Die Probleme mit der Ausfuhr russischen Getreides spitzen sich zu. Laut den Oktober-Ergebnissen ist die Ausfuhr von Getreide über die Häfen um etwa 70 Prozent aufgrund der blockierten Häfen am Schwarzen Meer zurückgegangen. Entsprechend den Ergebnissen der ersten vier Monate des laufenden Landwirtschaftsjahres waren die Lieferungen um mehr als 50 Prozent zurückgegangen. Nach Meinung von Analytikern könne die Situation im November etwas ausgeglichen werden, unter anderem durch eine Umorientierung der Lieferungen über die Ostsee. Ungeachtet dessen wurden die Prognosen für den Getreideexport für das laufende Landwirtschaftsjahr ein weiteres Mal verringert. Im Landwirtschaftsministerium ist man der Auffassung, dass die Situation um die Getreideausfuhr eine „ausgezeichnete“ sei. Und die Lieferanten „unternehmen Unmögliches“.
Wie im Russischen Getreideverband (RGV) mitgeteilt wurde, hat die Russische Föderation im Oktober 2,3 Millionen Tonnen Getreide über die Hafeninfrastruktur exportiert, was um ca. 70 Prozent weniger ist als im Jahr zuvor (um die sieben Millionen Tonnen). Die Weizenausfuhren sind ebenfalls um etwa 70 Prozent bis auf zwei Millionen Tonnen zurückgegangen.
Insgesamt hat Russland in den ersten vier Monate des gegenwärtigen Landwirtschaftsjahres (das im Juli 2026 begonnen hat) über die Häfen für den Export 11,2 Millionen Tonnen Getreide verschifft, was weniger als die Hälfte im Vergleich zum analogen Zeitraum des vergangenen Jahres ist, weist man im RGV aus. Die gelieferten Weizenmengen sind in dem gleichen Zeitraum um das 2,4fache bis auf 7,8 Millionen Tonnen zurückgegangen.
Die Hauptursache für solch einen Rückgang sind die blockierten Häfen im Bereich des Asowschen und des Schwarzen Meeres, die früher bis zu 80 bis 90 Prozent aller Verschiffungen gewährleistet hatten. So sind im Oktober über diese nur ganze 130.500 Tonnen Getreide gegenüber den 5,3 Millionen Tonnen im Oktober des vergangenen Jahres verschifft worden. In den ersten vier Monaten des laufenden Landwirtschaftsjahres ist der Export über die Häfen am Asowschen und am Schwarzen Meer um mehr als 75 Prozent bis auf 4,2 Millionen Tonnen eingebrochen. „Während im Oktober vergangenen Jahres auf die Häfen am Asowschen und am Schwarzen Meer 71,6 Prozent der verschifften Getreidemengen aus Russland entfielen, so sind es im Oktober dieses Jahres nur 5,5 Prozent“, teilte Jelena Tjurina, Direktorin des Analyse-Departments des Russischen Getreideverbands mit.
Die Umleitung der Lieferungen vermochte nicht vollkommen den Ausfall der Häfen von Noworossijsk und Tuapse wettmachen. Im Oktober erfolgten die Lieferungen von Getreide sowie Hülsenfrüchten über 21 Häfen, während sie im Jahr zuvor über 43 abgewickelt wurden.
In der laufenden Saison sind die Liefermengen vor allem über Häfen an der Ostsee umgeleitet worden. Entsprechend den Ergebnissen des Oktobers wurden über die russischen Ostsee-Häfen 1,5 Millionen Tonnen Getreide verschifft, was 8,7mal mehr als im Oktober des vergangenen Jahres war. Der Anteil dieser Häfen erreichte entsprechend den Ergebnissen des Monats 65,3 Prozent. Vor einem Jahr waren es ganze 2,4 Prozent gewesen, erklärte Tjurina. In den vergangenen vier Monaten sind über diese Richtung 2,9 Millionen Tonnen Getreide ausgeführt worden, was fast 10mal mehr als vor einem Jahr gewesen war.
Laut Angaben des analytischen Zentrums „Rusagrotrans“ werde der Weizenexport aus der Russischen Föderation über die Häfen an der Ostsee im Zeitraum Juli-Oktober dieses Jahres wahrscheinlich 3,93 Millionen Tonnen erreichen, was um das 5,8fache mehr als vor einem Jahr wäre.
Zum Haupthafen wird Ust-Luga. Im Oktober wurden über diesen Hafen 684.000 Tonnen Getreide verschifft. Im Zeitraum Juli-Oktober – beinahe 1,4 Millionen Tonnen im Vergleich zu den Verschiffungen im Null-Bereich vor einem Jahr. Erhöht werden die Lieferungen über Sankt Petersburg und Kaliningrad. Der Export nimmt auch im Süden zu, über Astrachan und Machatschkala.
Ende Oktober hat der Murmansker Übersee-Handelshafen den ersten Güterzug mit Getreide abgefertigt. „47 Waggons, 3400 Tonnen Getreide aus den Schlüssel-Agrarregionen Russlands. Dies sind die ersten Erfahrungen aus der Arbeit des Hafens mit solchem Frachtgut. Unter den Bedingungen, unter denen die traditionellen Exportrouten mit Einschränkungen konfrontiert werden, eröffnet der Murmansker Übersee-Handelshafen operativ einen alternativen Zugang zu ausländischen Märkten für die russischen Agrarier“, hieß es in einer Mitteilung des Pressedienstes des Hafens an der Barentssee.
Im Landwirtschaftsministerium in Moskau hält man die aktuellen verschifften Mengen für „ausgezeichnete“. „Wir führen am Tag 150.000 bis 220.000 Tonnen Getreide aus. Meines Erachtens ist dies unter Berücksichtigung dessen, dass das Schwarze Meer lahmgelegt ist, ist dies ein ausgezeichneter Wert. Allen ein großer Dank“, erklärte Ende vergangener Woche Russlands Landwirtschaftsministerin Oksana Lut. Nach ihren Worten würden unter den gegenwärtigen Bedingungen alle Beteiligten der Exportkette „Unmögliches“ für die Erfüllung der Pflichten gegenüber den ausländischen Partnern in Bezug auf die Getreidelieferungen leisten.
Die Anzahl der Käufer russischen Weizens nimmt dabei ab. Laut Angaben des RGV sei im Oktober russischer Weizen für 19 Länder verschifft worden. „Zum größten Käufer wurde Ägypten. Aber die ausgelieferten Mengen sind um 75 Prozent bis auf 380.800 Tonnen von 1,5 Millionen Tonnen im Jahr zuvor zurückgegangen. In den Iran hat sich der Export mehr als halbiert und machte 182.000 Tonnen aus“, teilte Jelena Tjurina mit. Außerdem wurde im Oktober russischer Weizen nach Nigeria, Kenia und Algerien ausgeliefert.
Hinsichtlich der in Russland gekauften Getreidemengen führt entsprechend den Ergebnissen für Oktober der Iran. An dieses Land wurden über 552.000 Tonnen Getreide geliefert. Dies ist aber dennoch um 40 Prozent weniger als im Jahr zuvor, unterstreicht man im RGV.
In den ersten vier Monaten des laufenden Landwirtschaftsjahres erwarb Ägypten den größten Umfang an russischen Weizen, 1,6 Millionen Tonnen. Doch dies ist um das 2,6fache weniger als im Jahr zuvor. Alle übrigen Käufer erwarten weniger als eine Million Tonnen russischen Getreides. Besonders bezeichnend ist der Rückgang der ausgelieferten Mengen in die Türkei. Entsprechend den Ergebnissen des Zeitraums Juli-Oktober ist der Export in die Türkei um mehr als 90 Prozent bis auf 226.500 Tonnen eingebrochen.
Um ein Mehrfaches sind die Getreidelieferungen nach Bangladesch und Aserbaidschan zurückgegangen. Zur gleichen Zeit erlebte der Export nach China ein Wachstum um das 2,7fache.
Im analytischen Zentrum „Rusagrotrans“ vermutet man, dass im November der Weizenexport aus der Russischen Föderation ansteigen und die Marke von drei Millionen Tonnen überwinden könne. Jedoch ist die Gesamtprognose für den Export eine negative. Am Dienstag revidierte das Institut für die Konjunktur des Agrarmarktes (IKAM) die Schätzungen für den Getreideexport aus der Russischen Föderation für das laufenden Landwirtschaftsjahr. Wie IKAM-Generaldirektor Dmitrij Rylko mitteilte, sei die neue Schätzung für den gesamten Getreideexport bis auf 49,5 Millionen Tonnen von den vorherigen 52,8 Millionen Tonnen herabgesetzt worden, unter anderem für Weizen bis auf 39,5 Millionen Tonnen von 42 Millionen Tonnen. „Jedoch heben wir die Prognosen im Rahmen des Stress-Szenarios an. Während der gesamte Getreideexport in diesem Fall mit 35 Millionen Tonnen beziffert wurde, so jetzt mit 36,5 Millionen Tonnen. Darunter ist die Prognose für Weizen von 29 Millionen Tonnen bis auf 30 Millionen Tonnen gestiegen“, teilte Rylko mit. Nach seinen Worten entwickele sich gegenwärtig der Export gerade entsprechend dem Stress-Szenario.
Im Oktober hatte das IKAM bereits die Exportschätzungen zurückgeschraubt. Damals verringerte das Institut seine Schätzung für den Export russischen Weizens bis auf 42 Millionen Tonnen von der vorherigen Schätzung mit 43,5 Millionen Tonnen. Die Schätzung für den gesamten Getreideexport wurde von 55 Millionen Tonnen bis auf 52,8 Millionen Tonnen zurückgeschraubt. Früher hatte Rylko gesagt, dass Russland im Landwirtschaftsjahr 2026/2027 riskiere, 14 bis 15 Millionen Tonnen Weizen aufgrund der eingeschränkten Logistik im Bereich des Asowschen und des Schwarzen Meeres nicht zu exportieren.
Für einen Vergleich sei gesagt: Entsprechend den Ergebnissen des Landwirtschaftsjahres 2025/2026 hatte die Russische Föderation 61 Millionen Tonnen Getreide exportiert, von denen 47 Millionen Tonnen Weizen ausmachte. Die Top 5 der Importeure russischen Getreides hatte in der vergangenen Landwirtschaftssaison die Türkei angeführt, in die 10,2 Millionen Tonnen, darunter 7,4 Millionen Tonnen Weizen geliefert worden waren. Auf dem zweiten Platz lag Ägypten mit zehn Millionen Tonnen Getreide. Und fast die gesamte Menge hatte Weizen ausgemacht. Zur Top 5 gehörten gleichfalls der Iran, China und Saudi-Arabien.
Die durch den bewaffneten russisch-ukrainischen Konflikt verursachten Probleme für die Getreideausfuhr haben auch die Situation um die Preise zugespitzt. Ab Juli bis einschließlich Oktober sind die Preise für europäischen Weizen um 14,3 Prozent bis auf 271 Dollar pro Tonnen angestiegen, für amerikanischen – um 13,4 Prozent bis 270 Dollar pro Tonnen. „Der russische Weizen (FOB – Free on Board, Preis bis zum Verladen — „NG“) ist seit Beginn der Saison um 6,7 Prozent bis auf 200 Dollar pro Tonne billiger geworden“, berichtete Jelena Tjurina. Die Preise für Weizen bei den Erzeugern sind seit Juli bis einschließlich Oktober um 36,7 Prozent bis auf 9000 Rubel pro Tonne (umgerechnet weniger als 100 Euro) gefallen. Im Dollar-Äquivalent brachen die Preise um 38,5 Prozent bis auf 112 US-Dollar gefallen, fuhr sie fort.
In der letzten Zeit stabilisiert sich jedoch die Situation. Laut Angaben des Russischen Getreideverbands ist der amerikanische Weizen im Oktober um 25 Dollar billiger geworden, der europäische – um zwei Dollar. „Der Preis für russischen Weizen (der 4. Klasse) im (Ostsee-) Hafen Wyssozk ist gegenwärtig ganze drei Dollar geringer als der für französischen Weizen – 268 Dollar pro Tonne. Am 1. Oktober war der Unterschied größer – um acht Dollar pro Tonne. Dies belegt eine recht hohe Nachfrage nach russischem Weizen, der über die Ostsee-Häfen verschifft wird“, meint Tjurina.
Die Weizenpreise bei den Erzeugern sind innerhalb eines Monats vor dem Hintergrund der Zunahme seitens der Exporteure um 4,3 Prozent angestiegen. Im Dollar-Äquivalent ist der Preis für Weizen bei den Erzeugern um 8,3 Prozent angestiegen.
Die Dynamik der Preise für russisches Getreide war in der letzten Oktoberwoche eine mit unterschiedlichen Richtungen, teilte man im Unternehmen „ProZerno“ mit. So sind die Preise für Weizen der 3. Klasse im Schwarzerde-Gebiet bis auf 10.000 Rubel pro Tonnen angestiegen, im Süden aber sind sie bis auf 9600 Rubel pro Tonne zurückgegangen. Die Preise für Weizen der 4. Klasse sind gleichfalls im Schwarzerde-Gebiet stärker gestiegen – um 675 Rubel bis auf 9000 Rubel pro Tonne. Die Preise für Weizen der 5. Klasse sind gefallen.
Laut den Angaben von „ProZerno“ war die Dynamik der internationalen Preise für Weizen in der vergangenen Woche wie auch in der Woche davor eine negative. So ist amerikanischer Weizen um acht Dollar bis auf 262 Dollar pro Tonne billiger geworden, französischer – um neun Dollar ebenfalls bis auf 262 Dollar pro Tonne. Der berechnete Preis des russischen Weizens in Noworossijsk (FOB) hatte sich nicht verändert – 200 Dollar pro Tonne. Der Preis in Wyssozk an der Ostsee (FOB) ist um acht Dollar bis auf 260 Dollar pro Tonne gesunken.
Der Getreideexport befinde sich nach wie vor unter dem Druck der Einschränkungen für die Schifffahrt im Bereich des Asowschen und des Schwarzen Meeres, sagte Denis Ternowskij, Experte der Stiftung für Wirtschaftspolitik. „Die Ausfuhr über die Ostsee-Häfen nimmt zu, doch kann er nicht vollkommen die südlichen Routen ersetzen. Außerdem ist sie wesentlich teurer“, erklärte der Experte.
Nach seiner Meinung reflektiere die Dynamik auf den internationalen Märkte die Hoffnung auf eine baldige Lösung der Probleme mit der Schifffahrt. „Die Preise gehen gar ungeachtet des Ausbleibens von Lieferungen zurück. Die russischen Inlandspreise haben sich mit einer Tendenz für eine geringe Zunahme stabilisiert. Kurzfristige Verkäufe haben stattgefunden. Jetzt warten die Erzeuger auf adäquatere Preise, die zumindest die Kosten decken. Noch ein Faktor für die Stabilisierung der Inlandspreise sind die begonnenen Interventionsaufkäufe (durch den Staat – Anmerkung der Redaktion)“, betonte Ternowskij.