unterrichten von Russisch und Mathematik damit beginnen, dass die Lehrer nicht immer das Unterrichtsfach und die Methodik für seine Vermittlung beherrschen? Jetzt wird sich die Situation eventuell ernsthaft verändern.