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Die Russländer geraten in die Schuldenfalle


Das Verhältnis der Schulden von den russischen Haushalten zum Geldeinkommen hat seinen historischen Höchstwert von fast 30% erreicht. Diese Experteneinschätzungen basieren auf der Statistik. In anderen Ländern ist die Schuldenlast auf die Bevölkerung in der Regel um ein Vielfaches höher, in Bezug auf diese Kennzahl stehen vielleicht zu Russland nur Ungarn, Lettland und Litauen nah. Die Experten warnen jedoch: der weitere Anstieg der Schuldenlast von Russen kann nicht zur Erhöhung, sondern zur Abschwächung der Konsumtätigkeit führen. Die Schulden müssen zum Schaden der anderen Ausgaben unter den Bedingungen der Stagnation des Realeinkommen erstattet werden.

Nach Angaben von der Zentralbank (ZB) haben die Schulden der Haushalte und ihrer Privaten Organisationen ohne Erwerbszweck im November 2018 die Summe von 15,9 Billionen Rubel erreicht. Im Jahr Ausdruck ist die Schuldenlast um mehr als 22% gestiegen.

Und nach Angaben vom Statistikamt Rosstat ist das Geldeinkommen der Bevölkerung ausschließlich Inflation im Jahr Ausdruck für den Zeitraum vom Januar bis November 2018 nur um 3,6% gestiegen. Dabei war der Realeinkommenszuwachs (inflationsbereinigt) fast null.

Insgesamt beträgt das Kumulativgeldeinkommen der Bevölkerung in den letzten 12 Monatenn etwa 57 Billionen Rubel, sagte der Direktor der analytischen Abteilung von Loko-Invest, Kirill Tremasow, in seinem Bericht. „Das Verhältnis der Schulden zum Einkommen hat in den letzten 12 Monaten einen neuen historischen Höchstwert von 27,84% erreicht“, hat der Wirtschaftexperte berechnet.

Die Tendenz ist, dass dieses Verhältnis bald 30% erreichen und dann dieses Niveau überschreiten kann.

In anderen Ländern ist die Schuldenlast auf die Bevölkerung in der Regel viel höher. Aufgrund Unterschiede in der Methodologie können sich die Ziffern unterscheiden. Allerdings stehen sowohl in der Statistik von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), als auch in den Berichten von Eurostat Ungarn, Lettland und Litauen hinsichtlich der Schuldenlast auf die Bevölkerung zu Russland am nächsten. Nach Angaben von OECD für das Jahr 2017 lag das Verhältnis zwischen den Schulden und dem Einkommen der Haushalte in diesen Ländern bei  43-48%. Und nach Angaben von Eurostat für das gleiche Jahr — bei 33-36%. Dänemark hat die höchste Schuldenlastkennzahl: 280% nach Angaben von OECD und fast 241% nach Angaben von Eurostat.

Viele Länder West- und Nordeuropas sowie die USA, Japan, Südkorea und andere Länder haben eine sehr hohe Schuldenlast auf die Haushalte. Dort ruft das jedoch keine besondere Panik hervor. Zur gleichen Zeit wird in einigen Ländern Osteuropas sowie in Russland der Anstieg der Schuldenlast auf die Bevölkerung als gefährlicher Trend verstanden.

In Bezug auf Russland weisen die von „NG“ befragten Experten auf eine relativ niedrige Schuldenlastkennzahl hin. Sie stellen jedoch klar fest, dass der weitere Anstieg problembehaftet ist.

Falls die Schuldenlast rasch zu steigen beginnt, „kann dies zur Erhöhung der Zahl der Insolvenzfällen unter natürlichen Personen, zum Anstieg der Armut, usw. führen“, warnt Anna Kokorewa, stellvertretende Direktorin des Zentrums für Informationsanalyse „Alpari“. „Insofern die verfügbaren Mittel genügend waren, hat sich die Situation aufgrund der Inflation und des Rubelabfalls geändert; die Leute sind gezwungen zu leihen, um ihre gewöhnliche Lebenshaltung zu halten», fügt die Expertin hinzu.

Laut Vadim Krawtschuk, Analyst der Gesellschaft „Solid“, wird die Einzelkreditierung in Russland weiter, aber nicht so schnell wie in den letzten Jahren, wachsen. Der Experte sagt: «Die negative Folgen solches aktiven Anstieg der Schuldenlast werden sich in der Senkung der allgemeinen Lebenshaltung der Bevölkerung und in der Verschlechterung der Konsumtätigkeit in der Zukunft ausdrücken“. Es gebe jedoch keinen Grund dazu, über die Gefahr einer Kreditkrise in Russland nach Art von  der US-Hypothekenkrise zu sprechen, fügt Krawtschuk hinzu.

Der Pressedienst der Zentralbank teilte „NG“ mit, dass der Regulierer bei der Beurteilung der Schuldenlast auf die Haushalte unter anderem auch das Verhältnis der vertraglich vereinbarten Kreditrückzahlungen zu den Bevölkerungseinnahmen berücksichtigt. „Ein deutlicher Anstieg dieser Kennzahl wurde nur im Jahre 2018 beobachtet: bezogen auf den 1. Oktober 2018 eine Steigeung in  12 Monaten um 0,8 Prozentpunkte auf 8,4% “, erklärt die Zentralbank.

„Fall das laufende Wachstumstempo bleiben wird, kann die Schuldenlast auf die Bevölkerung im nächsten Jahr den Höchststand vom Jahrn 2014 (9%) überschreiten», sagt der Pressedienst der Zentralbank weiter. „Die wachsende Schuldenlast auf die Bevölkerung erhöht die Anfälligkeit der Kreditportfolios von Banken für einen makroökonomischen Schock und bedingt die Banken, die entsprechende Kapitalpuffer zu akkumulieren“.

„In diesem Zusammenhang hat die Bank Rossii die Zulagen für Risikokennzahlen für die nach dem 1. April 2019 ausgegebenen Konsumentenkredite erhöhrt“, sagte der Regulierer. – Außerdem sollen die Banken ab dem 1. Oktober 2019 bei der Gewährung der Krediten an natürlichen Personen den Schuldenlastkennzahl des Kreditnehmers mit dem Rücksicht auf seine Verpfluchtungen zu allen Krediten verrechnen. Abhängig von den Werten der Schuldenlastkennzahl können die Zulagen für Risikokennzahlen festgestellt werden. Mit diesem Instrument können das Risiko eines Anstieges der Schuldenlast der Bevölkerung begrenzt und die Kapitalreserven der Banken erhöht werden“.