London war Gastgeber des ersten Ministertreffens der Länder Zentralasiens und Großbritanniens im Format C5+1. Das Hauptergebnis der Gespräche vom 26. Februar ist: Großbritannien erweitert seine Präsenz in der Region, wobei es auf die Erkundung und Förderung kritisch wichtiger Mineralien, die Infrastruktur, Logistik und Energiesicherheit, aber auch auf das englische Recht und das Bildungswesen setzt.
Die Außenminister der 5er-Gruppe besuchten den Westminister-Palast, wo sie Gespräche mit dem Vorsitzenden des House of Commons (das britische Unterhaus), Lindsay Hoile, und Mitgliedern der überparteilichen Parlamentsgruppe für die Zusammenarbeit mit den Ländern Zentralasiens unter Leitung von Pam Cox führten. Gleichfalls fanden Konsultationen mit dem Staatsminister Großbritanniens für Verteidigung, mit Lord Rodney Cowker, statt, die den komplexen Charakter der neuen Partnerschaft unterstrichen.
Im Rahmen der Begegnung wurden unter anderem Fragen der regionalen Sicherheit, der Verstärkung des gegenseitigen Einvernehmens und einer Entwicklung des Dialogs zwischen den Ländern Zentralasiens und des Vereinigten Königreichs erörtert.
Zu einer symbolischen Fortsetzung des Tages wurde am 25. Februar noch ein wichtiges Ereignis: In den Mauern des Foreign Office erfolgte die Eröffnung der dritten Runde eines „Strukturdialogs“ zwischen Turkmenistan und Großbritannien. Turkmenistans Außenminister Raschid Meredow und Großbritanniens (parlamentarischer) Vizeaußenminister Hamish Falconer unterstrichen, dass dieses Format nicht bloß eine Formalität sei, sondern ein effektiver Mechanismus der Konsultationen zwischen den Ministerien, der auf eine langfristige Annäherung abziele.
Erörtert wurden Fragen – angefangen bei der Gewährleistungen der regionalen Sicherheit (mit einer Akzentuierung der Situation in Afghanistan und in der Ukraine) bis hin zu einer Intensivierung der Investitionsströme über die Plattform TUKTIK (Turkmenistan-UK-Trade and Industry Council). Der Ökologie-Track konzentrierte sich auf einen Schutz der biologischen Vielfalt des Kaspischen Meeres und die Implementierung „grüner“ Standards, während der humanitäre Block Fragen der Gender-Gleichheit und Bildungsinitiativen inklusive der Programme Chevening und des British Council. Nach Aussagen von Raschid Meredow bestätige die Durchführung der dritten Runde des Dialogs den voranschreitenden und vertrauensvollen Charakter der Beziehungen zwischen Aschgabat und London.
Unter den vergoldeten Deckengewölben des Lancaster House – eines Gebäudes, das nicht wenige schicksalsschwere Entscheidungen erlebte, erfolgte ein Treffen der Staatsoberhäupter der Länder Zentralasiens mit dem Herzog von Edinburgh, Prinz Edward. Die Seiten tauschten mit Genugtuung ein ganzes Set von durch die Zeit erprobten Freundlichkeiten über die „voranschreitende Entwicklung“ und „kulturellen Verbindungen“ aus. Festgezurrt wurde der Erfolg bei einem Arbeitsessen. In der Umgebung von auserlesenen Gerichten und der royalen Größe des Herzogs von Edinburgh gelangten die Diplomaten feierlich zu der Schlussfolgerung: Die Tatsache an sich, dass sie zum ersten Ministertreffen im Format C5+1 zusammengekommen seien, sei bereits ein gigantischer Schritt auf dem Wege einer Verstärkung des Zusammenwirkens.
Neben dem gemeinsamen Programm, das bis ins Detail durchdacht war, führten die Außenminister Zentralasiens auch eigene (bilaterale) Treffen durch. So erörterte Kasachstans Außenminister Jermek Koscherbajew mit Vertretern der britischen Business-Community Perspektiven für eine Erweiterung der Handels- und Wirtschafts- sowie Investitionspartnerschaft zwischen beiden Ländern. Besondere Aufmerksamkeit wurde der Zusammenarbeit auf dem Gebiet kritischer Mineralien und seltener Erdmetalle geschenkt. Zu den Ergebnissen der Gespräche wurde eine Roadmap für eine strategische Partnerschaft zwischen Großbritannien und Kasachstan im Bereich kritischer Mineralien bis zum Jahr 2027 unterzeichnet. Gleichfalls wurde eine Erweiterung der Präsenz britischer Bildungseinrichtungen in Kasachstan inklusive der Eröffnung einer Charterhouse School und eines Zentrums für künstliche Intelligenz der Cardiff University bekanntgegeben.
Kirgisien probiert ebenfalls aktiv britische Vorlagen aus, vor allem im humanitären Bereich. Die Republik hat bereits den Übergang zum Modell einer 12jährigen Schulausbildung begonnen, und London bekundete die Bereitschaft, zu einem ideologischen und materiellen Sponsor dieser Reform zu werden. Hinsichtlich der Ergebnisse eines Treffens des britischen Botschafters Nicholas Bowler mit der Bildungsministerin der Republik Kirgisistan, Dogdurkul Kendirbajewa (am 18. Februar) wurde bekannt, dass die britische Seite bereit sei, nicht nur den Inhalt der Programme zu erneuern, sondern auch den Erwerb von Lizenzen für Englisch-Lehrbücher für Schüler der Oberstufe zu finanzieren.
Hinter den Erfolgen im Bildungswesen verbirgt sich jedoch ein schwierigeres Bild im Finanz- und Investitionssektor. Die Frage danach, wann die Annäherung im humanitären Bereich durch reales Kapital untermauert wird, bleibt eine offene. Es geht dabei um das bereits im Frühjahr des Jahres 2025 zugesagte Paket im Umfang von 1,8 Milliarden Pfund Sterling von der Agentur UK Export Finance (UKEF) für die Entwicklung der Infrastruktur und den Bergbau. Bisher bleiben diese Mittel im Status von Deklarationen, was wahrscheinlich zu einem der Diskussionsthemen bei der in London erfolgten Tagung des Kirgisisch-Britischen Business-Councils wurde. Kirgisistans Außenminister Scheenbek Kulubajew stellte auf der Tagung überzeugende Argumente zugunsten einer Aktivierung der Zusammenarbeit vor: Entsprechend den Ergebnissen des vergangenen Jahres machte das Wachstum des BIP in der Republik 11,1 Prozent aus – ein Rekord. Die so große Dynamik erlaubte London, Kirgisien offiziell internationalen Geschäftskreisen als einen „sicheren und perspektivreichen Ort für ein Investieren“ zu empfehlen, obgleich die Business-Community nach wie vor auf einen Übergang von Empfehlungen zu direkten Tranches wartet.
Einen besonderen Platz auf der Agenda nimmt das Resetting der bilateralen Beziehungen Taschkents und Londons ein. Die Seiten sind darauf aus, die Zusammenarbeit auf ein qualitativ neues Niveau zu bringen, indem sie durch ein regionales Paket von Abkommen untermauert wird. Die Prioritäten sind klar: eine Diversifizierung der Lieferketten, die Forcierung des „grünen“ Übergangs und eine Erweiterung der akademische Austauschprogramme. Wie in einer offiziellen Mitteilung des usbekischen Außenministeriums betont wird, sei das britische Engagement vor allem eine Unterstützung der Unabhängigkeit und der ökonomischen Sicherheit Usbekistans mittels Investitionen in das menschliche Kapital und die generelle Sicherheit.
Das Fundament für diese ambitiösen Pläne war bereits Anfang Februar im Verlauf des mehrtägigen Besuchs des Handelsbeauftragten des Vereinigten Königreichs für Aserbaidschan und Zentralasien, Professor Lord John Alderdice, gelegt worden. Seine Reiseroute – von Begegnungen mit Präsident Shavkat Mirziyoyev bis zum Besuch von Bergbau- und Metallurgie-Kombinaten in Nawoi und Almalyk – demonstrierte die Bereitschaft Großbritanniens, in eine qualitativ hochwertige Infrastruktur zu investieren, unter anderem über Instrumente einer Finanzierung durch die Agentur UKEF. Zum Schlussakkord des diplomatischen Marathons wird die nächste Tagung des gemeinsamen Wirtschaftskomitees, die für Ende des Frühjahrs dieses Jahres geplant ist. In deren Verlauf werden die geplanten Initiativen die Form konkreter Verträge erlangen.
Die Tagesordnung der eigentlichen Tagung im Format C5+1 umfasste für beide Seiten kritisch wichtige Bereiche – von der Förderung seltener Mineralien und der Entwicklung von Transportkorridoren bis zur Implementierung von Standards des englischen Rechts und zur Erweiterung der Bildungsprogramme. Wie der Pressedienst der Botschaft Großbritanniens in Usbekistan mitteilte, sei dies für das Vereinigte Königreich eine Chance, nicht nur die Lieferketten zu diversifizieren, sondern auch die eigene Präsenz in der dynamisch wachsenden Region per Projekte für ein „grünes“ Wachstum zu verstärken.
Nach Meinung des leitenden wissenschaftlichen Mitarbeiters des Instituts für internationale Studien an der Diplomatenhochschule MGIMO des russischen Außenministeriums Alexander Knjasew könne man die Aktivität Großbritanniens in der Region unter zwei Aspekten betrachten. Die vier Jahre Konfrontation des Westens mit Russland, in der die Briten traditionell eine der führenden Rollen spielen, hätten die geringe Anfälligkeit der Länder Zentralasiens (obgleich nicht nur ihre) gegenüber den Androhungen sekundärer Sanktionen demonstriert. Die Handlungen zur Verstärkung dieser Sanktionen könnten auch ein Ergebnis haben, das dem in London und anderen westlichen Hauptstädten gewünschten zuwiderläuft. Die Abhängigkeit der Länder der Region von Russland und China sei solch eine, dass sie sich unter dem Sanktionsdruck in noch größerem Maße Moskau und Peking annähern könnten. Dies veranlasse Großbritannien, andere Instrumente für eine Einflussnahme auf das Verhalten der Regierungen der Länder Zentralasiens einzusetzen. Nötig sei, die Länder der Region zu nötigen, sich von Russland ohne die Verhängung sekundärer Sanktionen zu distanzieren, die in der Lage sind, negativ die Interessen der westlichen Länder an sich zu beeinflussen. Eines solcher Instrumente ist die Beeinflussung der öffentlichen Meinung und des politischen Verhaltens der zentralasiatischen Eliten, das ein erhöhtes Interesse für eine Entwicklung der Länder der Region demonstrieren würde. Da es aber in diesen Ländern keine Entwicklungsprogramme gibt, die mit ausländischen Investitionen verbunden wären, werden die mineralischen Ressourcen zur Grundlage solch eines scheinbaren gegenseitigen Interesses.
„Es besteht auch ein Bedarf der westlichen Volkswirtschaften – inklusive der britischen – an Ressourcen. Das Dominieren Chinas und die ernsthaften Positionen Russlands auf dem globalen Markt der seltenen Erdmetalle möchte man im Westen unter den Bedingungen der globalen Konkurrenz und der gegenwärtigen geopolitischen Turbulenzen sehr gern überwinden. Neben der britischen kann man sowohl eine französische als auch eine amerikanische Aktivität beobachten… In eben dieser Richtung. Freilich, inwieweit die Länder Zentralasiens bei diesem Ersetzen ein effektiver Partner sein können, ist bisher noch eine Frage, da die eigentliche Bezeichnung „seltene Erden“ nicht vollkommen dem Wesen entspricht“, sagte Knjasew der „NG“. Er unterstrich, dass es eine Vielzahl von Lagerstätten dieser Elemente in der Welt gebe. Die Frage bestehe in den Selbstkosten ihrer Förderung und Lieferung an den Verbraucher.
Hinsichtlich der zentralasiatischen Region sei nach seiner Meinung ein zweites besonders wichtig: Erz über den sogenannten Mittleren Korridor über das Kaspische Meer unter Umgehung der Territorien Russlands und Chinas zu transportieren, würde zu einer außerordentlich teuren Aktion werden. Sollte es zu einer ernsthaften Instabilität im Iran kommen, kann dies für die Länder Zentralasiens überhaupt den Zugang zu den internationalen Märkten einschränken. Eine ernsthafte Verarbeitung unmittelbar in der Region ist gleichfalls kostspielig und birgt viele Risiken in sich – von ökologischen bis zu sozialen.