Kasachstans Präsident Qassym-Schomart Tokajew hat genau zwei Jahre dafür eingeräumt, um die Streitkräfte des Landes in eine hochtechnologische Faust zu verwandeln, die in der Lage ist, auf die Herausforderungen der Epoche der „globalen Turbulenz“ zu reagieren. Das Staatsoberhaupt unterstrich: Bei den gegenwärtigen Realitäten müsse die Diplomatie durch einen tadellosen technischen Ausrüstungsstand und die Bereitschaft, die nationalen Interessen in jeglicher Situation zu verteidigen, untermauert werden.
Bei seinem Auftritt während einer Zeremonie zum Tag des Vaterlandsverteidigers am 7. Mai und zum Tag des Sieges lenkte Präsident Qassym-Schomart Tokajew die Aufmerksamkeit auf die Verbindung zwischen den beiden Daten. Er bezeichnete eine moderne Armee als eine würdige Erbin des Ruhms der Vorfahren und ein „heiliges Schutzschild“, das die Souveränität des Landes bewahre. Besonderen Akzent legte Tokajew auf eine weltweite Anerkennung: „Kasachstan ist der einzige Staat der GUS, der ein Mandat der UNO für die Durchführung eigenständiger friedensstiftender Operationen besitzt“.
Hinsichtlich der Außenpolitik und der Sicherheit erklärte Tokajew, dass Kasachstan ein friedliebender Staat bleibe und für die Lösung von Konflikten mit diplomatischen Mitteln eintrete. Jedoch müsse nach seinen Worten das Land bereit sein, seine Interessen zu verteidigen und jegliche Bedrohungen abzuwehren.
Die Reform der Armee begann de facto nach den Januar-Ereignissen von 2022. Die Rhetorik Astanas auf dem Gebiet der Sicherheit hat sich spürbar verhärtet, wurde zu einer pragmatischeren. Und es wurde eine Entscheidung über die Transformation der gesamten Vertikale der Sicherheits-, Rechtsschutz- und bewaffneten Organe gefällt. Im Rahmen der Streitkräfte sind spezielle Einheiten geschaffen worden – Streitkräfte für Sonderoperationen und die territoriale Verteidigung. Im Rahmen des zum Jahr einer Digitalisierung und der künstlichen Intelligenz erklärten Jahres 2026 werden im Verteidigungsbereich gleichfalls spezialisierte Einheiten für eine Anwendung der künstlichen Intelligenz bei der Lösung von Gefechtsaufgaben geschaffen. Die Reform tangiert nicht nur die Armee, sondern alle Strukturen der Rechtsschutz- und Sicherheitsorgane.
Parallel zu den institutionellen Veränderungen setzt das Land auf eine „technologische Umrüstung“. Das nationale Unternehmen „Kazakhstan Engineering“ berichtete zu den Ergebnissen des Jahres 2024 über Einnahmen im Umfang von 90,2 Millionen Dollar. Der Schwerpunkt wird auf intellektuelle Waffen gesetzt – auf unbemannte Komplexe eigener und gemeinsamer Entwicklungsarbeiten.
Die Geografie der Partnerschaft beeindruckt: von einer technologischen Synergie mit China auf der Basis des Petropawlowsker Betriebs für Schwermaschinenbau bis hin zu perspektivreichen Projekten mit Südkorea. Doch zum wichtigsten geopolitischen Ereignis wurde wohl der Übergang Kasachstans und Aserbaidschans zum Format eines Verteidigungsclusters. Die Länder planen, Technik zu entwickeln, Erprobungen durchzuführen und wissenschaftliche Projekte zu entwickeln. Der strenge Schutz von Technologien vor einem Zugang durch dritte Personen bestätigt die strategische Tiefe dieser Allianz, die dazu berufen ist, zu einem neuen „Zentrum der Stärke“ im Bereich des Kaspischen Meeres zu werden, betonte die Internetressource www.exclusive.kz.
Die militärische Zusammenarbeit im Bereich des Kaspischen Meeres wurde durch ein abgeschlossenes Abkommen zwischen den Verteidigungsministerien Kasachstans und Aserbaidschans. Der für das Jahr 2026 unterzeichnete Plan legt das Fundament für ein noch engeres Zusammenwirken zwischen den Armeen beider Länder. Dies bestätigte der Besuch des 1. Stellvertreters des Verteidigungsministers und Generalstabschefs der Streitkräfte Kasachstans, von Generalleutnant Kanysch Abubakirow, in der Republik Türkei am 6. Mai 2026. Besondere Aufmerksamkeit widmete Abubakirow der Ausbildung künftiger Militärs. Die Ausbildung kasachischer Militärangehöriger in Elitehochschulen der Türkei erlaubt, moderne Methoden für die Führung und Ausbildung von Truppen zu implementieren. Sie studieren NATO-Standards und eignen sich die Taktik für einen Einsatz hochpräzisier Waffen an.
Die Kontakte Kasachstans und Russlands auf dem Gebiet der Verteidigung werden heute als eine der wichtigen Richtungen der bilateralen Beziehungen angesehen. Laut Angaben des Verteidigungsministeriums der Republik Kasachstan entwickeln Astana und Moskau das Zusammenwirken im Verteidigungsbereich als einen Teil des breiten Systems der regionalen Sicherheit. Diese Arbeit basiert auf den Bündnismechanismen im Rahmen der Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit (OVKS) und bilateralen Abkommen.
Der kasachische Politologe und Experte für internationale Beziehungen Rizzat Tasym unterstreicht: Die militärtechnische Zusammenarbeit Kasachstans und Russlands sei nicht einfach eine Trägheit des Vergangenheit, sondern eine strategisch geeichte Komponente der bilateralen Beziehungen. Innerhalb von drei Jahrzehnten habe dieser Wege eine schwierige Evolution durchgemacht – von einer schmerzhaften Aufteilung des sowjetischen Erbes und der Klärung der „nuklearen Frage“ bis zur Gestaltung eines modernen und in seiner Art einmaligen Modells einer Partnerschaft. Heute habe Kasachstan eines der umfangreichsten Pakete von Verteidigungsabkommen mit Russland, die sowohl direkt als auch über die Institutionen der OVKS, der Shanghai-Organisation für Zusammenarbeit und die GUS realisiert werden.
Nach Meinung des Experten brauche in dieser Frage Astana einen „kühlen Pragmatismus“, frei von emotionalen und populistischen Bewertungen. Russland bleibe ein Schlüsselfaktor für die Stabilität in Zentralasien. Und dessen technologisches Potenzial im Bereich der Luftverteidigung, der automatisierten Führungssysteme und der Entwicklung der Seestreitkräfte im Bereich des Kaspischen Meeres sei für Kasachstan von praktischem Interesse.
Dennoch akzentuierte der Experte die Wichtigkeit einer Diversifizierung: Im Streben nach einer Stärkung der eigenen Rüstungsindustrie (für die in diesem Jahr rund ein Prozent des BIP bereitgestellt werden) vermeide Kasachstan prinzipiell eine Abhängigkeit von einem Lieferanten. „Der moderne Krieg verändert die Spielregeln“, betonte Rizzat Tasym. „Die traditionelle Stärke macht hybriden Methoden Platz. Und heute wird die Frage „Was ist effektiver – 200 Hubschrauber oder 2000 Drohnen?“ zu einer rhetorischen“. Die Nutzung der Vorzüge der russischen Waffen bei Bewahrung des Kurses auf eine technologische Autonomität sei nach Meinung des Politologen das aktuelle Imperativ der nationalen Sicherheit.