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Die EU wird eine neue Erdgasquelle bekommen


Ende Februar haben Israel und Ägypten vereinbart, eine neue Gaspipeline zu bauen. Das Abkommen wurde bei einem Treffen von Israels Energieminister Yuval Steinitz mit dem ägyptischen Minister für Erdöl und mineralische Ressourcen Tarik al-Mulla in Jerusalem erzielt.

Das Dokument sieht vor, dass das auf dem israelischen Gasfeld „Leviathan“ im Mittelmeer geförderte Gas, zu den ägyptischen Verflüssigungsanlagen gelangen wird, teilte ein Vertreter der israelischen Regierung mit. Das Vorhaben ziele auf eine Erhöhung des Gasexports nach Europa ab, fügte er hinzu.

Das Feld „Leviathan“ im östlichen Mittelmeer vor der israelischen Küste wurde im Jahr 2010 entdeckt. Experten schätzen seine Erdgasvorräte auf 535 Milliarden Kubikmeter. Im Januar 2020 begann Israel, auf dem „Leviathan“-Feld gefördertes Gas nach Ägypten über die Pipeline EMG zwischen dem israelischen Aschkelon und dem ägyptischen Al-Arish zu exportieren. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Beitrages bleibt unklar, ob die neue Gaspipeline mit der EMG verbunden wird oder direkt das Feld mit Ägypten verbinden wird. Die Pipeline EMG mit einer Länge von etwa 90 Kilometern gehört dem Gasunternehmen Eastern Mediterranean Gas Company S.A.E. (ein Joint Venture türkischer, israelischer und ägyptischer Unternehmen). Die Gaspipeline befindet sich vorrangig auf dem Schelf und verbindet das Pipelinenetz Israels ab Aschkelon mit dem ägyptischen Pipelinenetz von Al-Arish. Vor kurzem erwarben das US-amerikanische Unternehmen Noble Energy und dessen Partner 39 Prozent der Anteile am Gasunternehmen Eastern Mediterranean Gas Company S.A.E.

Perspektiven von EastMed

Bisher ist unklar, ob dieses Projekt das bekannte Vorhaben für die Gaspipeline EastMed ablösen wird. Bekanntlich unterzeichneten die Länder des Energie-Dreiecks (Griechenland, Zypern und Israel) ein vorläufiges Regierungsabkommen zur Gaspipeline EastMed am 20. März 2019 in Tel Aviv. Als ein Zeichen der Unterstützung für das Vorhaben wohnte seitens der Vereinigten Staaten der Unterzeichnungszeremonie der damalige US-Außenminister Michael Pompeo bei. Das Interesse der amerikanischen Offiziellen an der Pipeline ist mit der Forderung Washingtons zu erklären, dass sich dessen europäische Partner an eine Politik der Diversifizierung des Imports von Energieträgern halten. Je mehr die westlichen Länder aus Quellen importieren, die die Offiziellen der USA für sichere halten, um so mehr verringere sich deren Abhängigkeit vom russischen Erdgas.

Die Europäische Kommission bezeichnete die Pipeline EastMed als ein Projekt von gemeinsamem Interesse (dies führt dazu, dass es automatisch nicht unter das Wirken des Dritten Energiepaketes der EU fällt) und stellte vorerst 34,5 Millionen Euro (38,9 Millionen US-Dollar) zwecks Abschlusses der technischen Untersuchungen für das Vorhaben bereit. Laut Angaben von Stefan Wolfrum, Analytiker des Berliner analytischen Zentrums Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) werde der Bau von EastMed vier bis fünf Jahre andauern und um die sieben Milliarden Euro kosten (laut anderen Angaben rund sieben Jahre und mit einem Kostenaufwand von bis zu zehn Milliarden Dollar). Über sie sollen vom israelischen Feld „Leviathan“ und dem zypriotischen Feld „Aphrodite“ bis zu zehn Milliarden Kubikmeter Gas im Jahr nach Europa transportiert werden. Die Zahlen können im Weiteren bis auf 20 Milliarden Kubikmeter ansteigen. Es wird erwartet, dass sich noch Italien der Unterzeichnung des Vertrages anschließen werde

Wie die SWP meint, müsse die EU die Hälfte der Kosten tragen. Die übrigen Kosten würden auf IGI Poseidon entfallen. Dies ist eine Tochter des griechischen Unternehmens DEPA und des italienischen Konzerns Edison. Und sie hat die entsprechenden Untersuchungen im Jahr 2016 durchgeführt. Finanziert wurden sie durch die EU mit einer Summe von zwei Millionen Euro über das Programm Connecting Europe Facility. Im Jahr 2022 sollen alle Vorbereitungsarbeiten abgeschlossen werden. Der Beginn der Bauarbeiten wird vom Eingang der erforderlichen Mittel von der EU abhängen.

Die 1900 Kilometer lange Pipeline soll den Ostteil des Mittelmeeres mit dem Festlandsteil der Europäischen Union verbinden. Der schwierigste Teil des Vorhabens ist sein Abschnitt von Zypern bis nach Kreta, der eine Tiefe von mehr als 3000 Meter erreicht. Das Verlegen von Rohren ist solch einer Tiefe ist eine komplizierte Aufgabe (Ausdehnung der Grenzen), aber technisch umsetzbar. Dennoch ist die Örtlichkeit eine sehr ungleichmäßige. Und die Region ist eine seismisch aktive und wird durch Erdrutsche gefährdet. Dies kann Probleme für die Unversehrtheit und Instandsetzung schaffen. Für eine Anbindung Europas an die Gaspipeline besitzt der Bau einer Anbindungsleitung von EastMed bis nach Italien wichtige Bedeutung. Diese Leitung, die den Namen „Poseidon“ trägt, ist vom Wesen her der letzte Abschnitt von EastMed, der Griechenland und Italien durch die Adria verbinden soll. Ursprünglich trat Italien gegen den Bau dieser Gasanbindung auf. Am 7. Mai 2019 hatte Italiens damaliger Premierminister Giuseppe Conte erklärt, dass Italien gegen den Bau der „Poseidon“-Leitung auftreten werde. Projektant und Inhaber der Gaspipeline „Poseidon“ ist die gleichnamige IGI Poseidon.

Am 1. Januar 2020 wurde jedoch bekannt, dass Italiens Minister für Wirtschaftsentwicklung Stefano Patuanelli seinem griechischen Amtskollegen ein Schreiben zur Unterstützung der Pipeline EastMed gesandt hatte, womit er die Unterstützung Italiens und eine Beteiligung an dem Vorhaben wiederherstellte. Dies hing aller Wahrscheinlichkeit nach mit der Entscheidung der EU-Kommission zusammen, die den Bau dieser Gaspipeline unter der Bedingung der bestehenden Ausnahmen gemäß Artikel 22 des Dritten Energiepaketes der EU gebilligt hatte. Es sei daran erinnert, dass im Jahr 2009 das Dritte Energiepaket für den Binnenmarkt der EU bezüglich des Gassektors verabschiedet worden war. Und entsprechend diesem wird eine Trennung hinsichtlich der Eigner (in diesem Fall der Gaspipeline), der Erzeugung und des Absatzes gefordert.

Am 2. Januar 2020 unterzeichneten Vertreter Griechenlands, Zyperns und Israels in Athen ein endgültiges Regierungsabkommen über den Bau der Ferngasleitung EastMed.

Anderweitige und eigene Interessen

Bei der Beurteilung der Januar-Lieferungen US-amerikanischen LNG zum kroatischen schwimmenden Terminal (die erste LNG-Lieferung hatte der Tanker Tristar Ruby von einem amerikanischen Betrieb in Cove Point zu dem neuen Terminal gebracht) und der Unterzeichnung des Vertrags zum Bau von EastMed vertrat das kroatische Medium „Geopolitika News“ die Auffassung, dass Washington weiter den Energiekorridor „Nord-Süd“ auf dem Territorium der Europäischen Union gestalte (vorgesehen ist auch die Schaffung eines Binnennetzes von Gaspipelines von der Ostsee bis in den Süden und von der Küste Kroatiens gen Norden). Diese Absicht sei nach Meinung einer immer größeren Zahl von Analytikern nicht so sehr gegen Russland (gegen das dennoch wirklich eine sogenannte Pufferzone oder ein „Cordon sanitaire“ geschaffen wird) gerichtet als vielmehr auf das Schüren eines Konfliktes innerhalb der Europäischen Union an sich und auf dessen Aufteilung nach „neuen“ und „alten“ Mitgliedern, das heißt in jene, die schon seit langem das Recht haben, eigenständige politische Entscheidungen zu treffen und seine nationalen Interessen zu verteidigen, und in die übrigen, die aufgrund ihrer wirtschaftlichen und finanziellen Schwäche und schwierigen historischen Umstände versuchen, es Washington in allem recht zu tun, ohne sich dabei gar den Gedanken darüber zu machen, ob denn alle Forderungen, die von der anderen Seite des Ozeans kommen, den eigenen nationalen Interessen entsprechen. Dies betrifft in erster Linie gerade die Energetik. Diese Länder – mit Ausnahme Polens, das eine durchdachte Energiestrategie hat – sind sogar bereit, für Energieträger mehr zu zahlen, nur um ihre politische Treue und Ergebenheit gegenüber den Vereinigten Staaten zu beweisen.

Aus der Sicht von SWP beabsichtige Israel vorerst, die eigenen Gasfelder für einen möglichst baldigen Erhalt von Einnahmen zu nutzen. Laut Schätzungen, die in der Stiftung Wirtschaft und Politik angeführt wurden, besitze das israelische Feld Reserven in einem Umfang von 800 Milliarden bis einer Billion Kubikmeter Gas. Der eigene Verbrauch Israels erreiche zehn Milliarden Kubikmeter im Jahr. Dafür sprechen die Zahlen, die das Büro für Naturressourcen des Energieministeriums für das Jahr 2020 vorlegte. In die Staatskasse Israels sind über eine Milliarde Schekel (303 Millionen Dollar) in Gestalt von Gebühren und Lizenzzahlungen aus den Offshore-Verkäufen von Gas und der Förderung von Bodenschätzen geflossen.

Die Einnahmen des Landes durch Naturressourcen haben im vergangenen Jahr 1,1 Milliarden Schekel im Vergleich zu den 864 Millionen Schekel im Jahr 2019 ausgemacht.

Die hauptsächliche Zunahme erfolgte durch die Einnahme aus dem Erdgas, die 1,09 Milliarden Schekel ausmachten, was um fast 30 Prozent mehr war als im Jahr 2019. Das Energieministerium erläuterte, dass der Anstieg durch eine Erhöhung der Förderung von Erdgas aus den großen maritimen Gasvorräten in Israel um 48,4 Prozent erfolgte, nachdem die Reserve von „Leviathan“ Ende des Jahres 2019 in Betrieb genommen worden war. Der Erdgasexport nach Ägypten und Jordanien hat ebenfalls zugenommen, nachdem die genannte Reserve in Dienst gestellt worden war.

Israels Einnahmen aus dem Offshore-Feld „Tamar“ (ein Gasfeld im Ostteil des Mittelmeeres, unweit der Seegrenze Israels mit dem Libanon) beliefen sich auf 592 Millionen Schekel, was 29 Prozent weniger waren als im Jahr 2019. Im vergangenen Jahr wurden auf ihm 8,27 Milliarden Kubikmeter Gas gefördert. Im Energieministerium erklärte man, dass der Rückgang der Einnahmen mit dem Preisverfall in Bezug auf Erdgas zusammenhänge. Im vergangenen Jahr unternahmen die Mehrheitseigner, die an der Erschließung und Ausbeutung des Tamar-Feldes teilgenommen hatten, den Versuch, Gas der Israel Electric Corporation zum Preis von 4,30 Dollar für eine Wärmemenge von einem Joule zu verkaufen, was erheblich weniger ist als in den vorangegangenen Verträgen.

Der mittlere Preis für Gas, das von diesem Feld verkauft wird, betrug mit Stand vom vergangenen Dezember 4,80 Dollar für eine Wärmeeinheit von einem Joule gegenüber 5,12 Dollar im Dezember 2019. Dies ist ein Rückgang von 13 Prozent. In Schekel war der Preisrückgang ein noch stärkerer, da im letzten Jahr der Dollar gegenüber dem Schekel an Wert verloren hat. Dies beeinflusste wesentlich die Elektroenergiepreise in Israel.

Außerdem hängt der Rückgang der Verkäufe des Gases vom Tamar-Feld damit zusammen, dass der Abnehmer des Gases, der israelische Konzern IEC, einen Teil seiner Einkäufe zugunsten des Feldes „Leviathan“ verlagerte.

Für eine Erhöhung des Absatzes setzt Israel gegenwärtig auf Gaslieferungen nach Ägypten und Jordanien. Dies ist auch aus politischer Sicht wichtig. Wie Stefan Wolfrum von der SWP betont, dank dem Anfang 2019 gegründeten Eastern Mediterranean Gas Forum (EMGF), dem zusammen mit Israel Griechenland, Zypern, Ägypten, Frankreich, Italien, Jordanien und Palästina angehören. Das erklärte Ziel dieser Organisation besteht in einer Koordinierung der Energiepolitik und der Schaffung eines gemeinsamen Gasmarktes im Gebiet des östlichen Mittelmeeres. Israel hofft, auf solch eine Weise die politischen Beziehungen mit den Ländern des östlichen Mittelmeeres und vor allem mit Ägypten und Jordanien zu verbessern. Daneben setzt Israel große Hoffnungen in den Bau der Gaspipeline EastMed für einen direkten Export nach Europa. Dieses Projekt untergrabe aber, wie Wolfrum betont, die Beziehungen Israels mit den arabischen Ländern. Außerdem hänge die Hauptfrage damit zusammen, inwieweit Israel die vorhandenen Gasvorräte für den eigenen Verbrauch und für den Export ausreichen werden.

Das Feld „Zoar“ (rund 1,9 Milliarden Kubikmeter Gaskondensat) wurde 1961 am Westufer des Toten Meeres, in einer Kalkantiklinale (eine durch Faltung erzeugte Aufwölbung geschichteter Gesteine Anmerkung der Redaktion) der Jura in einer Tiefe von 500 bis 700 Metern entdeckt. Es versorgt die Stadt Arad mit Gas.

Zu Beginn des zweiten Jahrzehntes des 21. Jahrhunderts hat Israel den Übergang aus der Kategorie der Länder, die Energieträger importieren, zur Gruppe der Staaten vollzogen, die sich anschicken, ihre Energieressourcen auf internationalen Märkten zu verkaufen. Laut Angaben mit Stand von 2012 beliefen sich die nachgewiesenen Erdgasvorräte auf den Feldern „Tamar“, „Mari-B“ und „Noa North“ auf rund 278 Milliarden Kubikmeter (aktuellere Zahlen weisen inzwischen ca. 313 Milliarden Kubikmeter aus – Anmerkung der Redaktion). Die vermuteten Gasvorräte auf den Feldern „Leviathan“, „Dalit“ und „Tanin“, die sich in der israelischen exklusiven Wirtschaftszone, kommen an die 680 Milliarden Kubikmeter heran.

„Sara“ und „Myra“, zwei Felder, für die Lizenzen für Offshore-Such- und Erkundungsbohrungen erteilt worden waren (sind im Juli 2015 aber bereits abgelaufen – Anmerkung der Redaktion), liegen westlich von Netanja. Geologische Forschungen, deren Ergebnisse im Juni 2011 veröffentlicht wurden, schätzten die vermuteten Vorräte auf 180 Milliarden Kubikmeter Erdgas, aber auch auf mehr als 150 Millionen Barrel (24 Millionen Kubikmeter) Rohöl. Betreiber der Arbeiten ist das Unternehmen GeoGlobal Resources Inc.

Das im Jahr 2013 entdeckte Gasfeld „Karish“ befindet sich im Mittelmeer, wird aber derzeit nicht betrieben. Die erkundeten Gasvorräte machen dort zwischen 45 und 57 Milliarden Kubikmeter aus. Der Gasgehalt bzw. das Vorkommen von Gas hängt mit den Ablagerungen aus der Zeit des frühen Miozäns zusammen. Betreiber des Feldes ist das US-amerikanische Ölunternehmen Noble Energy zusammen mit Delek Drilling und Avner Oil Exploration.

Noch ein großes Gasfeld mit dem Namen „Pelagic“ befindet sich im Bereich des Mittelmeers, 170 Kilometer von der Küste entfernt. Entdeckt wurde im Jahr 2012. Die Vorräte werden auf 189 Milliarden Kubikmeter geschätzt. Die in einer größere Tiefe liegenden Schichten können weitere 380 Milliarden Kubikmeter Erdgas aufweisen. Betreiber des Feldes ist der amerikanische Ölkonzern Ryder Scott.

Notwendige Menge

Es muss betont werden, dass die Exportpolitik Israels von Einschränkungen beeinflusst wird, die durch rein politische Faktoren auferlegt werden. Gerade diese Faktoren verursachten die Energiekrise in Israel in den Jahren 2010-2013. Zu dieser Zeit hatten sich zwei Ereignisse überlagert. Erstens waren dies die anhaltenden Diversionsakte gegen israelische Gasleitungen, die nach Ägypten führen. Und zweitens, die Erschöpfung des am stärksten ausgebeuteten Feldes Yam Tethys zu Beginn des Jahres 2012

Laut vorhandenen Berechnungen kann Israel beginnend ab dem Jahr 2030 mit einem Mangel an Gas für den eigenen Bedarf unter der Bedingung der zu erwartenden Zunahme des eigenen Verbrauchs bis auf 35 Milliarden Kubikmeter im Jahr 2040 als Folge des Übergangs der Umstellung der Stromerzeugung von Kohle auf Gas rechnen.

In diesem Zusammenhang verdienen die Versuche der Türkei Beachtung, Beziehungen mit Israel anzubahnen. Wie die „Nesawisimaya Gazeta“ in ihrer Ausgabe vom 8. Dezember letzten Jahres betonte, brauche die Türkei Israel unter anderem als eine Stütze im östlichen Mittelmeer. Analytiker halten das Erscheinen eines Beitrages des ehemaligen Befehlshabers der Seestreitkräfte der Republik, des Konteradmirals Cihat Yayci, in der wissenschaftlichen Zeitschrift „Turkeyscope“, das unter der Ägide des Moshe-Dayan-Zentrums für Nahost- und Afrika-Forschungen (Universität von Tel Aviv) herausgegeben wird, für keinen Zufall (siehe „NG“ vom 08. Dezember 2020 – https://www.ng.ru/world/2020-12-07/2_8033_turkey.html). In dem Beitrag von Yayci ist von der Notwendigkeit einer Abgrenzung der ausschließlichen Wirtschaftszonen zwischen Israel und der Türkei durch zypriotische Gewässer und von der Zweckmäßigkeit eines Beitritts des jüdischen Staates zur türkischen Gas-Infrastruktur in Gestalt von „Turk Stream“ und der Transanatolischen Gaspipeline die Rede.

Der israelischen Seite deutet man die Notwendigkeit an, auf EastMed zu verzichten und zur Erörterung der Idee einer gemeinsamen Gaspipeline mit der Türkei zurückzukehren. Nach Aussagen von Yayci werde diese Variante für Israel eine praktischere und billigere im Vergleich zum Projekt mit einer Verbindung mit Zypern und Griechenland sein. „Die Türkei mit ihrer bereits bestehenden Gas-Infrastruktur in Gestalt von „Turk Stream“ und der Transanatolischen Gaspipeline gewährleistet eine weitaus billigere und kürzere Route“, heißt es in dem Artikel: „Außerdem ergibt sich unabhängig von den Fragen im Zusammenhang mit den Routen noch ein potenzielles Problem für EastMed. Laut Prognosen wird die Nachfrage nach Gas in Israel bis zum Jahr 2040 um das 4fache ansteigen. Dies grenzt das Exportpotenzial ein und untergräbt die Wettbewerbsfähigkeit“.

Im Jahr 2016 haben die Türken und Israelis bereits eine gemeinsame Gaspipeline diskutiert. In den letzten Jahren haben sich jedoch die Beziehungen zwischen den beiden Verbündeten der USA im Nahen Osten verschlechtert. Es ist durchaus wahrscheinlich, dass die Skepsis, die israelische Diplomaten hinsichtlich der Versöhnungsgesten der Türkei bekunden, vom Fehlen eines Interesses seitens der Israelis an Energiegeschäften mit Ankara zeugt. Man kann zumindest genau sagen, dass die Sicherheitsfragen im Zusammenhang mit dem Sektor Gaza vorerst offenkundig alle hypothetischen Vorteile aus der Wiederherstellung der Kontakte in den Hintergrund rücken.

Schlussfolgerungen

Israel steht vor einem nicht einfachen Dilemma. Die Verbindung mit der EU garantiert Israel einen sicheren Absatzmarkt und das Ende der energiepolitischen Isolation im Nahen Osten. In dieser Hinsicht stellt EastMed, wie man in der SWP meint, eine Alternative zu den Reformen des israelischen Energiemarktes und kostspieligen Investitionen in eine Erweiterung der Infrastruktur und der Energiezusammenarbeit mit solchen schwierigen Nachbarn wie Ägypten und Jordanien dar. Aus der Sicht von Israels Minister für nationale Infrastruktur, Energiewirtschaft und Wasserversorgung Yuval Steinitz hätten der Bau einer Gaspipeline nach Europa und ein direkter Gashandel mit der EU vor allem aus der Sicht der Sicherheit Bedeutung, da sie den arabischen Ländern die Möglichkeit nehmen würden, politischen Druck auf Israel auszuüben. Andererseits aber ziehe die Realisierung dieses Vorhabens die weitere Entwicklung der regionalen Kooperation in der Region in Zweifel. Und das Wichtigste: Eine direkte Gasleitung nach Europa höhle den Gedanken des EMGF aus, was sich auf die Streitigkeiten zwischen Griechenland und Zypern einerseits und der Türkei andererseits bezüglich der Zugehörigkeit der vor Zypern gelegenen Gasfelder auswirke. Gerade das EMGF könnte eine Beilegung dieses Konflikts fördern. Man darf nicht vergessen, dass die EastMed ein Konkurrenzprojekt zu den Lieferungen israelischen Gases nach Ägypten darstellt, wo es verflüssigt und dann als LNG eben nach Europa transportiert wird. Wobei diese Variante kostengünstiger als der Bau einer Gaspipeline nach Europa ist.

Und schließlich steht das Problem des Befüllens von EastMed mit Gas nach dem Jahr 2030. Allem nach zu urteilen, gibt es in Israel vorerst keine Antworten auf diese Fragen. Möglicherweise hat es gerade deshalb der israelische Minister Yuval Steinitz jüngst abgelehnt, auf entsprechende Fragen von „NG-Energie“ zu antworten, die seinem Pressesekretär zugesandt worden waren.