Die Erklärung der moldawischen Präsidentin Maja Sandu, wonach sie persönlich eine Vereinigung von Moldawien und Rumänien unterstütze, wird nach wie vor in der Region diskutiert. Viele moldawische Politiker werfen Sandu einen Landesverrat vor und verlangen ihren Rücktritt. Und Eugen Tomac, ein Berater des rumänischen Präsidenten, erklärte, dass „Rumänien bereit ist, zu jedem beliebigen Zeitpunkt ein Szenario für eine Vereinigung mit Moldawien zu erörtern, wenn Kischinjow dies für eine mögliche Variante erachtet“.
Eugen Tomac erinnerte daran, dass Rumänien am 27. März 2018 eine Deklaration verabschiedete, womit es die Bereitschaft bekundete, zu jeder beliebigen Zeit einen Dialog zu dieser Frage zu führen. 2Dies ist die offizielle Position des rumänischen Staates. Sie hat sich nicht verändert“, betonte Tomac. „Jeder anständiger Rumäne betrachtet unabhängig davon, auf welcher Seite des Pruts er lebt, die Frage einer Vereinigung der beiden Staaten als einen natürlichen Prozess.“ Und Rumäniens Präsident Nicușor Dan erklärte, dass Moldawien eine Priorität der Außenpolitik von Bukarest sei. Er betonte aber, dass eine der Formen einer „uniri“ (deutsch: „Vereinigung“) ein Beitritt zur Europäischen Union sei.
Die Aufmerksamkeit für das Thema der Vereinigung der zwei Länder wurde durch das Interview von Maja Sandu ausgelöst, die im britischen Podcast „The Rest Is Politics“ erklärt hatte, dass im Falle der Abhaltung eines Referendum sie für einen Beitritt Moldawiens zu Rumänien stimmen würde. Die Politikerin erklärte ihre Haltung mit der komplizierten internationalen Lage und den Schwierigkeiten, mit denen die Republik konfrontiert wird. Moldawiens Premierminister Alexandru Munteanu unterstützte Sandu, wobei er erklärte, dass er auch dafür stimmen würde.
Es sei daran erinnert, dass Moldawien 1991 für seine Unabhängigkeit gestimmt hatte. Die Verfassung fixiert die Souveränität und Unabhängigkeit des Staates. Und eine Veränderung dessen Status ist nur auf der Grundlage einer Willensbekundung der Bürger möglich. Die Frage nach einer Vereinigung mit Rumänien ist mehrfach Gegenstand politischer Erklärungen geworden, doch ein Referendum zu diesem Thema ist nicht abgehalten worden. Laut den Ergebnissen einer Meinungsumfrage, die das moldawische Institut für soziale Studien IMAS veröffentlichte, sind mehr als die Hälfte der Einwohner Moldawiens gegen einen Anschluss an Rumänien.
In Transnistrien lenkte man die Aufmerksamkeit darauf, dass man im moldawischen Parlament vorhat, die Frage eines Referendums über den Zusammenschluss der zwei Länder zu erörtern. Der Vorsitzende des Ausschusses für Außenpolitik und internationale Beziehungen des Obersten Sowjets der nicht anerkannten Moldawischen Transnistrien-Republik, Andrej Safonow, erklärte: „Transnistrien wird eine Teilnahme an ihm (dem Referendum – „NG“) ablehnen. Wenn Moldawiens Führung das „Große Rumänien“ von 1941-1944 wiederherstellen möchte, d. h. mit Transnistrien, kann dies zum Anlass für einen neuen Konflikt am Dnestr werden“. Ob nun ein Zufall oder nicht, doch dieser haben ukrainische Militärs den Transnistrien-Abschnitt der moldawisch-ukrainischen Grenze vermint. Im Falle eines Konflikts mit Moldawien werden die Einwohner von Transnistrien nirgendwohin fliehen können.
Die Gagausen werden vor dem Hintergrund des voraussichtlichen moldawischen Referendums ihr eigenes abhalten, über eine Selbstbestimmung. Dieses Recht ist in das Gesetz über den besonderen Rechtsstatus der Gagausen-Autonomie aufgenommen worden.
Transnistrien und Gagausien sind prorussische Regionen. Dort leben nicht wenige Bürger der Russischen Föderation (die aber auch moldawische Pässe besitzen – Anmerkung der Redaktion). In Transnistrien – 200.000, in Moldawien (darunter in Gagausien) — rund 150.000. Seinerzeit hatte Dmitrij Medwedjew als Präsident der Russischen Föderation dem damaligen Oberhaupt Transnistriens, dem Kommunisten Igor Smirnow, versprochen, die Bürger der Russischen Föderation in der Region zu verteidigen, wenn dies erforderlich wird. Es ist nicht ausgeschlossen, dass ein Schutz gebraucht wird. In der Region leisten russische Blauhelm-Truppen ihren Dienst. Doch Transnistrien, das zwischen Moldawien und der Ukraine liegt, hat keine Grenze mit Russland.
Eine mögliche Vereinigung bedeutet eine Bedrohung nicht nur für die russischsprachigen Regionen Moldawiens und für die in ihnen lebenden Bürger der Russischen Föderation. Im Falle einer „uniri“ würde die Ostgrenze der NATO in Richtung Russland vorrücken. Maja Sandu hat dies sicherlich im Blick gehabt, als sie ihre Erklärung abgab. Es kann angenommen werden, dass sie ein Test war, der erlaubt, die Reaktion auf solch eine Idee nicht nur seitens des moldawischen Volks, Transnistriens und Gagausien, sondern auch der Russischen Föderation zu verstehen.