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Die Sportwelt hat die Bedingungen Trumps angenommen


Nachdem die Führung der Vereinigten Staaten angeordnet hatte, Präsident Nicolás Maduro aus Venezuela herauszubringen und vor Gericht zu stellen, ergab sich für viele die private, aber aktuelle Frage: Wie stehen denn die internationalen Sportverbände dem gegenüber? Sind irgendwelche Verbote und Sanktionen gegen die USA möglich? Wird dies die Teilnahme der Amerikaner an den Olympischen Winterspielen, die im Februar in Italien stattfinden, berühren? Interessant ist auch das, wie sich FIFA-Präsident Gianni Infantino fühlt, der vor kurzem Donald Trump den Friedenspreis seines Verband überreichte.

Es macht gleichfalls Sinn, daran zu erinnern, dass die Vereinigten Staaten zusammen mit Kanada und Mexico die FIFA-Fußball-WM in diesem Sommer ausrichten werden. Nach den Venezuela-Ereignissen begann man in verschiedenen Ländern, sich die Frage zu stellen, wird man den USA nicht das Recht auf die Ausrichtung der WM wegnehmen? Überdies scheint unter Berücksichtigung der Rückkehr Trumps zur Doktrin von einer Herrschaft seines Landes in der Westlichen Hemisphäre die eigentliche Idee einer gemeinsamen Organisation des Championats gelinde gesagt keine ideale zu sein. Trump hatte sich zu Beginn seiner zweiten Amtszeit provokant über die potenzielle Angliederung Kanadas an die USA als ein einzelner Bundesstaat geäußert. Nach der Entführung von Maduro sprach er auch über ein potenzielles Eingreifen in die Angelegenheiten Mexicos. Nach seinen Worten sei die Präsidentin dieses Landes eine „gute Frau“, doch real würden die Drogenkartells Mexico lenken.

Dass dies bis zum Sommer möglicherweise geschehen wird, kann nicht vorausgesagt werden. Zur Weltmeisterschaft kann es die Auswahl von Dänemark, das Landes, dem Trump gern Grönland wegnehmen möchte, noch schaffen. Unklar ist, wie sich die Beziehungen der USA mit Kolumbien und dem Iran gestalten werden, deren Auswahlmannschaften sich bereits für das Weltchampionat qualifiziert haben.

Was immer auch sein mag, die Sportverbände haben allem Anschein nach nicht vor, irgendwelche drastischen Schritte zu unternehmen und Erklärungen abzugeben. Im IOC-Pressedienst antwortete man dem russischen Sport-TV-Sender Match TV in Bezug auf Venezuela und die Konsequenzen so: „In der Welt, die von Konflikten und Meinungsverschiedenheiten erschüttert wird, ist das Internationale Olympische Komitee fest davon überzeugt, dass der Sport ein Leuchtturm der Hoffnung bleiben muss, eine Kraft, die die ganze Welt im friedlichen Wettstreit vereint“. Das IOC müsse, wie es im Pressedienst hieß, „die schwierige Realität meistern“, „den politischen Kontext und die letzten Ereignisse in der Welt berücksichtigen“, könne sich aber nicht „direkt in politische Fragen oder Konflikte zwischen Ländern einmischen“ und müsse nur „die Möglichkeit einer Teilnahme der Sportler an den Olympischen Spielen ungeachtet ihrer Herkunft gewährleisten“.

In Russland haben diese Aussagen natürlich Sarkasmus und Skepsis ausgelöst. Für Sportler aus der Russischen Föderation ist es beispielsweise nach Beginn des Ukraine-Konflikts recht schwer geworden, an internationalen Wettkämpfen inklusive der Olympiaden (zum Beispiel der Pariser im Jahr 2024) teilzunehmen. Das IOC kann allerdings erwidern, dass die neue Führung der Organisation alle erforderlichen Empfehlungen den internationalen Verbänden gegeben habe, schrittweise hebe man den Bann gegen russische Athleten auf. Doch für die Schwierigkeiten mit den Visa, der Logistik und der politischen Sturheit einzelner Staaten sei das Komitee nicht verantwortlich. Anders gesagt: Das Gewissen des IOC ist ein reines.

Einige Politiker, zum Beispiel britische, fordern, dass Gianni Infantino konsequent sein müsse und die FIFA die USA genauso wie Russland im Jahr 2022 bestrafen solle. Jedoch ist dies vom FIFA-Präsidenten nicht zu erwarten. Im Oktober letzten Jahres, als eine analoge Frage aufgrund von Israel im Raum stand, erklärte er, dass seine Organisation „geopolitische Probleme nicht lösen kann“. Infantino hat ausgezeichnete Beziehungen mit Trump (weshalb man ihn kritisiert). Und er wird schlicht und einfach nicht beginnen, etwas zu ändern.

Für Russland ergeben sich im Zusammenhang damit starke Argumente zum eigenen Nutzen. Es ist wichtig zu betonen, dass die Russische Föderation nicht verlangt, den amerikanischen Sport zu bestrafen, genauso wie sie keine Bestrafung für Israel forderte. Sie kann einfach eine Aufhebung der Sanktionen gegen die russischen Athleten erreichen, da es in den anderen Fällen keine Konsequenz gibt. Sowohl für die FIFA als auch das IOC wird es immer schwieriger, nicht darauf zu reagieren und einen Staus quo zu bewahren, wobei so getan wird, dass „dies etwas anderes ist“.