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Die Ukraine kann alle Gagausen Bessarabiens unter ihrem Dach zusammenbringen


In der Ukraine hat man beschlossen, die Gagausen als ein indigenes Volk anzuerkennen. Abgeordnete aus der Fraktion „Diener des Volkes“ haben eine entsprechende Gesetzesvorlage in die Werchowna Rada (das Landesparlament – Anmerkung der Redaktion) eingebracht. Gegenwärtig werden die ukrainischen Gagausen als eine nationale Minderheit angesehen. Und den Status eines „indigenen Volkes“ hatte man ihnen aufgrund des Bestehens einer Gagausen-Autonomie in Moldawien nicht gewährt. Eine Quelle in der Volksversammlung der Gagausen-Autonomie, die ungenannt bleiben wollte, sagte der „NG“, dass sich Kiew darauf vorbereite, die Gagausen Bessarabiens zu vereinen, wenn Moldawien an Rumänien gehe. Die Gagausen-Autonomie ist gegen eine rumänische Perspektive. Und man wird ihr anbieten können, sich mit den Brüdern im Verwaltungsgebiet Odessa wieder zu vereinen.

Der ukrainische Außenminister Andrej Sibiga hatte bereits im Oktober vergangenen Jahres vorgeschlagen, die Gagausen zu den indigenen Völkern der Ukraine zu rechnen. Jetzt ist ein entsprechender Gesetzentwurf in der Werchowna Rada zur Behandlung eingebracht worden.

Eine Mitteilung darüber wurde auf der Internetseite des ukrainischen Parlaments gepostet. Vorbereitet haben die Gesetzesvorlage Abgeordnete aus der Fraktion der regierenden Partei „Diener des Volkes“. Sie soll Veränderungen am Gesetz „Über die indigenen Völker der Ukraine“ bewirken. Welche konkret, ist bisher unklar, da der Wortlaut des Dokuments nicht veröffentlicht wurde. Es ist bekannt, dass einer der Autoren des Papiers der Abgeordnete von der Partei „Diener des Volkes“ Ruslan Gorbenko ist.

Nach Veröffentlichung des Dokuments wird klar werden, was konkret für ein Modell für eine Anerkennung der Gagausen die Autoren der Initiative vorschlagen. Gemäß der Gesetzgebung werden als indigene Völker in der Ukraine jene angesehen, die sich auf dem Territorium der Ukraine herausgebildet haben, eine eigene Sprache, Kultur und eigene Traditionen besitzen, eine etnische Minderheit sind und keinen eigenen Staat außerhalb der Ukraine haben. Den Status von indigenen Menschen zu erhalten, hatte die Gagausen in der Ukraine bisher das Bestehen des autonomen territorialen Gebildes Gagauz Eri (deutsch: „Gagausisches Land“) im benachbarten Moldawien gehindert. Eine Autonomie gehört gemäß dem ukrainischen Gesetz zum Typ eines staatlichen Gebildes. Und daher sind die Gagausen in der Ukraine eine nationale Minderheit. Von denen gibt es laut Aussagen von Außenminister Andrej Sibiga 130 (zumindest sind so viele nationale Gemeinschaften registriert worden).

Ungeachtet dessen kommen in der Ukraine regelmäßig Initiativen auf, den Gagausen den Status eines indigenen Volkes zu gewähren oder zumindest deren kulturellen Rechte zu erweitern. Dafür gibt es mehrere Ursachen. Unter ihnen gibt es die, dass die Gagausen seit Jahrhunderten auf ukrainischem Boden leben und eine einzelne historische Community gerade in Bessarabien gebildet haben. Gleichfalls ist ein Teil der Experten der Meinung, dass die Anerkennung der Gagausen als ein indigenes Volk zu einem zusätzlichen Schritt für die Unterstützung der ethnischen Vielfalt des Südens der Ukraine werden könne.

Allerdings erinnern die Gegner solch einer Idee: Das ukrainische Gesetz über indigene Völker basiere auf der internationalen Herangehensweise, in der das Schlüsselkriterium das Nichtbestehen einer eigenen Staatlichkeit oder Autonomie außerhalb des Landes ist.

Es sei daran erinnert, dass Bessarabien ein historisch-geografisches Gebiet im nordwestlichen Bereich des Schwarzmeergebietes ist. In heutigen Enzyklopädien werden die geografischen Grenzen von Bessarabien üblicherweise im Bereich zwischen den Flüssen Dnjestr, Pruth und dem Unterlauf der Donau (der Süden der heutigen Republik Moldowa und der Westen des ukrainischen Verwaltungsgebietes Odessa) ausgewiesen. Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts war jedoch als Bessarabien nur dessen südlicher Teil – die Budschak-Steppe – genannt worden, der von Gagausen besiedelt wurde und wo sich heute die Gagausen-Autonomie in Moldawien befindet.

Die Gagausen Moldawiens und der Ukraine leben nebeneinander, getrennt durch die Grenze. Wenn man sie vereint, würde die Ukraine ein geschlossenes gagausisches Territorium erhalten. Ohne eine Enklave, die heute umfahren werden muss, um aus Mogiljow-Podolski nach Odessa zu gelangen. Dieser Aspekt habe augenscheinlich nach Meinung der Quelle der „NG“ in der Volksversammlung Gagausiens seine Rolle beim Entstehen des Plans für eine Änderung des Status der Gagausen in der Ukraine gespielt. Die Quelle der „NG“ meint, dass Gagausien ein Stolperstein auf dem Weg Moldawiens nach Rumänien sei. Über eine künftige Vereinigung sprechen in Kischinjow beinahe jeden Tag alle Spitzenvertreter und Politiker. Dieser Tage wurde sogar eine Umfrage zum Rating der moldawischen Präsidentin Maia Sandu in Rumänien veröffentlicht. Es erwies sich sogar im Umfeld von Nicușor Dan – dem Staatsoberhaupt von Rumänien – als ein geringes. Dan hatte übrigens erklärt, dass Rumänien bereit sei, Moldawien aufzunehmen, wenn die Moldawier selbst dafür seien. Zwei Drittel der Moldawier sind bisher dagegen, darunter auch die Gagausen. Zumal im Jahr 2014 in der Autonomie ein Referendum durchgeführt wurde, bei dem entschieden wurde, dass im Falle eines Verlusts des eigenen Status durch Moldawien die Gagausen selbst ihr Schicksal bestimmen können. Wenn aber Kiew ihnen vorschlägt, sich mit den Brüdern im Verwaltungsgebiet Odessa wieder zu vereinen, können sie auch zustimmen. „Wenn natürlich die Russen nicht bis nach Moldowa kommen werden“, fügte die Quelle der „NG“ aus dem gagausischen Parlament hinzu. Die moldawische Presse schreibt, dass sich die moldawischen Gagausen von den ukrainischen dadruch unterscheiden würden, dass sie Russland unterstützen. Derweil plädieren sie für eine Bewahrung Moldawiens als einen souveränen, einen unabhängigen Staat. Und sie schicken sich nicht an, aus ihm auszuscheiden, solange das Land nicht zu einem rumänischen wird.

Heute sind in der Ukraine offiziell drei indigene Völker anerkannt worden – die Krim-Tataren, die Karäer und die Krimtschaken. Ihr Status ist im Gesetz „Über die indigenen Völker der Ukraine“ verankert worden. Zur gleichen Zeit lehnt man es ab, als „indigene“ die Russen, Rumänen, Ungarn und anderen Vertreter der nationalen Minderheiten anzuerkennen. Kiew erklärt dies damit, dass diese Völker Staaten außerhalb der Ukraine hätten. Dies nimmt den Vertretern dieser Minderheiten die Möglichkeit, eine Ausbildung in der Muttersprache zu erhalten. Die Ungarn beispielsweise, die in Transkarpatien leben, können die Muttersprache nur in der Grundschule erlernen. Die betrifft auch die Bukowina-Rumänen. Die Krimtataren und anderen „indigenen“ können aber in der Muttersprache auch an einer Hochschule studieren.

Dies ist gut, dass man den Gagausen in der Ukraine den Status eines „indigenen Volkes“ verleiht. Dies ist Bessarabien. Folglich werden auch die Gagausen Moldowas auf dem Territorium eines Teils von Bessarabien (im Verwaltungsgebiet Odessa) als ein indigenes Volk anerkannt werden“, sagte der „NG“ der Vorsitzende der Volksbewegung „Gagauz Halky“ (deutsch: „Gagausisches Volk“) und Berater des Vorsitzenden der Volksversammlung, Ivan Burgudji. Er betonte gleichfalls: „Ich denke nicht, dass Moldowa in der nächsten Zeit Rumänien beitreten wird.Aber wenn dies geschieht, wird Gagausien zu einem unabhängigen (indem es das Recht auf Selbstbestimmung in Anspruch nimmt). Im äußersten Fall unter einem Doppel-Protektorat – Russlands und der Türkei“.

Es sei daran erinnert, dass die Gagausen ein turksprachiges Volk sind, dass sich zum orthodoxen Christentum bekennt und kompakt nur im Süden Moldawiens lebt.