Nachdem Bundesaußenminister Johann Wadephul am vergangenen Dienstag die deutschen Schritte als Antwort auf den angeblich versuchten russischen Anschlag am Flughafen Leipzig/Halle am 4. August dieses Jahres bekanntgegeben hatte, sind sieben Tage ins Land gegangen und Moskau hat offiziell seine Gegenmaßnahmen formuliert. Bekanntlich war in den Abendstunden jenes Augusttages eine mit Sprengstoff beladene Drohne entdeckt worden, in der unmittelbaren Nähe mehrerer ukrainischer Frachtflugzeuge auf eben jenem sächsischen Flughafen.
Für die Bekanntgabe der im Grunde genommen erwarteten Antwort auf die Schließung des russischen Generalkonsulats in Bonn und der Aufkündigung des Vertrages über die Arbeit des Russischen Hauses der Wissenschaft und Kultur in der Berliner Friedrichstraße wurde am Montag, dem 7. September der deutsche Geschäftsträger in Moskau Bernd Finke erneut ins Außenministerium Russlands einbestellt, wobei dieses Mal sein Aufenthalt kürzer war als am vergangenen Mittwoch (https://ngdeutschland.de/die-talsohle-ist-noch-nicht-erreicht/). Dafür war er aber handfest und konkret.
„Im Zusammenhang mit den unfreundlichen Handlungen der deutschen Seite zur Schließung des Generalkonsulats Russlands in Bonn und des Russischen Hauses der Wissenschaft und Kultur in Berlin wurde am 7. September dem Geschäftsträger der Bundesrepublik Deutschland in der Russischen Föderation das Ergreifen der folgenden Antwortmaßnahmen bekanntgegeben“, heißt es in einer offiziellen Mitteilung auf der offiziellen Internetseite des russischen Außenministeriums.
„Die russische Seite zieht die Zustimmung zum Arbeit des Generalkonsulats der Bundesrepublik Deutschland in Sankt Petersburg zurück, das seine Tätigkeit nicht später als am 18. September 2026 einstellen muss. Und all seine Mitarbeiter haben nicht später als das ausgewiesene Datum die Russische Föderation zu verlassen.“ Daraus ergibt sich, dass eine Variante für einen weiteren Einsatz der bisher in der Newa-Metropole tätigen deutschen Diplomaten in Moskau ausgeschlossen wurde, womit Russland symmetrisch auf die entsprechende Ablehnung Berlins reagierte. Freilich wurden die Fristen konkreter festgelegt.
Weiter heißt es in der Mitteilung des russischen Außenministeriums vom Montag: „Die deutschen Goethe-Kulturzentren haben ihre Tätigkeit einzustellen. Ihren entsandten Mitarbeitern wird angewiesen, nicht später als am 13. September 2026 Russland zu verlassen. Dem Leiter der diplomatischen Mission sind die entsprechenden Noten des Außenministeriums Russlands ausgehändigt worden“.
Damit hat also Moskau symmetrisch auf die von Wadephul bekanntgegebenen Maßnahmen geantwortet, wie auch Außenamtssprecherin Maria Sacharowa angekündigt hatte – siehe Überschrift des vorliegenden Beitrages. Und die russische Seite hat noch einmal betont, „dass gerade die deutschen Offiziellen ein weiteres Mal eine neue Runde der Eskalation in den bilateralen Beziehungen provoziert hatten. Die ganze Verantwortung für die Folgen liegen voll und ganz auf der Regierung der BRD“.
Die russisch-deutschen Beziehungen bleiben damit weiter auf ihrer Talfahrt, deren Ende bisher nicht abzusehen ist. Außenminister Sergej Lawrow erinnerte im Zusammenhang damit am Sonntag, dem 6. September an die Geschichte des 20. Jahrhunderts: „Ich erinnere mich, dass vor Beginn des Zweiten Weltkrieges, genauer gesagt des Großen Vaterländischen Krieges, die Deutschen auch ihre diplomatischen Missionen geschlossen hatten“. Mit dieser Anspielung unterstrich er seinen Gedanken über die Politik der von Kanzler Friedrich Merz angeführten Bundesregierung, in deren Rahmen die Pläne für eine Verstärkung der deutschen Armee umgesetzt werden sollen. „Und da sind all jene Erklärungen, die Merz abgegeben hat, wonach er Deutschland erneut zur ersten militärischen Macht in Europa machen werde. Sie erhalten eine Umsetzung. Er schickt sich vom Wesen der Sache her an, uns einen Krieg zu erklären. Und die Lehren der Geschichte sind überhaupt nicht gezogen worden“, sagte Lawrow in einem Interview für das russische Staatsfernsehen am Sonntag. „Es hat sich herausgestellt, dass eben diese Metastasen des Nazismus durchzubrechen beginnen. Dies ist eine gefährliche Erscheinung. Mir scheint, die russische Führung wird die entsprechenden Schlussfolgerungen ziehen“.
Offen bleibt angesichts dieser im Grunde genommenen traurigen Entwicklung, was dies für die Beziehungen beider Länder auf der Ebene der zwischenmenschlichen Kontakte bedeutet. Bleibt aber zu hoffen, dass sie diese Erschütterungen überstehen. Obgleich schon heute klar ist, dass das, was jetzt mit scheinbar leichter Hand so schnell zerstört wird, nicht mit einem Schlage wiederhergestellt werden kann. Dafür wird weitaus mehr Zeit nötig sein.