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Die Söldnerfirma „Wagner“ führt man in die große Politik ein


Jewgenij Prigoschin, der Gründer der Söldnerfirma „Wagner“ hat ein neues Video von der Front veröffentlicht, in dem grobe Kritik an Erklärungen des KPRF-Staatsduma-Abgeordneten Viktor Sobolew formuliert wird. Zuvor hatte dieser Zweifel an den legitimen Status dieser Struktur und jener, die ihr angehören, angemeldet. Seine nicht allzu sehr gelungenen Aussagen waren akkurat aus dem Kontext ausgeschnitten worden. Und der „Informationsfleischwolf“ lief auf Hochtouren. Allem nach zu urteilen, führt man die „Wagner“-Männer zielstrebig weiter in die große Politik ein. Und die Organisatoren dieses Prozesses scheinen die öffentlichen Androhungen der Sturmleute, „auf den Roten Platz zu kommen“, um jene daran zu hindern, die das Land zu einer Niederlage führen würden, nicht zu beunruhigen.

Der linke General Sobolew äußert sich nicht das erste Mal unangenehm über das Wirken der privaten Militärfirma „Wagner“. Hier aber erläuterte er, dass ein Wechsel regulärer Militärs zu ihr durchaus unter strafrechtliche Artikel, die unter den Bedingungen der sogenannten militärischen Sonderoperation Russlands in der Ukraine verschärft wurden, fallen könne.

Und während Prigoschin über seine Media-Ressourcen dem General im Ruhestand noch mit einem geringen Umfang an obszönen Beschimpfungen antwortete, so hat ein Video mit Figuren von drei Kämpfern diese nicht bloß überboten. Unter den gewöhnlichen Aussagen kann man nur das Wort „Abgeordneter“ vernehmen, ja, und auch noch den Namen des Figuranten dieses Videopamphlets. Wenn man sich kurzfasst, so besteht dessen Sinn darin, dass es für Sobolew einerseits nicht schlecht wäre, selbst an die Front zu kommen. Andererseits sei es im Großen und Ganzen aber besser für ihn, dies nicht zu tun, da den Kommunisten dort jegliche Erniedrigungen erwarten würden. Jedoch ist nicht einmal dies das Wichtigste. Eine entwertete bzw. abgewertete Lexik ist schon lange zu einer gewissen Polittechnologie der „Wagner“-Leute und ihrer Anhänger geworden.

Daher sieht die öffentliche Androhung, deren Inhalt durchaus eindeutig beispielsweise im Rahmen der antiextremistischen Gesetzgebung einen Ausgangspunkt bilden könnte, als ein wesentlicherer politischer Durchbruch in dieser Richtung aus. Wenn sozusagen aufgrund solcher wie Sobolew, die sich nicht um ihre eigenen Angelegenheiten scheren, das Land verlieren werde, die Teilnehmer der militärischen Sonderoperation „auf den Roten Platz kommen müssen“. Weiter folgte erneut eine unflätige Beschreibung dessen, was dann mit diesen gewollten oder ungewollten Verrätern der Heimat passieren könne. Bezeichnend ist, dass der Pressedienst Prigoschins den ganzen 16. Mai nicht eine einzige Frage über diese Situation veröffentlichten und nicht einen einzigen Kommentar publizierte. Übrigens, recht symptomatisch ist auch das Schweigen der russischen Aufsichtsbehörde Roskomnadzor, der Institution, die eine offizielle Liste von im Medienraum verbotener Schimpfwörter und -formulierungen in ihren Händen hat.

Der 73jährige Generalleutnant im Ruhestand, in dessen Armee-Biographie tiefsinnige Forscher angeblich stabile einstige Kontakte mit dem heutigen Generalstabschef der Streitkräfte der Russischen Föderation Valerij Gerassimow finden, hat in den letzten Tagen mehrfach versucht, mal sich zu erklären und sich mal zu rechtfertigen. Derweil kann er offenkundig schon nicht mehr aus dem „Informationsfleischwolf“ herauskommen, was auch seine Worte vom 16. Mai belegen. Angeblich habe Sobolew auch schon gesagt, dass er sich nicht anschicke, sich mit den „Wagner“-Leuten zu zanken. Dabei äußert er sich aber dennoch äußerst negativ über sie. Allem nach zu urteilen, erlauben seine Lebensgenesis und sicherlich das Alter dem Abgeordneten nicht zu begreifen, dass er auf die mediale Schlachtbank geworfen worden ist. Übrigens, KPRF-Chef Gennadij Sjuganow hatte am Dienstag in der Staatsduma riskiert, den Versuch zu unternehmen, lediglich indirekt den Fraktionskollegen zu verteidigen, indem er andeutete, dass es vielleicht für die Offiziellen an der Zeit sei, sich mit der Situation zu befassen. Er erklärte, dass laut seinen Angaben sich die heutigen Studenten beinahe durchweg die Videos mit Prigoschin anschauen würden. Und ganz und gar nicht Sendungen des Staatsfernsehens, das sie ordentlich erziehen sollte.

Seinerseits verurteilte der Vorsitzende der Partei „Gerechtes Russland – Für die Wahrheit“, Sergej Mironow, dessen Partei — allem nach zu urteilen — in diesen Tagen ein öffentliches Bündnis mit der militärpolitischen Gruppierung Prigoschins eingehen wird, die Aussagen Sobolews mit aller Macht. Der Chef dieser Parlamentspartei erklärte: „Im Hinterland sitzend, ist es absolut unzulässig, die Frontkämpfer nach „schwarzen“ und nach „weißen“, in „der ersten“ und der „zweiten Sorte“ zu unterteilen“. Und natürlich machte er wieder all jenen Duma-Abgeordneten einen Vorwurf, die die Initiative der Mironow-Partei über den Status privater Militärfirmen nicht unterstützen. „Aufgrund ihrer Gnade ist (die Firma) „Wagner“ nach wie vor nicht legalisiert worden und kämpfen ihre Kämpfer „illegal“, kommen diese „illegitim“ ums Leben und werden verwundet. Möglicherweise muss man da aus ihrer Sicht auch alles „ungesetzlich“ vergossene Blut den Streitkräften der Ukraine überlassen? Ich bin zutiefst in der Seele über eine sozusagen derartige Position empört“, erklärte der 70jährige Mironow. Da er genau wisse, wer dieser Sobolew sei und was jener in der Fraktion der KPRF mache, könne man dies als einen Schlag gegen die Konkurrenten auf dem Feld des patriotischen Elektorats interpretieren.

Dabei interessieren jene, die gegenwärtig die „Wagner“-Leute weiter in die große Politik einführen, offensichtlich solche elektoralen Peanuts nicht allzu sehr. Diese Gruppe in den Führungsriegen des Landes, und Schutzpatron für die allen bekannte Söldnerfirma wird, wie es scheint, kein anderer sein können, fürchtet allem nach zu urteilen keine möglichen rechtlichen Konsequenzen für ihren Protegé. Dies bedeutet wiederum offensichtlich, dass solcherart Konsequenzen gerade auch eine der ihr eigenen Management-Ressourcen ist.