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Minister Kasachstans bittet Russland, ihn nicht zu dämonisieren


Kasachstans neuer Informationsminister Askar Umarow hat die Vorwürfe hinsichtlich einer Russophobie zurückgewiesen. Zuvor hatte der Chef der staatlichen Agentur Rossotrudnitschestwo (zuständig für Angelegenheiten der GUS, für Fragen der im Ausland lebenden Mitbürger und für internationale humanitäre Zusammenarbeit im Außenministerium der Russischen Föderation – Anmerkung der Redaktion) Jewgenij Primakow (ein gleichnamiger Enkel des ehemaligen russischen Außenministers und Regierungschefs – Anmerkung der Redaktion) bei der Kommentierung der Ernennung von Umarow das Augenmerk auf beleidigende Aussagen gegen die Russen und gegen Russland, die von dem Beamten stammen oder ihm zugeschrieben werden, gelenkt. Der Skandal flammte vor dem Hintergrund der Versprechen von Kasachstans Präsident über den baldigen Abzug des Kontingents der Organisation des Vertrages über kollektive Sicherheit aus dem Land auf.

„Bezüglich der Publikationen hinsichtlich einer Dämonisierung meiner Figur,“ schrieb Umarow am Mittwoch auf seiner Facebook-Seite: „Ich bin nicht jener, als den man mich darzustellen versucht. In allen vorangegangenen Funktionen habe ich mich bemüht, eine fruchtbare Arbeit mit den russischen und anderen Partnern zu leisten. Wir haben gemeinsame gute Projekte realisiert, unter anderen zu gemeinsamen Daten wie beispielsweise den Tag des Sieges usw. Ich verstehe, wie wichtig für uns die Bündnisbeziehungen mit Russland sind. Achtung und Dankbarkeit löst die Unterstützung der Russischen Föderation für unser Land aus. Ich möchte noch einmal meine Treue zu den Prinzipien der Toleranz und Völkerfreundschaft, zur Einheit des Volkes von Kasachstan und der Bruderbeziehungen mit den Nachbarn bekräftigen“.

„Minister Umarow ist durch den Präsidenten Kasachstans für das Amt ernannt worden, und gerade er trägt für ihn die Verantwortung, und gerade ihm steht bevor, seine Minister abzulösen oder zu ernennen“, sagte am Dienstag Jewgenij Primakow. Nach seiner Meinung sei es für Kasachstans Präsident Kassym-Schomart Tokajew „derzeit bei der Wiederherstellung des normalen Lebens des Landes sehr schwer, wobei ihm Truppen der Organisation des Vertrages über kollektive Sicherheit unschätzbare Hilfe auch inkl. 3000 russischer Militärs geleistet haben. Der russische Ex-Journalist und nunmehrige Diplomat hatte angenommen, dass gerade die schwierige Realität Kasachstans Präsident zwinge, sich auf „derartige schwere, aber bewusste Kompromisse“ einzulassen, wobei er die Ernennung von Umarow meinte. Tokajew habe wohl kaum nicht begriffen, als er diese Personalentscheidung fällte, dass sie eine empfindliche Reaktion Moskaus auslösen werde, welches bei der Wiederherstellung der Verfassungsordnung unschätzbare Hilfe leistete.

„Die Souveränität des brüderlichen Kasachstans und die Anstrengungen zur Schaffung von Frieden in der Republik achtend, wage ich, an die bereits alte, automatisch wirkende und bewährte Regel zu erinnern, die darin besteht, dass Rossotrudnitschestwo mit russophoben Dreck keine Kontakte unterhält und nicht zusammenarbeitet, was vollkommen unser jegliches Zusammenwirken mit dem erwähnten Minister und des von ihm geleiteten Informationsministeriums in der gegenwärtigen Konfiguration ausschließt“, meint Primakow.

Dies ist bei weitem nicht die schärfte Bewertung für die Personalentscheidung Tokajews, der derzeit in Russland zu vernehmen ist. Expertenkreise in den sozialen Netzwerken bezeichnen Umarow direkt als einen leidenschaftlichen Nationalisten, als einen extremen Russophoben und türkischen Propagandisten, der im Internet auf dem Portal TurkMedia auftritt. Derartige „Beschreibungen“ sind nicht als unbegründete zu bezeichnen. Gerade Umarow wird das Zitat über das russische Business zugeschrieben: „Wenn das Business in Astana einen russischen Herrn hat, so ist der Service dort ein abscheulicher, als ob du in die Sowjetzeiten zurückgefallen wärst! Liegt das etwa in ihrem Blut?“. Die Russen in Kasachstan bezeichnete der Inhaber eines TurkMedia-Accounts als eine „aufgezwungene Diaspora“ und „Russenpack“, das man assimilieren müsse. Und seine Heimat – als eine ehemalige Kolonie Russlands. Gerade in der kolonialen Denkweise seines Volkes sieht er die Wurzel für die heutigen Probleme der einheimischen Gesellschaft. Und es gelinge nicht, dies aufgrund des Widerstands von Russland auszumerzen. „Man lässt uns elementar keine Dekolonisierung des Bewusstseins vornehmen“, hatte Umarow irgendwie einmal erklärt, als er bereits das Amt eine stellvertretenden Informationsministers bekleidete.

Eine unschöne Geschichte mit Beteiligung von Umarow hatte sich im Zusammenhang mit dem Tag des Sieges ereignet. Ihm wird der Satz zugeschrieben: „Wenn sich alle mit Wodka besaufen und einen unverständlichen Tag des Sieges feiern werden, erinnern Sie mit einem Gebet an unsere unglücklichen Großväter, die nicht aus einem fremden Krieg (dem Großen Vaterländischen Krieg – „NG“) heimgekehrt sind. Wen besiegten sie? Was besiegten sie?“. Diese Frage kursierte in den sozialen Netzwerken mit der Angabe eben jenes Autors auf dem TurkMedia-Portal.

Nach Einschätzung des Experten Dossym Satpajew erwarte Russland nach den letzten Ereignissen in Kasachstan und der ihm gewährten Hilfe ein offensives Vorankommen dieses Landes in Richtung des russisch-weißrussischen Unionsstaates. Moskau könne von Nur-Sultan gleichfalls einen Verzicht auf die lateinische Schrift zugunsten der kyrillischen und die Rückgabe des Status einer offiziellen Sprache an die russische erwarten. Daher könne die Ernennung von Askar Umarow zum Chefpropagandisten Kasachstans für die russische Seite zumindest eine unverständliche und unangenehme sein.

Diese zwiespältige Entscheidung Tokajews kann wirklich einen Kompromisscharakter tragen. In Kasachstan ist ein Aufschwung der nationalistischen Bewegung zu beobachten. Und die Ernennung von Askar Umarow zum Informationsminister kann man als eine populistische Geste des Staatsoberhauptes zwecks Besänftigung dieser Bevölkerungsschichten auslegen.

„Man muss erstens verstehen, dass solche Schritte ein Prärogativ der Führung Kasachstans bleiben. Zweitens wird diese Ernennung an und für sich wenig verändern und wenig beeinflussen. Sie ist die Folge des systematisch von Kasachstans Führung verfolgten ideologischen Kurs auf eine Souveränisierung des Denkens und eine Zunahme des nationalen Selbstbewusstseins“, sagte der „NG“ Alexander Worobjow, wissenschaftlicher Oberassistent des Zentrums für das Studium Zentralasiens, des Kaukasus und des Wolgagebietes. Nach seinen Worten habe dieser Prozess bei weitem nicht erst gestern begonnen. Und gerade er stelle eine langfristige Herausforderung für die humanitäre Politik der Russischen Föderation in Kasachstan dar. Diese Ernennung sei ein Signal dafür, dass es ein Problem gibt. „Ungeachtet der vorhandenen Möglichkeiten und des Potenzials ist die Politik Russlands der „sanften Gewalt“ unbefriedigend und fördert nicht das Erreichen der (gestellten) Ziele. Die reale Arbeit mit der kasachischen Gesellschaft zu aktuellen Fragen erfolgt schwach und wird oft durch eine episodische Arbeit in der Art von Zirkeln sowie mit einem Folklore- und ereignisabhängigen Charakter ersetzt. Die Ernennung von Umarow ist ein Anlass, um Korrekturen an der Politik der „sanften Gewalt“ der Russischen Föderation in der Region vorzunehmen, indem sie durch eine zielgerichtetere wirtschaftliche und politische Einflussnahme ergänzt wird“, meint der Experte.

Derweil hatte Tokajew erklärt, dass der Abzug der Friedenstruppen der Organisation des Vertrages über kollektive Sicherheit aus Kasachstan bereits am Donnerstag, dem 13. Januar beginne. Dies war auch der Fall. Und bis zum 19. Januar soll er abgeschlossen werden. Die Ankündigung erfolgte übrigens bei einem überraschenden Besuch des Präsidenten in Almaty. In der ehemaligen Hauptstadt Kasachstans hatten sich die dramatischsten Episoden der jüngsten Straßenproteste abgespielt, die von den Offiziellen als ein Überfall internationaler Terroristen bezeichnet wurden. Konkrete Beweise sind diesbezüglich aber nach wie vor durch die kasachischen Offiziellen nicht vorgelegt word