Seit 1. April vergangenen Jahres hat man in Russland begonnen, Migranten-Kinder hinsichtlich der Beherrschung der russischen Sprache für eine Einschulung zu testen. Die Modalitäten dafür hatte das Bildungsministerium im März des letzten Jahres bestätigt. Wenn ein Kind den Test nicht besteht, wird es in keine russische Bildungseinrichtung aufgenommen. Diese Neuerung fügt sich in den Trend der Verschärfung der Regeln für einen Aufenthalt ausländischer Staatsbürger — vor allem aus Ländern der GUS — in der Russischen Föderation ein.
In der Russischen Föderation lief mehrere dem Jahr 2025 vorausgegangene Jahre lang ein Instanzen-Kampf, und es erfolgten Diskussionen im Zusammenhang mit der Auswahl der Politik in Bezug auf die Migranten. Die Verfechter einer harten Linie behaupten, dass die Migranten speziell die Familien nach Russland holen und das russische System für eine soziale Unterstützung ausnutzen würden, ohne ein Bestreben nach einer Anpassung in der Gesellschaft zu demonstrieren. In einigen Regionen des Landes wurden Klassen gebildet, in denen Migrantenkinder bis zu 50 Prozent der Schüler ausmachten, wobei sie die russische Sprache nicht beherrschten und sie nicht erlernen wollten, was sich auf die Leistungen der übrigen Schüler auswirkte. Es wird angenommen, dass die neuen Regeln die Ankömmlingen zwingen werden, Russisch zu lernen. Diejenigen aber, die das nicht tun wollen, müssen Russland verlassen. Die Gegner der Neuerungen behaupten, dass die Schulen für die Kinder von Migranten oft zum einzigen Mittel für eine Integrierung in die russische Gesellschaft werden. Und diejenigen, die bei den Prüfungen durchfallen, verbergen sich einfach, was ernsthafte Probleme in der Zukunft auslöst.
Im Sommer teilte Vize-Innenminister Igor Subow mit, dass sich in Russland über 638.000 Minderjährige, deren Eltern ausländische Staatsbürger sind, befinden würden. „Dass ein Großteil von ihnen nicht zur Schule geht, entspricht nicht, denke ich, der Wirklichkeit. Sicherlich aber hängen so etwa die Hälfte ganz bestimmt aus irgendwelchen Gründen in der Luft“, sagte Subow.
In dem eingangs erwähnten Russisch-Test gibt es einen schriftlichen und einen mündlichen Teil. Die Kinder, die für eine Ausbildung in der ersten Klasse eingeschult werden, müssen keinen schriftlichen Test absolvieren. Für sie reicht es, Fertigkeiten im Hören und Sprechen in der russischen Sprache zu demonstrieren. Sie müssen gleichfalls Kenntnisse hinsichtlich der häufig verwendeten und ihrem Alter entsprechenden Lexik nachweisen. Konkret müssen sie Gegenstände auf Fotos und Zeichnungen benennen. Lese- und Schreibfertigkeiten auf einer Mindestebene werden bereits ab der zweiten Klasse gefordert. Und die Tests werden mit jeder Klassenstufe schwieriger. Nach dem Examen bestimmt eine Kommission, ob das Sprachniveau des jeweiligen Kindes für eine Ausbildung ausreicht. Wenn ein Kind auf keine drei Wertungspunkte kommt, kann die Prüfung drei Monate noch einmal absolviert werden, doch die Aufgaben werden bereits andere sein. Vor dem Sprachtest sind die Eltern verpflichtet, ein Dokument vorzulegen, dass die Rechtmäßigkeit des Aufenthalts der Familie in Russland bestätigt.
Das Testen der Kinder ausländischer Bürger hinsichtlich des Beherrschens der russischen Sprache sei auf eine Harmonisierung des Schulprozesses, auf eine Adaptierung eines jeden Kindes und eine erfolgreiche Aneignung des Schulprogramms ausgerichtet, erklärte im vergangenen September Staatsduma-Chef Wjatscheslaw Wolodin. Laut seinen Angaben hätten innerhalb von fünf Monaten 23.600 Migrantenkinder Anträge auf eine Einschulung eingereicht. Von ihnen wurden aber lediglich 2.900 eingeschult, 12,6 Prozent der Gesamtzahl der ausländischen Kinder. Die übrigen 87,4 Prozent hätten nach Aussagen Wolodins die Russisch-Prüfung nicht bestehen oder die Legitimität des Aufenthalts in der Russischen Föderation nachweisen können.
Im August erklärten Vertreter der Aufsichtsbehörde für das Bildungswesen – Rosobrnadzor -, dass ab Januar des neuen Jahres die Russisch-Prüfung für Migranten per Computer durchgeführt werden. Speziell für die Tests wurde der Programm-Komplex „ExameN“ entwickelt.