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Europäische Verbündete der Ukraine haben mit Putin Kontakt aufgenommen


Die Verhandlungen zum bewaffneten russisch-ukrainischen Konflikt werden möglicherweise unter irgendeiner Beteiligung nicht nur amerikanischer, sondern auch europäischer Verbündeter Kiews erfolgen. Zumindest zu solch einer Schlussfolgerung veranlasst das Telefonat von Finnlands Präsident Alexander Stubb und Norwegens Premierminister Jonas Gahr Stere mit Wladimir Putin, das am 27. Oktober auf Initiative der finnischen und der norwegischen Seite stattgefunden hat. Die Mitteilungen über den Inhalt dieses Gesprächs sind bescheidene, die Reaktionen darüber widersprüchliche. Unumstritten ist nur dies, dass Vertreter der konsequentesten Anhänger der Ukraine (die Finnland und Norwegen sind) beschlossen hatten, mit dem russischen Staatsoberhaupt zu sprechen.

Das Telefonat der norwegischen und finnischen Vertreter wurde zu einer Fortsetzung vorangegangener Ereignisse – des Treffens des Sondervertreters des US-amerikanischen Präsidenten Steve Witkoff und Putins in Sankt Petersburg, zu dessen Ergebnissen eine Wiederaufnahme der Verhandlungen im Format USA-Ukraine-Russland signalisiert wurde, und von Gesprächen in Oslo. In der norwegischen Hauptstadt hatte sich Witkoff mit Wladimir Selenskij unterhalten, aber auch mit Vertretern der europäischen Verbündeten Kiews, darunter mit dem norwegischen Premier und dem finnischen Präsidenten. Mit amerikanischen Beamten im Beisein von Europäern ist für den ukrainischen Präsidenten sehr charakteristisch. In Europa bemüht man sich, Donald Trump daran zu erinnern, dass sein Druck auf Selenskij auch einer auf jene sei, die es neben den USA unterstützen und ihre Vorstellung darüber haben, wie und worüber man mit Russland sprechen müsse.

Stubb und Gahr Stere begrüßten, urteilt man anhand der Mitteilung des Kremls, die anstehenden Verhandlungen der Vereinigten Staaten, der Ukraine und Russlands, die nach dem 10. November voraussichtlich in Abu Dhabi stattfinden werden. Im Verlauf des Gesprächs wurde (Zitat laut der offiziellen Internetseite des Präsidenten der Russischen Föderation) „unterstrichen, dass das Erreichen eines gerechten langfristigen Friedens nur bei einer vollständigen und unbedingten Berücksichtigung der legitimen Interessen der Russischen Föderation möglich ist. Dabei wurde die Aufmerksamkeit auf die Konfrontationspolitik der Länder der EU und der NATO gelenkt, die zu einer Verlängerung der Kampfhandlungen führt“. Putin und dessen Gesprächspartner tangierten gleichfalls „Fragen der Gewährleistung von Sicherheit und Stabilität in den Regionen der Ostsee und des Nordens Europas“. Unter Berücksichtigung der Besorgnis der nordeuropäischen Länder über die Möglichkeit einer Ausweitung des Konflikts der Ukraine und der Russischen Föderation auf deren Territorium ist das Thema wichtig. Außerdem hatte der russische Präsident „über den Beginn der unter Vermittlung der USA erfolgenden humanitären Operation im Raum der russischen Ortschaft Aljoschki und der Verhängung eines zeitweiligen „Regimes der Stimme“ für diese Ziele in der Cherson-Richtung informiert“. (Damit hatte der russische Präsident gar nicht die Anstrengungen des Vatikans für diese einst von 24.000 Menschen bewohnten Kleinstadt erwähnt. — Anmerkung der Redaktion)

Dmitrij Peskow, der Pressesekretär des russischen Staatsoberhauptes, erklärte in einem Kommentar für die russische Nachrichtenagentur Interfax kategorisch, dass dies nur „recht konstruktive und pragmatische Kontakte mit den Spitzenvertretern der zwei für uns wichtigen angrenzenden Länder“ gewesen seien. Ja, und Stubb und Gahr Stere unterstrichen selbst, dass sie mit Putin nicht im Namen der NATO oder aller europäischen Verbündeten der Ukraine gesprochen hätten. Dennoch bewerteten viele dieser Verbündeten das Gespräch gerade als einen Versuch der Spitzenvertreter Finnlands und Norwegens, Funktionen einer „Stimme“ des Westens im Dialog mit Moskau zu übernehmen. „Ich denke, dass wir die Einheit Europas bewahren müssen und nicht im Alleingang handeln dürfen“, erklärte aus diesem Anlass Dänemarks Premierministerin Mette Frederiksen. Nach ihren Worten wäre sie „sehr skeptisch“ gegenüber diesem Gespräch gewesen und verwies darauf, dass die Initiative von Stubb und Gahr Stere nicht mit einer einzigen Regierung der europäischen Staaten abgestimmt gewesen sei. Eine Ausnahme bildeten dabei wohl die Offiziellen der Ukraine.

Selenskij gab in sozialen Netzwerken das wieder, was ihm Stubb und Gahr Stere über den Inhalt ihres Gesprächs mit Putin mitgeteilt hatten. In der Darlegung des ukrainischen Präsidenten „haben Alex und Jonas dem russischen Staatschef klar gesagt, dass reale Deeskalationsschritte hinsichtlich unserer Energiewirtschaft und Infrastruktur notwendig sind. Man erörterte die Vorbereitung des trilateralen Treffens, das für November auf der Ebene von Teams – eines ukrainischen, eines amerikanischen und eines russischen – geplant ist“.

Seinerseits charakterisierte Stubb das Gespräch mit Putin als ein „offenes und sachliches“ und erinnerte daran, dass sein Land genauso wie auch Norwegen Nachbarn Russlands seien, und daran, dass wie der russisch-ukrainische Konflikt enden werde, dies deren Sicherheit genauso wie auch die Sicherheit von ganz Europa beeinflusse.

P. S.

Am Dienstag wurde gleichfalls bekannt, dass das angekündigte „Regime der Stille“ für das Gebiet der Stadt Aljoschki nach Aussagen von Russlands Menschenrechtsbeauftragten Jana Lantratowa am 1. November, um 20.59 Uhr MEZ enden werde.

Und wie am Mittwoch die Zeitung „Financial Times“ unter Berufung auf drei Quellen, die mit dem Inhalt des Gesprächs Putin-Stubb-Gahr Stere vertraut sind, informierte, habe Russlands Präsident während seines ersten Telefonats mit westeuropäischen Spitzenvertretern seit einem Jahr (davor hatte Putin mit Frankreichs Präsidenten Macron im Juli 2025 gesprochen) nicht nur seine Forderung nach einer kompletten Übergabe des Donbass an Russland bekräftigt, sondern auch eine neue Geschichtslektion über die mittelalterlichen Slawen gehalten. So hielt Putin im Verlauf des anderthalbstündigen Telefonats einen langen Vortrag über die „Voraussetzungen und Gründe“ des Konflikts. Laut Angaben der Quellen des Londoner Blattes hätten Stubb und Stere entschieden, den historischen Monolog Putins nicht zu unterbrechen, um zu verstehen, inwieweit er zu einem ernsthaften Dialog mit Europa bereit sei.