In Armenien durchgeführte Meinungsumfragen zeigen, dass die Partei „Zivilvertrag“ der vorbehaltlose Favorit im Wahlkampf ist. Nach Einschätzung internationaler Beobachter habe jedoch die regierende Partei ihren Vorteil in einem ungleichen Kampf erhalten.
Armeniens Premierminister Nikol Paschinjan hat die Einweihung der Bahnlinie Kars–Achalkalaki bekanntgegeben. Sie ist offen für den Ex- und Import Armeniens. Im Zusammenhang damit dankte er der Türkei und Georgien für die geleistete Arbeit, wobei er unterstrich, dass Jerewan jetzt eine Bahnverbindung über das Territorium Georgiens und Aserbaidschans mit Russland und später über das Territorium Russlands und Kasachstans mit China, aber auch über das Territorium Georgiens und der Türkei mit der Europäischen Union habe. Außerdem werde nach Aussagen des Regierungschefs im Rahmen des Programms „Trump-Route“ in der nächsten Zeit eine direkte Bahnverbindung Armeniens mit der Türkei und Aserbaidschan, aber auch mit dem Iran über Nachitschewan geschaffen.
„Ein neuer Schritt zu einem direkten Handel im Rahmen des Prozesses zur Normalisierung der Beziehungen zwischen der Türkei und Armenien. Ich hoffe, dass dieser neue Schritt, der gleichfalls die vierseitige Zusammenarbeit zwischen der Türkei, Armenien, Aserbaidschan und Georgien verstärken und einen erheblichen Beitrag zum regionalen Frieden und zur regionalen Stabilität leisten wird, all diesen Ländern Erfolg bringen wird“, erklärte der Sondervertreter der Türkei Serdar Kılıç.
Es sei hervorgehoben, dass die Öffnung der Grenzen und die Anbahnung diplomatischer und wirtschaftlicher Beziehungen mit den Nachbarn ein zentraler Teil des Wahlkampfprogramms der in Armenien regierenden Partei „Zivilvertrag“ sind. Folglich demonstriert Paschinjan im Vorfeld der Parlamentswahlen (die am 7. Juni abgehalten werden – Anmerkung der Redaktion) den Wählern nicht mit Worten, sondern mit Taten die Fähigkeit seines Teams, die gestellten Ziele und ein Vertrauen in dieses seitens der Spitzenvertreter der Nachbarländer zu erreichen.
Parallel dazu haben armenische Medien die Ergebnisse einer amerikanischen soziologischen Untersuchung veröffentlicht, der gemäß „Zivilvertrag“ der vorbehaltlose Favorit des Wahlkampfes sei. Unter anderem seien 32 Prozent der Befragten bereit, für die Partei Paschinjans zu stimmen. Für die populärste oppositionelle Organisation „Starkes Armenien“ aber – sechs Prozent. Dieser Untersuchung nach zu urteilen, riskieren die anderen Kräfte, die Sperrklausel nicht zu überwinden, die für Parteien vier Prozent, für eine Allianz aus einer bzw. zwei Parteien acht Prozent und für ein größeres Bündnis zehn Prozent ausmacht.
Im Rating des persönlichen Vertrauens führt Paschinjan. Er genießt bei 27 Prozent der Befragten Vertrauen. Ihm folgt der Führer von „Starkes Armenien“ Samwel Karapetjan mit sechs Prozent. Dabei haben 61 Prozent der Befragten der amerikanischen Studie erklärt, dass sich die Republik in einer richtigen Richtung bewege.
Was die internationalen Partner angeht, so halten 39 Prozent Frankreich für den wichtigsten unter ihnen, 35 Prozent Russland, 34 Prozent der Europäische Union. Als größte politische Bedrohung erwiesen sich Aserbaidschan (73 Prozent) und die Türkei (58 Prozent). Außerdem plädierten 75 Prozent für einen Beitritt Armeniens zur Europäischen Union, erklärten die Vertreter des amerikanischen Umfrageinstituts.
Eine Umfrage von MPG/Gallup International Association zeigte ein für die Opposition attraktiveres Bild. Laut den Daten dieser Soziologen unterstützen „Zivilvertrag“ 28,9 Prozent der Befragten, „Starkes Armenien“ 14,9 Prozent, „Armenien“ 12,1 Prozent, „Blühendes Armenien“ 8,7 Prozent und „Flügel der Einheit“ 5,8 Prozent.
Der wissenschaftliche Mitarbeiter des in Jerewan beheimateten „Kaukasus-Instituts“ Grant Mikaeljan sagte der „NG“, dass ihm die durchgeführten Befragungen als engagierte erscheinen würden. Außerdem habe aus der Sicht des Experten vielen die Aggression Angst gemacht, mit der „Zivilvertrag“ den Wahlkampf führe. Daher würden sie es ablehnen, auf die Fragen von Soziologen zu antworten, oder sie belügen.
„Nach meinen Beobachtungen haben die Herrschenden und die Opposition etwa gleiche Siegeschancen. Ich erwarte, dass „Zivilvertrag“ rund 40 Prozent der Stimmen erhalten wird. Und die Opposition wird insgesamt etwa genau so viele erhalten. Daher ist ein zweiter Uirnengang möglich. Vieles wird davon abhängen, wer gerade die Sperrklausel überwinden kann“, unterstrich Mikaeljan.
Ihrerseits hat die Wahlbeobachtungsmission des Büros für demokratische Institutionen und Menschenrechte (englisch: Office for Democratic Institutions and Human Rights – ODIHR) der OSZE ihren Zwischenbericht zu den Parlamentswahlen in Armenien veröffentlicht (https://odihr.osce.org/sites/default/files/documents/official_documents/2026/05/ARM%20Parliamentary%202026_EOM_interim%20report_22.05.2026.pdf). Nach Einschätzung der Beobachter erfolge insgesamt die Organisation der Abstimmung im Rahmen der Gesetze, sei aber nicht frei von Systemproblemen. Sie würden vor allem mit dem politischen Klima im Land und der Nutzung administrativer Ressourcen u. ä. Zusammenhängen. Zum Beispiel habe Paschinjan Konzerte organisiert, die von der Bevölkerung als Wahlkampfaktionen angesehen wurden, obgleich es noch keinen offiziellen Start für den Wahlkampf gegeben hatte. Außerdem haben im Vorfeld der Wahlen mehrere sozial orientierte Regierungsprogramme zu wirken begonnen.
Derweil erklärte Paschinjan bei einer neuen Wahlkampfkundgebung, dass er vorhabedem Anführer der Oppositionspartei „Blühendes Armenien“ alle Häuser wegzunehmen. „Wir werden Gagik Zarukjan alle Häuser abnehmen. Bis zum Jahr 2031 soll das Haus von Zarukjan auf dem Berggipfel zu einem Zentrum für die Betreuung von Betagten werden“, sagte Paschinjan.