Der Leiter des Ministeriums für kartellrechtliche Regulierung und Handel, Artur Karpowitsch, hat in einer Sendung des Fernsehkanals „Erster Informationskanal“ über mentale Hindernisse auf dem Weg der weißrussischen Erzeugnisse berichtet. Zuvor hatte Präsident Alexander Lukaschenko erklärt, dass es ein Verbrechen sei, den einheimischen Markt zu verlieren. Vor dem Hintergrund der negativen Tendenzen hat der Minister entschieden, dass an allem die nichtpatriotische Einstellung einiger Verbraucher schuld sei. Analytiker heben hervor, dass das Einbringen eines ideologischen Faktors in die rein marktwirtschaftlichen Fragen ein Weg sei, der die Probleme nur verschlimmere.
Zu Gedanken über eine patriotische Herangehensweise bei der Auswahl von Schuhen hat sich in einer Sendung des Fernsehsenders „Erster Informationskanal“ der Minister für kartellrechtliche Regulierung und Handel der Republik Belarus, Artur Karpowitsch, geäußert. Der Minister macht sich über die Vermarktung einheimischer Erzeugnisse auf dem Binnenmarkt Sorgen. Jedoch werde dieser Prozess im Zusammenhang mit einer unzureichenden Bewusstheit der Verbraucher ausgebremst.
„Die Hauptursache liegt, würde ich sagen, im Bewusstsein unserer Menschen. Hier besteht eine tiefgreifende Frage. Unter anderem nach der Erziehung unserer jungen Generation, die oft bekannten, internationalen Marken den Vorzug einräumt, ohne daran zu denken, dass dies irgendwo eine Fälschung ist, die der Mode hinterherrennt. Tatsächlich aber muss das hauptsächliche die Qualität der Ware sein, seine Erschwinglichkeit, der Preis. Es ist nicht wichtig, was du da für ein Schildchen haben wirst, oder was für ein Label. Das Wichtigste ist, dass es bequem, qualitätsgerecht und langlebig ist. Damit der Mensch, nachdem er Schuhe eines weißrussischen Herstellers gekauft hat, das nächste Mal erneut kommt und Schuhe eben dieses Herstellers oder eines anderen kauft, wobei er ihm vertraut und begreift, dass er sie drei, fünf, sieben Jahre lang tragen wird. Ich verstehe am eigenen Beispiel, dass Weißrussisches wirklich qualitativ ist. Ich agitiere alle dafür, nicht weil ich solch eine Arbeit habe, sondern weil dies in der Tat so ist“, unterstrich Artur Karpowitsch.
Auf Initiative des Ministeriums läuft im Land die Aktion „Leder-Freitag – ist einheimisches, ist meins!“ Die Staatsbeamten erklären, dass das Ziel dieser Aktion sei, jedem Einwohner Weißrusslands die Möglichkeit zu geben, seinen persönlichen Beitrag zur Entwicklung der nationalen Wirtschaft zu leisten, indem eine bewusste patriotische Auswahl im Geschäft getroffen wird.
Die betrifft nicht nur den Erwerb von Erzeugnissen der Leichtindustrie. Die Menschen werden aufgerufen, an diesem Tag einheimische Musik zu hören, in Cafés und Restaurants nationale Gerichte zu bestellen. Die Bürger ruft man gleichfalls auf, positive Sujets aufzunehmen, die Erscheinungen ihrer persönlichen patriotischen Wahl in der Kleidung oder in der Gastronomie festhalten, und diese in den sozialen Netzwerken zu posten. Und ein Teil der Bevölkerung hat diese Initiative unterstützt. Clips, die die Zubereitung weißrussischer Gerichte in der Familie demonstrieren, werden durch das Singen von Liedern in der Muttersprache und dem Vortragen von Gedichten begleitet.
Aber ungeachtet der Erfolge dieser bemerkenswerten Initiative ist der Minister dennoch mit der Jugend unzufrieden. Er hebt hervor: „Daher würde ich dennoch die Erziehung zur Liebe zu unserem, zum Heimatlichen bei unseren Menschen als den Hauptmoment bezeichnen. Und weiter wird alles darauf aufgebaut. Wenn die Menschen begreifen, dass dieser Rubel, der hier ausgegeben wurde, im Land bleibt, für die Rente für die Eltern genutzt wird, in die Schule, in den Kindergarten gesteckt wird, dann wirst du dich anders dem gegenüber verhalten“.
Dabei müsse sich die Qualität der einheimischen Waren, meint Karpowitsch, nicht so sehr im Verlauf des Wettbewerbs mit ausländischen, sondern vielmehr dank den engagierten Bürgern verbessern. „Wenn ein Mensch Weißrussisches nutzt und dessen Mängel sieht, so ist er verpflichtet, unserem Hersteller zu sagen, was so getan werden muss, um diese Mängel zu beseitigen und damit das nächste Mal kein anderer damit konfrontiert wird“, ist er sich sicher.
Der Minister beklagt sich natürlich nicht ohne Grund. Bisher gelingt es den Staatsbeamten in keiner Weise, den Anteil der einheimischen Waren im Einzelhandel zu erhöhen.
Bei der Annahme des Berichts der Regierung für das vergangene Jahr hatte der Präsident sie in harter Form darauf hingewiesen. „Bei den modernisierten (Unternehmen — „NG“) „Kamwol“ und dem Flachskombinat importieren weiterhin analoge Stoffe )noch ein Minus von fast 35 Millionen Dollar). Übrigens, hinsichtlich des Konzerns „Bellegprom“ ist dies eine weitverbreitetes Bild. Der Anteil der einheimischen Waren der Leichtindustrie auf dem Binnenmarkt macht weniger als zehn Prozent aus. Dagegen ist der Importstrom von Waren der Leichtindustrie fast um ein Drittel angewachsen“, konstatierte Lukaschenko.
Das Staatsoberhaupt gab den Staatsbeamten zu verstehen, dass ihm gegenüber und gegenüber dem Staat für die grundlegende Lösung dieser Frage verantwortlich seien. „Ihnen stehen alle Hebel zur Verfügung, bis hin zu administrativen. Warum ergreifen Sie keine Maßnahmen? Wo sind Ihre Strategien, die aggressiven Schutzmechanismen, die Werbung, das Marketing? Unseren Markt zu verlieren, ist ein Verbrechen! Im Verlauf von fünf Jahren ist der Anteil einheimischer Waren auf dem Binnenmarkt von 60 bis 54 Prozent zurückgegangen“, empörte sich der Präsident.
Vor kurzem hatte sich Alexander Lukaschenko zu recht empört: „Ich, wenn ich ins Ausland fahre… Wir verschenken doch Tischdecken und sonst noch etwas. Sie staunen und bewundern es: „Ja, das ist toll!“ Alle sind zufrieden. Bei uns aber nicht. Da sind Gucci und Versace. So trichtern wir dies ständig unser Bevölkerung ein, wir bewerben diese Gucci-Versace“.
Der Wirtschaftsanalytiker Sergej Tschalyj legt auf einer der oppositionellen Internetseiten diese Logik der Herrschenden so aus: „Was brauchen Sie noch, um Weißrussisches zu kaufen? Was für Argumente werden noch gebraucht? Aus patriotischen Erwägungen kaufe Du deines, zahle deinem Unternehmen“.
Der Experte vermutet: „Aus der gleichen Oper sind auch die Forderungen Lukaschenkos an die Führung der Unternehmen „stirb, aber zahle den Leuten den Lohn aus“, selbst wenn die Produktion eine verlustbringende und veraltete ist. Mit welchen Geldern die Löhne in einem verlustbringenden Unternehmen ausgezahlt werden sollen, ist nicht sehr klar. Aber danke für das Eingeständnis. Dies gilt für die Frage danach, dass man unter Lukaschenko alle Produktionsstätten bewahrt hat. Das heißt: Dies ist der Grundgedanke seiner Vorstellungen davon, wie die Arbeit in der Wirtschaft erfolgen muss“.
Derweil leitete der Präsident am Donnerstag eine Beratung zu Maßnahmen für ein Ausschließen einer unbegründeten und gewissenlosen Geschäftsvermittlung, in deren Verlauf er zu verstehen gab, dass er ausgezeichnet die wahren Ursachen dafür sehe, dass die Erzeugnisse mitunter mehr kosten als sie es entsprechend seinen Vorstellungen dürften. „Man muss einen klaren Strich ziehen, der eine begründete Geschäftsvermittlung von einer unbegründeten trennt“, verlangte Alexander Lukaschenko.
«Es muss so sein, dass jeglicher Geschäftsmann weiß (und nicht nur Geschäftsmann): Mit denen, die entscheiden, sich durch kriminelle Machenschaften zu bereichern, wird das Gespräch ein kurzes sein (und Sie wissen – mit wem)“, warnte das Staatsoberhaupt die Beamten.