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Europa verstärkt den Kauf russischen Gases


Bekanntlich proklamierte die Europäische Union den Verzicht auf den Erwerb russischen Erdgases als ihr Ziel. Jedoch tut Hunger weh, wie es so schön heißt. Unter den Bedingungen einer Verringerung der Gaslieferungen aufgrund des Abenteuers der USA und Israels im Nahen Osten sind die Länder der EU gezwungen gewesen, die Haltung zum Erdgas aus Russland zu ändern.

Der Import von verflüssigtem Erdgas (LNG) durch die Länder der Europäischen Union aus Russland ist im Mai um 21 Prozent im Vergleich zum Mai des Vorjahres gestiegen und machte 2,267 Milliarden Kubikmeter aus, während der Import aus den Ländern des Nahen Ostens erstmals in der Geschichte der Beobachten bis auf null eingebrochen ist, wie sich aus Angaben des Analyse-Unternehmens Bruegel ergibt.

Es sei daran erinnert, dass die Lieferungen aus Russland im März den Rekord aus dem Jahr 2019 egalisierten und 2,459 Milliarden Kubikmeter ausmachten. Doch im April wichen sie von diesem Wert ab, nachdem die EU ein Verbot für Lieferungen aus Russland entsprechend kurzfristiger Verträge verhängt hatte. Vor diesem Hintergrund sackte der Import aus Russland im April im Vergleich zum März um 11,8 Prozent ab.

Zur gleichen Zeit haben die russischen Gaslieferungen nach Europa über die Pipeline „Turk Stream“ zugenommen. Genauer gesagt: Sie erlebten im Mai einen Aufschwung nach einem Rückgang im April und machten 1,37 Milliarden Kubikmeter aus. Im Zeitraum Januar-Mai hat der Export russischen Erdgases nach Europa über diese Pipeline um 6,5 Prozent zugenommen.

Der Mangel an Erdgas führte zu einem Ansteigen der Preise dafür. Entsprechend den Mai-Ergebnissen ist der durchschnittliche Preis für Gasverträge mit einer Lieferung „in einem Tag“ am TTF-Hub um 34,6 Prozent im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres angestiegen und machte 47,103 Euro/MWh (rund 590 Dollar je 1000 Kubikmeter) aus. Der Durchschnittspreis für Verträge mit einer Lieferung „in einem Monat“ ist um 34,55 Prozent bis auf 47,04 Euro/MWh angestiegen.

Die Zunahme der Preise für Energieträger aufgrund des Krieges im Iran könne zu einem Abbau von 1,3 Millionen Arbeitsplätzen in der Europäischen Union führen. Dies erklärte die EU-Arbeitskommissarin Roxana Mînzatu. Nach ihren Aussagen könnten viele Arbeitsplätze solche energieintensiven Branchen wie die Auto- und Chemieindustrie, die Metallurgie, das Bauwesen und der Transportsektor verlieren. Laut Berechnungen der Europäischen Kommission könne in der Autoindustrie die größte Anzahl von Arbeitsplätzen – bis zu 600.000 – abgebaut werden. In der Risikozone seien gleichfalls fast 145.000 Arbeitsplätze in der Solar-Energiewirtschaft und im Bereich der Herstellung von Akkumulatoren.

Die Vereinigung der gasintensiven Industrie Italiens hat die Offiziellen des Landes und der EU aufgerufen, kurzfristige Maßnahmen im Zusammenhang mit dem Ansteigen der Gaspreise zu ergreifen. Laut Schätzungen der Vereinigung seien die Gaspreise für die italienischen Verbraucher aus der Industrie seit Ende Februar um 52 Prozent angestiegen, was für die gasintensiven Unternehmen etwa 1,5 Milliarden Euro zusätzlicher Ausgaben im Jahr bedeute.

Die Europäische Union muss um freie LNG-Mengen mit den Ländern Asiens konkurrieren. Im Ergebnis dessen hat die EU im Mai den LNG-Import um 8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr bis auf 8,8 Millionen Tonnen verringert. Unter anderen wurden 5,1 Millionen Tonnen aus den USA importiert. Die Preise auf dem asiatischen Spot-Markt bleiben derweil attraktivere.

Die Nachrichtenagentur Bloomberg meldete, dass im Mai der LNG-Import durch China wieder bis auf den Stand des vergangenen Jahres gebracht worden war und um die 4,9 Millionen Tonnen ausmachte. Die chinesischen Importeure verstärken die LNG-Einkäufe vor dem Hintergrund des sich nähernden Sommerhöhepunktes hinsichtlich des Verbrauchs, da aufgrund des heißen Wetters der Stromverbrauch durch den verstärkten Einsatz von Klimaanlagen ansteigt. Die Lieferungen aus Qatar ersetzt China durch LNG-Importe aus Kanada, Malaysia, Russland und Oman.

Es ist erstaunlich, doch im Mai wurde zum Spitzenreiter hinsichtlich des Kaufs amerikanischen LNG nicht irgendein europäische Land, sondern Ägypten, obgleich vor noch nicht allzu kurzer Zeit dieses Land ein Exporteur von Erdgas gewesen war. Zur Ursache für die Veränderung der Rolle Ägyptens auf dem internationalen Gasmarkt wurden der Rückgang der Gasförderung im Land und die gleichzeitige Zunahme des Gasverbrauchs. Der Anteil der europäischen Länder am LNG-Export der Vereinigten Staaten machte im Mai 49 Prozent aus, womit er den dritten Monat in Folge zurückgegangen ist und den geringsten Monatswert seit Oktober 2024 erreicht hat.

Das Setzen der Europäer auf amerikanisches LNG hat sich nicht gerechtfertigt. Die Unternehmen ziehen es vor, Gas auf die Märkte zu bringen, wo es teurer ist.

Aufgrund der Handlungen Kiews ist seit Beginn des vergangenen Jahres der Transit russischen Erdgases über das Territorium der Ukraine nach Europa eingestellt worden. Jetzt wird das Problem des Auffüllens der Untergrundgasspeicher (UGS) dadurch erschwert, dass die EU gezwungen ist, neben seinen eigenen Verbrauchern auch Objekte in der Ukraine mit Gas versorgen muss, unter anderem auch für ein Einspeichern von Gas in die UGS.

Die europäischen Verbraucher erfreut auch nicht jene Tatsache, dass im Mai die Lieferungen von Pipelinegas aus Norwegen um zwei Prozent im Vergleich zu7m vergangenen Jahr zurückgingen und 8,5 Milliarden Kubikmeter ausmachten.

Die Offiziellen Großbritanniens kritisieren traditionell viel Russland und bestehen ständig auf eine Verschärfung der Sanktionen. Im Mai hat jedoch Großbritanniens Regierung bis zum 1. Januar 2027 die Verhängung des Verbots für die Gewährung von Leistungen, unter anderem von Versicherungsleistungen im Zusammenhang mit dem Transport russischen LNG auf dem Seeweg aufgeschoben. (Dies hindert aber London nicht daran, gegen die russische Schattenflotte vorzugehen. So wurde am Sonntag ein zu dieser Flotte gehörender Öltanker aufgebracht, wie das britische Verteidigungsministerium meldete. Das Schiff solle zu einem Ankerplatz vor der Südküste Englands gebracht und unter Aufsicht gestellt werden. – Anmerkung der Redaktion). Laut Aussagen offizieller Vertreter sei dieser Schritt für einen Schutz der Verbraucher und für Sicherheitsgarantien für Lieferungen von Brennstoffen nötig, da der Konflikt im Nahen Osten zu einer Zunahme der Preise für Energieträger führe.

Und China erhöht traditionelle ruhig den Erwerb von Gas aus Russland. Laut Angaben der Zollhauptverwaltung Chinas hat der Import verflüssigten Erdgases aus der Russischen Föderation im Zeitraum Januar-April um 16 Prozent bis auf 2,02 Millionen Tonnen zugenommen. Die Lieferungen russischen Pipelinegases nach China haben im April wertmäßig um 1,8 Prozent im Vergleich zum März zugenommen und machten 703,9 Millionen Dollar aus. Hinsichtlich dieses Parameters hat die Russische Föderation unter den Lieferanten Platz 2 eingenommen und lediglich Turkmenistan den Vorrang gelassen, das Gas im Wert von 708 Millionen Dollar über Pipelines nach China exportiert hatte. Der physische Umfang des Pipelinegases, das durch die Volksrepublik China importiert wird, wird in den letzten Jahren von den chinesischen Zöllnern nicht ausgewiesen.

Die türkische Aufsichtsbehörde für den Energiemarkt (Enerji Piyasası Düzenleme Kurumu – EPDK) hat bisher nur für März die Statistik für den Import veröffentlicht, doch die Werte haben sich als recht beeindruckende erwiesen. Summarisch importierte die Türkei im März 6,272 Milliarden Kubikmeter Gas, was um fünf Prozent mehr is als im Vergleichszeitraum des vorangegangenen Jahres. Der Import von Pipelinegas ist um 28 Prozent bis auf 4,358 Milliarden Kubikmeter gestiegen. Dies ist beinahe zweimal mehr als im Februar. Die Lieferungen aus Russland beliefen sich in diesem Monat auf 2,551 Milliarden Kubikmeter (+ 42,5 Prozent).

Der Import verflüssigten Erdgases verringerte sich im März um 26 Prozent bis auf 1,914 Milliarden Kubikmeter oder 1,47 Millionen Tonnen. Die türkischen Terminals für den Empfang von LNG arbeiteten mit einer 60-%-igen Auslastung. Die LNG-Lieferungen aus den USA machten 977 Millionen Kubikmeter aus (minus 37 Prozent), aus Algerien 473 Millionen Kubikmeter (minus 26 Prozent).

Der gesamte Gasverbrauch im Land ist im März um 12,5 Prozent bis auf 6,203 Milliarden Kubikmeter zurückgegangen, vor allem durch einen Rückgang der Nachfrage in der Energiewirtschaft um das 2fache bis auf 529 Milliarden Kubikmeter, aber auch um neun Prozent im Bereich der kommunalen Wohnungswirtschaft bis auf 3,497 Milliarden Kubikmeter.

Die Statistik belegt, dass die Nachfrage nach russischem Erdgas in der Welt zunimmt. Es kann angenommen werden, dass dieser Trend anhalten wird, da die LNG-Lieferungen aus Qatar in der nächsten Zeit nicht zu den Vorkriegswerten zurückkehren können.

P. S.

Die negativen Tendenzen auf dem europäischen Gasmarkt nehmen derweil zu. Den Versorgern gelingt es nicht, das Tempo des Einspeicherns von Gas in die Untergrundspeicher zu forcieren. Und dies vor dem Hintergrund dessen, dass diese Speicher nach zwei harten Winter deutlich erschöpft sind. Im Verlauf der aktuellen Sommerkampagne müssen um die 70 Milliarden Kubikmeter Gas eingespeichert werden. Doch um dieses Gas muss hart gekämpft werden, da die asiatischen Käufer aktiv freie LNG-Mengen abgreifen. Die Bilanz für Europa sieht da bisher nicht rosig aus. Die durchschnittliche Füllmenge der Untergrundspeicher lag nach den ersten sieben Junitagen bei 42,48 Prozent, wie die Vereinigung der europäischen Gasversorger Gas Infrastructure Europe meldete. Dies sind 14,3 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum der letzten fünf Jahre.