Jüngste Bevölkerungsbefragungen belegen, dass mehr als ein Viertel der Befragten in der Russischen Föderation über eine Verschlechterung ihrer materiellen Lage sprechen. Und deren Verbesserung erklären weniger als zehn Prozent der Befragten. Gerade solch ein Verhältnis der positiven und negativen Bewertungen für die Veränderungen des Wohlstands der Bürger hat sich im Verlauf des letzten Jahres in unserem Land herausgebildet. Russlands Statistikamt Rosstat berichtete über eine Zunahme der Realeinkommen der Bevölkerung im ersten Quartal des laufenden Jahres um 1,5 Prozent. Laut Angaben von Bankiers seien jedoch die Verbraucherausgaben heute deutlich geringer als in den Vergleichszeiträumen des vergangenen Jahres.
In den letzten zwei, drei Monaten habe sich für acht Prozent der Bürger die materielle Lage verbessert, teilten die Soziologen aus der kremlnahen Stiftung „Öffentliche Meinung“ mit. Über eine Verschlechterung ihre materiellen Lage in den gleichen letzten zwei, drei Monaten sprachen 26 Prozent der befragten russischen Bürger. Weitere rund 65 Prozent der Befragten hätten in den letzten Monaten für sich keine erheblichen Veränderungen der materiellen Lage bemerkt. Derart sind die Daten der gesamtrussischen Befragung in Wohnungen, die die Stiftung „Öffentliche Meinung“ in der zweiten Aprilhälfte unter 1500 Bürgern Russlands in 51 Subjekten der Russischen Föderation durchgeführt hatte. Die statistische Fehlerrate solcher Befragungen übersteige keine 3,6 Prozent, behaupten die Soziologen.
Seit März vergangenen Jahres sprechen immer mehr Bürger Russlands über eine Verschlechterung ihrer materiellen Lage. Während im Frühjahr vergangenen Jahres nur 18 Prozent der Befragten über eine Verschlechterung gesprochen hatten, so sind es heute bereits über ein Viertel. Der Anteil jener, die eine Verbesserung ihrer materiellen Lage bemerkten, verringerte sich dementsprechend von 14 bis auf acht Prozent.
So hatte im November vergangenen Jahres jeder vierte Befragte erklärt, dass sich seine materielle Lage in den letzten zwei, drei Monaten verschlechtert hätte. Und über eine Verbesserung der materiellen Lage hatten im Herbst vergangenen Jahres acht Prozent der befragten Bürger Russlands gesprochen. Für einen Vergleich: Im Sommer des Jahres 2024 hatten sich die Anteile der positiven und der negativen Bewertungen für die Veränderungen der materiellen Lage praktisch gedeckt. Mitte des Jahres 2024 hatten 15 Prozent der Befragten über eine Verschlechterung ihrer materiellen Lage gesprochen, und elf Prozent über dessen Verbesserung.
Es muss angemerkt werden, dass derartige Befragungen nicht nur das objektive Bild der Veränderung der materiellen Lage, sondern auch die emotionalen Stimmungen der Befragten wiedergeben. Bis zum Beginn der militärischen Sonderoperation hatten die Soziologen bei Russlands Bürgern Höhen und Tiefen der Eigenbewertungen für die materielle Lage fixiert. So hatten in dem relativ günstigen Jahr 2015 46 Prozent der Befragten von einer Verschlechterung ihrer materiellen Lage gesprochen, von einer Verbesserung nur vier Prozent.
Laut Angaben des staatlichen Allrussischen Meinungsforschungszentrums VTsIOM verspürte rund ein Viertel der Bevölkerung vorrangig negative Emotionen. Und die Größe dieser Gruppe nimmt zu. Dabei erreicht in der Gruppe der Bürger Russlands der Jahrgänge 1992-2000 der Grad der Besorgtheit und des Überwiegens negativer Emotionen 41 Prozent. „Diese Generation trägt eine große soziale Belastung – eine berufliche, familiäre und wirtschaftliche. Die Besorgnis hört auf, ein im Hintergrund bestehendes Gefühl zu sein, und verwandelt sich in ein dominierendes emotionales Regime“, gestehen die VTsIOM-Soziologen ein.
Als vom Einfluss des emotionalen Hintergrunds bereinigte kann man die aktuellen Daten über die summarischen Verbraucherausgaben ansehen, die wöchentlich das Labor „SberIndex“ veröffentlicht. Die realen Verbraucherausgaben waren in der letzten Aprilwoche um1,1 Prozent unterhalb des Wertes des vergangenen Jahres geblieben, teilten die Spezialisten mit. Sie beschreiben ausführlich die wöchentlichen Schwankungen der bargeldlosen Verbraucherausgaben in verschiedenen Warengruppen. Die Gesamtstatistik zeigt aber, dass die laufenden Verbraucherausgaben der Bürger Russlands bereits nicht die erste Woche unter dem Stand des vergangenen Jahres bleiben (unter Berücksichtigung der Daten für die offizielle Inflationsrate). Eine wichtige Bilanz des ersten Quartals ist die drastische Verlangsamung des Ansteigens der realen zur Verfügung stehenden Einkommen der Bevölkerung (gleich um das 5fache im Vergleich zum analogen Zeitraum des Vorjahres), die sich trotz der Verringerung der Inflation vollzogen hat. Die Bekämpfung der Inflation war durch die Zentralbank als eine Methode zur Unterstützung der Zunahme der Realeinkommen der Bürger präsentiert worden: Die Preise sollten nicht die Löhne und Gehälter sowie die Renten „auffressen“.
Freilich, in der Realität werden die Bürger mit den Folgen der Verschlechterung der Finanzlage ihrer Unternehmen konfrontiert. Schließlich hat sich der Anteil der Verluste machenden Unternehmen im Land gleich um 15 Prozent im Vergleich zum Beginn des vergangenen Jahres vergrößert.
Aufgrund der Verschlechterung der finanziellen Lage der Unternehmen in der Russischen Föderation nehmen auch die Lohn- und Gehaltsschulden zu. Die gesamte Verschuldung in Bezug auf Löhne und Gehälter belief sich Ende März dieses Jahres auf 2,130 Milliarden Rubel, was um sechs Prozent über dem Stand vom Februar liegt. Und im Vergleich zum Januar war der März-Wert der überfälligen Lohn- und Gehaltsschulden schon um fast 15 Prozent höher. Allerdings ist der Gesamtumfang der überfälligen Lohn- und Gehaltsschulden noch weit von einem gefährlichen Stand und überschreitet bisher nicht den Wert von ein Prozent des monatlichen Lohn- und Gehaltsfonds der Unternehmen.
Im Februar dieses Jahres (laut den letzten operativen Daten) blieb das Wachstumstempo der durchschnittlichen Löhne und Gehälter praktisch ohne Veränderungen: Die nominellen Löhne und Gehälter sind um 15 Prozent im Vergleich zum Februar des vergangenen Jahres gestiegen. Mit Berücksichtigung der offiziellen Inflationsrate ist das Jahrestempo für die Zunahme der Löhne und Gehälter auf einem Stand von 8,6 Prozent geblieben.
Die realen zur Verfügung stehenden Geldeinnahmen (Einkommen nach Abzug der obligatorischen Zahlungen und entsprechend dem Index der Verbraucherpreise korrigiert) hätten im ersten Quartal dieses Jahres im Vergleich zum entsprechenden Zeitraum des vorangegangenen Jahres um 1,5 Prozent zugenommen, teilte das staatliche Statistikamt Rosstat mit.
Unter den gegenwärtigen Bedingungen, unter denen die meisten Experten eine Stagnation oder gar einen Wirtschaftsrückgang erwarten, wird jede Veröffentlichung von Rosstat zu einer besonders wichtigen. Denn gerade die Mitarbeiter der Behörde von Sergej Galkin (Leiter von Rosstat – Anmerkung der Redaktion) können entweder positive oder negative makroökonomische Daten vorlegen.
Wie die „NG“ bereits mitgeteilt hatte, hat sich das Tempo der Zunahme der Bevölkerungseinkommen entsprechend den Ergebnissen des ersten Quartals dieses Jahres um das 5fache verlangsamt. Dabei sind die Unternehmen mit einer Kette von ausgebliebenen Zahlungen, die oft ab der Ebene der staatlichen Auftraggeber beginnt, konfrontiert worden.