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Goldman Sachs sieht für russisches Erdöl und Erdgas große Perspektiven


Die Investitionsbank Goldman Sachs prognostiziert, dass das Jahr 2022 für die russische Öl- und Gasbranche zu einem günstigen selbst ungeachtet der geopolitischen Komplikationen werde. Die Voraussage in Bezug auf die Preise für Öl der Marke Brent ist durch die Analytiker für das laufende Jahr um 18 Prozent angehoben worden. Und daher könnten die Unternehmen 89 Milliarden Dollar an freiem Cash-Flow bekommen und 55 Milliarden Dollar als Dividende ausschütten. Die Bank bestätigte gleichfalls die früher erteilte Kauf-Empfehlung für Aktien des russischen Schlüsselkonzerns „Rosneftj“, wobei ihm ein Platz in der Liste der bevorzugtesten Investitionsobjekte eingeräumt wurde.

In ihrem Report hat die Investitionsbank Goldman Sachs die Preisprognose für Brent für das Jahr 2022 um 18 Prozent bis auf 96 Dollar je Barrel angehoben, und für das Jahr 2023 um 24 Prozent bis auf 105 Dollar je Barrel. Die Analytiker heben hervor, dass die russischen Unternehmen einen durchschnittlichen Netback*)-Wert im IV. Quartal des vergangenen Jahres in der Rekordhöhe von 5000 Rubel je Barrel erzielt hätten, was sich in einen freien Quartals-Cash-Flow in einer Rekordhöhe von 20 Milliarden Dollar transformieren sollte.

*) Netback — ein Verfahren, bei dem aus einem Preis beim Endverbraucher unter Abzug von Kosten/Margen ein Preis auf einer vorgelagerten Handelsstufe ermittelt wird, d. h. im konkreten Fall: der Marktpreis des Erdöls, zu dem die geförderten Mengen an die Distributoren übergeben werden. Laut den Erwartungen von Goldman Sachs würden fünf der sieben größten russischen Öl- und Gaskonzerne die höchsten Dividenden in der gesamten Geschichte bekanntgeben. Und die durchschnittliche Dividendenrentabilität werden für den Sektor entsprechend den Ergebnissen des Jahres 2021 elf Prozent ausmachen.

Außerdem werden im begonnenen Jahr günstige Makroparameter erwartet, und die Dividendenrentabilität des Sektors werde 14 Prozent nach dem Durchschnittswert für fünf Jahre von acht Prozent erreichen. Der gesamte Öl- und Gassektor könne entsprechend den Ergebnissen für das Jahr 2022 80 Milliarden Dollar an freiem Cash-Flow erhalten und 55 Milliarden Dividenden ausschütten.

Goldman Sachs bestätigte die „Kauf“-Empfehlung für Aktien von „Rosneftj“ und den Platz des Konzerns in der Liste der bevorzugtesten Investitionsobjekte. Der Zielwert für die Unternehmensaktien wurde um fünf Prozent bis auf 11,50 Dollar je Global Depository Receipt (GDR) angehoben. Es sei daran erinnert, dass Goldman Sachs empfohlen hatte, in die Wertpapiere des russischen Öl-Giganten zu investieren, wobei das Augenmerk auf deren Wachstumspotenzial von 41 Prozent unter Berücksichtigung des perspektivreichen Projekts „Vostok Oil“ gelenkt wurde. Dabei sei, wie man in der Bank annimmt, Russland der attraktivste Markt für ein Investieren in Mittel- und Osteuropa sowie im Nahen Osten und in Afrika. Und dies „dank seiner finanziellen Stabilität sowie der Unternehmen mit einem starken Management und den hohen und ständigen steigenden Auszahlungen an die Aktionäre“, heißt es im Report von Goldman Sachs.

Das großangelegte Projekt 2Vostok Oil“ im Norden der Verwaltungsregion Krasnojarsk wird zu einem Motor für die Entwicklung von „Rosneftj“ in den nächsten Jahren. „Unter Berücksichtigung des zunehmenden Bedarfs der weltweiten Ölbranche und preisgünstigem Erdöl mit einem geringen Kohlenstoffgehalt (low carbon oil) vor dem Hintergrund der Zunahme des Kapitalwertes und der Umweltschutznormen nimmt man in der Bank an, dass „Rosneftj“ eine attraktive langfristige Investitionsmöglichkeit dank dem Projekt „Vostok Oil“ bieten wird“, heißt es weiter im Bericht von Goldman Sachs. Es sei daran erinnert, dass das Projekt „Vostok Oil“ 52 Lizenzabschnitte umfasst, die dreizehn Öl- und Gasfelder vereinen, darunter die Felder Vankor, Susun, Tagul und Lodotschnoje, aber auch die neuen, hinsichtlich der Vorräte einmaligen perspektivreichen Felder im Bereich des Jenissej-Zuflusses Paijacha und Zapadno-Irkinskoje. Die Ressourcenbasis des Projekts wird mit mehr als sechs Milliarden Tonnen Erdöl (44 Milliarden Barrel) mit einem einmalig geringen Schwefelgehalt von 0,01 bis 0,04 Prozent beziffert. Diese Basis ist hinsichtlich der Umfänge mit den Reserven der größten Ölprovinzen des Nahen Osten oder der Schieferölformationen der USA vergleichbar. Wobei die Felder von „Vostok Oil“ Rohstoffe von hoher Qualität aufweisen, die die Notwendigkeit gesonderter Anlagen in den Ölverarbeitungsbetrieben ausschließen und ernsthaft die Emissionen von Treibhausgasen verringern. Besonderheiten des Projekts sind gleichfalls die geringen spezifischen Kosten für die Förderung der Kohlenwasserstoffe auf den Feldern, aber auch der geringe Gehalt an Kohlenstoff, der um 75 Prozent geringer ist, wenn man einen Vergleich mit anderen neuen großen Ölprojekten in der Welt anstellt. Dank der geografischen Lage der Lagerstätten kann man die Rohstoffe von „Vostok Oil“ sowohl an die europäischen als auch asiatischen Märkte liefern, wobei der Nördliche Seeweg genutzt wird, der gegenwärtig durch die Russische Föderation entwickelt wird.

Die Experten von Goldman Sachs haben bereits mehrfach „Vostok Oil“ als einen „Magneten für Investoren“ bezeichnet, und die Marktakteure haben ihren Einschätzungen Gehör geschenkt. Dem Projekt haben sich gleich mehrere große internationale Unternehmen angeschlossen. Im Jahr 2020 erwarb der internationale Trader Trafigura zehn Prozenten der Aktien. Im vergangenen Jahr kaufte ein Konsortium unter Führung von Vitol fünf Prozent der Aktien. Laut Berechnungen der Analytiker könnten bei einer günstigen Marktkonjunktur die reinen absehbaren Kosten des Projekts „Vostok Oil“ 100 bis 120 Milliarden Dollar übersteigen. Vertreter aus der Bank of America Merill Lynch haben die Aktien von „Rosneftj“ auf die Liste der bevorzugtesten Unternehmen der Welt für ein Investieren im Jahr 2022 gesetzt.