Die Gesamtzahl der Arbeitnehmer mit Kurzarbeit hat in Russland ein Maximum seit dem Jahr 2015 erreicht. Und laut den Ergebnissen des dritten Quartals des vergangenen Jahres wurde bereits jeder sechste Arbeitnehmer – ca. 16 Prozent – in großen und mittleren Unternehmen mit Kurzarbeit konfrontiert. Zur Hauptquelle des negativen Trends ist die verarbeitende Industrie geworden.
So sieht die im Land zunehmende verdeckte Arbeitslosigkeit aus! Wie das Unternehmen FinExpertiza nach einem Studium der zum aktuellen Zeitpunkt zugänglichen Statistik mitteilte, belief sich die Gesamtzahl der Arbeitnehmer mit Kurzarbeit im dritten Quartal des vergangenen Jahres auf 5,5 Millionen Menschen.
Dies ist ein Spitzenwert seit Beginn der vergleichbaren Beobachtungen (für den Zeitraum ab 2015, wobei die Ergebnisse nur des jeweiligen dritten Quartals verglichen wurden). Die Anzahl der teilweise beschäftigten Arbeitnehmer ist um 12 Prozent oder 610.000 Menschen im Vergleich zum analogen Zeitraum des Jahres 2024 angestiegen. Die Analytiker verwendeten Zahlen des russischen staatlichen Statistikamtes Rosstat über die teilweise Beschäftigung und die Bewegungen der Arbeitnehmer in den großen und mittleren Unternehmen aller Branchen und Eigentumsformen mit einem Personalbestand von mehr als 15 Menschen. Das Kleinunternehmertum und Mikrobusiness blieben außerhalb der Untersuchung.
Zu den Teilzeit-Beschäftigten rechnet man vier Kategorien von Mitarbeitern. Dies sind Arbeitnehmer, die weniger als 40 Stunden in der Woche auf Initiative des Arbeitgebers arbeiten; Arbeitnehmer die entsprechend einer Vereinbarung der Seiten keine komplette 40-Stunden-Arbeitswoche tätig sind; Arbeitnehmer, die aufgrund von Stillstandszeiten ohne eine Tätigkeit sind sowie Arbeitnehmer, die unbezahlten Urlaub genommen haben.
Eine Zunahme haben alle vier Komponenten der Teilzeit-Beschäftigung demonstriert. Die zahlenmäßig größte Kategorie haben die Mitarbeiter ausgemacht, die unbezahlten Urlaub genommen haben. Im dritten Quartal des vergangenen Jahres machten sie bereits vier Millionen Menschen aus – eine Zunahme um ungefähr neun Prozent im Vergleich zum gleichen Quartal des vorangegangenen Jahres.
Die zweitgrößte Gruppe sind die Arbeitnehmer, die entsprechend einer Vereinbarung der Seiten kurz arbeiten – fast 1,3 Millionen Menschen. Damit sind es um 13 Prozent mehr geworden im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahrs.
Den stärksten Anstieg zeigten die beiden verbliebenen Kategorien, die hinsichtlich ihrer Größe weniger in den Statistiken auftauchten. Dies sind die Beschäftigten, die aufgrund von Stillstandszeiten nicht arbeiteten – 165.000 Menschen. Ihre Anzahl hat gleich um das 1,6fache zugenommen. Und die Mitarbeiter, die auf Initiative des Arbeitgebers kurz arbeiten – rund 69.000 Menschen. Die Unternehmen haben begonnen, dieses Instrument 8mal mehr anzuwenden.
Wobei man nicht selten die kurz arbeitenden Beschäftigten auf Initiative des Arbeitgebers und die kurz arbeitenden Beschäftigten entsprechend einer Vereinbarung der Seiten zu einer Gruppe vereint. Zumal in beiden Fällen die primären Ursachen für die Teilzeit-Beschäftigung wahrscheinlich ein und dieselben sind. Der Unterschied betrifft lediglich die Kommunikation des Arbeitgebers mit den Mitarbeitern – den Führungsstil im jeweiligen konkreten Unternehmen.
Die Gesamtzahl des Personals im analysierten Spektrum der Unternehmen hat im untersuchten Zeitraum von 33,8 Millionen bis auf 34,3 Millionen zugenommen, wodurch der Anteil der Teilzeit-Beschäftigung von 14,6 bis auf 16,2 Prozent zugenommen hat. Ungefähr jeder sechste Arbeitnehmer der großen und mittleren Unternehmen hat kurz gearbeitet.
Es gibt einige Sektoren, die am stärksten den negativen Tendenzen unterliegen. Im dritten Quartal des vergangenen Jahres wurde ein maximaler Anteil von Teilzeit-Beschäftigten im Hotel- und Gastronomie-Business (34 Prozent), in der verarbeitenden Industrie (27 Prozent) und im Bauwesen (23 Prozent) fixiert. Innerhalb der verarbeitenden Industrie wurde ein maximaler Stand der Teilzeitbeschäftigung in Unternehmen der Autoindustrie ermittelt – beinahe 45 Prozent.
Wenn man gerade die Dynamik der Parameter analysiert, so wird die verarbeitende Industrie zum Anti-Spitzenreiter, in der sich im dritten Quartal des Jahres 2025 die größte Jahreszunahme der Teilzeitbeschäftigten vollzog – um fast 265.000 Menschen oder um 20,5 Prozent. Diese Zunahme wurde vor allem durch die Autoindustrie, die Metallurgie, die „Herstellung anderer Transportmittel“, aber auch die Branchen, die sich mit der Fertigung von Computern, Maschinen sowie Anlagen und Ausrüstungen befassen, gewährleistet.
Eine größere Verbreitung einer Teilzeit-Beschäftigung ist insgesamt für die Service- und die Marktbranchen charakteristisch, d. h., wie Experten erläuterten, für die Bereiche, die auf die Endnachfrage und den kommerziellen Erlös orientiert sind und wo die Auslastung des Personals direkt von der Dynamik der Aufträge und der Verbraucher-Aktivitäten abhängt. In den staatlichen und Infrastruktursektoren werden solche Praktiken erheblich seltener genutzt.
In Ergänzung dazu verwies die Präsidentin des Unternehmens FinExpertiza, Jelena Trubnikowa, darauf, dass gerade die Industrie eine „Systemrolle“ bei der Gestaltung der generellen Dynamik des Arbeitsmarktes spiele. „Jegliche Veränderungen der Nachfrage und der Auslastung in diesem Segment wirkt sich praktisch sofort auf die Dimensionen und Struktur der Beschäftigung in der Wirtschaft insgesamt aus“.
Im Januar dieses Jahres haben, urteilt man anhand einer neuen Übersicht über das geschäftliche Umfeld vom Russischen Verband der Industriellen und Unternehmer, etwa zehn Prozent der Organisationen mitgeteilt, dass sie einen Teil der Mitarbeiter entlassen mussten. Weitere zwölf Prozent der Unternehmen haben Maßnahmen zur Verringerung der Arbeitszeit zwecks Reduzierung der Unkosten ergriffen.
Die Wirtschaftsaktivität erlöscht, doch die Unternehmen entlassen nicht massenhaft Mitarbeiter, obgleich sie natürlich auch solch eine Variante im Blick haben. Von einer radikalen Kürzung des Personals hält die Unternehmer die Hoffnung auf eine wirtschaftliche Belebung ab, die im Falle einer weiteren und kühneren Lockerung der Geld- und Kredit-Politik möglich wird.
Mehr noch, Befragungen, die regelmäßig vom Institut für volkswirtschaftliche Prognostizierung der Russischen Akademie der Wissenschaften durchgeführt werden, haben gezeigt, dass die Industrieunternehmen sogar beginnen, bereits eine neue Runde eines Arbeitskräftemangels zu fürchten – im Falle einer baldigen Realisierung einer von allen geforderten Herabsetzung des Leitzinses der Zentralbank.
Die Zunahme der Anzahl der Teilzeitbeschäftigten hebt aber überhaupt nicht die Praxis der Überbelastungen bzw. Überstunden auf. Denn selbst innerhalb einer Branche können sich die Aufträge, finanziellen Ressourcen, aber auch die Unkosten extrem ungleichmäßig zwischen den Unternehmen oder einzelnen Unternehmensabteilungen verteilen.