Am Sonntag, dem 1. März haben die acht Mitgliedsländer des OPEC+-Kartells eine Anhebung der Quoten für die Ölförderung im April um 206.000 Barrel pro Tag (B/T) vereinbart. Ausgewiesen wird, dass die Teilnehmer der Absprache in ihrer Entscheidung die Situation im Nahen Osten berücksichtigt hätten. Die meisten Analytiker erwarten, dass die entsprechenden Börsengeschäfte mit einem rasanten Ansteigen der Öl-Notierungen aufgrund des militärischen Konflikts der USA und Israels mit dem Iran die neue Woche beginnen werden. Laut Angaben von Öl-Tradern schnellte am Sonntag der Preis für Öl der Marke Brent um zehn Prozent in die Höhe und machte etwa 80 Dollar je Barrel aus. Experten erwarten ein weiteres Ansteigen der Preise bis 100 Dollar je Barrel im Falle eines langen Fahrverbots in der Straße von Hormus.
Laut Berechnungen soll die Gesamtquote des Kartells OPEC+ für April unter Berücksichtigung der Kompensationen seitens der Länder, die zuvor die eingeräumten Eckdaten überschritten hatten, bei 37,99 Millionen B/T liegen, was um 166.000 B/T mehr ist als der Plan für März vorsieht.
Somit können die Spitzenreiter des Deals – Saudi-Arabien und Russland — im April die Förderung um 63.000 B/T bis 10,166 Millionen B/T bzw. 9,637 Millionen B/T erhöhen. Der Irak hat das Recht, die Produktion um 26.000 B/T bis auf 4,209 Millionen B/T zu steigern, Kuwait – um 16.000 B/T bis auf 2,596 Millionen B/T, Algerien – um 6000 B/T bis auf 977.000 B/T und Oman – um 4000 B/T bis auf 809.000 B/T. Kasachstan, für das der umfangreichste Kompensationszeitplan gilt, wird im April die Förderung um weitere 10.000 B/T bis auf 1,01 Millionen B/T senken müssen. Gleichfalls werden die VAE gezwungen sein, die Produktion zu drüsseln – um symbolische 2000 B/T bis auf 3,389 Millionen B/T.
Es sei daran erinnert, dass seit vergangenem Oktober diese acht Länder (die Quoten der anderen Beteiligten sind für das gesamte Jahr 2026 unveränderte) die früher verringerten Barrelmengen in einem Umfang von 1,65 Millionen B/T mit einem Tempo von 137.000 B/T monatlich auf den Markt zurückbringen. Jedoch wurde für das erste Quartal die Erhöhung der Quoten im Zusammenhang mit der saisonbedingten geringen Nachfrage ausgesetzt. Vor dem OPEC+-Treffen hatte westliche Nachrichtenagenturen gemeldet, dass die „Achtergruppe“ sich auf eine Erhöhung der Ölförderung um 411.000 B/T vor dem Hintergrund der Militäroperation der USA und Israels gegen den Iran einlassen könne.
Dabei hat der Markt noch die Folgen der neuen Eskalation im Nahen Osten abzuschätzen. Als Antwort auf die Attacken der USA und Israels warnte der Generalmajor des iranischen Korps der Islamischen Revolutionsgarde (KIRG) Ibrahim Jabari, dass die Straße von Hormus für ein Passieren von Schiffen nach dem Überfall auf die Islamische Republik gesperrt werden würde.
Am Sonntag jedoch erklärte Mohsen Rezai, der Ex-Befehlshaber der KIRG und Sekretär des Schlichtungsrates, dass die Straße von Hormus für Öltanker eine geöffnete bleibe (während am Montagvormittag die staatliche russische Nachrichtenagentur TASS meldete, dass etwa 100 Tanker im Persischen Golf vorerst die Anker geworfen hätten – Anmerkung der Redaktion). Er hatte mitgeteilt, dass die Regierung den Schiffen erlauben werde, den Transitverkehr durch diese strategisch wichtige Meerenge, die den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und weiter mit dem Indischen Ozean verbindet, „bis zu einer weiteren Benachrichtigung“ vorzunehmen. Zur gleichen Zeit warnte Rezai, dass die amerikanischen Streitkräfte und Militärs „legitime Ziele“ für iranische Schläge seien.
Ungeachtet dessen meldete am Sonntagmittag das Zentrum für maritime Sicherheit von Oman, dass der Öltanker „Skylight“, der unter der Flagge der Republik Palau fährt, einer iranischen Attacke in der Straße von Hormus ausgesetzt worden sei. Die Attacke erfolgte fünf Seemeilen nördlich des omanischen Hafens Khasab in der Provinz Musandam. Und westliche Agenturen meldeten, dass ein Tanker angegriffen worden sei, der sich unter den Sanktionen der USA, da er „den Export iranischen Erdöls förderte“, befindet.
Später wurde über eine Beschädigung des Öltankers MKD Vyom der Marshallinseln vor der Küste Omans berichtet. Die iranische staatliche TV- und Hörfunkgesellschaft IRIB veröffentliche Bilder des sinkenden Tankers. „Das sind die Folgen dessen, dass ein gegen die Verbote handelnde Tanker versuchte, widerrechtlich durch die Straße von Hormus zu fahren“, wurde das entsprechende Video untertitelt.
Im Ergebnis dessen hatten mindestens 150 Tanker, darunter Erdöl und Flüssiggas (LNG) transportierende, im Persischen Golf außerhalb des Bereichs der Straße von Hormus die Anker geworden, meldeten am Sonntag westliche Nachrichtenagenturen unter Verweis auf Daten entsprechender Schiffstracker.
Laut Schätzungen werden durch die Straße von Hormus 20 bis 30 Prozent der Seetransporte von Erdöl und LNG realisiert.
Die Bewertungen für den Einfluss der Eskalation im Nahen Osten auf den Ölmarkt differieren. So könne nach Meinung des Sondervertreters des russischen Präsidenten für Investitions- und Wirtschaftszusammenarbeit mit dem Ausland, Kirill Dmitrijew, die Schließung der Straße von Hormus zu einem Ansteigen des Preises für das schwarze Gold bis auf 100 Dollar pro Barrel führen. Im Juni vergangenen Jahres hatte er gewarnt, dass die Blockierung der Meerenge zu einem „globalen Erdölschock“ führen werde.
Nach Meinung von Analytikern des unabhängigen norwegischen Analyse- und Beratungsunternehmens für die Energiebranche Rystad Energy werde die Unterbrechung des Verkehrs durch die Straße von Hormus verhindern, dass 15 Millionen Barrel Erdöl pro Tag auf die Märkte gelangen, was 30 Prozent des globalen Erdölexports ausmache. Bei solch einer Situation werde selbst bei Nutzung der gesamten Leistung aller regionalen Ölpipelines „der faktische Verlust von Erdöl am Tag acht bis zehn Millionen Barrel ausmachen“, nehmen die Analytiker an.
Sie schlossen nicht aus, dass bei einem Ausbleiben klarer Signale für eine Deeskalation die Ölmärkte am Montag mit einem deutlichen Wachstum arbeiten würden. „Bei solch einem Szenario kann Brent etwa um 20 Dollar pro Barrel am Montag in die Höhe schnellen, da die Prämien aufgrund des Risikos schnell revidiert werden“, hieß es in ihrer am Sonntag vorgelegten Analyse.
„Begrenzte Schläge können die Ölpreise durchaus bis auf 80 Dollar pro Barrel hochtreiben“, meinte der Chefökonom des Departments für sich entwickelnde Märkte des analytischen Unternehmens Capital Economics, William Jackson. Nach seiner Einschätzung könnten „im Falle eines andauernden Konflikts“ die Preise 100 Dollar pro Barrel erreichen.
Experten der russischen Stiftung Roscongress verweisen in dem analytischen Bericht „Die Iran-Krise: Risiken für den Ölmarkt und die Gefahr einer Eskalation“ darauf, dass eine Blockierung der Straße von Hormus und eine Eskalation im Raum des Roten Meeres einen Umbau aller globalen Lieferketten verlangen würden und es unmöglich werde, den Export aus der Region vollkommen beizubehalten. Eine lange Unterbrechung der Erdöllieferungen im Persischen Golf könne zu einem Hochschnelle des Ölpreises für Brent in einem Spielraum von 140 bis 200 Dollar pro Barrel führen. Varianten für ein Umgehen der Straße von Hormus seien ihrer Meinung gleichfalls eingeschränkte, und die summarische Leistung der alternativen Routen mache theoretisch bis zu 8 bis 9 Millionen B/T aus.
Für Russland bringe nach ihrer Meinung die Eskalation im Persischen Golf widersprüchliche Wirkungen. „Eine Zunahme der Preise für Erdöl bis auf 80-90 Dollar pro Barrel für die Marke Urals verbessert die Haushaltseinnahmen und den Devisenerlös. China kann den Erwerb unseres Öls bei einer Verschärfung der Sanktionen gegen Teheran erhöhen, womit ein Teil des wegfallenden iranischen kompensiert wird. Jedoch werden die Risiken für die Tanker zunehmen, die russisches Erdöl transportieren“, wird in einer entsprechenden Übersicht betont. Die entscheidende Frage sei die nach der Dauer des Wirkens hoher Preise für Erdöl, fügte man in der Stiftung Roscongress hinzu.
Allerdings existiere der internationale Ölmarkt bereits seit den letzten zwei, drei Jahren unter Bedingungen eines erheblichen Überwiegens des Angebots über die Nachfrage, erinnerte Michail Chatschaturjan, Dozent an der Finanzuniversität der Regierung Russlands. „Dies äußert sich darin, dass die täglich auf den Markt gebrachten erheblichen Ölmengen nicht ihrer Abnehmer finden und auf Tankern oder in Tanklagern gespeichert werden. In diesem Zusammenhang können die Ereignisse im Nahen Osten die Situation ein wenig verändern und zwar Bedingungen für einen Absatz der früher nicht verkauften Mengen schaffen. Deshalb wird es unbedingt zu einen Ansteigen der Preise für Erdöl kommen, doch wird er ein recht fließender sein“, meint der Experte.
Wenn der Konflikt länger als einen Monat andauere, bestehe unter Berücksichtigung des schrittweisen Abbaus der vorhandenen unverkauften Vorräte und einer Erhöhung der Förderung durch die „nichtarabischen“ OPEC+-Länder die Wahrscheinlichkeit, dass der Ölpreis ein Niveau von 90 bis 95 US-Dollar pro Barrel erreicht, fuhr er fort. „Im Falle dessen, dass der Konflikt länger als zwei Monate andauert, können sich die Preise stabil auf einem Stand von 94 bis 98 US-Dollar pro Barrel einpendeln“, sagte Chatschaturjan.
„Die weitere Dynamik der Ölpreise wird von der Situation um die Straße von Hormus abhängen. Ihre faktische Sperrung wird die Öl-Notierungen bis zu 100 Dollar und mehr je Barrel hochtreiben. Nicht so sehr die Exportmengen des Irans sind für den internationalen Handel wichtig (2,8 Millionen B/T bei einem globalen Profizit von 3,6 Millionen B/T), sondern vielmehr die Sicherheit und die Stabilität des Funktionierens des Transports durch die Straße von Hormus“, betonte Kirill Bachtin, Leiter des Zentrums für Analytik der russischen Aktien in der Investitionsbank „BKS Welt der Investitionen“.
Die Blockierung der Straße von Hormus oder deren Verwandlung in eine Zone einer erhöhten Gefahr werde zu Sprüngen der Preise für Erdöl und Gas führen, meint der Gründer des „2K“-Engineering-Unternehmens und amtierende Präsident des Russischen Ingenieurverbands, Iwan Andrijewskij. Er schließt ein Wachstum der Notierungen auch bis 200 Dollar nicht aus.
Eine Reihe von Experten schließt gleichfalls nicht aus, dass zu militärischen Zielen des Irans auch Energie-Objekte der USA im Nahen Osten werden könnten. In solch einem Falle könnten Chevron (arbeitet im Irak), ExxonMobil (Anteile an Projekten der VAE und Qatars) sowie KBR und SLB (eine kritisch wichtige Infrastruktur in Kuwait) betroffen werden. Und dies wird zu erheblichen Milliarden-Verlusten führen.