Bevölkerungsbefragungen dieses Jahres demonstrieren eine zunehmende Verschlechterung der materiellen Lage der Bürger Russlands. Heute erklären mehr als ein Viertel der russischen Bürger, dass ihre materielle Lage in den letzten zwei, drei Monaten schlechter geworden sei. Dies ist ein neuer Rekord für die negativen Bewertungen der Veränderung des Wohlstands der Bevölkerung seit dem Jahr 2022. Die Verschlechterung der Lage der Bevölkerung belegen nicht nur Umfragen, sondern auch objektive Zahlen. Die bargeldlosen Verbraucherausgaben der Bevölkerung waren Anfang des Jahres 2026 geringer als im Vergleichszeitraum des Vorjahres, was ebenfalls nicht sehr einer makroökonomischen Stabilität ähnelt. Die Politik einer künstlichen Unterdrückung der wirtschaftlichen Aktivitäten in unserem Land sei ein Fehler gewesen, meint man in der Staatsduma (Russlands Unterhaus – Anmerkung der Redaktion).
Russische Soziologen führen regelmäßig Standardbefragungen über das wirtschaftliche Selbstgefühl der Bevölkerung durch, die erlauben, korrekte Vergleiche der aktuellen Zahlen mit den Werten vergangener Jahre anzustellen. Eine der regelmäßigen Standardfragen, die die Stiftung „Öffentliche Meinung“ den Bürgern stellt, sieht so aus: „Was meinen Sie, hat sich Ihre materielle Lage in den letzten zwei, drei Monaten verbessert, verschlechtert oder hat sie sich praktisch nicht verändert?“. Der maximale Prozentsatz der Antworten entfällt auf „meine materielle Lage hat sich praktisch nicht verändert“. Die letzten zehn Jahre antworten so 60 bis 70 Prozent der Befragten. Über eine Verbesserung ihrer materiellen Lage in den letzten Monaten sprechen üblicherweise acht bis 14 Prozent der Befragten. Aber eine Verschlechterung erklären in der letzten Zeit 18 bis 26 Prozent. Jedoch ist für das letzte Jahr in dieser relativ stabilen Verteilung der Antworten ein stabiler Trend auszumachen: Immer weniger Bürger sprechen von einer Verbesserung und immer mehr – von einer Verschlechterung. Dabei nimmt die Kluft zwischen den positiven und negativen Bewertungen für die sich vollzogenen Veränderungen ständig zu.
Im März vergangenen Jahres deckten sich fast die Anteile der negativen und der positiven Bewertungen der Veränderungen (18 bzw. 14 Prozent). Doch nach dem März des Jahres 2025 nimmt der Anteil der negativen Bewertungen für die Veränderungen der eigenen materiellen Lage beständig zu. Und heute haben bereits 26 Prozent der befragten Bürger Russlands eine Verschlechterung ihrer materiellen Lage in den letzten Monaten konstatiert.
Besonders spürbar ist das Überwiegen der negativen Bewertungen für die Veränderungen unter den befragten Bürgern Russlands im Alter von über 30 Jahren.
In der Altersgruppe 46 bis 60 Jahre sprechen 35 Prozent der Befragten von einer Verschlechterung ihrer materiellen Lage. Und in der Gruppe 31 bis 45 Jahre sprechen von einer Verschlechterung 28 Prozent der Befragten.
Wobei auffällt: Je höher der Bildungsgrad desto höher ist der Anteil der negativen Bewertungen für die sich vollzogenen Veränderungen. In der Gruppe der Bürger Russlands mit einer Hochschulausbildung sprach beinahe jeder dritte Befragte (32 Prozent) von sich vollzogenen Verschlechterungen.
Die Eigenbewertungen für die Veränderungen der eigenen materiellen Lage sind in vielem ein subjektiver Parameter. Doch die generelle Tendenz einer Verschlechterung der materiellen Lage fixierten auch weniger subjektive Erhebungen.
In der Woche vom 23. Februar bis einschließlich 2. März 2026 haben die realen Ausgaben nicht den Stand des vergangenen Jahres überschritten. Und die Jahreszunahme der nominellen Verbraucherausgaben machte 5,8 Prozent aus, teilte des Labor „SberIndex“ mit. Der Wert für die Verbraucherausgaben wird auf der Grundlage aller Einkäufe (Transaktionen) der Sberbank-Kunden berechnet, die die Dynamik der bargeldlosen Verbraucherausgaben der Bevölkerung Russlands wiedergeben. Veränderungen des Wertes für die Verbraucherausgaben werden in Bezug auf die gleiche Woche des Vorjahres oder im Vergleich zur vorangegangenen Woche fixiert.
Die Angaben von „SberIndex“ registrieren gleichfalls einen Verzicht der Bürger Russlands auf übermäßige Feiertagsausgaben vor dem Jahreswechsel oder dem Tag des Vaterlandsverteidigers, dem 23. Februar.
Die Ausgaben, die traditionell mit dem Begehen des 23. Februars zusammenhängen, haben die Verbrauchernachfrage in der vergangenen Woche nicht unterstützt, teilten die Analytiker mit. Der Rückgang der gesamten Wochenausgaben machte 2.2 Prozent aus. Dabei verringerten sich beispielsweise die Ausgaben für Lebensmittel um 5,4 Prozent, die Ausgaben für alle anderen Waren – um 0,7 Prozent.
Unmittelbar zum Tag des 23. Februar beobachten wir in den Kategorien Geschenke und Feierlichkeiten ein Sparen hinsichtlich der Anzahl der Einkäufe im Vergleich zum analogen Tag des Vorjahres. In den Lebensmittelgeschäften ist ein Rückgang der Einkäufe um 7,8 Prozent ermittelt worden. In den Alkoholläden – um 16,4 Prozent. Die Einkäufe von Geschenken und Blumen verringerten sich um 18,3 Prozent. Die Einkäufe in Schmuck- und Uhrengeschäften brachen um 24,7 Prozent ein, berechnete man im „SberIndex“. Bei einem Vergleich der Anzahl der Einkäufe an einem durchschnittlichen Arbeitstag beobachten wir in der vergangenen Woche einen spürbaren Rückgang der Einkäufe gegenüber dem Vorjahr hinsichtlich der meisten Kategorien – unter anderem bei den Lebensmitteln (um 7,2 Prozent). In der Gastronomie – um 8,6 Prozent, erklären die Analytiker.
Aufgrund der Politik der sogenannten „Abkühlung der Wirtschaft“ erwiesen sich die Verbraucherausgaben der Bürger in den letzten Wochen des vergangenen Dezembers gleichfalls unter den analogen Parametern des Vorjahres. Die zunehmende Reduzierung der Verbraucherausgaben in unserem Land ist ein neuer Trend, der bereits im März-April des Jahres 2025 zu einem spürbaren geworden war. Und die ersten Fälle eines Einbrechens der realen wöchentlichen Verbraucherausgaben unter den Stand des Vorjahres wurden bereits im August registriert. Damals war die Tatsache festgestellt worden, dass in den ersten Augustwochen die nominellen Wochenausgaben höher lagen als im Vorjahr, um ganze 5 Prozent bei einer offiziellen Inflationsrate von acht bis neun Prozent. Schon die Sommerbefragen begannen zu demosntrieren, dass die Bürger der Russischen Föderation im Durchschnitt häufige in Läden gehen, dabei aber weniger Geld ausgeben. Positive Emotionen lösten im vergangenen Jahr bei den Bürgern Russlands nicht der Erwerb teurer, prestigeträchtiger oder Markenwaren aus, sondern das Einsparen aufgrund von Preisnachlässen und Bonussen.
Die harte Politik eines Unterdrückens der Wirtschaftsaktivitäten in unserem Land beruht auf der umstrittenen These von einer „Überhitzung der Wirtschaft“. Dabei sind viele Wirtschaftsexperten der Auffassung, dass die Politik zur Unterdrückung der Wirtschaftsaktivitäten in der Russischen Föderation ein Fehler gewesen sei, den unsere Staatsbeamten kaum eingestehen werden.
„Sie können nicht eingestehen: Wir haben Schuld daran, dass wir das Wirtschaftswachstum untergraben haben, da wir einen hohen Leitzins mit der Inflation beibehalten haben. Wir haben die Steuern angehoben und damit die Möglichkeit eines Investierens untergraben. Und indem wir die Mehrwertsteuer und den Druck auf das Kleinunternehmertum erhöhten, haben wir die Inflation noch mehr befeuert. Wir haben dies alles getan, ungeachtet dessen, dass dies offenkundige Fehler waren“, sagte die Staatsduma-Abgeordnete Oksana Dmitrijewa (von der Partei des Wachstums). „Man musste so gescheit sein, das Wirtschaftswachstum zu untergraben und das Land in eine Rezession treiben, während alle ungeachtet der Sanktionen dessen Wirtschaftswachstum zu fördern suchen“, wundert sich die Volkswirtin.