Die sich im von den Taliban kontrollierten Afghanistan aufhaltenden Führer der „Al-Qaida“ (die terroristische Organisation ist in der Russischen Föderation verboten) bereiten scheinbar eine große Attacke gegen Europa vor. Die Wiederholung einer Aktion vom Maßstab des 11. September 2001 erörtern die Anführer der „Al-Qaida“ als ein Mittel für ihre Legitimierung in der internationalen Dschihadisten-Gemeinschaft. Die Gefahren seitens der „Al-Qaida“ veranlassen die europäischen Geheimdienste und politischen Eliten, größere Aufmerksamkeit Afghanistan und der Region Zentralasiens zu schenken und nach neuen, möglicherweise gar überraschenden Verbündeten zu suchen.
In der letzten Zeit haben Vertreter Großbritanniens, Deutschlands, Frankreichs, Norwegens und einiger anderer europäischen Länder begonnen, in einen Dialog mit Vertretern des Regimes der Taliban in Afghanistan zu treten. Auf öffentlicher Ebene konzentrieren sich diese Kontakte vor allem um das Problem einer Deportation afghanischer Bürger, was nicht selten zum Anlass für eine Übergabe der Kontrolle über Botschafts- oder Konsularvertretungen Afghanistans in den europäischen Ländern an die Taliban wird. Auf der nichtöffentlichen Ebene sind Anzeichen eines intensiven Schriftverkehrs zwischen den europäischen und Taliban-Geheimdiensten auszumachen, die in der Regel Fragen des Kampfes gegen den „Islamischen Staat“ (IS, eine terroristische Organisation, die in der Russischen Föderation verboten ist).
Jedoch beginnt neben dem IS, die europäische Sicherheit immer realer die „Al-Qaida“ zu bedrohen, deren Führung heute in Afghanistan residiert. Verschiedene afghanische Quellen berichteten in diesem Frühjahr über eine spürbare Aktivierung der politischen Funktionäre, Kommandeure, operativen Mitarbeiter und Rekrutierer der „Al-Qaida“, die zielstrebig Kräfte unter dem Schutz des Taliban-Regimes sammelt. Und in diesen Meldungen kommt immer häufiger das „europäische Thema“ an die Oberfläche: Wahrscheinlich arbeiten die Anführer der „Al-Qaida“ ernsthaft Pläne für die Führung eines mächtigen terroristischen Schlags gegen Europa aus.
Nach Aussagen einer der afghanischen Quellen sei man in der Führung der „Al-Qaida“ der Auffassung, dass die strategische Pause in der Tätigkeit dieser Dschihadisten-Gruppierung, die mit einem Akkumulieren von Ressourcen und Reserven zusammenhängt, zu Ende gehe und die Zeit für eine neue Präsentation der Stärke der Organisation, die vor rund 40 Jahren durch Usama ben Laden geschaffen worden war, gekommen sei: „Heute führen „Al-Qaida“ seine Söhne Hamza und Abdallah, deren Residenz sich in der nordafghanischen Provinz Pandschschir befindet. Das Familienunternehmen der bin Laden bedarf offenkundig einer Demonstration seiner Möglichkeiten, besonders vor dem Hintergrund des an Stärke gewinnenden Konkurrenten auf dem internationalen Dschihadisten-Markt – des IS. Daher sind die Anführer der „Al-Qaida“ an der Wiederholung einer Aktion vom Maßstab des 11. September 2001 in den USA oder in Europa interessiert“.
Andere afghanische Quellen vermuten, dass ungeachtet der Attraktivität der Idee von einem erneuten Schlag gegen New York (in diesem Jahr jährt sich zum 25. Mal dieses tragische Ereignis) für die Anführer von „Al-Qaida“ das größte Interesse der Terroristen gerade Europa auslöse: „In Großbritannien und in der EU leben dutzende Millionen Moslems, unter denen nicht wenige Radikale sind. Viele von ihnen reagieren auf die Propaganda von „Al-Qaida“, die aktiv Sujets mit den Leiden der Palästinenser im Gaza-Streifen und in anderen von Israel okkupierten Territorien ausnutzen. Die europäischen Länder werden aus der Sicht der Sicherheitsregimes als angreifbarer angesehen. Diese Faktoren erlauben „Al-Qaida“, auf einen Erfolg bei der Organisation und Durchführung eines Terrorakts zu hoffen“.
Die afghanischen Quellen meinen, dass die Führer des Familien-Imperiums der bin Laden Flughäfen, Hochseepassagierschiffe, große Einkaufs- und Freizeitzentren, Massenveranstaltungen (Sport-, politische, Kulturveranstaltungen) usw. in Großbritannien, Deutschland, Frankreich und Belgien als mögliche Ziele für ihre terroristischen Schläge ansehen. Für die Realisierung dieser Pläne wirbt „Al-Qaida“ neue Anhänger in den europäischen Ländern an, wobei dies nicht selten unter neuen dschihadistischen Marken getan wird, die in der letzten Zeit für die Aufgaben einer dschihadistischen Expansion außerhalb Afghanistans der Taliban geschaffen wurden.
Nach Aussagen der afghanischen Quellen trage ein Teil derartiger Anwerbungsanstrengungen einen Test- und ablenkenden Charakter für die europäischen Sicherheitsdienste. Den Geheimdiensten Großbritanniens und der EU würden faktisch bestimmten Typen neuer Dschihadisten vorgegaukelt werden, was bei den Sicherheitsorganen stereotype Vorstellungen über die Träger terroristischer Gefahren auspräge. Die realen Kampfaufgaben der „Dschihad“ sollen über ganz andere Vollstrecker gelöst werden. Zum Beispiel werde, wie die afghanischen Quellen betonen, die Taktik der an Schwärme erinnernden Drohnen-Attacken, die im Ergebnis des russisch-ukrainischen Konflikts zu einer populären geworden ist, scheinbar auch auf die terroristischen Vorhaben der Dschihadisten aus der „Al-Qaida“ übertragen. Die Schwarm-Rekrutierungen für eine Dschihad-Statisterie sollen die Aufmerksamkeit der Geheimdienste ablenken, wobei günstigere Möglichkeiten für die wichtigsten Schläge der terroristischen Hauptgruppen geschaffen werden.
Es kann angenommen werden, dass die europäischen Geheimdienste über die Pläne der sich auf dem afghanischen Territorium befindlichen „Al-Qaida“-Anführer informiert sind. Dies erklärt die Zunahme der Aktivierung der europäischen Vertreter, die unter verschiedenen Vorwänden Kontakt mit dem Taliban-Regime in Kabul aufnehmen. Wahrscheinlich versuchen die Emissäre aus Europa, über die Gespräche mit den Taliban die terroristischen Pläne der „Al-Qaida“ zu blockieren.
Es ist schwer zu sagen, wie erfolgreich solch eine Taktik unter Berücksichtigung der Zusammenarbeit der Taliban und von „Al-Qaida“ sein wird. Bei einer für die Europäer günstigen Entwicklung der Situation werden die Taliban und die Anführer des Familien-Imperiums der bin Laden, die sich in Afghanistan befinden, deren Ängste für ein relativ langes Erpressen von Geldern (einer „Sicherheitssteuer“) ausnutzen. Bei einer ungünstigen werden sie so viel wie möglich Geld abzapfen, wonach sie dennoch einen „begrenzten terroristischen Schlag“ gegen Europa führen werden, wobei sie die „Sicherheitssteuer“ für die Zukunft anheben werden.
Welches Szenario sich letztlich auch immer als eine Realität erweisen mag, die Europäer werden sich aufmerksamer mit der Afghanistan- und Zentralasien-Politik befassen müssen. Die Bedrohung seitens der neue Stärke erlangenden „Al-Qaida“ wird für Europa zu einer existenziellen. Die USA hatten 20 Jahre, die Hilfe der NATO und danach einen riskanten und kostspieligen Deal mit den afghanischen Taliban gebraucht, um für eine relativ lange Zeitspanne die Bedrohung der „Al-Qaida“ aufzuheben. Die Europäer werden wahrscheinlich eigenständig die Grenzen für einen Schutz vor dem Familien-Imperium der bin Laden ziehen bzw. gestalten müssen, wobei nach neuen Verbündeten in Afghanistan und in der Region insgesamt – unter den Gruppen des afghanischen bewaffneten Widerstands, den Ländern Zentralasien –, aber gleichfalls, was durchaus möglich ist, in Gestalt von Russland, China und sogar Iran gesucht wird. Das, was heute als unmöglich erscheint, kann sich morgen als unumgänglich erweisen.