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Die Ukraine forciert die Drohnen-Attacken


Die Praxis der internationalen Diplomatie hinsichtlich einer Beilegung bewaffneter Konflikte zeigt: Für das Erreichen des gewünschten Ergebnisses bei Friedensverhandlungen, um sich auf sie einzulassen, muss man vorab erkennbare Ergebnisse auf dem Schlachtfeld erzielt haben. Die seit dem 4. Juni laufende Konteroffensive der ukrainischen Streitkräfte hat die russische Armee nur um ganz wenige Kilometer zurückgedrängt. Und dies nur an einzelnen Frontabschnitten. Dies ist ganz und gar nicht das, was vom Kiewer Regime gefordert wird. Daher hat es beschlossen, militärische Erfolge auf eine andere Art und Weise zu erzielen. Und zwar durch ein signifikantes Forcieren der Schläge gegen Objekte in der Tiefe des russischen Territoriums mit Hilfe aller in den Arsenalen der Streitkräfte der Ukraine vorhandenen Drohnen, unbemannten Schnellbooten, Flügelbomben (Storm-Shadow-Marschflugkörpern, die von Großbritannien erhalten wurden) und sogar Luftabwehrraketen, die zu aeroballistischen umgerüstet wurden (sowjetische S-200-Komplexe, die schon längt aus der Bewaffnung der ukrainischen Armee genommen worden waren).

Zumindest eine Andeutung einer Wende im Verlauf des bewaffneten Konflikts muss bis zum 19. September erreicht werden, wenn in New York bei der nächsten UNO-Vollversammlung die sogenannte Woche der hochrangigen Vertreter beginnt. Eine persönliche Teilnahme an ihr plant der ukrainische Präsident Wladimir Selenskij. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg meldete, werde er eine gewisse neue Variante seines „Friedensplans“ vorstellen. Der vorangegangene Plan aus zehn Punkten stieß auf kein Verständnis Moskaus. Dmitrij Peskow, der Pressesekretär des russischen Präsidenten, betonte, dass der damalige Vorstoß Selenskijs für eine friedliche Konfliktregelung die „existierenden Realitäten“ nicht ins Kalkül gezogen hätte. Und die Frontfrau des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, erklärte bei ihrem Briefing am vergangenen Mittwoch, dass es für Kiew gar keine Friedensagenda geben würde.

Die Aufmerksamkeit internationaler Massenmedien hatte ein Auftritt des ukrainischen Staatsoberhauptes am 30. Juli in Iwano-Frankowsk ausgelöst. Er sagte, dass der Krieg aufs Territorium Russlands komme. Und „dies ist ein unweigerlicher Prozess“. Obgleich Selenskij nicht in klarer Form die Verantwortung für die Drohnen-Angriffe aus Moskau übernahm (schenkt man Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin und dem russischen Verteidigungsministerium Glauben, so soll es am Sonntag erneut den Versuch eines ukrainischen Drohnen-Angriffs auf Objekte in der Hauptstadt gegeben haben, die jedoch vereitelt worden seien – Anmerkung der Redaktion), versprach er, dass „der Krieg in die Tiefe des Territoriums Russlands – zu dessen symbolischen Zentren und Militärstützpunkten – zurückkehren wird“. Nach Meinung von Experten käme eine solche Erklärung dem Befehl an die Militärs gleich, verstärkte Attacken mit allen vorhandenen Mitteln in der Tiefe des Territoriums von Russland zu führen. Bisher hatte Selenskij seine Beteiligung an der Mai-Attacke gegen den Moskauer Kreml mittels Drohnen nicht eingestanden, wobei er erklärt hatte: „Die Ukraine ist zu sehr mit der Selbstverteidigung beschäftigt, um Attacken im Ausland durchzuführen“.

Der chinesische TV-Kommentator Guāng Yáo bewertete die Erklärung von Selenskij in Iwano-Frankowsk, die durch eine Aktivierung der Angriffsdrohnen untermauert wurde, als den Versuch, Moskau zu veranlassen, seine Position bei künftigen Friedensgesprächen abzuschwächen. Dem gleichen Ziel dienen auch die Worte von Anna Maljar, der stellvertretenden Verteidigungsministerin der Ukraine, in denen sie faktisch die Tatsache der Beschädigung der Krim-Brücke durch ukrainische Marine-Drohnen bestätigte.

Wie die Ereignisse Ende Juli und Anfang August zeigten, hat des Kiewer Regime nicht vor, sich darauf zu beschränken. Einer Gruppe westlicher Journalisten wurde ein geheimer Stützpunkt der Seestreitkräfte der Ukraine gezeigt, wo unbemannte Schnellboote stationiert sind – darunter neue Modelle, die halb abgetaucht agieren und in der Lage sind, eine größere Menge von Sprengstoff zu transportieren. Allem Anschein nach sind derartige am 1. August im Verlauf einer Attacke auf russische zivile Frachter, die in Richtung Bosporus unterwegs waren, eingesetzt worden, aber auch gegen den Tanker „Sig“ im Bereich der Straße von Kertsch und kurz zuvor gegen ein Landungsschiff der russischen Kriegsmarine. Laut Informationen des russischen Verteidigungsministeriums seien durch Schiffe der Seekriegsflotte Russlands, die im westlichen Teil des Schwarzen Meeres auf Patrouille-Fahrten sind, drei halbabgetauchte unbemannte Schnellboote des Gegners geortet worden. Sie alle seien mit entsprechenden Waffen an Bord der Schiffe vernichtet worden.

Zuvor hatte am gleichen Tag das russische Verteidigungsministerium über den Versuch eines Angriffs auf die Patrouillen-Schiffe „Sergej Kotow“ und „Wassilij Bykow“ durch ukrainische unbemannte Schnellboote informiert. Der Zwischenfall ereignete sich im südwestlichen Teil des Schwarzen Meeres in einer Entfernung von 340 Kilometern von Sewastopol. „Im Verlauf der Abwehr der Attacke wurden alle drei unbemannten Schnellboote des Gegners mit Waffen der russischen Schiffe vernichtet“, heißt es in einer entsprechenden offiziellen Mitteilung. Die russischen Schiffe hatten Aufgaben zur Kontrolle der Schifffahrt südwestlich von Sewastopol erfüllt. Es sei daran erinnert, dass am 25. Juli die „Sergej Kotow“ bereits eine Drohnen-Attacke abgewehrt hatte. Die Crew hatte rechtzeitig zwei sich schnell bewegende Ziele ausgemacht und mit Schiffskanonen vernichtet. Der Zwischenfall ereignete sich 370 Kilometer von der Krim-Küste entfernt.

Der Gegner organisiert systematisch Drohnen-Angriffe gegen Moskau und das Moskauer Gebiet. Registriert wurden sie am 24. und 30. Juni. Und in der Nacht zum 1. August sollen drei Drohnen die Hauptstadt ins Visier genommen haben. Zwei wurden durch die russische Luftabwehr über den Gebieten der Kreise Odinzowo und Naro-Fominsk des Moskauer Verwaltungsgebietes abgeschossen. Die verbliebene Drohne sei durch funkelektronische Kampfmittel vom Kurs abgebracht worden und auf dem Territorium des Komplexes Moscow-City abgestürzt. So hieß es zumindest in einer Mitteilung des russischen Verteidigungsministeriums. Derweil präzisierten Quellen in den hauptstädtischen Rettungsdiensten, dass eine Drohne einen Turm des IQ-Viertels, in dem russische Ministerien untergebracht sind, getroffen hätte. Und entsprechende Fotos im Internet belegen gleichfalls, dass es wohl nicht bloß ein einfacher Absturz gewesen war. Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin nutzte den Vorfall für einen weiteren publikumswirksamen Auftritt und bestätigte, dass eine Fassade im IQ-Viertel im Bereich des 21. Stockwerks beschädigt worden sei (150 Quadratmeter verglaste Fassade). Auch andere Büro-Türme des Viertels „Moscow-City“ mussten Schäden registrieren, so der Federation Tower, der Turm „Oko“ und der Turm „Eurasien“ (der Eingangsbereich).

Putins Pressesekretär Dmitrij Peskow erklärte im Zusammenhang mit den Drohnen-Attacken, dass eine Erhöhung des Grades der terroristischen Gefahr in Moskau und im Moskauer Gebiet nicht geplant sei, obgleich die Rechtsschutz- und Sicherheitsorgane hinter den Kulissen notwendige Szenarios für ein Reagieren ausarbeiten.

Systematischen Drohnen-Attacken wird auch die Krim (die seit 2014 Teil Russlands ist, was jedoch von vielen Staaten in der Welt nicht anerkannt wird – Anmerkung der Redaktion) ausgesetzt. Russlands Verteidigungsministerium meldete, dass in der Nacht zum 30. Juli die ukrainischen Streitkräfte den Versuch eines Angriffs mit 25 Drohnen auf die Halbinsel unternommen hätten. Neun von ihnen seien durch funkelektronische Mittel abgewehrt und 16 durch die Luftabwehr vernichtet worden. Zuvor hatten im Juni vereinzelte ukrainische Drohnen und Raketen die russische Luftabwehr überwinden können und verursachten Schäden an Bahnstrecken in den sogenannten neuen Gebieten der Russischen Föderation und Brände in Armee-Depots auf der Krim, weshalb Menschen aus umliegenden Dörfern evakuiert und der Verkehr auf der föderalen Trasse „Taurien“ unterbrochen werden mussten. Der Gegner setzt gleichfalls S-200-Raketenkomplexe ein, die zu aeroballistischen umgerüstet worden sind. Das Geschoss eines solchen Komplexes stürzte am 28. Juli auf dem Gelände des Kunstmuseums von Taganrog ab und verursachte durch seine Explosion, dass Fensterscheiben in einem nahegelegenen Wohnhaus zu Bruch gingen. Mehrere Menschen erlitten Verletzungen.