Wie der Kiewer Bürgermeister Vitalij Klitschko erklärte, hätten ungefähr 600.000 Menschen auf seinen jüngsten Appell reagiert und selbst die Stadt verlassen. Nach Einschätzung des Bürgermeisters hätten vor dem Hintergrund der andauernden Schläge der Streitkräfte Russlands (die zunehmend Energieobjekte, die nicht nur die ukrainische Rüstungsindustrie, sondern auch einen Großteil der Bevölkerung versorgen, zielgerichtet angreifen – Anmerkung der Redaktion) und der anhaltenden Fröste die Risiken einer humanitären Katastrophe zugenommen. Julia Swiridenko, die Regierungschefin des Landes informierte über die Einrichtung mobiler Küchen auf den Straßen, die die die hauptstädtischen Einwohner mit warmen Mahlzeiten versorgen. Die zentralen und hauptstädtischen haben einander, aber auch Russland für die Situation verantwortlich gemacht.
Die ukrainischen Offiziellen konstatieren die Tatsache eines Blackouts in Kiew, die eine humanitäre Katastrophe heraufbeschwöre. Die Premierministerin des Landes, Julia Swiridenko, informierte über die Einrichtung mobiler Küchen durch den Staatlichen Katastrophenschutz, die die Städter mit warmen Mahlzeiten versorgen.
Um die 600.000 Menschen der mehr als drei Millionen Einwohner zählenden Hauptstadt sind dem Appell des Kiewer Bürgermeisters Vitalij Klitschko gefolgt und haben die Stadt verlassen. Darüber informierte er am Mittwoch. Es sei klar, dass nicht alle dies tun könnten, präzisierte er. Und er rief die Städter erneut auf, nach Möglichkeit die Hauptstadt zu verlassen, da der Beschuss der Stadt bei Frösten unter minus 20 Grad Celsius andauern würden. Laut Prognosen werden die erheblichen Minustemperaturen noch zwei Wochen anhalten.
Nach Aussagen des Bürgermeisters würden unter derartigen Bedingungen tausenden Mehrfamilienhäuser ohne Heizung bleiben. Und daher seien die Behörden gezwungen, das Wasser aus dem zentralisierten Fernwärmeversorgungssystem abzulassen, um Rohrbrüche zu verhindern. Dabei hatte bereits am 9. Januar, als im Ergebnis eines erneuten russischen Schlages gegen die Kiewer Energiewirtschaft die Hälfte der Häuser in der Hauptstadt ohne eine Fernwärmeversorgung geblieben war, der Bürgermeister in seinem Telegram-Kanal die Kiewer aufgerufen, vorübergehend die Stadt zu verlassen, wenn die Möglichkeit bestehe. Weiter unterstrich er am 14. Januar aufs Neue, dass Kiew in die schwierigste Situation in den nunmehr fast vier Jahren des großen Militärkonflikts mit Russland, der am 24. Februar 2022 auf Befehl von Kremlchef Wladimir Putin begann, geraten sei. Am gleichen Tag erklärte der einstige Verteidigungsminister und Ex-Premier Denis Schmygal vor seiner Ernennung zum Energieminister in der Werchowna Rada der Ukraine (das Landesparlament – Anmerkung der Redaktion), dass die Hauptstadt schlecht auf die Heizsaison unter Berücksichtigung der Kriegszeit vorbereitet gewesen sei.
Zur gleichen Zeit gab der ukrainische Präsident Wladimir Selenskij die Entscheidung bekannt, einen Ausnahmezustand in der Energiewirtschaft zu verhängen, und kritisierte die hauptstädtische Führung, wobei er darauf verwies, dass „er keine Intensität“ bei der Überwindung der Folgen des russischen Beschusses und der Fröste in der Stadt sehe. Als Antwort berichtete Vitalij Klitschko im Telegram-Messengerdienst, dass die kommunalen Dienste rund um die Uhr arbeiten würden, um unter anderem die Wärmeversorgung in den Wohnhäusern wiederherzustellen, Sozialeinrichtungen an autonome Stromversorgungsquellen anzuschließen sowie das Funktionieren von Aufwärmepunkten und die Versorgung der kritischen Infrastruktur mit Generatoren abzusichern.
Und daher würde der Präsident mit solchen Erklärungen die aufopferungsvolle Arbeit tausender Fachkräfte abwerten, die ununterbrochen für eine Aufrechterhaltung des Lebens der Stadt unter den Bedingungen des militärischen Konflikts arbeiten würden, betonte Klitschko.
Es muss betont werden, dass im Vorfeld der Wintersaison ukrainische Beobachter ebenfalls von einer möglichen Evakuierung Kiews gesprochen hatte. In ihrer Mehrheit waren sie sich aber in der Meinung einig, dass die Offiziellen niemanden evakuieren würden, da sie dazu absolut nicht bereit seien.
Und jetzt hätten die Behörden für jene, die beschlossen haben, die Hauptstadt zu verlassen, nicht einmal „grüne Korridore“, unter anderem an der Grenze zu Moldawien und Rumänien organisiert, obgleich klar sei, dass die Menschen mit ihren Familien und Kindern gehen, konstatierte der Ex-Abgeordnete der Werchowna Rada Wladimir Oleinik (von 2006 bis 2014, lebt und arbeitet nun bereits mehr als elf Jahre in Moskau – Anmerkung der Redaktion) in einem Kommentar für die „NG“. Doch einen Teil der Verantwortung trägt auch der Kiewer Bürgermeister selbst, da er sich nicht dem widersetzt hatte, als im Sommer acht Milliarden Griwna (umgerechnet über 158 Millionen Euro) aus dem hauptstädtischen Haushalt eingezogen wurden, die für die Unterstützung der städtischen Kommunalwirtschaft bestimmt waren. Und er hatte sich gleichfalls nicht ausreichend bemüht, Treffen mit dem Staatsoberhaupt zu erwirken.
Der Generaldirektor des größten ukrainischen Energieunternehmens DTEK, Maxim Timtschenko, rief bei seinem Auftritt auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos auf, dem Energiesystem des Landes Hilfe zu leisten. Da die anhaltenden Schläge der russischen Streitkräfte gegen Energieobjekte des Landes nicht nur für die Bevölkerung Probleme schaffen, sondern auch eine strategische Bedrohung für die Wirtschaft und den Rüstungsindustriekomplex der Ukraine darstellen würden, präzisierte Timtschenko.
Derweil bestätigte Stanislaw Ignatjew, Energie-Experte des Ukrainischen Zukunftsinstituts, in einem Kommentar für Medien, dass sich Kiew einer Energie-Katastrophe nähere.