Dies geschah vor 15 Jahren, am 25. Mai 2011. Die zwei amerikanischen Astronauten Andrew J. Feustel und Michael Fincke, Mitglieder der STS-134-Crew des Space Shuttles Endeavour, waren das dritte Mal zu einem Außeneinsatz an der internationalen Raumstation ISS aus dieser herausgekommen, um sich mit einer geplanten Reparatur zu befassen.
Im Zuge der Durchführung der Arbeiten stellte Feustel fest, dass sich die Schicht vor Schweiß- und Kondensatbildung, die er vor dem Einsatz auf die innere Oberfläche des Schutzhelms aufgetragen hatte, zu loszulösen begann. Ein Teil geriet ihm dabei ins Augen und löste eine Träne aus. Doch er konnte er nicht weinen. Die Sache ist die, dass Tränen aufgrund des Nichtvorhandenseins einer Erdanziehung nicht nach unten falle, sondern um den Augapfel kleben bleiben. Andrew verlor aber nicht den Kopf. Er vermochte das Auge an der speziellen Valsalva-Vorrichtung im Skaphander zu reiben, um die Träne zu beseitigen.
Freilich, diese Vorrichtung war nicht für ein Sammeln von Tränen bestimmt gewesen. Die Valsalva-Vorrichtung wurde für einen Druckausgleich in den Ohren bei einer Veränderung des Drucks im Skaphander gebraucht. Dies ist besonders bei einem Einsatz im offenen All aktuell, wenn der Druck im Skaphander künstlich erhöht wird und bei den Astronauten ein erhöhter Ohrendruck auftritt.
Die Vorrichtung wird am inneren Teil des Schutzhelms (im unteren Teil der Helmschale) befestigt, üblicherweise auf der rechten Seite am Klettverschluss. Bei Bedarf drückt der Raumfahrer die Nase in die Valsalva-Vorrichtung. Und die Nasenflügel werden dabei hermetisch zusammengedrückt. Danach wird ausgeatmet, was erlaubt, den äußeren Druck und den Mittelohrdruck auszugleichen. Feustel drückte aber nicht die Nase, sondern das Auge in die Vorrichtung und kam so aus der heiklen Situation heraus.
Die Valsalva-Vorrichtungen kamen in den 1970er Jahren in den Skaphandern auf. Ihren Namen erhielten sich nach dem Italiener Antonio Maria Valsalva (1666-1723), einem Arzt und Anatomen sowie Professor der Universität von Bologna, der den Aufbau des menschlichen Ohrs erforschte.
Das Valsalva-Manöver ist eine Technik, die für einen Druckausgleich im Mittelohr bei starken Veränderungen des äußeren Drucks (zum Beispiel beim Tauchen, bei Flügen oder in einem hochfahrenden Fahrstuhl) verwendet wird. Dies hilft, ein Baro-Trauma – eine Schädigung des Trommelfells aufgrund des drastischen Druckunterschieds — zu verhindern. Ausgewiesen seien einige physiologische Details dieser Prozedur. Man muss bei zugehaltener Nase und verschlossenem Mund stark ausatmen. Dabei erzeugt die Atmungsmuskulatur (das Diaphragma und die Brustkorbmuskeln) einen Druck, der versucht, Luft durch die verschlossenen Atemwege zu druck. Dieser Druck wird über den Nasenrachenraum und die Eustachi-Röhre auf das Mittelohr übertragen, wobei der Druck dem äußeren Umfeld angeglichen wird.
Ohne auch nur den Namen dieses italienischen Arztes zu kennen, nutzen die Menschen oft diese Technologie: Wenn die Ohren durch eine äußere Einwirkung verschlossen werden, drückt der Mensch mit den Fingern auf die Nasenflügel, schließt den Mund und atmet aus, so als ob einen Luftballon aufbläst. Und das war es, das Problem ist gelöst.