Seit Montag gilt in Russland ein Verbot für den Export von Flugzeugkerosin. Wie in der russischen Regierung präzisiert wurde, sei die Einschränkung eine zeitweilige und auf eine Stabilisierung der Situation auf dem Binnenmarkt ausgerichtet. In einer Reihe von Regionen dauern die Restriktionen für den Verkauf von Benzin an. Die Offiziellen von Sewastopol erwarten beispielsweise jetzt, dass die Probleme mit den Kraftstoff-Lieferungen einen Monat lang andauern werden. Über Störungen berichten auch die russischen Agrarier.
Wie in der Regierung der Russischen Föderation präzisiert wurde, sei die Einschränkung des Exports von Flugzeugkerosin eine zeitweilige werde bis Ende November gelten. Unter das Verbot fällt Kerosin, das unter anderem im Börsenhandel erworben wurde. Eine Ausnahme bilden die Partien von Flugzeugkerosin, die zur Zollabfertigung bis zum Inkrafttreten des Beschlusses über die zeitweilige Einschränkung von Lieferungen im Rahmen von Regierungsabkommen gelangt sind, aber auch das Kerosin in technologischen Tanks, das von Flugzeugen auf deren Flugrouten genutzt wird.
„Das Ziel der getroffenen Entscheidung ist die Gewährleistung einer stabilen Situation auf dem Kraftstoff-Binnenmarkt“, heißt es in einer entsprechenden Regierungsmitteilung. Seinerseits unterstrich Transportminister Andrej Nikitin am Montag: Es gebe gegenwärtig keinen Mangel an Flugzeugkerosin in Russland. „Auf jeden Fall gehen wir in jeglicher Situation von den Interessen unserer Fluggesellschaften aus“, sagte er.
Das Verbot für den Export von Flugzeugbenzin ist noch eine Maßnahme der Regierung zur Regelung der Situation auf dem Kraftstoff-Markt. Anfang April hatte das Ministerkabinett das bis Ende Juli geltende Verbot für einen Export von Benzin auch auf dessen Hersteller ausgedehnt. Bisher galten die Restriktionen nur für Nichthersteller von Benzin.
Die Staatsbeamten an sich versichern hochheilig: Der Binnenmarkt sei vollkommen mit Kraftstoffen gesättigt. Derweil werden aber in einer Reihe von Regionen die Einschränkungen für den Verkauf von Benzin ausgedehnt. Es sei daran erinnert, dass man in der vergangenen Woche auf der Krim und in Sewastopol erlaubt hatte, Benzin der Marken Ai-92 und Ai-95 nur gegen Bezugsscheine zu verkaufen. Davor hatte man in den Subjekten Einschränkungen für den Verkauf an natürliche Personen festgelegt – maximal 20 Liter je Auto oder Kanister.
Die Frage nach einer Beschränkung des Verkaufs von Benzin der Marken Ai-95 und Ai-92 auf der Krim sei ein aktuelles Problem, das gelöst werden müsse, erklärte am Montag der Pressesekretär des russischen Präsidenten, Dmitrij Peskow. Nach seinen Worten würde man auf allen Behördenebenen an der Lösung des Problems arbeiten.
Am Montag hatte Sewastopols Gouverneur Michail Raswoschajew versichert, dass für Sewastopol Kraftstoffe in einer ausreichenden Menge eingekauft worden seien. Und die Behörden würden planen, die Lieferungen zu forcieren. „Es ist klar, dass im nächsten Monat die logistischen Schwierigkeiten andauern werden“, sagte er. Laut den Daten, die von Beamten genannt worden waren, ist in Sewastopol ein Vorrat an Kraftstoffen für eine Absicherung der städtischen Bedürfnisse für anderthalb Monate geschaffen worden.
Die Krim ist nicht die einzige Region Russlands, wo Störungen bei den Lieferungen beobachtet werden. Einschränkungen für den Verkauf von Ai-95-Benzin hatte man früher auch in mehreren Kreisen des Verwaltungsgebietes Kostroma eingeführt. Regionale Medien berichteten über Einschränkungen für den Benzinverkauf an mehreren Tankstellen des Verwaltungsgebietes Twer. Probleme mit Kraftstoffe werden in den Verwaltungsgebieten Magadan und Murmansk beobachtet. Am Montag informierte die Moskauer Kraftstoff-Assoziation über eine Beschleunigung des Ansteigens der Kraftstoffpreise auch an hauptstädtischen Tankstellen. Laut deren Angaben sei der durchschnittlich gewichtete Preis für Dieselkraftstoff innerhalb einer Woche um 56 Kopeken bis auf 78,49 Rubel je Liter (umgerechnet etwa 1,10 Euro) gestiegen, für Ai-92 um 24 Kopeken bis auf 64,67 Rubel je Liter und für Ai-95 um 35 Kopeken bis auf 71,46 Rubel je Liter.
Die Zunahme der Benzinpreise übersteigt nach wie vor die allgemeine offizielle Inflationsrate im Land. In der Woche vom 19. bis einschließlich 25. Mai erhöhten sich die Fahrzeuge für Benzin um 0,3 Prozent, während es in der Vorwoche noch 0,11 Prozent gewesen waren. Ein Ansteigen der Benzinpreise wurde in 65 Regionen Russlands fixiert. Im Ergebnis dessen sind die Benzinpreise bei einer gesamten Jahresinflation von derzeit 5,33 Prozent um 12,69 Prozent in die Höhe geschnellt. Die spürbarste Verteuerung wurde im Süden Russlands und im Wolgagebiet fixiert.
Die Großhandelspreise für Benzin sind im April fast um 32 Prozent auf das Jahr hochgerechnet angestiegen, ergibt sich aus den Daten des staatlichen Statistikamts Rosstat. Die Preise der Hersteller haben im gleichen Zeitraum um 5,5 Prozent zugenommen.
Die Kraftstoffkosten für die einheimischen Agrarerzeuger sind in den letzten zwei Monaten um 35 Prozent gestiegen, berichten russische Agrarier. Die Zunahme der Preise ist nicht das einzige Problem für sie. Nach Aussagen des stellvertretenden Vorsitzenden der Vereinigung „Volkslandwirt“ Babken Ispirjan würden viele Agrarerzeuger mit einem Mangel an Kraftstoffen auf dem Markt konfrontiert werden. In einigen Fälle gebe es sie einfach nicht in den Großhandelslieferungen, was zusätzliche Schwierigkeiten in der Zeit der Feldarbeiten, in der die Nachfrage nach Kraftstoffen erreicht, verursache, unterstrich er. Der Preisanstieg bei den Kraftstoffen beeinflusst unmittelbar die Selbstkosten der Agrarerzeugnisse.
P. S.
Geht man den Ursachen nach den gegenwärtigen Schwierigkeiten auf dem russischen Kraftstoff-Markt nach, muss man nicht lange suchen. Ergeben haben sie sich vor allem durch die regelmäßigen Attacken ukrainischer Drohnen gegen die entsprechende Infrastruktur. Laut Berechnungen der Nachrichtenagentur Reuters, die am 15. Mai vorgelegt wurden, sind durch ukrainische Drohnen seit Beginn des Jahres mindestens 16 Raffinerien betroffen worden, womit elf Prozent der Kapazitäten für die Erdölverarbeitung in der Russischen Föderation außer Betrieb gesetzt wurden.
Laut Angaben der Agentur standen in den ersten fünf Monaten täglich Kapazitäten für eine Erstverarbeitung von 95.000 Tonnen Erdöl aufgrund der Drohnen-Attacken still. Insgesamt sind seit Jahresbeginn 35 Anlagen für eine Erstverarbeitung von Erdöl mit einer Gesamtleistung von über 390.000 Tonnen am Tag ausgefallen. Die größten Raffinerien unter ihnen befinden sich in Kirischi, Nischnij Nowgorod, Perm, Saratow, Samara, Wolgograd und Tuapse.
Dazu kommen die ukrainischen Attacken gegen Tanklager. Die Folge, die Ölkonzerne mussten die Förderung drosseln, da das geförderte Erdöl nirgends in ausreichenden Mengen zwischengelagert werden kann.
Die Moskauer Wirtschaftszeitung „Kommersant“ schrieb bezüglich des Benzinmangels an Tankstellen des Landes, dass durch die Arbeitsunterbrechungen der Raffinerien die Auslieferung von Benzin mehr Zeit in Anspruch nehme, überdies würden die erforderlichen Instandsetzungsarbeiten vielfach mehr als einen Monat dauern nehmen. Und die verursachen zusätzliche, nicht geplante Ausgaben, die die Ölkonzerne auch über die schrittweise Anhebung der Preise an den Tankstellen wettzumachen suchen (vor dem Hintergrund der ohnehin eingebrochenen Gewinne und abgesagten Ausschüttung von Dividenden an die Aktionäre).