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Gänsehaut in Europas Hitzesommer aufgrund der Perspektiven eines Gasmangels


„In der zweiten Julihälfte haben die Gaspreise in Europa 700 Dollar für 1000 Kubikmeter überstiegen. Das ist unglaublich, denn im Sommer sinkt die Nachfrage Gas, infolgedessen verringert sich auch der Preis. Im Sommer wird (üblicherweise) Erdgas in die Untergrundgasspeicher (UGS) gepumpt, um es im Winter zu höheren Preisen zu verkaufen, wenn die Nachfrage steigt, wenn aufgrund der Notwendigkeit, die Räume zu beheizen, die Nachfrage ansteigt. Jedoch haben die Wiederaufnahme der Kampfhandlungen zwischen den USA und dem Iran und die Gefahr einer Unterbrechung der Lieferungen von verflüssigtem Erdgas (LNG) aus Katar zu einer Verteuerung geführt.

Alle bewegt die Frage: Wie langfristig wird dieser Trend sein? Alles hängt von der Lösung der Krise im Nahen Osten ab. Die USA wollen, dass im Iran eine ihnen freundliche Regierung an die Macht kommt. Und daher bombardieren sie den Iran. Vergangen sind bereits mehrere Monate, doch Erfolge sind nicht auszumachen. Der Iran wehrt sich, was zu einem Rückgang des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus und zu einem Ansteigen der Preise für Energieressourcen führt.

Der Iran führt Schläge gegen seine Gegner in den Nachbarländern. Hilfe leisten dem Iran Verbündete im Irak, in Libanon und Jemen. Die Huthis haben eine Blockade für Saudi-Arabien verkündet. Es ist durchaus möglich, dass großangelegte Kampfhandlungen sich auf den Irak, auf Saudi-Arabien und die Türkei ausweiten. Die Versuche eines Machtwechsels im Iran können zu einem zerstörerischen Bürgerkrieg in diesem Land führen. Ein derartiges Szenario beobachten wir bereits in Libyen. Somit kann eine rasche Normalisierung der Situation mit Erdöl- und Gaslieferungen in der nächsten Zeit nicht erwartet werden. Folglich wird es für Europa sehr schwierig werden, sich auf den Winter vorzubereiten und die eigenen erschöpften Untergrundspeicher mit Gas aufzufüllen. Zumal die Kampfhandlungen schon zur Zerstörung eines erheblichen Teils der Gas-Infrastruktur im Iran und in Katar geführt haben.

Die Nahostkrise hat dazu geführt, dass die Länder Europas den Import verflüssigten Erdgases bereits den vierten Monat in Folge verringern. Im Juni ist der Umfang der Einkäufe um mehr als 20 Prozent auf das Jahr hochgerechnet zurückgegangen – bis auf 7,89 Millionen Tonnen, folgt aus einem Bericht des Forums der Gas exportierenden Länder (https://www.gecf.org/Publications-Data/Monthly-Gas-Market-Report).

In dem Report wird betont, dass die asiatischen Käufer bereit seien, mehr als die europäischen zu zahlen. Daher haben solche Exporteure wie die USA und Länder Afrikas begonnen, Gas vor allem nach Asien zu liefern, wo die Gewinnspanne größer ist. Und dementsprechend hat Europa weniger Gas bekommen.

Dabei hat der Gasverbrauch in der Europäischen Union im Juni laut Angaben des Forums der Gas exportierenden Länder um 1,4 Prozent bis auf 16,6 Milliarden Kubikmeter zugenommen. Betont wird, dass dieses Wachstum in erster Linie mit dem Energiesektor zusammenhing, da die große Hitze in einem Großteil Europas zu einer Zunahme des Bedarfs nach Abkühlung führte, während die Verringerung der Stromerzeugung durch Wind- und Wasserkraftwerke die Abhängigkeit von der Stromerzeugung auf der Basis von Erdgas erhöhte.

Die Stromerzeugung in der EU hat im Juni um 2,3 Prozent im Vergleich zum analogen Zeitraum des Vorjahres zugenommen und erreichte 203 TeraWh. Die Stromerzeugung durch Gaskraftwerke ist um 9 Prozent angestiegen, durch Kohlekraftwerke – um 25 Prozent. Die Stromerzeugung durch Solaranlagen erhöhte sich um zehn Prozent, während die durch Wind- und Wasserkraftwerke um elf bzw. neun Prozent zurückging. Die Stromerzeugung durch Kernkraftwerke verringerte sich um 0,7 Prozent.

Bezeichnend ist, dass Russland im Zeitraum Januar-Juni 2026 die Lieferungen verflüssigten Erdgases in die Europäische Union um 17 Prozent im Vergleich zum analogen Zeitraum des Jahres 2025 steigerte. Der Import russischen LNG machte rund 13,4 Milliarden Kubikmeter im Vergleich zu den 11,4 Milliarden Kubikmeter im Vorjahr aus, teilte die Consulting-Agentur Bruegel mit.

Es sei daran erinnert, dass Ende Januar der EU-Rat endgültig ein Verbot für den Import russischen LNG ab 1. Januar 2027 bestätigt hatte. Von Pipelinegas – ab 30. September 2027. Der LNG-Import entsprechend kurzfristiger Verträge ist seit dem 25. April untersagt.

Vor diesem Hintergrund werden in Europa immer mehr Stimmen für eine Zusammenarbeit mit Russland laut. Europa komme ohne russische Energieträger nicht aus, erklärte Italiens Vizepremier und Minister für Infrastruktur und Transportwesen Matteo Salvini Mitte Juli. „Brüssel schickt sich an, ein 21. Paket antirussischer Sanktionen zu verabschieden. Wozu, wenn die vorangegangenen zwanzig Pakete nicht jene Wirkung erzielten, mit der die Europäische Union gerechnet hatte?!, sagte der 53jährige Italiener in einem Auftritt vor der Vollversammlung der Vereinigung italienischer Unternehmer in Russland. „Europa wird nie ohne das Erdöl und Erdgas aus Russland auskommen können. Dies bestätigt jene Tatsache, dass selbst jetzt Länder des Kontinents sie weiter erwerben. Dies tun nach wie vor sowohl Frankreich als auch Spanien, sowohl Griechenland als auch die Niederlande sowie andere Staaten“, resümierte er.

Mit Salvini solidarisierte sich der Vorstandsvorsitzende der OMV Alfred Stern, der sich dessen sicher ist, dass die von der EU verfolgte Politik auf dem Gebiet des Imports von Gas den Pool der Lieferanten verringere und Gefahren für die Energiesicherheit des Blocks in sich berge. Er betonte, dass sich Europa unter Berücksichtigung des Verbots für einen Import von Gas aus Russland und des abnehmenden Volumens der eigenen Förderung nicht in jene Lage befinde, um sich zu erlauben, die Quellen für Gaslieferungen auf der Grundlage ihrer (CO2-) Emissionsmengen auszuschließen. „Wir schränken wesentlich die Quellen ein, von denen wir Gas erhalten können. Man muss kein Gewinner des Wirtschaftsnobelpreises sein, um die Konsequenzen zu begreifen“, fügte Stern hinzu.

Anfang Juli legte die Agentur für Zusammenarbeit der europäischen Energie-Aufsichtsgremien einen Report vor, laut dem die Gaslieferungen aus Russland in die EU im laufenden Jahr ungefähr auf dem Stand von 2025 bleiben würden, und dies ungeachtet des Beginns des Wirkens eines Verbots für den Gasimport aus Russland über Pipelines und in Form von LNG entsprechend kurzfristiger Verträge. Das Gesamtvolumen der von den EU-Ländern für das Jahr 2026 per Vertrag vorgesehenen Mengen an Pipelinegas beträgt 16 bis 26 Milliarden Kubikmeter, von LNG – 20 bis 32 Milliarden Kubikmeter. In den ersten fünf Monaten ist der Import russischen Erdgases per Pipelines um 7 Prozent angestiegen (im Vergleich zum analogen Zeitraum des Vorjahres), der von LNG – um elf Prozent. Ab dem 18. März, als die ersten Einschränkungen für den Import russischen Gas zu wirken begannen, bis Einschließlich Ende Mai haben die LNG-Lieferungen um 17 Prozent zugenommen, die von Pipelinegas um fünf Prozent. Zur Ursache wurde die Unmöglichkeit, russisches LNG in Drittländer zu reexportieren, die Ausspeicherung von Gas gemäß Verträgen vor Inkraftsetzung der neuen Etappen des Verbots für einen Import aus Russland, aber auch die ungünstige Markt-Situation aufgrund der Blockierung der Straße von Hormus.

Am 7. Juli veröffentlichte der deutsche Gasspeicherverband eine Erklärung, wonach das Risiko für einen Gasmangel in der Winterperiode im Falle des Beginns eines kalten Winters anhalte. Der Verband rief daher zur Schaffung wirtschaftlicher Anreize auf, um Gas schneller in die Speicher zu pumpen. Bis Anfang November sei es nach Einschätzung des Verbands noch „technisch möglich“, die UGS Deutschlands bis auf 76 Prozent aufzufüllen. Modellrechnungen hätten gezeigt, dass im Falle ernsthafter Fröste das Gasmangel im Februar und März des kommenden Jahres rund 851 Millionen Kubikmeter im Monat ausmachen könne, der Tagesmangel – bis zu 189 Millionen Kubikmeter.

Wenn die Offiziellen der Europäischen Union die Situation um die Auffüllung der Gasspeicher nicht beheben können, bleibt ihnen nur, darauf zu hoffen, dass sich der anstehende Winter als ein warmer erweist.

P. S.

Laut Angaben der russischen Nachrichtenagentur Interfax vom Montag habe der relative Auffüllstand in den Gasspeichern Europas einen minimalen Stand erreicht. Das bisherige Minimum wurde im Jahr 2021 aufgrund der COVID-Epidemie fixiert. Der durchschnittliche Füllstand lag am 1. August bei 57,11 Prozent, meldete die Agentur unter Berufung auf Zahlen des Verbands der europäischen Gasspeicher-Betreiber Gas Infrastructure Europe (GIE). Im erwähnte Jahr 2021 lag er bei 57,28 Prozent.

Der russische Gaskonzern GAZPROM wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Gasvorräte in den UGS Deutschlands, der Niederlande und Frankreichs unter dem durchschnittlichen Füllstand der UGS Europas liege. Es geht dabei immerhin um Gasmengen im Umfang von 12 Milliarden Kubikmeter Gas, die im Vergleich zum analogen Zeitraum des Vorjahres noch nicht eingespeichert worden sind. „Der Mangel an Gas in den Untergrundspeichern schafft ernsthafte Risiken für eine zuverlässige Gasversorgung der europäischen Verbraucher in den Kältezeiten“, warnte daher GAZPROM. Um den Mangel an Lieferungen von Pipelinegas zu kompensieren, versuche Europa, aktiv verflüssigtes Erdgas einzukaufen. Jedoch würden im August dieses Jahres die entsprechenden LNG-Lieferungen aus dem Ausland um sieben Prozent im Vergleich zum analogen Zeitraum des Vorjahres zurückgehen, prognostiziert Interfax. Dies bedeute, dass der LNG-Import durch die EU im gerade begonnenen August bis auf 6,9 Millionen Tonnen zurückgehen werde.