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In Tadschikistan kann es bald einen neuen Präsidenten geben, und das Land wird der Eurasischen Wirtschaftsunion beitreten


Das vergangene Jahr 2025 war für Tadschikistans Präsidenten Emomali Rachmon ein reichhaltiges: der Staatsbesuch von Russlands Staatsoberhaupt im Land, Treffen mit Staats- und Regierungschefs der GUS-Staaten, Gipfeltreffen in den USA und in China sowie Kontakte mit der Europäischen Union. Einen Teil der Zeit hat die Vorbereitung einer Machtübergabe an Emomalis Sohn Rustam in Anspruch genommen, der am 30. Mai bereits im Kreml empfangen wurde. Beobachter nehmen an, dass wahrscheinlich gerade dafür in den staatlichen Strukturen inklusive der bewaffneten und Sicherheitsorgane Umbesetzungen vorgenommen wurden und das politische Feld im vergangenen Jahr gesäubert worden ist.

Tadschikistan deklariert ein hohes Tempo des Wirtschaftswachstums )über acht Prozent im Jahr). Und dieses Wachstum wird alljährlich mit dem vorangegangenen Jahr verglichen, obgleich unklar ist, seit welchem Jahr und von welchem Stand aus die Erfassung erfolgt. Der Import übersteigt nach wie vor den Export um ein Mehrfaches. Dies erfolgt aber vor allem durch eine Zunahme der Inlandsnachfrage. Es wird immer verständlicher, dass die Inlandsnachfrage nicht so sehr durch ein Ansteigen der Löhne und Renten als vielmehr durch eine Zunahme der Geldüberweisungen der Arbeitsmigranten aus dem Ausland zunimmt. Dieses Geld ist die Grundlage für die politische und wirtschaftliche Stabilität, die in erster Linie Russland braucht. Daher ist auch dies klar, dass selbst bei einer Verschärfung der Migrationsgesetzgebung Russland seinen strategischen Verbündeten Tadschikistan nicht ohne die Geldüberweisungen und ohne einen Schutz lassen wird, was auch am 27. November beim Gipfeltreffen der Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit in Bischkek bekräftigt wurde.

Der wichtigste Faktor für die Stabilität der Herrschenden in Tadschikistan ist das reiche Erbe der Sowjetunion. Jedoch ist ein Teil der Unternehmen aus der Sowjetzeit bereits veraltet und verlangt eine Modernisierung. Daher sind viele moderne Projekte mit Krediten und mit Investitionen Russlands, Chinas, des Irans und anderer Länder errichtet worden. Tadschikistan baut weiter am „Jahrhundert-Bauwerk“, das Rogun-Wasserkraftwerk, und sucht dafür nach finanziellen Ressourcen.

Die Grundlage für die Nähe Tadschikistans und Russlands bilden der historisch entstandene gemeinsame Kulturraum, das gemeinsame kyrillische Alphabet sowie die Handels- und Wirtschafts- und die militärische Zusammenarbeit. Im 21. Jahrhundert ist dazu das Auftauchen einer tadschikischen Diaspora mit bis zu zwei Millionen Menschen in Russland dazugekommen. Die Anzahl der Russen belief sich nach der Bevölkerungszählung des Jahres 2010 auf 34.500 Menschen (0,5 Prozent der gesamten Bevölkerung der mittelasiatischen Republik). Aber in den letzten 15 Jahren ist die Landesbevölkerung von 7,5 Millionen bis auf 10,5 Millionen Einwohner gewachsen, doch die Anzahl der Russen ist zurückgegangen und macht etwa 0,12 Prozent aus (ob da die russischen Militärs des 201. russischen Militärstützpunktes mit ihren Familien mit erfasst worden sind, ist unklar). Und die genaue Zahl der Russen ist niemandem bekannt.

Nach Tadschikistan gelangen im Jahr über eine Million Tonnen zollfreie Schmier- und Kraftstoffe. Und die Republik an sich ist ein Objekt der Anwendung einer sanften Gewalt Russlands — im Bereich der Anwendung der russischen Sprache, in den Schulen mit Russisch als Unterrichtssprache und hinsichtlich der Studenten Tadschikistans in russischen Hochschulen. Ungeachtet der Verabschiedung der strengen Konzeption für eine neue Migrationspolitik Russlands ist der Zustrom von Arbeitsmigranten groß, da Russland Arbeitskräfte braucht. Und des Lebensniveau eines erheblichen Teils der tadschikischen Bevölkerung ist ein geringes. Dennoch konstatieren Experten eine Zunahme der Aufmerksamkeit für die Region seitens der wichtigsten geopolitischen Akteure. Und es muss der Grad der Kontrolle Tadschikistans durch Russland bewahrt werden.

Es ist bekannt, dass vier der fünf Republiken Zentralasiens der von der Türkei geschaffenen Organisation der Turk-Staaten beigetreten sind. Aber das persischsprachige Tadschikistan zieht in diese Organisation vor allem nur die Möglichkeit, seine Nische im Korridor über das Kaspische Meer auf dem Weg nach Europa einzunehmen. Die Türkei ist ein Land des NATO-Blocks. Und die Verteidigungsministerien beider Länder haben im Jahr 2023 ein Abkommen über eine Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Verteidigung abgeschlossen. Doch es kann nicht von einer Annäherung Tadschikistans mit der NATO gesprochen werden. Solch eine Tendenz ist nicht auszumachen.

Interesse für die Republik bekunden amerikanische und europäische Unternehmen, die besonders im immateriellen Bereich der Wirtschaft aktiv sind. Doch die Zeiten ändern sich. Und im vergangenen Jahr fand in Duschanbe ein Treffen von Spitzenvertretern der Industrie Tadschikistans und der Abteilung der Generaldirektion der Europäischen Kommission für internationale Zusammenarbeit mit Ländern des Nahen Ostens und Zentralasiens statt. Dabei wurde besonderes Augenmerk Tadschikistans auf den realen Wirtschaftssektor gelenkt – auf den Bergbau und die verarbeitende Industrie, was früher nur hinsichtlich Chinas festgestellt wurde.

Zunehmenden Einfluss auf die Wirtschaft Tadschikistans über die Volksrepublik China aus. Günstige Kredite und Zuschüsse Chinas betreffen in der einen oder anderen Weise die Hauptinitiative des Landes der Mitte — „Ein Gürtel, eine Straße“. Unter den von China in Tadschikistan errichteten Objekten sind vier Transporttunnel mit einer Gesamtlänge von 13 Kilometern. Die Anzahl der Unternehmen mit chinesischer Beteiligung ist weitaus größer als die der russisch-tadschikischen Joint Ventures. China nimmt führende Plätze im Handel, bei Investitionen und hinsichtlich des Umfangs der Kredite ein. China hat führende Positionen in der Struktur des Außenhandels Tadschikistans eingenommen – gerade darum ging es am 22. November 2025 bei einem Treffen von Präsident Emomali Rachmon mit Chinas Außenminister Wang Yi.

China, das sich schnell amortisierende Unternehmen mit Krediten versorgt, beeilt sich dennoch nicht, die Fertigstellung des Rogun-Wasserkraftwerks zu finanzieren, dessen Rückflusszeit nicht genannt worden ist. Beinahe alle neuen Objekte sind durch China errichtet worden – ein Textilkombinat in Dangar, ein Betrieb für die Gewinnung von Kupfer im Verwaltungsgebiet Sugdh und eine Fabrik für die Förderung von Gold im Ayni-Gebiet. Unter ihnen sind gleichfalls mehrere Zementwerke, das Wärmekraftwerk-2 in Duschanbe und einige Umspannwerke, kleine Ziegelwerke und andere Unternehmen für die Herstellung von Baumaterialien, aber auch die Fernenergieleitung „Nord-Süd“, die das Zentrum Tadschikistans mit dem Verwaltungsgebiet Sugdh verbindet.

Im Zentrum von Duschanbe errichtete China unentgeltlich eine Reihe von Bürogebäuden, wofür es mehrere historische Bauten einschließlich der Visitenkarte der Hauptstadt, die Teestube „Rochat“, abrissen hatte. Tadschikistan erwartet eine Fortsetzung des Baus des 4. Strangs D der Gaspipeline Zentralasien-China auf seinem Territorium. Entsprechend einem Abkommen zwischen den Militärs Chinas und Tadschikistans ist die Errichtung eines Militärobjekts abgeschlossen worden, das den Grad der Sicherheit beider Länder erhöhte. Im Jahr 2008 wurde in Tadschikistans Hauptstadt ein Konfuzius-Institut eröffnet, zu dessen Ziel die Verbreitung der chinesischen Sprache und Kultur, aber auch die Festigung der freundschaftlichen Beziehungen und wissenschaftlichen Zusammenarbeit zwischen den Ländern wurden. Anfang Dezember vergangenen Jahres fanden großangelegte Tage der chinesischen Kultur in Tadschikistan stattm was die Arbeit der Volksrepublik hinsichtlich ihres Programms bestätigt.

Natürlich ist jegliche Prognose eine schwierige Angelegenheit, da es nicht einfach ist, die Zukunft vorauszusagen. Daher beobachtet man in Russland jeden Schritt Chinas, wie auch China Russland beobachtet. Wahrscheinlich werden Russland und China in der überschaubaren Zukunft weiter in Zentralasien zusammenarbeiten und in Bezug auf Tadschikistan eine ungefähre Parität bewahren. Es ist aber augenscheinlich verfrüht, eindeutig von einem Gleichgewicht der Interessen zu sprechen. Dennoch sind Tadschikistan und China schon heute nicht mehr jene, die sie Ende des 20. Jahrhunderts gewesen waren. Und es ist nicht ausgeschlossen, dass sich in der Region und in der Republik an sich Veränderungen vollziehen können, zu denen heute keiner bereit ist.

Tadschikistan, das Russland loyal bleibt, hat sich bereits zehn Jahre lang hinsichtlich eines Beitritts zur Eurasischen Wirtschaftsunion zurückgehalten. In den Medien hat man bereits die Vermutung bekundet, dass Tadschikistan, indem es einen Beitritt zur Eurasischen Wirtschaftsunion hinausschiebt, um seine Souveränität und um den eingeschlagenen Kurs zu einer Mehrvektoren-Außenpolitik fürchtet. Ein Teil der Wissenschaftler spricht davon, dass die Rechtsgrundlage nicht bereit sei, und von Wirtschaftsproblemen. Ein anderer Teil äußerte den Gedanken, dass „weder die Mitgliedsländer der Eurasischen Wirtschaftsunion noch Tadschikistan (dessen Elite — „NG“) nicht an einer Mitgliedschaft in diesem Bündnis interessiert sind“. Genannt wurde auch ein Grund, wonach durch einen Beitritt zur Eurasischen Wirtschaftsunion „die persönlichen Wirtschaftsinteressen von Emomali Rachmon und seiner Familie“ leiden würden. Geäußert wurde gleichfalls die Vermutung, dass das Haupthindernis für einen Beitritt Tadschikistans zu diesem Bündnis China sei.

Zur gleichen Zeit macht es Sinn, eine Vermutung zu äußern, die noch keiner in den Medien formulierte: Es ist nicht ausgeschlossen, dass zusammen mit der Verkündung der Machtübergabe an den Sohn Emomali Rachmon den Beitritt des Landes zur Eurasischen Wirtschaftsunion erklären wird. Wahrscheinlich wird dieser Schritt dazu berufen sein, noch stärker Tadschikistan an Russland zu binden. Wie darauf China schauen wird, wird die Zeit zeigen.