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HAUPTSACHE SAUBER: TECHNOLOGIE OFFEN IN DIE ENERGIEZUKUNFT


Wir brauchen mehr Energie mit weniger Emissionen – und das zu bezahlbaren Preisen. Das alles gleichzeitig im Blick zu behalten, noch dazu in Zeiten einer globalen Pandemie, ist eine der größten politischen Herausforderungen unserer Zeit.

In diesem Jahr stehen wichtige Entscheidungen an, die unsere energiepolitische Linie langfristig festlegen werden: die Ausgestaltung des Europäischen Green Deals etwa oder die Umsetzung der Strategien für Wasserstoff, Sektorenintegration und Methanemissionen. Auch die Gasbranche ist gefordert: Europa hat sich für eine Umgestaltung der Wirtschaft entschieden. Das heißt, dass sich unsere Branche verändern muss – und wird. Business as usual darf es nicht geben. Die Zukunft der Energie is klimafreundlich.

Doch wie können wir das Spannungsfeld zwischen Klimaschutz, Energiesicherheit und Bezahlbarkeit auflösen? Was erwartet die Gesellschaft von der Politik? Und was erwartet die Branche? Ich habe dazu vier Thesen aufgestellt.

These #1:
Wir brauchen mehr Gas im Energiemix – nicht weniger!

Die Erneuerbaren allein werden den steigenden Energiebedarf auf absehbare Zeit nicht decken. Atom- und Kohleausstieg vergrößern das Problem. An einem cleveren
Energiemix führt daher kein Weg vorbei. Erdgas bietet sich in allen Sektoren als perfekter Partner an: Wenn die Erneuerbaren einmal nicht volle Leistung bringen, springt der Energieträger schnell und flexibel ein. Erdgas rechnet sich für Bürgerinnen und Bürger: Es wird subventionsfrei produziert und ist günstig am Markt
zu haben. Und es rechnet sich auch fürs Klima: Durch den Fuel Switch von Kohle zu Gas wurden 2019 allein in Deutschland in der Stromproduktion rund sechs Millionen Tonnen CO2 eingespart – fast eineinhalbmal so viel wie Düsseldorf pro Jahr emittiert.

These #2:
Wir müssen jetzt einen Wasserstoffmarkt aufbauen!

Märkte entstehen nicht von alleine. Sie müssen aufgebaut und organisiert werden. Wasserstoff hat das Potenzial, die Energiewende auf Spur zu bringen.

Damit das gelingt, muss die Politik jetzt den schnellen Aufbau eines stabilen Marktes voranbringen. Entscheidend ist dabei nicht, wie der Wasserstoff gewonnen wird. Entscheidend ist, dass er klimaneutral produziert wird. Und dass er dort ankommt, wo er gebraucht wird. Wasserstoff aus Erneuerbaren steht aktuell weder wettbewerbsfähig noch in ausreichenden Mengen zur Verfügung. Vielleicht wird er auch deshalb als Champagner der Energiewende bezeichnet. Denn Champagner ist vieles – nur nicht für alle verfügbar. Ganz anders sauberer Wasserstoff aus Erdgas: Er ist bald zuverlässig verfügbar und sicher für alle bezahlbar.

These #3:
Damit Erdgas und Wasserstoff volle Leistung bringen können, müssen die politischen Rahmenbedingungen stimmen!

Ob Erdgas oder Wasserstoff – die Politik muss jetzt die richtigen Weichen stellen. Ein einheitlicher CO2-Preis allein reicht längst nicht aus. Auf dem Weg ins Grüne brauchen wir einen ausgewogenen Mix an Maßnahmen und Quellen. Wir brauchen eine technologieoffene Energiepolitik, die keine Potenziale voreilig ausschließt. Wir brauchen Planungssicherheit, damit die Industrie endlich dringende Großprojekte – etwa die Umrüstung großer Stahlwerke auf den Betrieb mit sauberem Wasserstoff – auf den Weg bringen kann. Und wir brauchen Sicherheit bei Investitionen.

These #4:

Einseitige Weichenstellungen gefährden die Industriestandorte Deutschland und Europa!

Die Industrie muss grüner werden und ihre Emissionen senken. Das steht außer Frage. An Gas führt dabei kein Weg vorbei: Die industrielle Erdgasverstromung hat sich in Deutschland in den letzten zehn Jahren fast verdoppelt. Heute liegt sie bei 50 Prozent. Erdgas ist und bleibt das Rückgrat der Industrie. Wer einen schnellen Ausstieg fordert, setzt Wettbewerbsfähigkeit und Wohlstand aufs Spiel. Vor unserer Gesellschaft liegt eine große Aufgabe. Wintershall Dea ist Teil der Lösung. Wir haben den Anspruch und die technologische Expertise, mit sauberer Energie einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Wir fühlen uns den europäischen Klimazielen verpflichtet und haben ein ambitioniertes Programm vorgelegt, um künftig noch sauberer zu produzieren. Bis 2025 werden wir unsere Methanintensität auf 0,1 Prozent reduzieren. Und 2030 sollen unsere gesamten Upstream-Aktivitäten klimaneutral sein. Im nächsten Schritt wollen wir durch den Einsatz von Wasserstoff und CCS (Carbon Capture and Storage) auch die Emissionen reduzieren, die bei der Verbrennung unserer Produkte freigesetzt werden.

Mein Appell an die Politik lautet deshalb: Gestalten Sie den Energiemarkt zukunftsfähig und bezahlbar für alle. Und setzen Sie auf unseren Beitrag!

Dieser Meinungsbeitrag erschien zum Handelsblatt Energie-Gipfel 2021 am 14. Januar 2021 im Handelsblatt Journal „Energiewirtschaft – Aufbruch in eine neue Energiewelt“.