Vertreter des höchsten Klerus der Georgischen orthodoxen Kirche haben die Namen der drei Kandidaten für das Amt des Patriarchen bekanntgegeben. Der Gewinner des Wahlkampfes wird mehrere Jahrzehnte lang herrschen. Der Kandidat der kirchlichen „Opposition“ ist aufgrund der Altersregelung ausgeschieden.
Die Heilige Synode der Georgischen orthodoxen Kirche hat drei Kandidaten für das Amt des Patriarchen gewählt. Zu ihnen wurden Metropolit Shio (Mujiri) von Senaki und Chkhorotsku (er kam auf 20 Stimmen), Metropolit Iobi (Akiashvili) von der Diözese Urbnisi und Ruisi sowie Metropolit Grigoli (Berbichashvili) von Poti und Khobi (die jeweils sieben Stimmen erhalten hatten). An der geheimen Abstimmung hatten am 28. April 39 Hierarchen teilgenommen. Sie werden auch am 17. Mai das neue Oberhaupt der Kirche wählen. Bemerkenswert ist, dass 20 Stimmen für einen minimalen Sieg erforderlich sind.
Der Favorit bei der anstehenden Wahl, Metropolit Shio, im weltlichen Leben Jelizbar Mujiri, wurde am 1. Februar 1969 in Tbilissi geboren. Beendigung einer Mittelschule in der georgischen Hauptstadt nahm er ein Studium am Konservatorium auf. Und nach drei Jahren wurde er Mönch im Kloster Schiomghwime. Anfangs war dort Shio für die Organisation des gemeinsamen Refektoriums verantwortlich. Und später wurde er zum Ökonom (Wirtschaftsleiter des Klosters – Anmerkung der Redaktion). Seine Karriere hatte sich relativ schnell entwickelt: 1995 wurde er Diakon, zwei Jahre danach – Vorsteher der Sankt-Georgskirche in Kldisubani in der Altstadt von Tbilissi. Dann verschlug es ihn mehrere Jahre lang in unterschiedliche Kirchen, bis er im Jahr 2001 in die Georgskathedrale der Georgischen Gemeinde von Moskau kam, wobei er parallel an der Orthodoxen Geisteswissenschaftlichen Universität zum heiligen Tichon ein Studium absolvierte.
Im Jahr 2003 wurde Shio zum Oberhaupt der neugebildeten Diözese von Senaki und Chkhorotsku. Die entsprechende Zeremonie zelebrierte das Oberhaupt der Georgischen orthodoxen Kirche Ilia II. Nach vier Jahren überreichte ihm der Patriarch den Orden des Heiligen Georg. Und nach weiteren drei Jahren machte er ihn zum Metropoliten. Im Jahr 2017 wurde Shio ganz und gar zum Verwalter des Patriarchen-Throns, da Ilia II. angesichts des Alters seine Pflichten bereits nicht erfüllen konnte.
Bischof Iobi, mit dem weltlichen Namen Elgudsha Akiashvili, wurde am 29. Mai 1960 im Dorf Sno der Munizipalität Kasbegi im Norden Georgiens geboren. Nach Abschluss der Dorfschule begann er ein Wirtschaftsstudium dm Georgischen Landwirtschaftsinstitut, wurde aber bereits in den Studentenjahren Rektor der Sioni-Patriarchen-Kathedrale. 1982 wurde Akiashvili mit dem Segen von Ilia II. zum Ökonom des Georgischen Patriarchats. Dabei wurde er erst 1988 Mönch, bereits nach dem Armeedienst. Im gleichen Jahr weihte der Patriarch ihn zu einem Geistlichen und vertraute ihm die Leitung des Martkopi-Klosters an.
In den nachfolgenden Jahren leitete er unterschiedliche Gemeinden, unter anderem in Adscharien und in Batumi gelegene. 1996 wurde er Erzbischof und im Jahr 2000 Metropolit. Iobi ist auch Kavalier des Ordens des Heiligen Georg. Insgesamt ist er durch seine Arbeit für die Wiedergeburt des Kirchenlebens in Georgien bekannt. Fast überall, wo er gedient hatte, wurden alte Kirchen wiederaufgebaut und neue errichtet sowie Klöster und Kirchenschulen gegründet.
Metropolit Grigoli oder Guram Berbichashvili wurde am 18. Juli 1956 in Tbilissi geboren. Seine Kirchenkarriere begann 1988 in der Unteren Kirche für die große Märtyrerin Warwara. Dort war er für die Aufbewahrung des Kirchengeschirrs und die Beleuchtung zuständig. Parallel dazu studierte er im Theologischen Seminar von Tbilissi und danach in der Akademie. Die Tätigkeit im Kloster und der Erhalt einer Fachausbildung erlaubten ihm, eine Beförderung nach der anderen zu erhalten. Bereits 1990 wurde Berbichashvili zum Vorsteher der Kirche zur Geburt der Hochheiligen Gottesmutter im Dorf Likhauri im Verwaltungskreis Ozurgeti.
Jedoch wurde er erst 1996 zu einem Mönch. Die entsprechende Weihezeremonie zelebrierte Bischof Iobi (Akiashvili). Und nur ganze zwei Tage danach machte Ilia II. Grigoli zum Bischof von Poti. In diesem Amt befasste er sich mit Fragen des Zusammenwirkens mit der georgischen Armee und den Rechtsschutzorganen, leitete aber auch die Zensur-Abteilung der Georgischen Patriarchie. Für die Verdienste gegenüber der Kirche erhob Ilia II. Grigoli im Jahr 2007 in den Rang eines Metropoliten.
Bemerkenswert ist, dass die Teilnehmer der Heiligen Synode gleichfalls die Aufhebung der Altersbegrenzungen für die Kandidaten für das Amt des Patriarchen diskutierten. Dies berichtete der Erzbischof von Dmanisi und Agarak-Tashir Zenon gegenüber Journalisten. Nach seinen Worten gebe es keinerlei kanonische Grundlagen dafür, um diese Rahmenbedingungen beizubehalten. Es sei daran erinnert, dass zu einem Kandidaten für das Amt des Patriarchen ein Bischof im Alter von 40 bis 70 Jahren werden kann.
Metropolit Nikoloz von Achalkalaki, Kumurdo und Kari sowie Südamerika unterstützte Zenon, wobei er betonte, dass die Aufhebung der Altersbegrenzungen für die Nominierung des Metropoliten von Tschiatura und Satschchere Daniel – David Datuashvili – als ein Kandidat notwendig gewesen war. Er ist bereits 70 Jahre alt. In Georgien kennt man ihn aber unter anderem als einen Kämpfer für die Wiederherstellung der territorialen Integrität Georgiens. Unter anderem war Daniel von 1992 bis einschließlich 2010 der Metropolit von Suchumi und Abchasien gewesen. Im Jahr 2004 hatte er erklärt, dass eine Wiedervereinigung von Abchasien mit Georgien der „einzige, von Gott festgelegte Weg für eine Entwicklung Abchasiens und Rettung der Abchasen“ sei.
Wie dem nun auch immer sein mag, der Politologen und Mitglied der georgischen Parlamentspartei „Stärke des Volkes“ David Kartvelishvili sagte der „NG“, dass zum nächsten Patriarchen der Georgischen orthodoxen Kirche wahrscheinlich Shio werde. Wobei sein Sieg im Jahr 2017 vorausbestimmt worden sei, als ihn Ilia II. zu seinem Vertreter machte.
„Tatsächlich hätte man überhaupt keine anderen Kandidaten nominieren können. Es ist nicht ausgeschlossen, dass man dies einfach für eine Bewahrung der Tradition getan hat“, meint der Experte.
Dabei betonte Kartvelishvili, dass Shio ganze 57 Jahre alt sei und er noch mehrere Jahrzehnte Patriarch sein könne. Dies eröffne vor ihm große Möglichkeiten hinsichtlich einer Stärkung der Kirche und einer Vergrößerung ihrer Rolle im Leben der Gesellschaft.
„Bisher gibt es nicht sehr viele praktizierende Gläubige in Georgien – rund zehn Prozent von der Gesamtzahl der Getauften. So viele Menschen halten die Fastenzeiten ein, besuchen ständig Kirche und ähnliches. Aber innerhalb von ganzen fünf Tagen haben anderthalb Millionen Menschen Abschied von Ilia II. genommen. Sie hielten ihn für den geistigen Führer der Nation. Unter dem Eindruck seines Ablebens begannen viele, die Große Fastenzeit (vor dem Osterfest – Anmerkung der Redaktion) einzuhalten. Im Verlauf von 40 Tagen hat sich der Zustrom von Gemeindemitgliedern in die Kirchen gleichfalls vergrößert… Man kann erwarte, dass Shio diese positive Dynamik bewahren wird“, sagte Kartvelishvili.
P. S.
Der Journalist, Redakteur und Kommentator für religiöse Themen des Mediums „Tabula“ Levan Sutidze meint, dass das Abstimmungsergebnis vom 28. April zeigte, dass Metropolit Shio die minimale erforderliche Anzahl von 20 Stimmen erhalten hatte. Dies sei faktisch auch die Hürde, die für einen Wahlsieg am 17. Mai genommen werden müsse. Dabei betonte Sutidze, dass eben diese 20 Stimmen keine „Anfangskonstante“ gewesen seien, jedoch ein hohes Maß an Unterstützung belegen würden. Damit wurden im Übrigen auch die vorangegangenen unterschiedlichen Prognosen über den Haufen geworfen. Shio vermochte eine ausreichende Unterstützung für sich konsolidieren, obgleich diese Konstruktion eine anfällige bleibe, meint Sutidze, denn jegliche Veränderung des Gleichgewichts bei der bevorstehenden erweiterten Tagung der Hierarchen könne sich am Wahltag als eine entscheidende erweisen. Nun stehe die Frage, ob der Top-Kandidat seine Führung bewahren kann.
Wenn Metropolit Shio gewählt wird, so wird er eine lange Amtszeit als Patriarch antreten. „Metropolit Shio ist 57. Sein Alter erlaubt, die Kirche noch 30 bis 40 Jahre zu leiten. Dies bedeutet eine sehr, sehr lange Amtszeit als Patriarch“, meint Sutidze.