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Kremlumfrage: Nur 12 bis 14 Prozent der russischen Studenten empfinden Stolz auf ihr Land


Tagtäglich lesen wir in der Redaktion „NG Deutschland“ Nachrichten aus unterschiedlichen Quellen – Zeitungen, Nachrichtenagenturen und Internet-News-Portale -, die wir bei der Auswahl und Vorbereitung der Beiträge auf der Internetseite berücksichtigen. Aber nicht alles können wir schnell genug aufbereiten. Um aber vieles Interessantes auch den Leser:Innen der Seite „NG Deutschland“ mitzuteilen, haben wir beschlossen, regelmäßig die aus unserer Sicht markantesten Nachrichten zusammenzustellen.

 

Die Situation in Russland bezeichnen 44 Prozent der befragten Studenten als eine Krise

Der innenpolitische Block der Kreml-Administration führt regelmäßig Umfrage unter der Landesbevölkerung durch, wobei laut der „The Moscow Times“ die jüngste dem Stimmungsbild unter den russischen Studenten galt. Laut dieser Umfrage dominieren unter den Emotionen, die die Studierenden derzeit empfinden, Besorgnis und Angst (36 Prozent), Empörung und Enttäuschung über die Lage im Land empfinden 20 Prozent, Stolz für Russland – lediglich 12 bis 14 Prozent. Befragt wurden die jungen Menschen von den Kreml-Soziologen auch danach, welche Wörter am besten für eine Beschreibung der gegenwärtigen Situation in Russland passen würden. Das populärste war „Krise“ mit 44 Prozent, „Niedergang“ rangierte mit 32 Prozent auf Platz zwei, während „Wiedergeburt“ und „Stabilität“ nur in 16 Prozent bzw. 8 Prozent der Fälle genannt wurden. Wenig erfreulich sieht das Bild hinsichtlich einer möglichen Auswanderung aus. Ein Drittel der Befragten bekundeten den Wunsch zu emigrieren, wobei in der Moskauer Hochschule für Wirtschaftswissenschaften dieser Wert 58 Prozent erreichte.

 

Russlands Haushalt muss nach wie vor mit weniger Erdöl- und Erdgaseinnahmen auskommen

Laut Angaben der Nachrichtenagentur „Interfax“ macht das Haushaltsloch nach den ersten vier Monaten dieses Jahres bereits 3,4 Billionen Rubel aus und hat damit im Grunde genommen die geplante Jahressumme von rund 2,9 Billionen Rubel deutlich überschritten. Dabei vergrößerte sich das Defizit, wie das russische Finanzministerium angab, im April gleich um eine Billion Rubel. Finanzminister Anton Siluanow begründete diese negative Entwicklung mit den ausbleibenden Einnahmen aus dem Erdöl- und Erdgasexport Russlands.

 

Präsident Putin macht sich Sorgen um die hohen Todeszahlen unter russischen Kindern

In dieser Woche unterzeichnete Russlands Präsident Wladimir Putin einen Erlass zur Umsetzung der Strategie für eine komplexe Sicherheit der Kinder bis zum Jahr 2030. In diesem Erlass werden nicht nur weitere Schritte zur Vervollkommnung der Situation im Bereich der Leihmutterschaften angedeutet, sondern auch die Aktualität der hohen Todeszahlen unter Kindern betont. Als dominierende Ursache für den Tod von Kindern werden dabei Verkehrsunfälle durch das Verschulden von Autofahrern genannt (über 86 Prozent). In der erwähnten Strategie ist gleichfalls nachzulesen, wie „Interfax“ berichtete, dass etwa acht Prozent der Todesfälle unter russischen Kindern Suizide als Ursache haben.

 

Für relativ gutes Geld, aber einem Risiko für das Leben – bisher 117.400 Russen unterzeichneten in diesem Jahr Verträge für einen freiwilligen Wehrdienst

Seit Jahresbeginn haben tausende Bürger Russlands den Entschluss gefasst, freiwillig in den Reihen der Streitkräfte des Landes zu dienen. Geworben wird dafür seit mehreren Monaten – massiv und mit recht attraktiven Geldsummen, wenn man um die Höhe der Durchschnittseinkommen der Menschen in Russland weiß (63.260 Rubel mit Stand vom Januar dieses Jahres laut Angaben von Rosstat – umgerechnet ca. 730 Euro). Am Freitag erklärte der stellvertretende Vorsitzende des Sicherheitsrates und Ex-Präsident Russlands, Dmitrij Medwedjew: „Seit dem 1. Januar bis einschließlich 19. Mai sind in die Reihen der Streitkräfte auf Vertragsgrundlage und im Rahmen unserer Freiwilligen-Einheiten (für die militärischen Sonderoperation in der Ukraine – Anmerkung der Redaktion) 117.400 Menschen aufgenommen worden“. Aber auch aus seinem Munde gab es keine aktuellen Zahlen über gefallene und verwundete russische Militärs an der Front, so dass die offizielle Zahl des Verteidigungsministeriums vom September letzten Jahres (fast 6000 Tote) nach wie vor im Raum steht.

 

14,3 Millionen der Bürger Russlands leben in Armut

Das russische Statistikamt ROSSTAT legte dieser Tage neue Zahlen zur Armut im Land vor. Mit Stand Ende letzten Jahres ist der Anteil der in Armut lebenden Menschen von 10,5 Prozent auf 9,8 Prozent gesunken. Im Jahr 2021 machte dieser Anteil noch elf Prozent aus. Hinter dieser Prozentzahl stehen laut „Interfax“ aber immer noch 14,3 Millionen Menschen. Ob jedoch die Putin-Vorgaben aus dessen Mai-Erlassen von 2018 damit einer Realisierung näherkommen, ist fraglich. Der Kremlchef hatte immerhin angewiesen, bis zum Jahr 2024 die Armutszahlen im Vergleich zu 2017 zu halbieren – von 12,9 Prozent bis auf 6,5 Prozent.

 

Staatsduma-Chef Wolodin sagt Geschlechtsumwandlungen den Kampf an

Der Vorsitzende des russischen Unterhauses, Wjatscheslaw Wolodin (Kremlpartei „Einiges Russland“, hat dieser Tage gesetzgeberische Schritte gegen die angeblich leichte Praxis der Geschlechtsumwandlungen in Russland angekündigt. Nach seinen Aussagen seien in Russland ca. 2700 Entscheidungen über eine Änderung des Geschlechts registriert worden, wobei er als einen Grund die laufende militärische Sonderoperation in der Ukraine nannte. Viele junge Männer würden so versuchen, einem Einsatz an der Front zu entgehen. Überdies deutete der Parlamentschef an, dass damit die demografische Situation und generell die traditionellen russischen (Familien-) Werte gefährdet werden würden. Justizminister Konstantin Tschuitschenko erklärte in einem Interview für die Nachrichtenagentur TASS am 24. April, dass ein erster Schritt auf diesem Gebiet die Aufhebung der Möglichkeit der Registrierung des Gender-Wechsels in Pässen und anderen offiziellen Dokumenten sein könnte.  

 

Direkter Flugverkehr zwischen Russland und Georgien verspricht spürbare Zunahme des Touristenstroms

Der Touristenstrom aus Russland nach Georgien hat im vergangenen Jahr um das 8fache zugenommen und bis zu 830.000 Menschen erreicht. Die Wiederaufnahme des direkten Flugverkehrs am 19. Mai aus Moskau und am 20. Mai aus Tbilissi werde diese Zahlen weiter ansteigen lassen, erklärte am Donnerstag Dmitrij Wolwatsch, Russlands Vizeminister für Wirtschaftsentwicklung. Möglich wird dies durch einen Erlass des russischen Präsidenten vom 10. Mai, der seit dem 15. Mai einen visafreien Verkehr zwischen beiden Ländern und die Aufnahme der seit vier Jahren unterbrochenen direkten Flugverbindungen vorsieht.

Nach Meinung des Vizepräsidenten der Vereinigung der Reiseveranstalter Russlands (ATOR), Artur Muradjan, könne ein Umfang von einer Million russischen Touristen zu einer durchaus realen Zahl werden. Freilich ist man in Georgien selbst nicht ganz glücklich über diese Entwicklung, da nach Auffassung der Opposition des Landes die Entscheidung des Kremlchefs letztlich ein Dank für die prorussische Politik der Regierung der Partei „Georgischer Traum“ sei.

 

Lächerlich und inkompetent – Wolodin-Worte über englische Sprache lösten deutliche Kritik aus

Staatsduma-Chef Wjatscheslaw Wolodin überraschte am vergangenen Donnerstag die russische Öffentlichkeit erneut mit einem Statement, das ihn im Grunde genommen lächerlich macht und als inkompetent ausweist. Bei einer Tagung des Rates der Parlamentarischen Vollversammlung der Organisation des Vertrages über kollektive Sicherheit behauptete der 59jährige Politiker aus der Kremlpartei „Einiges Russland“, dass die englische Sprache eine tote Sprache sei. „Das war es, ihre Zeit ist vorbei… Lassen Sie uns unsere nationalen Sprachen, die Sprachen für die zwischennationalen Kontakte, die chinesische Sprache erlernen“. Die Reaktionen im russischen Internet waren dementsprechend: Viele Kommentatoren meldeten sofort Zweifel an der Kompetenz des habilitierten Technik-Ingenieurs auf dem Gebiet der Agrarmaschinen an (möglicherweise habe er für seinen Doktortitel nur mit Mühen die notwendige Fremdsprachenprüfung – vermutlich in Englisch – bestanden). Und noch bitter muss es den Vorsitzenden des russischen Unterhauses getroffen haben, als man ihn daran erinnerte: Zu den BRICS-Staaten, die Russland sehr freundlich gesinnt sind, gehören unter anderem Indien und die Republik Südafrika, in denen die englische Sprache die bzw. eine offizielle Staatssprache ist. Wolodin hat sich mit seinem Minsk-Statement also lächerlich gemacht. Freilich ist dies für ihn nicht neu.