Unabhängige Zeitung

Private Tageszeitung

banner ad

banner ad

banner ad

Kiew bedroht russische Infrastruktur-Objekte


Der Raketenangriff gegen Bohranlagen des Unternehmens „Tschernomorneftjegaz“ fügt sich in die Reihe der Versuche Kiews ein, nicht nur den Zivilisten des Donbass Schaden zuzufügen, sondern auch Infrastrukturobjekten Russlands. Die Lieferungen neuer weitreichender Waffen aus den NATO-Ländern vergrößert solch eine Möglichkeit. Offizielle Vertreter der Russischen Föderation versichern bereits, dass sich das Hauptziel der ukrainischen Militärs und Politiker – die Krim-Brücke – unter einem zuverlässigen Schutz befinde. Aber eine nicht zu durchschlagende Schutzkuppel der Luftverteidigung gebe es einfach nicht in der Welt, betonen diesbezüglich Experten.

Mehr als 100 Menschen hatten sich auf den drei Ölplattformen im Schwarzen Meer befunden, gegen die ein Schlag geführt worden war, teilte am Montag das Oberhaupt der Krim, Sergej Aksjonow, mit. „Der Schlag wurde gegen drei Plattformen geführt. Auf ihnen hatten sich 109 Menschen befunden. 21 Menschen wurden bereits evakuiert“, sagte er. Bis in die Abendstunden des Dienstags galten sieben Menschen noch als vermisst.

Nach Aussagen von Aksjonow erfolgte der stärkste Schlag gegen die erste Plattform. „Dort befanden sich zwölf Personen, von denen fünf verletzt wurden. Die Suche nach den übrigen dauert an“, sagte der Regionalpolitiker.

Es handelt sich um Bohrplattformen des staatlichen Unternehmens „Tschernomorneftjegaz“, das sich mit der Erkundung und Ausbeutung von Öl- und Gasfeldern im Schelfgebiet des Schwarzen und des Asowschen Meeres befasst. Die drei unter Beschuss geratenen befinden sich auf dem soegannten Odessa-Gasfeld und haben vorläufig die Arbeit eingestellt. Wie eine Quelle in den Sicherheits- und Rechtsschutzorganen der Halbinsel gegenüber der russischen staatlichen Nachrichtenagentur RIA NOVOSTI mitteilte, hätten die Streitkräfte der Ukraine ihren Angriff gegen die Bohrplattformen im Bereich des Tarchankut-Kaps in einer Entfernung von bis zu 100 Kilometern von der westlichen Krimküste geführt.

Die Senatorin von der Krim, Olga Kovitidi (Kremlpartei „Einiges Russland“), präzisierte, dass das Feld „Odessa“ in einer Entfernung von 71 Kilometern von Odessa liege. Am stärksten wurde die Plattform BK-1 getroffen. Die Politikerin fügte hinzu, dass alle Arbeiten auf den Plattformen eingestellt worden seien, es erfolge ein Ablassen des Gases, um den ausgebrochenen Brand zu stoppen. Aber ohne großen Erfolg, da nach ihren Aussagen der Brand das eigentliche Bohrloch von BK-1 erreicht hätte. Und zwecks Verstärkung der Dramatik der Situation und als eine studierte Juristin ohne die erforderlichen technischen Fachkenntnisse erklärte sie, dass das Risiko der Explosion eines Gasspeichers bestanden hätte, die wiederum Odessa betroffen hätte.

Sergej Aksjonow unterstrich, dass die Gasbelieferung der Krim im normalen Regime erfolge und es keine Risiken für die Versorgung der Halbinsel mit Gas gebe. „Das Gas wird in einem normalen Regime geliefert. Wir haben entsprechend einem Auftrag des Präsidenten der Russischen Föderation eine Gasleitung vom Festland aus verlegt. Wenn wir jetzt in einem Havarie-Regime das Abpumpen stoppen, wird es eine Belieferung vom Festland geben. Dieses Gas wird vollkommen die gesamte Menge ersetzen. Das heißt, es gibt keinerlei Risiken bei der Gasversorgung für die Krim“, erklärte Aksjonow.

Das Oberhaupt der seit 2014 zu Russland gehörenden Krim betonte gleichfalls die maximale Absicherung des Landteils der Halbinsel und der Krim-Brücke durch die Luftabwehr. „Das gesamte Territorium ist abgedeckt… Hinsichtlich der Krim-Brücke kann ich sagen, dass es mehr als genug Mittel für die Luftverteidigung gibt. Hier wird nichts durch irgendwen bedroht“, sagte Aksjonow.

Ukrainische Massenmedien betonen, dass bei dem Angriff gegen die Bohrtürme Kampfflugzeuge, Patrouillen-Motorboote und möglicherweise an der Küste stationierte Raketenkomplexe eingesetzt worden seien. Sie akzentuieren die Aufmerksamkeit darauf, dass die Aktion (russische Politiker bezeichnen sie erwartungsgemäß als einen Terrorakt) gleich erfolgte, nachdem Präsident Wladimir Selenskij in einer Videoansprache eine Antwort auf den russischen Raketenangriff gegen den Erdölverarbeitungsbetrieb von Krementschug versprochen hatte. Russische Angriffe erfolgten am vergangenen Samstag auch gegen Raffinerien in Stschebelinka und Gubenicha, die ebenfalls Kraftstoffe für die ukrainischen bewaffneten Formationen (aber nicht nur für sie) liefern.

Die russischen Streitkräfte führen seit Beginn der Sonderoperation, die inzwischen 118 Tage andauert, methodisch Angriffe gegen die ukrainische Infrastruktur. Neben Erdölverarbeitungsbetrieben werden beispielsweise Eisenbahn-Trafostationen und andere Bahn-Objekte ins Visier genommen. Die Ukraine hatte am 1. April mit zwei Mi-24-Hubschraubern einen Schlag gegen ein Tanklager in Belgorod geführt, wobei sie sich offenkundig an die entsprechenden russischen Vorbilder hielt. Hubschrauber haben auch Mitte April die Grenze überflogen und das Territorium der Russischen Föderation angegriffen. Die Schläge erfolgten gegen Wohnhäuser im Verwaltungsgebiet Brjansk. Und am Montag informierte der Gouverneur der Region, Alexander Bogomas, dass durch einen Beschuss seitens der Ukraine in der Siedlung Susemka eine Trafostation beschädigt worden sei. Energetiker würden die Stromversorgung wiederherstellen.

Aber als das größte Wunschziel bezeichnen die ukrainischen Militärs und Politiker die Krim-Brücke. Dieses Bauwerk ist zu Recht zu einem Symbol für das neue Leben auf der Krim nach dem Beitritt zur Russischen Föderation im Jahr 2014 geworden. Dies ist die längste Brücke in Europa, die sich über 19 Kilometer erstreckt und auf 5.500 Rammpfeilern und 595 Pfeilern ruht. Eingeweiht wurde sie im Jahr 2019. Und ihre Errichtung kostete 228 Milliarden Rubel (umgerechnet ca. vier Milliarden Dollar), was gleichfalls einer der höchsten Werte weltweit ist.

Den Wunsch, Schläge gegen die Brücke zu führen, äußerten viele Militärs und Politiker der Ukraine. Vor kurzem tat dies der General der ukrainischen Streitkräfte Dmitrij Martschenko. „Wenn es die Gelegenheit geben wird, dies zu tun, werden wir dies unbedingt tun“, erklärte gleichfalls Alexej Danilow, Leiter des Rates für nationale Sicherheit und Verteidigung der Ukraine. Außerdem brauchen die Ukrainer vor dem Hintergrund der gewaltigen Verluste in den Gefechten im Donbass (bis zu 500 Tote jeden Tag) demonstrative Schläge und Erfolge. Und Infrastruktur-Objekte eigen sich dafür am besten.

Experten betonen, dass sich die Chancen für solche Schläge seitens der Ukraine mit dem Beginn der Lieferungen neuer Waffen aus den NATO-Ländern erhöhen würden. Die USA planen, neben Haubitzen und gepanzerter Technik zwei Küstenschutzsysteme mit „Harpoon“-Raketen, aber auch zusätzliche Geschosse für die Mehrfach-Raketenwerfer HIMARS, die Ziele bis in einer Entfernung von 300 Kilometern vernichten können, zu übergeben. Insgesamt habe Amerika bereits Waffen im Wert von 56 Milliarden Dollar an Kiew geliefert, erklärte Ex-Präsident Donald Trump. Und er warnte, dass die Handlungen der gegenwärtigen US-Administration in dieser Situation einen Weltkrieg provozieren könnten.

„Gewaltige Geldsummen sind in den letzten Jahren in die Infrastruktur und den Bau von Straßen auf der Krim gesteckt worden. Ihre Zerstörung würde auch der Wirtschaft der Region einen erheblichen Schaden zufügen“, sagte der Politologe Andrej Susdalzew der „NG“. Die Gesamtkosten für den Bau der föderalen Trasse „Taurien“, die die Kertsch-Brücke und Sewastopol über Simferopol verbindet, seien auf 168 Milliarden Rubel geschätzt worden. Und die Fernverkehrsstraße von Krasnodar bis zur Krim-Brücke – auf 100 Milliarden Rubel. Alle Routen auf der Krim würden dem Staatshaushalt 500 Milliarden Rubel kosten. Nach Aussagen des Experten hätte der jüngst gesunkene Kreuzer „Moskau“ (der bisher teuerste russische Verlust im Verlauf der Ukraine-Operation – Anmerkung der Redaktion) den Objekten im Bereich des Schwarzen und des Asowschen Meeres einen zuverlässigen Schutz gewährleistet.

„Die getroffene Bohrplattform von „Tschernomorneftjegaz“ befindet sich in der Wirtschaftszone der Russischen Föderation, die von der Ukraine nicht anerkannt wird, da sie nach 2014 im Zusammenhang mit dem Beitritt der Krim gebildet worden war“, fährt Susdalzew fort. „Dieser Bohrturm hatte früher auch einem ukrainischen Unternehmen gehört. Er ist auf dem Odessa-Gasfeld errichtet worden. Die Fördermengen sind dort geringe. Neue Bohrplattformen sind seitdem nicht errichtet worden. Es hat keine besonderen Investitionen für das Projekt gegeben“.