Die Gagausen wollen, sagte der „NG“ der Kandidat für die Volksversammlung Gagausiens Ivan Burgudji, Offizielle wählen, ohne die sie mehrere Jahre gelebt hätten. Am 15. November erfolgen die Wahl des Oberhaupts (des Başkans) der Autonomie und der Abgeordneten der Volksversammlung Gagausiens. Für das Amt des Başkans kandidieren acht Personen. Und Burgudji ist der Annahme, dass es zweiten Urnengang geben werde. Das Vertrauen der Mehrheit genieße aber ein Kandidat für das Amt des Präsidenten Moldawiens, für den im Jahr 2024 mehr Wähler im Land als für Maia Sandu gestimmt hatten, weshalb es auch anders ausgehen könne.
Es sei daran erinnert, dass im Jahr 2024 beim zweiten Urnengang der Präsidentschaftswahlen Maia Sandu auf dem Territorium Moldawiens verloren hatte, indem sie 48,81 Prozent der Stimmen gegenüber den 51,19 Prozent der Stimmen für Alexandr Stoianoglo auf sich vereinigt hatte. Der Unterschied machte etwas mehr als 32.000 Stimmen aus. Letztlich bei den Wahlen zu siegen, hatte die ausländische Diaspora Sandu geholfen, die ihr zehn Prozent der Stimmen bescherte.
Es muss betont werden, das der heute 59jährige Alexandr Stoianoglo (ein von der Nationalität her Gagause) Moldawiens Generalstaatsanwalt (2019-2023) gewesen war und sowohl bei seinen Kollegen als auch in der Bevölkerung Ansehen genossen hat. Aber Maia Sandu, nachdem sie das erste Mal Präsidentin geworden war, setzte ihn ab, wobei sie ihm Verstöße anlastete, die jedoch später der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte nicht akzeptierte und der anerkannte, dass man Stoianoglo widerrechtlich als Generalstaatsanwalt entlassen hätte. Dennoch holte Sandu den 59jährigen nicht zurück ins Amt, womit sie die Entscheidung des Europäischen Menschenrechtsgerichtshofes ignoriert. Mit solch einer Reputation – eines von den Herrschenden gekränkten, ja und noch durch ein europäisches Gericht für unschuldig gesprochenen Mannes – kann Stoianoglo mit der Unterstützung vieler Wähler rechnen.
Derweil hat Maia Sandu, die ihre Niederlage gegenüber dem Konkurrenten im Land nicht vergaß, auch nicht das vergessen, wie die einfachen Gagausen für sie bei den Präsidentschaftswahlen gestimmt hatte. Die amtierende Präsidentin hatte damals ganze drei Prozent der Stimmen erhalten. Und beim Euro-Referendum hatten die Gagausen für die Idee von Sandu fünf Prozent der Stimmen abgegeben. Folglich ist es verfrüht zu erwarten, dass die im November anstehenden Wahlen in der Gagausen-Autonomie ruhig und ohne Überraschungen erfolgen werden.
Im Übrigen hat Stoianoglo einen würdigen Kontrahenten – den fast 68jährigen Fiodor Gagauz, den ehemaligen Chef des hiesigen Innenministeriums (1999-2001) und einstigen Abgeordneten des moldawischen Parlaments (2014-2019). Jedoch wurde er von der Partei der Sozialisten nominiert. Und dies gilt in den heutigen Zeiten nicht als ein Plus. Das Volk hat angefangen, mehr unabhängigen Kandidaten Vertrauen zu schenken. Obgleich Prognosen anzustellen, eine undankbare Sache ist. Daher werden wir nichts übereilen.
Bisher verläuft alles so, wie es sich entsprechend den neuen Regeln des moldawischen Wahlkodexes gehört. Alle Kandidaten für das Amt des Başkans überprüfte man zuerst im Informations- und Sicherheitsdienst. Und danach übermittelte man die gebilligten Namen an die Zentrale Wahlkommission Moldawiens. Und von dort gingen sie bereits an den Zentralen Bezirksrat Gagausiens (eine eigene Zentrale Wahlkommission gibt es nicht mehr in der Autonomie).
In Gagausien wird man 67 Wahllokale eröffnen. Die meisten von ihnen wird es in der Hauptstadt der Autonomie, in Komrat geben – 12. Um die insgesamt 35 Abgeordnetenmandate ringen 135 Kandidaten. Die Wahlen zur Volksversammlung Gagausiens erfolgen in 35 Direktwahlbezirken. Die Registrierung der Kandidaten wurde am 12. Oktober abgeschlossen.
Von den 135 Kandidaten wurden 42 von politischen Parteien nominiert (31,1 Prozent). Und die übrigen 93 nehmen als unabhängige Kandidaten an den Wahlen teil (68,9 Prozent). Unter den Anwärtern sind 23 Frauen (17 Prozent) und 112 Männer (83 Prozent).
Auf dem Stimmzettel für die Wahl des Başkans von Gagausien werden acht Kandidaten stehen. Unter ihnen ist eine Frau. Drei Bewerber sind von politischen Parteien nominiert worden, die übrigen fünf treten als unabhängige Kandidaten an.
Eine Parteiunterstützung haben erhalten: Fiodor Gagauz – von der Partei der Sozialisten der Republik Moldova, Ivan Kylchik – wurde von der Volkspartei Gagausiens nominiert, Petru Vlah – wurde von der Partei „Neue historische Option“ nominiert.
Unter den unabhängigen Kandidaten sind der Abgeordnete der Parlamentsfraktion „Alternative“ und einstige Generalstaatsanwalt Moldawiens Alexandr Stoianoglo, der Ex-Abgeordnete von der Demokratischen Partei und Judo-Champion Kornel Dudnik, die Ex-Journalistin und frühere Abgeordnete von der Partei der Sozialisten Ivanna Koksal, der Primar (das Oberhaupt) der Gemeinde Copceac Oleg Garizan und der Oberhaupt von Komrat Serghei Anastasov. Übrigens, über den 62jährigen Anastasov sagen Wähler, dass Kischinjow ihm sympathisieren. Doch ob dem so ist, ist unbekannt.
Zur gleichen Zeit hatte man dem amtierenden Vorsitzenden der Volksversammlung Gagausiens, Valentin Gajdarzhi, eine Registrierung als unabhängiger Kandidat für die Wahlen am 15. November verwehrt. Valentin Gajdarzhi hatte bereits am 4. September seinen Austritt aus der Partei PACE („Wir errichten Europa zu Hause“) erklärt, jedoch hatte der Wahlrat festgestellt, dass er noch weiter in der Partei Mitglied sei. Und dies hielt man für einen Verstoß. Auf einer Pressekonferenz in Kischinjow teilte er am 14. Oktober mit, dass er Klage gegen die Entscheidung der Wahlbehörden bei der Berufungskammer „Süden“ eingereicht habe und er fordere, ihn als einen unabhängigen Kandidaten für den Bezirk Nr. 23 im Dorf Kirbaali (moldawisch „Carbalia“) zu registrieren.
Derweil hat die Zentrale Wahlkommission Moldawiens für eine öffentliche Diskussion den Entwurf eines Verhaltenskodexes für Kandidaten für die Volksversammlung Gagausiens, die Kandidaten für das Amt des Başkans und die Vertreter von Massenmedien vorgelegt. Das Dokument sieht einen Verzicht auf Desinformationen, Verleumdung, das Schüren von Hass und die Verwendung von Inhalten, die mittels künstlicher Intelligenz zwecks Täuschung der Wähler geschaffen wurden, vor. Der Kodex befindet sich vorerst im Stadium einer öffentlichen Diskussion.
Die kleine Gagausen-Autonomie bleibt für Kischinjow wie auch Transnistrien eine unruhige Region, da sie hartnäckig ihre Rechte verteidigt. Überdies werden in der Europäischen Union, in die Moldawien strebt, Autonomien auch geachtet und unterliegen einem Schutz.