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Die „sunnitische Achse“ schafft ihre Zügelungsarchitektur


Saudi-Arabien, die Türkei und Pakistan haben in Mekka einen historischen Vertrag über eine kollektive Verteidigung abgeschlossen. Im Pakt von Mekka, den die Staatsoberhäupter der drei Staaten am 7. August unterzeichneten, heißt es, dass seine Konzeption „auf eine Verstärkung einer gemeinsamen Zügelung jeglicher Aggression abzielt“ und „eine Entwicklung der Verteidigungszusammenarbeit zwischen den drei Staaten in allen Aspekten vorsieht“. Allerdings ist zum wichtigsten Element der Vereinbarungen die Frage nach einer Verstärkung der kollektiven Sicherheit geworden. Dieser Punkt, der das Artikel-5-Prinzip der NATO kopiert, sieht vor, dass jeglicher bewaffnete Überfall auf eines der Länder der neuen Allianz als ein Überfall auf alle gewertet wird. Unter den Bedingungen des andauernden bewaffneten Konflikts im Nahen Osten, der schon längst über den Rahmen des Irans hinausgegangen ist, bedeutet dies eine grundlegende Veränderung des bisherigen Systems der regionalen Sicherheit und das Auftauchen neuer Regeln für ein Zügeln.

Zum Fundament für das Entstehen des Dreiecks Türkei-Saudi-Arabien-Pakistan war die Unterzeichnung eines pakistanisch-saudiarabischen strategischen Militärabkommens am 17. September 2025 geworden. Die Vereinbarungen waren als ein symbolisches Dokument über die Entwicklung einer Zusammenarbeit im Verteidigungsbereich präsentiert worden. Jedoch war schon damals klar gewesen, dass die Länder eine institutionelle Grundlage für die Formierung einer prinzipiell neuen Verteidigungsachse schaffen und sich langsam zu einer Selbstabsicherung im Bereich der Sicherheit bewegen. Wenige Tage vor dem, als am 28. Februar 2026 die amerikanisch-israelische Operation im Iran begann, hatte der Premierminister des jüdischen Staates Benjamin Netanyahu offen das sich herausbildende Dreieck als eine „radikale sunnitische Achse“ bezeichnet, die nach seinen Worten von ihrem Wesen her der „schiitischen Widerstandsachse“ — dem Klub der dem Iran gegenüber loyalen Länder und Gruppierungen – gleichkomme.

Die Teilnehmer des Dreierbündnisses versichern, dass das Abkommen von Mekka ausschließlich einen Verteidigungscharakter trage und dass es nicht gegen die Interessen irgendeines anderen Landes ausgerichtet sei. Es ist jedoch unschwer zu erraten, dass die Bildung des militärpolitischen Dreiecks in einer für den Nahen Osten so krisenschweren Zeit sowohl durch den Verlust von Positionen der proiranischen Achse als auch durch die zunehmenden militärischen Aktivitätten Israels in der Region ausgelöst worden ist. Die zweijährige Militäroperation im Gaza-Streifen, die Dislozierung von Truppen im Libanon und in Syrien, aber auch dass Lobbyieren militärischer Schläge gegen den Iran durch die USA haben nur in der Vorstellung der Nahostländer den Ruf Israels als einen unkontrollierbaren Akteur verstärkt, der durch seine Handlungen die Stabilität der Region erschüttert, die Souveränität der Nachbarn unter verschiedenen Vorwänden antastet, die Autorität der Nachbarn untergräbt und sich rücksichtslos in die bilateralen Beziehungen der Vereinigten Staaten und der anderen Nahost-Staaten einmischt.

Vor dem Hintergrund des Krieges gegen den Iran haben amerikanische offizielle Vertreter mehrfach die Hoffnung bekundet, dass der Konflikt die moslemischen Länder zu einer Teilnahme an den Abraham-Abkommen – einem strategischen Programm, dass ursprünglich eine Verringerung der diplomatischen Distanz zwischen Israel und den arabischen Ländern vorsah – veranlasst. Angenommen wurde, dass zu deren nächstem Unterzeichner Saudi-Arabien werde. Die Block-Landschaft des Nahen Ostens hat sich jedoch nach dem Krieg im Iran in der eigenen Logik zu verändern begonnen. Die regionalen Verbündeten der Vereinigten Staaten begannen, an der Zuverlässigkeit des amerikanischen militärischen „Schirms“ zu zweifeln und zu begreifen, dass das Zügelungspotenzial der amerikanischen Sicherheitsarchitektur Grenzen besitzt. Unter diesen Umständen haben es die regionalen Schwergewichte vorgezogen, auf das Konstruieren eines eigenständigen Systems zur Zügelung zu setzen. Und es wird für die Vereinigten Staaten einen Verlust des Status eines alternativlosen Garanten auf dem Sicherheitsgebiet bedeuten und wahrscheinlich einen Impuls für eine Revision des Formats deren militärischen Präsenz im Nahen Osten auslösen.