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In Tbilissi wurde ein neuer Katholikos-Patriarch gewählt


In der Georgischen orthodoxen Kirche gibt es einen neuen Katholikos-Patriarch. Zu ihm wurde der 57jährige Schio (Mujiri). Die Wahl des 142. Oberhaupts der georgischen Orthodoxie fand am Montag im Verlauf einer erweiterten Versammlung der Georgischen orthodoxen Kirche (ein analoges Gremium zum Gesamtkonzil), die in der Kathedrale zur heiligen Dreifaltigkeit (Sameba) in Tbilissi erfolgte.

Die Inthronisierung des neu gewählten Katholikos-Patriarchen von Ganz Georgien Schio III. fand am Vormittag des 12. Mai, am Tag der Feiern aus Anlass des Erscheinens von Apostel Andreas in Georgien (St.-Andreas-Tag), statt. Dass zum neuen Oberhaupt der Georgischen orthodoxen Kirche Metropolit Schio (weltlicher Name Elizbar Mujiri) wird, hatte man noch zu Lebzeiten von Patriarch Ilia II., der am 17. März verstarb, gesagt. Ilia hatte Mujiri bereits im Jahr 2017 Mujiri zum Verwalter des Patriarchenthrons ernannt. Viele Gläubige hatten darin ein besonderes Zeichen ausgemacht – Patriarch Ilia habe so seinen Nachfolger angedeutet.

Allerdings hatte Metropolit Shio auch Gegner. Beispielsweise war Erzbischof Zenoni (Iaradshuli) Anfang Mai offen gegen die Wahl von Mujiri aufgetreten. Nach Aussagen von Iaradshuli sei der Metropolit „für die Kirche gefährlich“ (siehe https://ngdeutschland.de/in-georgien-hat-sich-der-kampf-um-den-patriarchenthron-zugespitzt/).

Mujiri wurde am 1. Februar 1969 in Tbilissi geboren. Die Weihe zum Mönchen mit dem Namen Shio, das heißt Simeon, nahm er 1993 an. 1995 wurde er zum Diakon geweiht, ein Jahr später – zum Geistlichen. Im Jahr 2003 ernannte man ihn zum Bischof der Diözese von Senaki und Chkhorotsku. Und im Jahr 2009 war er bereits im Range eines Erzbischofs und wurde zum Verwalter der georgischen Gemeinden in Australien und Neuseeland. Zum Metropoliten wurde Mujiri im August 2010 ernannt.

Schio erhielt eine theologische Ausbildung in Moskau und hat keine schlechten Beziehungen mit der Führung der Russischen orthodoxen Kirche. Konsequent trat er gegen die Anerkennung der Autokephalie der Orthodoxen Kirche der Ukraine (OKU) auf, was dem Ökumenischen Patriarchen (von Konstantinopel) Bartholomäus nicht gefiel. Es ist ein Paradoxon, doch der erste, der Shio zur Wahl zum Patriarchen gratulierte, war das Oberhaupt der OKU, Metropolit Epiphanij (Dumenko).

In den Predigten von Mujiri erklang nicht selten Kritik an den „liberalen Ideologien“ und dem westlichen Einfluss, der nach seiner Meinung die geistlichen Grundfesten des Landes bedrohe. In Vielem galt gerade daher der Metropolit von Anfang an als der Favorit der regierenden Partei „Georgischer Traum“, die in ihm eine „voraussagbare“ und verständliche Führungsperson sah.

Gleich nach der Bekanntgabe der Abstimmungsergebnisse (Shio hatte 22 Stimmen erhalten, seine Konkurrenten Iobi und Grigoli neun bzw. sieben Stimmen – Anmerkung der Redaktion) wandte sich Patriarch Shio III. an die Gläubigen: „Für mich ist es schwer, jene geistlichen Gefühle zum Ausdruck zu bringen, mit denen ich diese Wahl annehme. Besonderer Dank gilt dem georgischen Volk, für seine Gebete und Liebe. Schwer ist das Kreuz des Dienens als ein Hirte. Ich bitte, für mich zu beten, für unser Volk, damit ich würdig es zum Wohl der Nation lenke“.

Die Gesamtzahl der Delegierten beim Konzil betrug rund 1200 Menschen. Abgestimmt haben aber nur die Erzbischöfe. Sie mussten sich zwischen den drei Kandidaten entscheiden, die bei der Tagung der Synode der Georgischen orthodoxen Kirche Ende April bestimmt worden waren. Im Endergebnis erhielt also Shio (Mujiri) 22 der möglichen 39 Stimmen bereits beim ersten Wahlgang. Die beiden anderen Bewerber waren Metropolit Iobi (Akiashvili) und Metropolit Grigoli (Berbichashvili).

Wenige Tage vor dem Konzil forderte Iobi (Akiashvili) überraschend, die erneute Abstimmung hinsichtlich der Kandidatenliste zu ändern und jene zu den Wahlen zuzulassen, die früher ausgeschlossen worden waren. Insbesondere die Metropoliten Isaia (Chanturia) und Daniil (Datuashvili). Es sei daran erinnert, dass Chanturia nicht einmal auf die Long-List der Anwärter für das Patriarchenamt aufgrund des Fehlens eines Diploms über eine theologische Ausbildung gekommen war. Und Datuashvili – aufgrund des Alters. Gemäß dem Statut der Georgischen orthodoxen Kirche von 1995 muss ein Kandidat für den Patriarchenthron mindestens 40 Jahre und maximal 70 Jahre alt sein. Metropolit Daniil wird am 29. Mai bereits 71. Diese Initiative von Akiashvili hatte jedoch keine Unterstützung der Bischöfe erhalten.