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Kasachstan: Warteschlangen an Bankautomaten, Brotläden und Tankstellen


Die Unruhen und die schwierige politische Situation in Kasachstan zwingen die Bürger, sich mit Lebensmitteln und Bargeld einzudecken. Einwohner der Republik bilden Warteschlangen an Tankstellen, Lebensmittelgeschäften und Bankautomaten. Die Menschen kaufen Waren des täglichen Bedarfs auf Vorrat, heben aber auch Bargeld von ihren Konten ab, das zur Hand sein wird, wenn die Offiziellen die Situation nicht unter ihre Kontrolle bringen. Im Land ist mehrfach das Internet ausgefallen, was dazu führte, dass man die Bank- bzw. Kreditkarten nicht nutzen konnte.

Bis zum 19. Januar ist auf dem gesamten Territorium Kasachstans der Ausnahmezustand verhängt worden. Er sieht unter anderem ein Ausgehverbot von 23.00 bis 07.00 Uhr, ein Verbot für die Durchführung von Massenveranstaltungen und Streiks sowie für den Verkauf von Waffen vor. Die Bewachung von besonders wichtigen Objekten ist verstärkt worden. Laut Angaben des Gesundheitsministeriums sind durch die Massenaktionen in der Republik über 1000 Menschen zu Opfern geworden, 400 mussten in Krankenhäuser eingeliefert werden. Auf den Straßen mehrerer Städte gab es Pogrome, nachts trieben in zahlreichen Städten Marodeure ihr Unwesen, geplündert wurde ein Waffenladen, in Almaty erstürmten die Gegner der Herrschenden die Stadtverwaltung und ein Polizeigebäude.

Präsident Kassym-Schomart Tokajew beauftragte die Regierung, eine spezielle Untersuchungsgruppe aus Vertretern mehrerer Institutionen zur Ermittlung der Ursachen für die vorgefallenen Ereignisse sowie die „Feststellung und straf- und ordnungsrechtliche Verfolgung aller Schuldigen“ zu bilden. Überdies soll diese Gruppe auch den Umfang der angerichteten Schäden bestimmen.

Die Organisation des Vertrags für kollektive Sicherheit (OVKS) hat im Unterschied zu den Ereignissen in Bergkarabach im Herbst 2020 und während der Spannungen an der kirgisisch-tadschikischen Grenze im letzten Jahr kurzfristig reagiert und entsendet ihre Einheiten nach Kasachstan (entsprechend einer Bitte des kasachischen Staatsoberhauptes Tokajew). Als erste Militärs trafen russische Fallschirmjäger in der krisengeschüttelten Republik ein. Laut unterschiedlichen Angaben kann das Kontingent bis zu 5.000 Mann ausmachen. Wie der Vorsitzende des GUS-Ausschusses der Staatsduma (des Unterhauses des russischen Parlaments – Anmerkung der Redaktion), Leonid Kalaschnikow (KPRF), erklärte, würden die Einheiten der OVKS am Schutz der militärischen Infrastruktur und anderer Objekte inkl. des Kosmodroms Baikonur vor den „zügellosen Aktionen jeglicher Banden“ teilnehmen.

Dabei verzeichnen vor dem Hintergrund der Massenproteste in Kasachstan die nationale Währung Tenge, Aktien kasachischer Unternehmen und staatliche Obligationen deutliche Kurseinbrüche.

Das Geschehen in Kasachstan bewegt auch Autoren russischer gesellschaftspolitischer Telegram-Kanäle. „Das Einrücken von Friedenstruppen der OVKS kann durchaus eine positive Rolle bei der Lösung des Kasachstan-Cases spielen. Es geht darum, korrekt zu helfen, die Situation in dem befreundeten Staat zu stabilisieren und nach außen den Gedanken zu vermitteln, dass die OVKS kein „Papiertiger“, sondern eine durchaus lebensfähige Organisation ist, die die Situation in einem erheblichen Teil des postsowjetischen Raums kontrolliert“, betont „Meister“ (https://t.me/maester%20). „Eine nicht schlechte Message für den Westen am Vorabend der Verhandlungen über Sicherheitsgarantien für Russland und eine Nichterweiterung der NATO gen Osten“.

„Adäquat“ (https://t.me/politadequate) erinnert daran, dass Kasachstan vor einigen Jahren darum gekämpft hatte, dass Almaty die Olympischen Winterspiele ausrichtet, jedoch gegen Peking verlor. „Aufgrund eines technischen Fehlers hatte das IOC zweimal abgestimmt. Letztlich bezwang Peking Almaty mit einem Vorsprung von ganzen vier Stimmen. Geblieben sind vier Wochen bis zum Start des Events“, kommentieren die Autoren des Telegram-Kanals das Geschehen in Kasachstan und China.