Der russische Markt der Zahnarzt-Leistungen demonstriert ein stabiles Wachstum: Entsprechend den Ergebnissen des vergangenen Jahres erreicht der Umsatz des Sektors ein Volumen von 872 Milliarden Rubel. Für das laufende Jahr wird ein Wert im Bereich von 800 bis 840 Milliarden Rubel vorausgesagt. Hinter diesen Zahlen verbirgt sich jedoch eine tiefe Strukturkrise. Triebkraft des Marktes ist nicht die Zunahme des Patientenstroms, sondern die Verteuerung der durchschnittlichen Rechnung, die im laufenden Jahr im Bereich von 10.900 bis 11.200 Rubel (umgerechnet 116 bis 119 Euro) für einen Zahnarztbesuch liegt. Vor diesem Hintergrund hat sich in den Jahren 2025-2026 eine kritische Tendenz abgezeichnet: Die hochtechnologische medizinische Hilfe – Implantationen, Endodontie unter Mikroskop, Orthodontie sowie Kiefer- und Gesichtschirurgie – verschwindet rasant aus der Provinz. Kleinstädte mit einer Bevölkerung von bis zu 100.000 Einwohnern verwandeln sich in „Stomatologie-Wüsten“. Dort gestaltet sich eine systematische Kluft an der Schnittstelle eines Personal-Kollaps, der Tarifpolitik der Krankenpflichtversicherung und des Weggangs von Spezialisten in große Zentren.
Laut Angaben des russischen Statistikamts Rosstat hat sich die Anzahl der Stomatologen in Russland im Jahr 2024 gleich um 3200 Personen (von 70.400 bis auf 67.200) verringert. Dies wurde zum ernsthaftesten Rückgang unter allen Fachärzten im Land in den vergangenen 20 Jahren. Der faktische Versorgungsgrad der erwachsenen Bevölkerung in Bezug auf Zahnärzte ist bis auf 2,21 je 10.000 Bürger bei einer Norm des Gesundheitsministeriums von 5,6 zurückgegangen. Im staatlichen Bereich ist die Situation noch schwieriger, Laut Angaben der Studie „Wenn man genau sein will“ (vom November vergangenen Jahres) kamen auf 10.000 Einwohner des Landes ganze 1,2 staatliche Zahnärzte. Dies ist ein Fünftel der Norm. Die Internet-Plattform Dentalworld schätzt den Mangel an Person im staatlichen Sektor auf 79 Prozent vom Normbedarf. Dabei haben sein Beginn des laufenden Jahres die entsprechenden Kliniken rund 25.000 Stellen ausgeschrieben (ein Plus von 6 Prozent im Vergleich zum Jahr 2025). Die Frage nach hochprofessionellen Spezialisten im privaten Sektor hat um 20 Prozent zugenommen.
Das Gesundheitsministerium der Russischen Föderation teilte aber mit, dass im Jahr 2026 kein Mangel an Zahnärzten in den Organisationen des Programms der staatlichen Garantien bestehe.
Vertreter der Stomatologie-Vereinigung Russlands heben drei Schlüsselfaktoren des Personal-Hungers in der Provinz hervor – ein historisches Minimum an aus dem Staatshaushalt finanzierten Studienplätzen in den Hochschulen (ihr Anteil ist bis auf den Rekordtiefstand von 23 Prozent zurückgegangen), die schwache Entwicklung privater Kliniken in kleinen Städten und ein massenhaftes Abwandern von Spezialisten in den kommerziellen Sektor der Groß- und Millionenstädte. Bis zu 80 Prozent des gesamten Stomatologie-Marktes der Russischen Föderation sind heute in den Händen des privaten Business konzentriert, das vorrangig in den Millionenstädten akkumuliert wird.
Die kleinen Städte verlieren den Konkurrenzkampf um Personal auf ökonomischer Ebene. Der mediane Verdienst eines Stomatologen im staatlichen Sektor lag im Sommer dieses Jahres bei rund 90.000 Rubel, während in den privaten Kliniken der Großstädte die Einkommen der Spezialisten 200.000 Rubel übersteigen (eine Zunahme um zehn Prozent im vergangenen Jahr).
Ein Spezialist mit einem besonderen Arbeitsprofil (zum Beispiel ein Facharzt für Implantologie) entwickelt sich im Verlauf von sieben bis zehn Jahren. Die Absolventen sind nicht bereit, Zeit für die Arbeit an der Peripherie zu investieren. Eine Kleinstadt ist nicht in der Lage, weder ein akzeptables Finanzergebnis noch eine moderne technologische Basis zu bieten. Außerdem hat die Zahl der im Zeitraum Januar-Mai 2026 geschlossenen Stomatologie-Rechtspersonen in der Russischen Föderation um sieben Prozent zugenommen. Und die Registrierung neuer ist um 25,7 Prozent zurückgegangen. Das lokale Business zieht sich in den Regionen zurück, wobei es großen föderalen Ketten Platz macht, die an keiner Expansion auf depressive Märkte interessiert sind.
Das Programm der Krankenpflichtversicherung deckt nach wie vor nur die grundlegende (Basis-) und die Nothilfe ab: eine Untersuchung, das Plombieren mit einheimischen Kompositmaterialien, die Behandlung einer Pulpitis und das Ziehen von Zähnen. Hochtechnologische und Zähne erhaltende Operationen – Implantationen, Knochenplastik, Endodontie unter Mikroskop und Orthodontie für Erwachsene – sind vollkommen aus den staatlichen Garantien ausgeschlossen.
Für die regionalen Kliniken schafft dies eine wirtschaftliche Situation, die einer Sackgasse gleichkommt. Die Mindestkosten für die qualitätsgerechte Implantation eines Zahnes belaufen sich in diesem Jahr auf 80.000 bis 150.000 Rubel (umgerechnet etwa 852 bis 1596 Euro). In den wirtschaftlich schwachen Regionen sind solche Operationen nur für wenige erschwinglich. Ohne einen stabilen Kundenstrom kann sich eine kommerzielle Klinik in einer Kleinstadt keinen seltenen Spezialisten erlauben und die Kosten für Tomographen oder Mikroskope der Expertenklasse wettmachen (ein Tomograph für die Stomatologie kostet um die fünf bis sieben Millionen Rubel).
Um Mediziner an den Orten zu halten, setzte der Stadt administrative Hebel ein. Am 1. März dieses Jahres ist das föderale Gesetz Nr. 424-FG (vom 17.11.2025) in Kraft getreten, das ein obligatorisches Arbeiten (ein Mentoring) der Absolventen medizinischer Hochschulen am ersten Einsatzort im Verlauf von ein bis drei Jahren vorsieht. Und alle Plätze für eine Ordinatur (Facharztausbildung nach dem abgeschlossenen Medizinstudium) hinsichtlich der knappen Fachrichtungen werden in den Status von zweckgebundenen überführt. Für Städte mit weniger als 50.000 Einwohnern und ländliche Gebiete sind die Zeitraume für einer Internatur (obligatorische Phase der praktischen Weiterbildung für angehende Ärztinnen und Ärzte) verkürzt worden.
Dennoch bewertet die Ärzteschaft die Innovation skeptisch. Laut Angaben einer großen gesamtrussischen Befragung der Ärzteschaft, die durch den digitalen spezialisierten Service „Nachschlagewerk des Arztes“ durchgeführt wurde, halten 73 Prozent der befragten Ärzte und Studenten die Pflichtarbeitszeit an einem Ort für kein effektives Instrument. Und 50 Prozent sind sich sicher, dass die strengen Pflichten aussichtsreiche Abiturienten vor der Wahl einer Stomatologie-Fakultät abschrecken. Lediglich 16 Prozent glauben, dass das Gesetz das Problem des Mediziner-Mangels in der langfristigen Perspektive lösen werde. Die Ärzte sind der Auffassung, dass die direktive Arbeitsplatzvergabe ohne eine systematische Motivierung und einer entwickelten Infrastruktur lediglich das Problem konserviere. Nach dem Abarbeiten der vorgeschriebenen Jahre für ein Abhaken gehen die jungen Spezialisten sofort in die großen Agglomerationen.
Man kann voraussagen, dass sich im kommenden Jahr der Rückgang des technologisch schwierigen Segments in den abgelegenen Ortschaften verstärken wird. Erwartet wird eine Aufteilung des Marktes in zwei parallele Welten: In den Groß- und Millionenstädten wird die digitale Transformation (die Einführung einer AI-Diagnostik, von 3D-Druckern und Alignern, d. h. von durchsichtigen Kunststoff-Zahnschienen, die Zahnfehlstellungen unauffällig und schrittweise korrigieren) fortgesetzt, während sich in Kreisstädten die Hilfe endgültig auf eine kurzfristige Entfernung von Zähnen und ein sehr simples Plombieren reduzieren wird. Beginnen wird die Zunahme eines erzwungenen „Dental-Tourismus“. Die Einwohner der Provinz werden im kommenden Jahr um 35 bis 50 Prozent mehr Mittel für eine Heilbehandlung aufgrund der Transportkosten und des Wohnens in den Verwaltungszentren ausgeben, da die Orthodontie und Implantationen regelmäßige Arztbesuche erfordern. Aufgrund des Mangels an Geld und Spezialisten werden die Patienten in Kleinstädten weiterhin massenhaft auf eine rechtzeitige prothetische Versorgung verzichten. Dies führt zu einer lawinenartigen Zunahme vernachlässigter Fälle einer Atrophie des Knochengewebes des Kiefers und der begleitenden systematischen somatischen Erkrankungen bereits bis zum Ende des Jahres 2027. Vor dem Hintergrund einer obligatorischen Tätigkeit von Hochschulabsolventen im staatlichen Sektor werden die kommerziellen Kliniken in den Regionen im kommenden Jahr mit einem noch größeren Mangel an Assistenten und jungen Ärzten konfrontiert werden, was die kleinen Akteure des Marktes zwingt, entweder aufzugeben oder die Personalkosten auf die Preise umzulegen, womit die Inflationen für die medizinischen Leistungen angeheizt wird.
Die Versuche, das Problem beispielsweise mit Hilfe mobiler Zahnarzt-Komplexe zu lösen (im Rahmen des nationalen Projekts „Familie“ waren in den Jahren 2025-2026 über 500 mobile Plattformen gekauft wurden), haben ihre Ineffizienz demonstriert – es ist ein zu schwieriges Segment. Die Erfahrungen der Regionen bestätigen: Die mobilen Module lösen erfolgreich die Aufgaben der primären Diagnostik und kurzfristigen Hilfe. Sie sind aber technisch nicht für die Durchführung von Kiefer- und Gesichtsoperationen, von orthodontischen Korrekturen oder einer sterilen dentalen Implantation geeignet. Ohne die Einführung direkter Steuervergünstigungen für die Kliniken in den kleinen Städten und ohne eine Subventionierung des Erwerbs von Anlagen und Ausrüstungen wird die hochtechnologische Zahnmedizin endgültig zu einer elitären Wohltat, die ausschließlich für die Einwohner der russischen Millionenstädte zugänglich sein wird.