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Die libysche Mission des Kremls ist populärer als die syrische geworden


In der arabischen Welt hat man begonnen, die Aktionen der Russischen Föderation in Libyen besser als deren Politik in Bezug auf Syrien, Palästina und Jemen wahrzunehmen. Dies folgt aus dem Jahresreport über den Index der arabischen öffentlichen Meinung, den das in Qatar ansässige Arab Center for Research and Policy Studies (ACRPS) veröffentlicht. Im Vergleich mit den Werten für die Jahre 2017-2018 hat der Anteil der positiven Bewertungen der Libyen-Strategie des Kremls um fünf Prozentpunkte zugenommen. Dies bringt man damit in einem Zusammenhang, dass Moskau auf ein direktes militärisches Eingreifen verzichtete und rechtzeitig den Punkt für eine Unterstützung in Libyen änderte. 

Die Politik der Russischen Föderation in den problematischen Ländern des Nahen Ostens wird in der arabischen öffentlichen Meinung nach wie vor negativ wahrgenommen, fixieren die Forscher.

Wie aus dem ACRPS-Report für die Jahre 2019-2020 folgt, bewerten rund 60 Prozent der Befragten die Politik Russlands in Bezug auf Syrien, Jemen und Palästina „negativ“ und „äußerst negativ“. Eine andere Situation besteht im Kontext der libyschen Krise. Nur 47 Prozent der Befragten sind bereit, der russischen Mission in diesem nordafrikanischen Land eine negative oder sehr negative Bewertung zu geben. Mehr noch, „sehr positiv“ nehmen sie acht Prozent der Umfrageteilnehmer auf („positiv“ – 15 Prozent). 

Wenn man die ACRPS-Daten für die Jahre 2017-2018 für einen Vergleich heranzieht, so hat sich der Anteil der „sehr positiven“ Bewertungen für die Libyen-Strategie der Russischen Föderation um fünf Prozentpunkte erhöht. 

Im Restlichen fixieren die Forscher eine Tendenz zum Nachlassen der Sympathien für die russischen Aktionen in den Ländern des Nahen Ostens, die eine akute Krise durchmachen. Der Anteil der „sehr positiven“ Bewertungen für die Politik des Kremls hinsichtlich Palästinas, Syriens und Jemens hat sich innerhalb eines Jahres um einen Prozentpunkt verringert und machte 3 Prozent, 6 Prozent bzw. 3 Prozent aus. Der Anteil der einfach „positiven“ Bewertungen hat sich noch mehr verringert und pegelte sich bei einer gleichen Marke von 15 Prozent für diese Länder ein. 

Die Daten, die die Syrien-Kampagne betreffen, sind besonders unter Berücksichtigung dessen interessant, dass einige Forscher ihren Beginn als einen Versuch der russischen Führung angesehen hatten, das außenpolitische Kapital im Nahen Osten zu mehren und für Russland den Ruf eines wichtigen Friedensstifters und diplomatischen Vermittlers zu stärken. 

Übrigens verliert ein anderer globaler Akteur, der historisch auf eine besondere Rolle in der Region Anspruch erhebt – die USA -, auch seine Positionen in der arabischen öffentlichen Meinung. „Das, wie die Umfrageteilnehmer die Politik einiger ausländischer Staaten beurteilen, demonstriert einen recht anständigen Grad an Misstrauen. Die Mehrheit nimmt die Politik der Vereinigten Staaten, Russlands und des Irans in der Region negativ wahr, tatsächlich sogar negativer als dies vorangegangene Untersuchungen (des Index der arabischen öffentlichen Meinung – „NG“) fixieren“, betonen die Autoren der ACRPS-Befragung für die Jahre 2019-2020. „Die Bewertung der amerikanischen Politik hat sich in diesem Jahr noch stärker verschlechtert, was wahrscheinlich die Reaktion der Befragten auf die Aktionen der Trump-Administration reflektiert“. 

In einem Gespräch mit der „NG“ verband der unabhängige syrische Politologe Mahmud al-Khamsa die Zunahme der Sympathien für die „libysche“ Strategie der Russischen Föderation mit ihrem Verzicht auf eine direkte Teilnahme an den Kampfhandlungen. Nach Aussagen des Experten konnte Moskau dem Kommandierenden der Libyschen Nationalarmee, Chalifa Haftar, nur zu Beginn dessen Offensive gegen Tripoli im April 2019 Unterstützung gewähren. „Andererseits hatte Russland die Libyer zu Verhandlungen nach Moskau im Januar eingeladen“, merkte der Analytiker an. „Die Russische Föderation spielte gleichfalls eine aktive Rolle bei der Berliner Konferenz. Doch das Wichtigste ist, wie es scheint, dass die russische Seite jetzt von Haftar aufgrund der großen Risiken abgewichen ist und auf Aguila Saleh Issa el-Obeidi setzte, den Chef des östlichen Parlaments. Er spielt eine führende Rolle im politischen Prozess“. 

Nach Aussagen von al-Khamsa bestehe darin der Unterschied Russlands von den Vereinigten Arabischen Emiraten, die nach wie vor Haftar unterstützen würden. „Es gibt noch einen Moment – den, dass Russland sich bemüht, eine gemeinsame Sprache mit der Türkei zu finden“, betont der Experte. „Es wurde ein Waffenstillstand verkündet. Und es ist gelungen, die Kampfhandlungen zu stoppen. Daher sieht die Rolle Russlands hier anders aus». 

Der syrische Politologe räumt ein, dass man Moskau lange Zeit der Entsendung von Mitarbeitern des privaten Militärunternehmens „Wagner“ nach Libyen beschuldigt hatte, das entsprechend einer verbreiteten Meinung Haftar auf dem Gefechtsfeld unterstützt. „Dem steht man negativ gegenüber – aufgrund der Hilfe für Haftar“, betont al-Khamsa. „Die Rolle der Firma „Wagner“ ist jetzt jedoch wenig zu spüren, da in Libyen die Kampfhandlungen gestoppt wurden“. 

Die Experten des ACRPS behaupten: Die Fehlerrate der Befragung betrage zwei bis drei Prozent. Durchgeführt werde sie unter Einwohnern von 13 arabischen Staaten – Mauretanien, Marokko, Tunesien, Ägypten, Sudan, Algerien, Palästina, Libanon, Jordanien, Irak, Saudi-Arabien, Kuweit und Qatar. Dies sei die größte Untersuchung der arabischen öffentlichen Meinung aus der Sicht der Auswahl, der Anzahl der erfassten Länder, der Anzahl der überprüften Variablen und des Umfangs der erfassten Angaben. Ihr Ziel sei die Gewinnung „wichtiger Daten über die Tendenzen in der arabischen öffentlichen Meinung hinsichtlich einer Reihe von Wirtschafts-, sozialen und politischen Frage, die unmittelbar mit der arabischen Bevölkerung zu tun haben, einschließlich der Demokratie, Staatsbürgerschaft, Gleichheit sowie der staatsbürgerlichen und politischen Beteiligung“.